Freitag, 20. März 2009

Mein Infojahr in Melbourne, Australien

Ich sitze am Strand von South Melbourne, überblicke die Port Philipp Bay und suche nach einem passenden Ausdruck zum Abschied, zur Zusammenfassung des letzten Jahres.


Am 2. Mai 2008 stieg in ich München in ein Flugzeug. Traurig, weil ich wusste, was ich zurückließ. Unwohl, weil ich nicht wusste, was kommen würde.
Am 3. Mai 2008 stieg ich wieder aus - am anderen Ende der Welt: in Melbourne, Australien. Das Land, das ich schon immer mal hatte kennenlernen wollen.
Es dauerte eine Weile, bis mich das Australienfieber packte, denn was ich sah und erlebte war wunderschön, aber ich vermisste das große Staunen, das Atemberaubende. Bis ich begriff - das ist Australien. Ganz anders und doch Europa in vielen Dingen so ähnlich.
Ich lernte viele liebe, unglaublich entspannte Australier kennen (und solche, die sich als welche fühlen - wie sagte der Reifenverkäufer so schön: "We're all Aussies in our hearts!"), die von überall her auf dieser Welt kommen um hier auf dem fünften Kontinent miteinander zu leben, jeden aufzunehmen und zu respektieren. Und so merkte ich es kaum - ich fühlte mich aufgehoben und zu Hause.
Ich lernte Melbourne kennen - im Herbst & Winter wie auch im Frühling & Sommer. Und ich liebe es. Es wird oft als "the most livable city in the world" beschrieben. Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Mit seinen Gassen, gemütlichen Cafés & Restaurants, Sportfanatismus, Kunstverständnis und seiner Entspanntheit.
Ich lernte Australien kennen. Ich lernte, dass 90% des Landes leer sind, einfach leer, unwirtsam, unfruchtbar, leer. Extreme formen das Land: Winde, Waldbraende, Fluten, Sonne und achja - hatte ich euch schon von den zwei Erdbeben in den letzten zwei Wochen erzaehlt, die wir in Melbourne hatten? Ich sah wunderschöne Landschaften, rote Erde, Wüste, kristallklares Wasser, weiße Strände, Eukalyptuswälder, Korallenriffe und Regenwälder. Und ich hatte viel Platz. Ich traf auf Tiere, die ich nur aus dem Zoo kannte und die es nur hier gibt.
Ich lernte, die Zeit zu genießen.
Neben unglaublich viel Gepäck nehme ich noch viel mehr schöne Erinnerungen mit mir - an eine wunderschöne Zeit auf dem Kopf. An ein Land, das ganz anders ist, als ich es mir vorgestellt hatte - und trotzdem nicht besser sein könnte. An Kollegen und eine Landesgesellschaft, die ich vermissen werde.
Am 20. März 2009 steige ich in Melbourne in ein Flugzeug. Traurig, weil ich weiß, was ich zurücklasse. (Unwohl im Magen auf Grund von ordentlichen Abschiedsfeiern.... ) Aber froh, nach Hause zu kommen.
Und so habe ich den Ausdruck für mein Infojahr in Australien eigentlich schon gefunden: einfach schön.

In ein paar Stunden mache ich mich auf zum Flughafen. Ich freue mich auf zu Hause, Torsten und meine Familie. Ich freue mich auf meine Freunde, allemann. Ich habe meine Mastercard überstrapaziert, aber die Unterstützung aus der Heimat war einfach unbezahlbar. Danke!
Ab jetzt werden die Dinge wieder gemeinsam erlebt und gesehen. Deswegen endet mein Tagebuch nun auch, shop is closed. Ich freu mich!

Cheers Australia, Eure Änk.

