Montag, 27. Oktober 2008

Ja ja ja – jetzt wird wieder in die Hände gespuckt

Gelegentlich werde ich gefragt, ob ich denn eigentlich zum Urlaubmachen hier sei. Neiiiiiin. Vier bis fünf Tage die Woche bin ich tatsächlich damit beschäftigt, die Siemenswelt in Australien auf Trab zu halten (oder sie mich).
Der Alltag. Er hat auch hier ziemlich schnell Einzug gehalten.
Der Tag beginnt auch in der südlichen Hemisphäre mit dem lästigen Wecker, dessen Wiederholfunktion ich immer noch sehr zu schätzen weiß. Die erste Telefonkonferenz nach Deutschland mit Torsten begleitet Frühstück und Zähneputzen. Dann, immer zu spät, geht die Reise los in Richtung Bayswater, zur Siemens Landesgesellschaft. Das ist ein so genannter Stadtteil von Melbourne, ungefähr 25 km von mir weg. Klingt nicht schlimm – ist es aber. Der Verkehr in Melbourne ist einfach fürchterlich. Ihr müsst euch das so vorstellen: zweispurige Straße, rechte Spur – Parkspur, linke Spur – Tram. Nun könnte man sich fragen, wo man dann als Autofahrer bleibt. Die Lösung ist einfach, aber extrem nervig. Man fädelt sich schön hinter der Tram ein. Die Yarra Trams haben leider die Angewohnheit, alle 100m zu halten. Einmal vor der Kreuzung, einmal dahinter. Manche Stationen sind so dicht beieinander, dass das Ende des Zuges noch nicht abgefahren ist, der Vorderteil aber schon an der nächsten Haltestelle steht. Ist man Passagier in den Zügen, findet man es furchtbar gemütlich (wenn man Zeit hat), ist man Autofahrer, entwickeln sich ungekannte Hassgefühle und ich schimpfe vor mich hin wie so ein Rohrspatz, auf Deutsch und auf Englisch. Und das schon morgens um acht. Einziger Vorteil: ich kann ausgiebigst meine Lieblingsradiosendung verfolgen, Two Women and a Metro, 101.1. Ein kleiner Lichtblick zwischen den grauen Wolken in meinem Kopf. Ich bin am Ende jeden Morgens also um Jahre gealtert aber wenigstens bestens informiert. Nachdem die High Street mit dieser beschriebenen Verkehrsführung (und unzähligen Brautmodeläden, die wenigstens schön was zum Schauen im Stau bieten und seit diesem Wochenende auch endlich neu dekoriert haben) nach ungefähr einer halben Stunde hinter mir liegt (und damit auch die ersten 7km meiner Reise), biege ich ein auf die Summerhill Road. Die hab ich mir ausgesucht, weil sie keine einzige Ampel hat. Sie ist ungefähr 800m lang. Eine dermaßen lange Strecke ohne Ampel ist etwas Besonderes, auf meinem Arbeitsweg befinden sich nämlich in Summe 52 davon. Auf dem Burwood Highway sollte es dann schneller gehen, man befindet sich ja schließlich auf dem australischen Äquivalent zur Autobahn. Ich verweise auf die oben beschriebene Verkehrssituation. Anderer Name, gleiches Spiel. Meine Nerven. Dazu ist man als deutscher Autofahrer auch deutlich anderen Fahrstil gewohnt als der Australier. Gelassen läufts….. grrrrr! Durch alle 40km/h Zonen an den Schulen hindurch (in denen Aufpasser in gelben Warnwesten wie wild auf Ampel-Fußgängerknöpfe drücken, damit die Kleinen und alle anderen potentiell gefährdeten Mitmenschen auch wohlbehalten an der Schulbank und beim Frisör ankommen). Endlich, nach einer knappen Stunde. Das Ortsschild verkündet: Welcome to Bayswater, Neighbourhood Shopping at its best! Wenn man gerne Autoreifen, Bremsbeläge oder Farbeimer kauft, dann ist man in diesem Ort richtig. Am Ortsausgang in Richtung Dandenong Nationalpark trifft man dann auf bekannte Gebäude.
Auch ohne Schild wäre jedem Siemensianer klar, man ist zu Hause. Siemens Ltd., Mountain Hwy, Bayswater, Australien. Da sitzen wir nun, globale, riesige Firma, in mitten von Autowerkstätten, an den Bergen Melbournes, eine Stunde von der Innenstadt entfernt. Nachdem ich glücklich mein Mobil auf dem Parkplatz abstellen kann und schnell an den Platz gehuscht bin, brühe ich mir erstmal den ersten Instant-Kaffee des Tages. Dann werkelt man so vor sich hin, macht ein paar Witzchen mit den Kollegen und trinkt noch ein bisschen mehr Kaffee. Es ist unglaublich leise in den Großraumbüros. Wahnsinn!
Ich bin wieder bei den zentralen Finanzen gelandet, im Controlling. Wir machen dort genau das Gleiche, was wir damals bei Com in München für die Zentralen gemacht haben. Zentrales Ergebnis, Bilanz und Cashflow, aber für alle Zentralabteilungen und längst nicht so organisiert. Weil ich das schon so gut kenne, konnte ich gleich richtig mitmachen und tatsächlich das Ein oder Andere aus Deutschland verwenden, denn diese Abteilung existiert hier noch gar nicht lange. Generell bin ich erstaunt über die Hemdsärmeligkeit in der täglichen Arbeit. Aber so ist das wohl, wenn man nur einen Bruchteil an Ressourcen zur Verfügung hat und täglich neue Abfragen aus Deutschland eintreffen. Wenn ich noch einmal eine email von Remaining Business auf den Tisch kriege, oder Abfragen von Corporate Communications …. (mit den besten Grüßen an meine lieben ehemaligen Kollegen). Wir sitzen viel weniger in Meetings als in der Heimat und mühen uns mehr mit SAP und Excel. Ich kann viel lernen und habe auch Glück mit meiner Chefin und meinen Kollegen. Meine Chefin ist der Überzeugung, ich solle in dem Jahr möglichst viel sehen und mitnehmen. Ich werde also überall mit hingeschleppt, werde überall vorgestellt, darf mir alles anschauen und mitwerkeln und konnte sogar schon Vorstellungsgespräche von der anderen Seite des Tisches führen. Kann mich überhaupt Null beklagen. Wenn ich in Urlaub gehe, weiß der halbe Laden irgendwie, wo ich bin und will hinterher Bilder sehen. Verrückt! Letzte Woche hatte ich mein australisches Mitarbeiter-Feedback Gespräch (EFA). Damit hatte ich nicht gerechnet, aber umso mehr hat es mich gefreut.
Unser Team besteht aus einer Australierin (meine Chefin Roz), einem Kroaten (Ken), einem Singapuri (Wenig Kee) und einem Sri Lankaner (Ravi). Dazu noch eine Chilenin (Marcella) und diverse Deutsche. Es ist ein lustiges Sprachen- und Kulturwirrwarr in diesem Haufen!