Mittwoch, 18. März 2009

Die Geschichte eines Sandwiches

(Immer dran denken: ich verbringe mein Infojahr in Australien, einem westlichen Land mit Standards wie zu Hause.)
Jeden Mittag gehen Antonia und ich in Werner's Cafe (der Kantine in Bayswater) mittag essen. Montags bis Mittwochs mit Thelma und Co. zum Quizzen, manchmal auch mit den anderen Mädels. Fast jeden Tag bestellen wir uns morgens beim Kaffeeholen schon unser Sandwich für mittags. Ein dunkles Roggenbrot mit zwei Scheiben schweizer Käse, Avocado und Magarine (jeweils auf einer Seite), ein paar Zwiebeln, getrockneten Tomaten und Virginia Schinken. Zwei identische Klappstücke. Jedes Mal wieder ist das eine Überraschung, wenn wir die Tüten in Empfang nehmen, jedes Mal schaut uns die Dame hinter der Theke an, als wenn sie uns noch nie in ihrem Leben gesehen hätte.
1. Das Brot: manchmal gibts kein dunkles Roggenbrot, sondern labberigen Toast.
2. Der Belag: manchmal gibts nur ein Brot mit Käse, dafür aber zwei Scheiben, manchmal gibts kein Avocado, dafür viel Zwiebeln. Knappheit?
3. Der Preis: manchmal bezahlt die eine 6,90 AUD, die andere 7,05 AUD, manchmal wir beide 6,30 AUD, selten den Standardpreis von 7,05 AUD gemeinsam. Ob die wohl täglich ihre Preise anpassen? Dem Wechselkurs?
Eine Beschwerde läuft zur Belustigung der ganzen Kantine so ab:
"Excuse me, I'm missing cheese on my sandwich." "Yeeeeees?" "We ordered two identical ones, one has got two slices and one doesn't." "Yeeeees. I put two slices on one." "Yes, but we ordered two identical ones and payed the same." "Yeeeees, I put two slices on one." "Yes, but we both want two slices one ours." "Yeeeees." "Now could you just give me two slices on a plate and all is good?" "Yeeees." Das ist dann normalerweise der Zeitpunkt, an dem die Kantinenchefin eingreift.
Dieses Schauspiel hat uns bekannt gemacht. Man freut sich mit uns. Ich werde es vermissen, yeees.

Cheers, eure Änk.

Ein Nachtrag: gestern hatte Antonias Sandwich keinen Schinken und kostete 5,95 AUD. Wir befinden uns immer noch in Australien....

Montag, 16. März 2009

As easy as one two three - hire a box

Ich sitze ganz entspannt in der Küche von Chomley Street 39 und harre der Dinge, die gleich kommen. Als erstes hoffentlich Antonia von der Schicht, damit ich den Herd anschmeißen kann. So ein freier Tag ist eine feine Geschichte. Und nun hab ich noch ganze weitere vier davon.
Entspannung ist hier aber auch unbedigt nötig.
Letzte Woche schöpften wir nochmal aus dem Vollen. Es steigerte sich: Donnerstag abend um neun mussten wir noch in halsbrecherischer Manier Abschiedsgeschenke erstehen für Personen, die in Kürze das Land verlassen. Wie gewohnt erfolgreich erledigt, dieser Auftrag. Nur, dass hinterher unsere Füße platt waren, ich noch keine Tasche gepackt hatte, geschweige denn, meinen Abschied von Siemens Ltd. Australien vorbereitet hatte. Das alles sollte nun Freitag geschehen. Von letztem Tag auf Schicht merkte ich erstmal nicht viel - musste ja alles noch erledigt werden und auf einmal hieß es dann Evakuierung. *Sirenengheul* Auch das noch, also alle auf dem Parkplatz wie gewohnt versammelt (kommt häufiger mal vor), ein bisschen in der Sonne geschwätzt und schon war alles wieder vorbei. Zum Glück nur eine Übung, denn die Buschfeuer sind nach ausgiebigen Regenfällen in der letzte Woche endlich unter Kontrolle. Und dann war auch schon Zeit für meine Abschiedsveranstaltung. Eigentlich hatte ich vor, mich heimlich und leise aus dem Staub zu machen. So aber nicht mit meiner Chefin und schwups waren 45 Gäste geladen, zu feinem Essen und Kaltgetränken. Und vielen Tränen. *Räusper* Es war trotz sehr viel Arbeit und einigen Nervenverlusten eine schöne Zeit bei der australischen Siemensfamilie, die ich sicher sehr vermissen werde. Ich hoffe wieder einmal mehr, das Sprichwort geht in Erfüllung: man sieht sich immer zweimal bei Siemens. Und wenn ich dafür in Bayswater ein Gepäckband aufbauen muss; ist mir egal, wenns da keinen Flughafen gibt.
Einige Pubdrinks später befanden wir uns wieder in Prahran. Denn am nächsten Morgen bei strömenden Regen begaben wir uns in Richtung Braeside, um mein Surboard in Empfang zu nehmen! Juhu! In der Woche davor hatte ich schonmal angerufen und vorsichtig gefragt, wie denn der Fertigstellungsgrad so ist (dazu bin ich ja nun schon lange genug im Land). "Yes, it's looking really great. You can come anytime, Anke. Looking forward seeing you!" Ich hatte für Freitag dann schon einen Spähtrupp hingeschickt, denn Judith und Mikosch juckte es in den Fingern (so doll, dass auch sie ein weiteres Gepäckstück aquirierten), der mir berichtete, dass mein Brett gut aussähe - aber ein Design darauf konnte nicht festgestellt werden. Jedenfalls war es dann Samstag mittag nach einer Stunde warten trocken, selbstverständlich musste der "Speziallack" erst noch trocknen *MiteinemFingerunterdasAugezeigundverständlichnickend* Nachtigall, ick hör dir trappsen. Ich bin begeistert! Es schiffte weiterhin und stürmte, so dass wir uns gegen Einweihung und für Kaffee auf Aix-au-Chapel entschieden. Und: PACKEN. Es stand nämlich bereits der nächste Programmpunkt an: mein Abschied mit den Mädels. Und was hatte die liebe Jasmin dafür auserkoren? Poledancing. Ja, richtig. Stangentanz. So. Zunächst einmal machten sich Judith und Mikosch jedoch auf die Rückreise, denn ihr Urlaub war nun leider vorbei. Damit ging die Besuchszeit zu Ende - und wieder einmal hab ich mich sehr gefreut, dass ihr da ward! Hoffentlich konntet ihr euch nach dem traurigen und stressigen letzten Jahr gut erholen und Australien hat mit seiner Tiefenentspannung gewirkt!
Zur Vorbereitung des Poledancings gabs Pizza und viel Prosecco. VIEL. Man muss locker sein, an allen Gelenken. Dann gings los, sieben Pole Divas übten schonmal an Straßenschildern. Letztendlich sahen wir eher aus, wie aus einer Adidaswerbung, in Sportklamotten und Stilettos, als wie professionelle Tänzerinnen. Wir fühlten uns wie beim Aerobic - bis wir anfingen, uns um die Stangen zu wickeln und gegenseitig zu bezirzen. Inklusive Federboa und Zylinder machte das einen äußerst guten Eindruck, möchte ich behaupten. Die ein oder andere entdeckte die männliche Seite an sich - und wir alle haben nicht schlecht gestaunt, als die Trainerin dann noch eine Show gab. Meine Herren, ganz schön schwindelerregend. Besonders schwindelerregend war auch das Paket, was ich zum Abschied bekam. Ich sage an dieser Stelle nur soviel: es ist rosa und da drin sind Sachen, die zu diesem Sport passen. Mal sehen, ob das noch ins Gepäck passt.... was für ein lustiger, letzter Mädelsabend! Danke!
Sonntag half alles nix und nach deftigem Frühstück im Orange wurde mein Brett in Torquay standesgemäß in australische Gewässer gelassen. Paella 1 war getauft. Im Meer, unruhig wie in der Waschmaschine, surften wir so unsere ersten Wellen (oder versuchten es). Ein schönes Gefühl. Dann zog ich noch schnell aus 31/20 St. Edmonds Road aus und in Chomley 39 ein und es ging ins Theater zu Alice in Woderland und schon war das Wochenende vorbei. Aber das ist ja einerlei, denn ich hab ja FREIHEI.
Nun genieße ich die wirklich letzten Tage, packe nochmal um (und nein, es passt NICHT alles in zwei Taschen) und mache Fotos bei grauem Himmel, Wind und Regen. Der Kreis schließt sich, man merkt, dass fast ein Jahr vorbei ist.....
In Kürze wieder in Echtformat. Cheers, eure Änk

PS: Jemand Interesse an fluoreszierenden Handschellen?

Im Melbourne Ordner findet ihr die aktuellen Bilder von meinen Abschiedsstreifzügen durch die schönste Stadt Australiens.

Donnerstag, 12. März 2009

Fortsetzung

Seit ein paar Tagen ist alles paletti und in trockenen Tuechern: nach meiner Rueckkehr in deutsche Lande wird es Torsten und mich nach Nuernberg im schoenen Frankenland verschlagen. Ich habe das Angebot von Baggage Logistics in Nuernberg angenommen und freue mich nun auf das Projektgeschaeft auf Flughaefen.
Anstelle des Oktoberfests und Weisswurscht werden wir nun also den Christkindlesmarkt mit Lebkuchen und Bratwuersten fuer Besucher zu bieten haben. Wir sind schon fleissig am Dialekt ueben, saemtliche K, P und Ts wurden schon aus unserem Wortschatz gestrichen und durch GG, BB und DDs ersetzt.