Um 12 Uhr, da kann ich meine Uhr nach stellen, stehen Barry und Stefan vor meinem Tisch mit hungrigen Mägen. Auf zu Werner’s, der Kantine und Café auf dem Standort. Dort trifft man sich zunächst einmal noch mit weiteren bekannten Gesichtern an den Mikrowellen in der Siemens Musterküche. Das Essen in der Kantine ist zwar gut, aber ganz schön fettig. Also stelle ich mich hin und koche vor. Fleißig in Armen-Tupper abgefüllt und aufgewärmt. Während des Essens bemühen sich meine Kollegen, mir alle australischen Feinheiten des Lebens beizubringen (wir sind im Moment gerade bei den Cricketregeln, das dauert etwas länger). Es folgt das Quiz des Tages aus der Tageszeitung von Thelma, allgemeiner Tratsch und Klatsch sowie meine Reiseplanungen und die Stunde Nichtstun ist viel zu schnell vorbei, besonders wenn man sie nun draußen bei herrlichen Temperaturen genießen kann. Zurück im Gänsemarsch. Noch ein bisschen Termine, emails und telefonieren, ein bisschen Exceltapeten entwerfen, endlich mit Deutschland telefonieren und bekannt geben, man könne unmöglich die gesetzten Termine einhalten und schon ist Feierabend. Wobei das auch erst seit ungefähr vier Wochen so ist. Die ersten Monate hatten wir unglaublich viel zu tun mit Budgetrunden, SLA Verhandlungen, Siemens Neuorganisation und und und. Jede Hand wurde gebraucht, so dass ich meistens nicht vor 19:00 und später das Schiff verlassen konnte. Wie gut, dass ich bei mir um die Ecke einen Supermarkt mit rund-um-die-Uhr-Öffnungszeiten hab. Mittlerweile ist es ruhiger geworden und ich habe auch etwas von meiner deutschen Arbeitsweise in einer Schublade versteckt. Ansonsten kann man nämlich auch schnell durchdrehen, mit der australischen Einstellung „no worries“. So habe ich nun auch kein besonders schlechtes Gewissen mehr, wenn ich um fünf die Kiste ausmache und gen Heimat düse. Die Arbeitszeit nehmen die Australier sehr genau und sind auch furchtbar emsig, aber nur von 8:30-17:00. Dann ist der Krieg schnell vorbei. Dafür haben alle ein Privatleben und das ist ihnen wichtig. Eigentlich eine schöne Einstellung.
Einmal im Quartal wird mittags gemeinsam gegrillt und jeden Freitag gibt’s ab fünf Feierabendbier. Die Chefs der Landesgesellschaft sind sehr präsent und jederzeit ansprechbar. Sie sind offen und diskutieren gerne. Es macht einfach Spaß, in einer kleineren Organisation zu arbeiten, in der fast jeder jeden kennt.
Nach Feierabend gehe ich manchmal mit meinen Kollegen noch in den Dandenong Nationalpark, ein wenig Sport machen, wir spielen Fußball in einer Mädelsgruppe oder ich renne um den See im Albert Park. Ansonsten lädt der Balkon ein zum Entspannen und die Innenstadt für diverse andere Aktivitäten. Donnerstags sind die Geschäfte alle lange offen. An anderen Tagen ist um fünf auch dort Schicht im Schacht. Auch oft ausgeübte Freizeitbeschäftigung: Wäsche waschen (das ist in meiner australischen Top-Lader Maschine eine ganz schöne Prozedur, die aufwandsmäßig dem frühzeitlichen Waschbrett sehr nahe kommt. Aber mittlerweile weiß ich, welche Zusätze und welche Einweichdauer welche Wäsche braucht, so dass ich das Gefühl hab, es wird ein bisschen sauberer. Aber wer mich ein bisschen besser kennt, der weiß, wie sehr ich meine wertvolle Siemenswaschmaschine vermisse... *Torstenhabsieseelig*), putzen, einkaufen, bügeln und nach Hause telefonieren. Der Alltag.
Und dann geht ein Tag am anderen Ende der Welt viel zu schnell zu Ende und Anke kriecht in ihr Bett. Wenn ich Glück hab, dann bin ich vor meinem schnarchenden Nachbarn in der Falle. Dank der Pappbauweise und der Einfachverglasung ist meine Wohnung nicht gerade leise und meine Nachbarn sind sehr nachtaktiv. Wenn nicht geschnarcht wird, dann gestritten (mit Vorliebe um 4:30 morgens) und wenn sie nicht streiten, dann kommt garantiert der Müllwagen vorgefahren oder aber die Bauarbeiter auf der Baustelle gegenüber beginnen ihren Arbeitstag mit Kranaufstellen und Gejohle. Herrje. Wie gut, dass es Oropax gibt.
Der nächste Tag beginnt auch in der südlichen Hemisphäre mit dem lästigen Wecker…
Feierabendgrüße an diesem Montag aus Australien von Eurer Änk.

PS: Manchmal hab ich Glück und es bietet sich mir folgendes Bild zum Frühstück:

Sonntag, 19. Oktober 2008

Auf den Spuren der Kolonialherren…

… wandelten wir dieses Wochenende. Projektmanagement ist alles und so hatten wir alles minutiös durchgeplant, um schlussendlich angehübscht mit Schnittchen am Caulfield Racecourse einzulaufen. Wir befinden uns jetzt im Melbourne Spring Carnival, jener Jahreszeit, in der wöchentlich teure Pferderennen ausgetragen werden, begleitet von Modenschauen und vielen, vielen Feiern.

6:40 morgens: Mein Wecker klingelt (nicht nötig, weil mein schnarchender Nachbar mich schon geweckt hatte, aber das muss ich euch ein andermal erzählen).

7:07: aus dem Bettchen gequält und in die Dusche gehüpft.

7:31: gerade fertig, der Kaffee kocht und Antonia kommt mit Paul’s Milchfahrrad aus der Chomley Street angeschüsselt. Pünktlichst wie immer, im Korb neben den Absatzsandalen: ein Pfefferhuhn und eine Knoblauchknolle. Man weiß nie.

7:40: Toast und Kaffee fertig, Frühstücken. Dazu: erstes Glas Schampus.

7:50: die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, Hähnchen wird filetiert, Wraps geschmiert und gewickelt, als gäbe es kein morgen, Gemüse geschnippelt und Guacamole in der Mikrowelle zubereitet. Wir verzichten auf Mettigel, aber die Kühltasche ist ohnehin voll. Muttis in Aktion.

8:45: Fuß- und Fingernägel werden lackiert.

9:00: der Frisörsalon 31/20 St. Edmonds Road öffnet wegen guten Wetters draußen seine Pforten. Erste Kundin: Antonia Barth mit dünnen Haaren.

9:10: die zweite Frisöse Nina trifft ein. Mit vereinten Kräften und einer halben Flasche Haarspray extra super stark (nicht mit Heißkleber zu verwechseln) ist die Frisur von Antonia in Form. Leider zerstört der Haarschmuck die Frisur, so dass die Prozedur von vorne beginnt und im vierten Anlauf erfolgreich beendet wird.

9:30: nächste Kundin im Salon: Anke Stahn. Selbes Spielchen. Mehr Schampus.

9:50: Die Frisur sitzt. Mit Fashiontape werden letzte Änderungen an Kleidern und sonstigen Partien vorgenommen. Schminke drauf und Fotos geschossen.

10:15 Abmarsch. Bepackt mit Taschen und Täschchen, stolzierend in zu großen Schuhen geht’s zum Kaffeemann und dann in den Caulfield Express, direkt zur Rennbahn.

Dort treffen wir David, Andy und Joan, den australischen Teil der Veranstaltung. In ulkigsten Verstecken schmuggeln wir unsere Getränke durch die Kontrolle. Wir sind auch ziemlich alleine mit unserem Gepäck, aber der Deutsche ist nun mal gerne organisiert mit Stullen und Picknickdecke.
Die Sonne kommt raus und peng! 30 Grad, lauwarme Getraenke, gute Laune und das Wettfieber verwandeln die Menge um die Pferderennbahn zu einer Feiermeile in schick. Die Herren in Anzug und Schlips, die Damen etwas luftiger in Kleidchen und Hut. Es finden zehn Rennen statt und wir sind zwischendurch nahe am Sonnenstich. Es ist ein bisschen wie Wiesn in der Heimat, so dass wir gegen Ende beschließen, mitzutrinken. Es wurde dann sehr lustig. Leider haben wir nix gewonnen, außer viel an Erfahrung. Die kann ich in zwei Wochen beim Melbourne Cup (dem größten und teuersten Pferderennen des Landes) auch gut gebrauchen. Der Abend klang gemütlich auf der Chapel Street bei mir um die Ecke und auf meinem Balkon aus. Gestern Nacht hab ich gedacht, ich muss vielleicht sterben, aber wie ihr seht: ich lebe noch.
Heute morgen ein herzhaftes Frühstück mit Kollegen und dann haben Steffi und ich uns auf der Mornington Penninsula den Wind um die Nase wehen lassen. Und schon war alles gut.

Sonntagsgrüße aus Melbourne von eurer galoppierenden Änk.

Dienstag, 14. Oktober 2008

++Eilmeldung++Eilmeldung++Eilmeldung++

Australien und Indien trennen sich nach fuenf Tagen unentschieden im ersten Cricketspiel der Saison.

Australien: 430 & 6/228
Indien: 360 & 4/177

Nun muss erstmal der Teevorrat aufgestockt werden, bevor es weiter geht mit spannenden Partien............................

Montag, 13. Oktober 2008

Die Zelluliteeinheit im Kampf gegen die Finanzkrise

Die Finanzkrise – sie ist in aller Munde. So richtig bekommt man hier am Ende der Welt nichts davon mit. Die Sonne scheint immer noch, man findet Fünfdollarnoten auf der Straße, meine Kollegen denken über Häuserkäufe nach und der Spruch „No worries, mate“ bringt einen einfach durch alle Lebenslagen. Positiv hervorzuheben ist der hervorragende Dollarkurs, der uns sogar ein unbeschwertes Leben beschert, denn wir können nun Alles ganz einfach durch zwei teilen. Geteiltes Leid ist halbes Leid.
Trotzdem mussten wir das schlechte Gewissen bekämpfen und wollten uns mit der Heimat solidarisch zeigen. Was taten wir also? Wir kurbelten die Wirtschaft an und gingen shoppen bis wir uns gerade noch so zum Kriegsdenkmal über der Stadt schleppen konnten, um dort im Sonnenuntergang unser Sushi zu verspeisen. Und nun kann ich sagen, ich hab mein Rezept gegen die Krise gefunden: man lege einfach sein Geld in schönen Kleidern und Hüten an, gegebenenfalls kann man auch über Flugtickets und Eiscreme oder neue Autoantennen nachdenken. Funktioniert super! Und man kommt zum gleichen Resultat: am Ende des Tages ist das Konto auf 0 (schwarz).
Da das Quecksilber mittlerweile auf ungefähr 30 Grad klettert, mussten wir uns Sonntag abkühlen und man ging früh surfen. Olala! Unser Surflehrer war genauso attraktiv wie Tante Käthe bei der WM 1990, leider haben wir versäumt, ein Bild der Lockenpracht mit Schnäuzer zu schießen. Aber wir standen ihm in unseren Ganzkörperanzügen in nichts nach. Zwei Stunden paddelten, hüpften und balancierten wir in den riesigen Wellen von Torquay an der Great Ocean Road herum. Eigentlich kam ich mir vor, wie bei einer Kneipp-Kur im Wassertretbecken. Erwischt man eine Welle gut, ist man schnell in Richtung Strand gedüst. Aber möchte man in die Wellen zurück ist man auch gerne mal zehn Minuten unterwegs – drei Schritte vor, zweieinhalb dank Brandung zurück. Am Ende war ich maxalle, aber es hat furchtbar viel Spaß gemacht! Nun muss ich nur noch die Standfestigkeit ausbauen – üben, üben, üben. Und die Hühnerflügel nicht vergessen. Das Wochenende klang gemütlich aus bei Kaffee an der herrlichen Küste. Was geht’s uns gut hier, fernab von Stress und Hektik! Und genau das hoffe ich von Euch allen auch.
Cheers, Eure Änk.

Montag, 6. Oktober 2008

Bergfest – Rüssel an Schwanz hinterher

Es gab viele Feste zum Feiern am letzten Wochenende – Einheit in der Heimat, Antonia’s Rückkehr in das Land der Kängurus (helau, wir haben sie wieder!), Geschäftsjahresschluss, sechsjähriges Firmenjubiläum und Bergfest meines Infojahres. Oha! Um dem zu entkommen, flüchteten wir uns in das höchste Gebirge Australiens – in den Mt. Kosciuszko Nationalpark in New South Wales (bot sich ja an).
Freitagabend ging es los mit der Reise und dem Geschnatter von Nina, Antonia und meiner Wenigkeit, natürlich im weißen Safarimobil. Bis man so alles und jeden und das gute Silber aus der Chomley Street 39 zusammen hat, kann schon mal etwas Zeit vergehen, weswegen wir uns auch erst weit nach Mitternacht auf die Suche nach einer Herberge in Wodonga oder Albury machten. Man weiß nicht so genau, in welchem Ort (und Bundesstaat) wir letztendlich schliefen. Wir kamen uns vor, wie Maria und Josef auf Unterkunftssuche, bis sich ein windiger Motelwirt erbarmte und uns seine Luxushütte überließ, inklusive Spa. Ohne Ochs und Esel. Frisch gestärkt fuhren wir am Samstag in die Berge ein. Dort herrschte am letzten Skiwochenende dieser Saison noch Schneekettenpflicht. Ich möchte an dieser Stelle noch mal darauf hinweisen, dass wir uns trotz sechs-stündiger Fahrt noch in Australien befanden. Schneeketten. Ihr versteht schon. Wir entschieden uns schon aus Prinzip dagegen, pah, das würde das Mobil schon schaffen. Tat es auch, die Straßen waren frei und so kam es, dass wir nach erfolgloser Taubenjagd mit der Waffe „rechte hintere Tür“ in Thredbo einfuhren – höchst gelegenste und teuerste Stadt des Kontinents mit alpinem Flair. Am Ortseingang begrüßte und die Hahnenkammhütte. Grüetzi. Leider war das Wetter alles andere als schön, so dass wir es bei einem Picknick und kleinem Spaziergang beließen. Hier war alles dermaßen teuer, dass einem die Raben den Käse im Pfundstück klauten. Unverschämt!
Und dann machte das weiße Safarimobil schlapp, pfffffffff. Platt wie Plattfuß vorne rechts. Drei Mädels und ein Ersatzreifen. Und ein Auto voller spanischer Diplomaten inklusive Schwiegersohn, die sich schon in Schale geworfen hatten für den Apres Ski. Das Reifenwechseln wurde also ein ganz unbürokratisches EU-Projekt, der Subventionsantrag läuft noch. Nach dieser Aufregung erstmal in Ruhe das Nachtlager an einem eiskalten Bergbach aufgeschlagen und den Abend gemütlich ausklingen lassen. Zu Dritt ist der Platz in meinem Auto ganz schön knapp, als mittlere Person kam ich mir vor wie ein Brathähnchen. Wurde zur Rechten gewendet, drehte ich mich mit, was zur Folge hatte, dass zur Linken auch gewendet wurde. Einigermaßen ausgeruht erwachten wir bei Kaiserwetter Sonntagmorgen und bester Laune nahmen wir den Sessellift gen Gipfel. Dann noch 6,5km über Wege, Schneefelder und Bäche in strahlendem Sonnenschein gewandert und schon waren wir da – auf dem Dach Australiens. Die Spitze des Mt. Kosciuszko ist 2.220m hoch, Kinder, was ein Blick. Außer dass es keinen Almdudler gab, war es Österreichgefühl pur. Entspannung. Nur allzu schnell mussten wir wieder zum Aufbruch blasen, denn Melbourne war ja 700km weit entfernt…. Wir machten also eine Sonntagsfahrt durch das ländliche New South Wales und Victoria, vorbei am SEN Pleiteteich (wir haben ihn gefunden!) und kamen schließlich wohlbehalten und sonnenverbrannt in der Landeshauptstadt an. Was für ein schönes Mädelswochenende, mein Mund ist jetzt noch fusselig und die Bauchmuskeln schmerzen vom vielen kichern. Herrlich!
Antonia hatte heute ihren ersten Probearbeitstag als meine persönliche Assistentin und hat sich herzallerliebst um das weiße Safarimobil gekümmert. Wie sich unter den ungläubigen Augen der Reifenverkäufer herausstellte, hatten wir Glück im Unglück: durch Torstens und meinen Urlaub waren die Reifen dermaßen schief abgefahren, dass der eine geplatzt ist und der andere kurz vor knapp war. Hui! Außerdem hat Paella nun neue Freunde in der Autoantennen- und Windschutzscheiben-Industrie von Bayswater und ich stehe kurz vor der australischen Privatinsolvenz. Trotzdem vielen lieben Dank für Deine Hilfe, Antonia!
Das war nun hoffentlich auch der Abschluss der Winterberichterstattung. Nun geht es weiter, mit dem Melbourne Spring Carnival (Pferderennen) und Surfkurs. Waren die ersten Monate geprägt von vielen Reisen, freue ich mich nun auf die Sommermonate in und um Melbourne (mit ein paar Abstechern vielleicht...). Man muss dem kommenden Besuchsreigen ja auch etwas bieten können.
Ich wünsche den Siemensianern unter der Leserschaft ein frohes neues Jahr und meinem lieben Informandenjahrgang April 2008 eine wunderbare zweite Hälfte des Infojahres!

Cheers, Eure Änk.

Dienstag, 30. September 2008

Walkabout unter den Schwingen des Adlers

Wo fange ich an. Am 11. September war es nun endlich soweit und wie schon unten erwähnt, konnte ich Torsten inklusive Versorgungspaket endlich abholen. Ich war ganz schön aufgeregt, bis er endlich durch das Gate rollerte. Und dann, ja und dann war es eigentlich nur noch wunderbar.
Nach Tapas und ausgiebigem Rotweingenuss mit einigen Freunden ging es am Freitag früh für Torsten und mich mit dem weißen Safarimobil los. Natürlich untersuchte Torsten das Mobil vorher genauestens, konnte aber keine Mängel feststellen, bis auf eine Dichtung in der Heckklappe, aber das ist seine Berufskrankheit… Mit großen Augen erzählte man mir, das Gefährt habe 205 PS. Aha, deswegen bin ich an Ampeln immer die erste, verstanden.
Vollgepackt mit Luftmatratze, Benzinkanister, Campingstühlen, riesiger Kühltasche, Wasser- und Benzinkanister, Kocher und diversem anderen Gerät begann unsere Reise hinter Melbourne auf der Great Ocean Road. Ich kannte diese schöne Küstenstraße ja bisher nur im Herbst (ich verweise an dieser Stelle auf den entsprechenden Bericht) und war also nicht weniger gespannt als Torsten. Sie präsentierte sich bei strahlend blauem Himmel (seit Torsten seinen Fuß in dieses Land gesetzt hat, strahlt die Sonne und es braucht für mich nicht mehr viel wärmer werden….), unglaublich viel Wind und riesigen blau-grünen Wellen. Immer wieder wunderschön und sehenswert. Gemütlich fuhren wir die kurvigen Straßen entlang, hielten hier und da, besuchten die Kängurus vom Golfplatz in Anglesea, genossen Scones (lecker Gebäck, ein wenig wie frische Hefeteilchen) und Tee am Cape Otway Leuchtturm bei den Koalas, bestaunten die Apostel und beendeten diesen ersten Tag der Reise in Portland. Am nächsten Tag ging es über den letzten Abschnitt vorbei an der London Bridge nach Warrnamboul. Und hier sahen wir nun etwas völlig Ungeplantes: Ihr erinnert Euch vielleicht noch an Wilma aus dem Juni, die Walfrau mit dem frisch geborenen Kalb, die noch zu geschafft war, um sich uns zu zeigen. Das war nun ganz anders: die beiden tollten im Wasser direkt vor uns an der Küste herum und hatten auch Spaß in der Sonne. Großes Damentennis! Sogar die große Flosse haben wir bestaunen können. Was für ein majestätisches Erlebnis! Hundert Fotos später befanden wir uns wieder auf der Straße, in Richtung Adelaide im Staat South Australia. Wenn man über die Grenze fährt, gewinnt man eine halbe Stunde an Zeit hinzu, ist das nicht verrückt? Die Australier quittieren dies mit Hupen. Dann trafen wir Larry, den Lobster. Larry steht am Ortsausgang von Kingston S.E. und ist verdammt riesig. Australier lieben Pappfiguren und sie bauen sie meistens dort, wo sonst nichts zu sehen ist. Unser Freund Larry ist 17m groß, leider klapperte schon seine eine Zange aus Altersschwachheit. Ansonsten sehr imposant. Weiter ging es durch den Coorong National Park, einem Lagunenstreifen mit viele Pelikanen und dem Murraydelta am südlichen Ozean. Nach einem schönen Sonnenuntergang in dieser Lagunenwelt haben wir das Tagesziel Adelaide auch gerade noch so erreicht. Die Hotelsuche gestaltete sich schwierig, aber schlussendlich war Ende gut, alles gut und wir konnten äußerst leckere Nudeln mit frischen Meeresgetier genießen. Sonntags erkundeten wir diese Universitätsstadt, die unter den australischen Städten immer vergebens um ein wenig Beachtung ringt. Da dort aber nie irgendwas passiert (ist), keiner angelandet ist und kein Gold gefunden wurde, tut sie sich schwer. So war es uns denn auch nach ein paar Stunden genug und auf gings. Heute sollten wir endlich den Stuart Highway hinter Port Augusta befahren. Ob es schon rot werden würde? Bisher erinnerte die Landschaft ein wenig ans Allgäu, mal an Schleswig-Holstein und eventuell an Afrika, aber ganz sicher nicht an den trockensten Staat (der South Australia anscheinend ist) auf dem trockensten Kontinent der Welt.
Von Port Augusta, der letzten Stadt vor Outback, hatte ich schon Einiges gehört. Ich dachte also, nicht Wunder, was eine Stadt. Ja. Bei genauerem Hinsehen hatte dieses Örtchen weniger Einwohner als Gehrden (nämlich 12 Tausend), dafür aber dreifach so viele Fastfoodläden. Dieser Ort ist auf der Landkarte Australiens ein relativ großer Punkt – wir sollten bald merken, wieso. Gerade ein paar Kilometer auf dem Stuart Highway gefahren, änderte sich die Umgebung schlagartig. Bäume und Büsche verschwanden nach und nach und wichen niedrigem Gestrüpp, über das ein paar Emus liefen. Es gab ein paar platte Hügel und ansonsten viel NICHTS. Rechts – Nichts. Links – Nichts. Vorne – Nichts. Hinten – Nichts.
Mit den letzten Strahlen Tageslicht fuhren wir bei unserem ersten Campingplatz ein. Wir hatten uns vorgenommen, nicht bei Dunkelheit durch das Outback zu eiern, denn das ist die Zeit, in der Katz und Maus und Känguru aus dem Busch kommt und gerne auf den Straßen spazieren geht. Noch dazu ist es, wie Torsten so schön sagte, auch dunkel wie im Bärenhintern. Unser Kühlergrill hat zum Glück außer einer riesigen Heuschrecke in den zwei Wochen keines dieser Lebewesen von Nahem zu Gesicht bekommen. Ich glaube, Torsten hatte bis zu dem Zeitpunkt nicht geglaubt, dass wir tatsächlich im Auto campen würden. Umso ungläubiger war sein Blick, als wir an unseren ersten Übernachtungsplatz im idyllischen Woomera hinter Spuds Roadhouse unsere Schateken ausbreiteten. Mit australischem Hightech wurde die Luftmatratze per Motor aufgeblasen und zwar so doll, dass wir die erste Nacht im weißen Safarimobil etwa 15cm von der Decke entfernt verbrachten. Jaa…. Wir übten noch. In der Campküche machte Torsten gleich seine ersten Erfahrungen mit waschechten Australiern und schwatze ihnen doch glatt ihren Wein ab. Der Mann ist gut! Am nächsten Tag stellten wir fest, was für eine schöne Gegend Woomera doch ist: inmitten australischem Raketentestgebiet mit tausenden von Quadratkilometern von Sperrzonen nach Norden, Süden, Westen und Osten. Dazu noch das Wartehäuschen für Asylanten. Herrlich. Nochmal voll tanken bei Spuds und ab dafür. Nächster Halt: Coober Pedy. Diese Stadt im Nichts mit 3.500 Einwohnern ist durch ihre Opalfunde bekannt. Kilometerweit drum herum kommt man sich vor, wie auf dem Mond. Es wächst nichts und riesige Flächen sind unterhöhlt und umgegraben, auf der Suche nach dem großen Coup. Es ist dort so heiß, dass die Bewohner ihre Häuser größtenteils unter die Erde gebuddelt haben. In der Stadt herrscht eine ganz merkwürdige Stimmung. Die Männer suchen oft jahrelang vergebens nach dem Edelstein. Wir besuchten eine Mine. Der Führer dort hatte sechs Kinder. In seiner Mine hatte er 2008 Opale im Wert von 160 australischen Dollars gefunden. Und auch in Australien ist schon September und auch ohne Finanzkrise ist das schon wenig Geld für eine 8-köpfige Familie. Und trotzdem konnte er nicht davon lassen. Torsten durfte sein Glück mit Spitzhacke und Bohrhammer versuchen und hatte schon genug, doch der Mann trieb ihn trotzdem weiter an. „Maybe here, give it a try. This could bei it!” Was wäre wohl unter Tage geschehen, hätten wir tatsächlich etwas entdeckt? Man weiß es nicht. Gruselig. Noch ein unterirdisches Haus begutachtet und wir kehrten diesem Ort den Rücken zu. Auf den Straßen hingen viele Aborignes rum, wieder betrunken, bekifft. Furchtbar. Und wieder ist es mir nicht gelungen, etwas mit den Australiern oder den Eingeborenen selber über dieses Thema zu diskutieren. An die einen kommt man nicht ran und die anderen wiegeln es mit zwei, drei Sprüchen ab. Alles Trinker. Ende der Diskussion. Schade.
Nächste Nachtruhe fanden wir in Marla’s Roadhouse, nördlich von Coober Pedy. Auf diesem wunderschönen Campingplatz machten wir die faszinierende Bekanntschaft mit australischen Klassenfahrten. Wie bei uns früher das Torfhaus im Harz Standardprogramm war, so fährt der gemeine Australier mit der Schule in das rote Zentrum des Landes. Man hätte meinen können, Asterix sei mit seinen Galliern auf ein römisches Legionslager gestoßen – denn genauso sahen die 50 Zelte aus, die dort in Reih und Glied aufgebaut wurden. Es wurde gemeinsam gekocht, abgewaschen, aufgeräumt und bevor wir uns am nächsten morgen versahen, war die Kohorte wieder abgereist. Hui, ein Kompliment an die Logistik! Wir für unseren Teil ließen unseren Kocher an diesem Abend kalt – wir mussten ja auch mal das echte Roadhouse Essen im Outback probieren. So tafelten wir bei Riesenburger und Gulasch – Männerportion. Uff!
Am nächsten Tag ging es weiter, vorbei an unzähligen „schlafenden“ Kängurus, die nun aber ihren Eingang in die Nahrungskette fanden. Unglaublich große Adler stürzten sich auf sie, so dass die auch schon nicht ganz kleinen Krähen verschreckt im Hintergrund auf ihren Anteil warteten. Wir hatten beide noch nie solche großen Vögel gesehen und wenn sie sich mit ihren 20kg langsam in die Lüfte schwangen, weil wir nun mal da lang fahren wollten, dann dauerte das einen Moment. Das ein oder andere Mal konnten wir die dicken Schnäbel näher betrachten. Kurz vor Einfahrt in das Northern Territory hatten wir dann auch Glück und sahen endlich ein waches rotes Riesenkänguru. Es winkte uns sozusagen vom Straßenrand aus zu. Gott sei Dank blieb es auch da. Diese Tiere sind ganz schöne Kokoschinskis, verglichen mit den grauen Einwohneren Victorias, das kann sogar ich sehen. Und dann, endlich, nach 3.000km, bogen wir ab auf den Lasseter Highway, um die letzten 240km zum Uluru zurück zu legen. Und peng – da war er. Stand da einfach so rum. Rot, rund, groß und majestätisch ruhig.
In dem angrenzenden, eigens hierfür gebauten Resort Yulara verbrachten wir die nächsten zwei Tage, selbstverständlich campierend. Neben der Umrundung des Steines stand noch die Wanderung durch die angrenzenden Olgas (durch das Tal des Windes) auf der Wunschliste meines Freundes. Wurde alles abgearbeitet. Man weiß nicht, warum die Olgas die Olgas heißen (oder auch Kata Tjuta), aber sie sind eigentlich eindrucksvoller als der Uluru, wie wir beide fanden. Beide Formationen sind vor ungefähr 500 Millionen Jahren entstanden und seitdem unverändert, vielleicht ein bisschen geschliffen durch Wind und Sand, wie eigentlich alles in Australien. Puh! Das ist alt! Das ist mir überhaupt erst auf dieser Reise richtig bewusst geworden. Man kann in Australien nicht staunend an alten Römersandalen oder chinesischen Tempeln vorbeilaufen, was eine Stadtbesichtigung für einen Europäer etwas unspannend macht. Dafür ist die Natur dieses Kontinents seit seiner Abspaltung vom Urkontinent vor Millionen von Jahren nahezu unverändert geblieben, was auch zu den merkwürdigsten Tieren und Pflanzen geführt hat. Man bedenke nur die hüpfenden Beuteltiere, Eukalyptusbäume oder die Tatsache, dass Hasen hier eine Plage sind, weil sie (immer noch) keine natürlichen Feinde haben, sondern nur zu Jagdfreuden der Engländer anno schnuff hier her geschifft wurden. Wir bekamen also doch das ein oder andere Mal große Augen.
Es war entsetzlich heiß und obwohl wir die neun km um den Uluru früh in Angriff nahmen, waren wir von der Hitze gut erledigt und verbrannt. Die Sonne hat trotz früher Stunden und Sonnencreme eine unheimliche Kraft und es tut richtig weh, wenn man zu lange in ihr rumeiert. Ein Vorgeschmack auf den Sommer…. Mein Wunsch war es gewesen, eine Tour oder einen Tag mit den Aborigines zu verbringen. Immerhin ist dieser weltweit einzige Monolith ihr Heiligtum und sie sind die älteste noch existente Kultur auf Erden. Wer, wenn nicht sie, könnten uns besser Auskunft erteilen. Aber leider waren diese Angebote entsetzlich teuer. Schade. Torstens Begeisterung für Australien und seine Campingplätze stieg von Tag zu Tag. Besonders als er feststellte, dass man immer und überall grillen kann, war es um ihn geschehen. Wir hatten eine wunderbare Zeit, umgeben von Nichts, unzähligen Sternen und Natur. Genau das, was man nach so langer getrennter Zeit braucht. Herrlich!
Nachdem wir alle Wanderungen und Sonnenuntergänge im Uluru-Kata Tjuta Nationalpark erlebt hatten, ging es weiter in die West McDonnell Ranges, zum Kings Canyon. Noch so eine alte Formation, auf deren Rand man entlang wandern kann. Wunderschön und für mich eigentlich die schönste Wanderung (wenn ich das so schreibe, find ich mich selber unglaublich: wer hätte gedacht, dass ich gerne zelte und wandere?!) des Urlaubs. Abends wurden wir Teil einer uraustralischen Veranstaltung im angrenzenden Resort (wir hatten uns übrigens den Luxus eines richtigen Bettes gegönnt –ui!): nach dem Barbecue standen die Gäste auf und es wurde aus voller Brust Waltzing Mathilda und im Anschluss noch die Nationalhymne geträllert. Die Bude bebte und wir hatten unseren Spaß.
Nach ausgiebiger Diskussion mit einem ortskundigen Allradautobesitzer beschlossen wir, den Rückweg aus dem roten Zentrum nicht über Schotterpisten zu fahren. Unser weißes Safarimobil hatte uns zwar tapfer überall hingebracht, aber man muss ja nicht übertreiben, nech. Und die Idee, der Polizei zu sagen, wo man wann hinfährt, damit sie uns auch finden, fanden wir zwar gut – aber der Hinweis, dass es vier Tage dauern kann, bis sie uns retten, fand nicht meine Zuneigung. So beschlossen wir, über den Stuart Highway zurück in die Flinders Ranges zu düsen, auf Empfehlung meiner lieben Chefin. Dort sollte es leckere Pies geben. Eine Nacht auf bekanntem Campingsplatz in Marla später fuhren wir in Port Augusta ein. Ihr erinnert euch – dieser letzte Fleck Zivilisation auf der Landkarte, der uns am Anfang unserer Reise nicht vom Hocker gehauen hatte. Naja, was soll ich sagen? Ich dachte, wir wären in einem anderen Land angekommen. Grüne Bäume, Fastfoodläden, zwei große Supermärkte, Internet, … wow! Irre! Die Nacht und ein bisschen des nächsten Tages verbrachten wir 40km nördlich von dort, im schönen Quorn. Bereits Filmkulisse für viele ältere Filme, schloss ich dieses Örtchen sofort in mein Herz. Eine Reise durch das Hinterland Australiens ist ein bisschen wie eine Zeitreise ins Europa der 50er und 60er Jahre. Die Zeit ist stehen geblieben. Total niedlich und gemütlich und wunderschön. Die nächste Etappe führte uns weiter in die Flinders Ranges hinein, vorbei an leeren Steppen mit Kängurus, Emus und elend vielen Fliegen (die kriechen einem im Outback überall hin – in Mund, Nase, Ohren und ihr wisst schon) nach Parachilna. Hier sollte es nun die besagten Lieblingspies meiner Chefin geben. Ich hatte noch gefragt, in welchem Laden wir denn gehen müssten und nur ein Lachen geerntet. Der Ort hat 5 Einwohner und einen Pub. Da fiel die Wahl nicht schwer. Leider gabs keine Pies mehr. Und das nach 4.000 gefahrenen Kilometern. Welch Enttäuschung. Entlohnt wurden wir allerdings auf der Fahrt durch die Schlucht nach Blinman, unserem Tagesziel. In der Dämmerung leuchteten die Felsen glutrot und wir sahen die örtliche Sehenswürdigkeit in Massen: Kängurus. Manche von ihnen sollen gelbe Füße haben, aber das können wir nicht bestätigen. Man kommt sich hier nicht selten vor, wie im Zoo. In Blinman war das Hotel ausgebucht (es waren 15 Gäste vor Ort), der Campingplatz kaputt, sodass wir zufällig auf einem so genannten Homestead landeten. Eine Farm hatte im Hinterhof ein paar Hütten und Stellplätze. Wir machten die anstrengende Bekanntschaft mit Michael und Maria aus Adelaide, zwei pensionierten Pädagogen, die ihren Beruf an uns weiter ausübten. Herrje. Wir nehmen an, sie meinten es nur gut. Wir bekamen auch ihren Wein in Stahlbechern aus Syrien, die Michael damals einer Karawane auf einem Kamel hinter der Düne …. Und ihre glaubt ja gar nicht, wie anders der Wein aus diesen Stahlbechern schmeckt, denn da kann er --- Da hörte mein englisches Gehör auf, zu funktionieren und wir mussten ins Bett.
Am nächsten Tag weckte uns ein großer Sandsturm. In ziemlich ekelhaftem Wetter kamen wir nach einer Schafscher-Aktion auf der Farm am nächsten Ziel unserer Reise an: Wilpena Pound. Auch ein altes Gebirge, dass eigentlich eine von Bergen umgebene Hochebene ist. Weil gerade Frühling ist, blühten hier viele schöne bunte Blumen (oder kam es uns nur so vor, nach einer Woche rot und trocken?) und wieder einmal trommelte Torsten zur großen Wanderung, die wir standesgemäß deutlich unter der angegebenen Zeit aber mit einigen Verlusten beendeten. Und dass ich ein bisschen tot war, aber die Reisegruppe sonst total zufrieden.
Auf ging es nach Broken Hill. Irgendwann auf unseren 6.500 gefahrenen Kilometern begannen wir, uns etwas vorzulesen. Mein IPod hat zwar viel Platz, aber irgendwann ist einem auch das zu langweilig. Radio hört hinter Melbourne auf zu existieren. Also lasen wir. Passenderweise ein Buch über Australien, „Frühstück mit Kängurus“. Ich hatte schon ein halbes Jahr daran rumgewerkelt, nun kamen wir gut voran und stellten fest, dass wir eigentlich genau die Reiseroute des Autors befolgten. Wir waren also bestens informiert, als wir in Broken Hill in Mario’s Palace Hotel einfuhren. Dieses Hotel bestand aus mindestens 30 Zimmern, die allesamt aussahen, als würden Erich und Margret gleich aus dem Bett steigen. Welch Freude. Wir waren bis auf den Hausmeister und vier andere die einzigen Gäste im Palast und so kriegten wir am nächsten Morgen auch noch eine Führung durch das Ding. Irre – original 60er Jahre! Selbst das Bier im Kühlschrank der längst geschlossenen Bar sah so aus. Broken Hill liegt auch im Nirgendwo in New South Wales, aber es ist sehr reich, weil es gibt viel Blech dort: Gold, Silber, Kupfer und das ganze Geraffel. So ist das hier – entweder eine Stadt liegt am Wasser oder aber man findet was verbuddelt. Ansonsten keine Stadt. Ich hatte mir ein wenig mehr erwartet, ebenso von der verlassenen Goldgräberstadt Silverton nebendran (in der Mad Max gedreht wurde und der meistfotografierteste Pub Australiens, vermutlich auch der südlichen Hemisphäre, steht), so dass wir dann zügig zum Aufbruch in Richtung Victoria bliesen. Dort folgten wir dem Murray, dem größten Fluss des Landes, der eigentlich auch für einen Großteil der Wasserversorgung zuständig ist. Hier konnten wir nun wirklich gut sehen, was Trockenheit bedeutet, denn als groß möchte ich dieses Rinnsal nicht beschreiben. Nach einer Nacht in
Mildura, einer Fahrt durch das ländlich idyllische Victoria und Boxenstop in der Goldgräberstadt Bendigo stellten wir am nächsten Tag unser Mobil in der heimatlichen Tiefgarage in Melbourne ab. Uff! Zwei Wochen und sechseinhalb tausend Kilometer später hatten wir einen wunderschönen Urlaub im echten Australien verbracht und ich bin froh, diese Eindrücke alle gesammelt zu haben – immerhin besteht Australien eigentlich zu 90% aus Outback mit seinen wenigen, besonderen Bewohnern. Dem Teil des Landes, in dem auf den drei vorhandenen Fernsehkanälen für Euterfett und Landmaschinen geworben wird.
Nach einem gemütlichen Tag in St. Kilda am Strand durfte ich Freitagabend endlich mein Geburtstagsgeschenk einlösen und wir gingen ins Regent Theatre, um uns das Musical Wicked anzuschauen. Diese Hexerei war wirklich bezaubernd. Dankeschön mein Schatz!
Ja und dann war Samstag, Grand Final Day, quasi viktorianischer Feiertag. Und was macht der gemeine Australier dann? Genau, ein Barbecue. Dem schlossen wir uns gerne an und so kam es, dass Torsten seinen ersten Urlaub auf dem Kopf mit einem weiteren australischen Erlebnis beendete – er spielte Footy und grillte. Er machte das so gut, dass man ihn für einen waschechten Australier hielt. Happy team Hawthorn gewann die Footy Saison verdient (find ich) gegen Geelong und nur allzu schnell musste ich Torsten wieder gehen lassen und mich nun auf Cricket und Pferderennen einstellen. Furchtbar, alles. Jasmin und Toby taten ihr bestes, mich am Sonntag auf der Mornington Penninsula am Strand abzulenken und die Arbeit seit gestern tut ihr Übriges.
Was hilft gegen das Nachurlaubsloch? Neue Pläne machen. Und die haben wir schon. Für November, für Weihnachten und das nächste Wochenende.
Eine Sache noch: seit wir wieder da sind, ist alles grün und es blüht und die Sonne scheint und wir haben laue 20-28 Grad. Es wird. Besuchszeit!
Seid alle lieb gegrüßt vom Ende der Welt von eurer Änk.

Donnerstag, 11. September 2008

Besuhuch!

Ihr glaubt nicht, wen ich heute am Tullamarine Flughafen Melbourne getroffen habe:
Jaha! Schätzelein! Welch Wiedersehensfreude nach fast fünf Monaten! Es hat alles gut geklappt, Torsten konnte noch ein wenig shoppen in Bangkok und nach dem ersten gemeinsamen Tag können wir berichten - is alles wie immer. Kein Grund zur Sorge.
Und das war es auch schon wieder mit der Berichterstattung von heute, wir sind jetzt mit anderen Dingen beschäftigt und melden uns nun ab für die nächsten zwei Wochen. Morgen brechen wir in Richtung roter Mitte des Kontinents auf und werden Euch dann mit neuen Bildern und Eindrücken beglücken.

Frühlingsgrüße aus Melbourne von Torsten und Anke.