Cheers,
Eure Aengg.

Mittwoch, 11. März 2009

In Neuseeland oder “Ham? Neeeee!”

Der aufmerksame Leser und Geograph hat bestimmt schon festgestellt, dass auf meiner Australienexpedition noch ein wichtiges Element fehlte: Tasmanien! Richtig. Als ich das erstmal rausgefunden hatte und auch noch weiterer letzter Feiertag (Tag der Arbeit natuerlich) quasi zum Verreisen zwang, waren die Fluege auch schon gebucht. Wie es der Zufall so wollte, wollten Inga, Hendrik, Judith und Mikosch auch diese Insel im Sueden des australischen Festlandes besuchen. Um Tasmanien ranken sich die wildesten Geschichten: die laengste Zeit seit seiner Entdeckung war es eine Gefangeneninsel (mit dem Namen ‚van Diemens Land’) mit schlimmsten Folterungen, Inzucht und Vertreibung von Aborigines. Dazu kommt ein auesserst rauhes Klima – kein Wunder, denn zwischen hier und der Antarktis liegt nicht mehr viel. Naemlich gar nix. So machten wir uns also abenteuerlustig auf am Freitag abend, um in Launceston am Hub Backpackers auch auf Inga & Hendrik zu stossen. Diese schoene Jugendherberge im Herzen Launcestons im Norden Tasmaniens zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass unten drin ein Pub ist. Dieser Pub widerum zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er Freitags eine Schwulen- & Transvestitendisko, Samstags eine Stripbar ist. Wie schon gesagt, wir kamen Freitags an. Herr Scharf war auch schon da und schlief unter mir im Doppelstockbett. Naechsten morgen frueh nach sonnigem Fruehstueck gings los – in die Berge! Im Cradle Mountain Nationalpark wollten wir auf den Gipfel des Cradle Mountain wandern. Leider machte uns das angesprochene Wetter zu schaffen – es goss und stuermte naemlich. Gelobt sei Funktionskleidung. Am Aussichtspunkt auf den Gipfel sahen wir viel weiche Watte in Form von grauem Nebel, aber keinen Gipfel. Da es uns beinahe in die Watte reinwehte, beschlossen wir, umzudrehen und noch eine Runde um den Dove Lake zu drehen. Unten im Tal war es naemlich trocken, windstill und fast warm. Herrlich! Und dann ging es auch schon wieder zurueck, Zwischenstation fuer einen heissen Kakao (wie lange war ich schon nicht mehr durchgefroren gewesen und hatte das Beduerfnis nach heisser Schokolade gehabt) inklusive. Bis Judith fragte „Wie sieht denn eigentlich so ein Wombat aus? Hat das einen dicken Hintern und Puschel dran?“ Da dem so ist, hatten wir ausreichend Gelegenheit dank Judiths Adlerauge einige dieser possierlichen Tierchen sowie hunderte von Wallabies (tot oder lebendig) und Echidnas zu beobachten. Klein und gross. Und dann verliessen wir am Sonntag frueh nach ekelhaftem Fruehstueck Launceston (wo auch mein Lieblingsbier in Australien herkommt – James Boag & Son), um an der Ostkueste der Insel nach Bicheno und dem Freycinet Nationalpark zu duesen. Herrlich! Straende wie im Wilson’s Prom und klare Luft – man fuehlte sich ein wenig in Daenemark, Schweden, Neuseeland, der Lueneburger Heide oder aber auch auf Tasmanien. Es folgte eine wunderschoene Wanderung zur Wineglass Bay. Diese Bucht heisst, wie sie heisst, weil sie erstens rund ist wie ein Weinglas und zweitens frueher das Wasser blutrot war, vom vielen Walfang. Nun war es aber glasklar, tuerkis-blau, der Strand war schneeweiss, es huepften Wallabies rum, wir tranken einen schoenen Rotwein und huepften zu guter Letzt in die eiskalten Fluten. Ein bisschen unwirklich, weil kitschig das Ganze – aber so war es. Die folgende Nacht im niedlichen Bed&Breakfast war fuer Inga und mich nicht ganz so ruhig, weil wir uns leider den Magen verdorben hatten. Am naechsten morgen beobachteten wir Tintenfisch-Fischer am Pier von Bicheno, wie sie sich blaue Haende holten, weil sie die Fische zerlegten. Die Fische hatten bestimmt ein Lamydepot ueberfallen – so viel Tinte im Bauch! Ueber weiter traumhaft schoene, einsame Kuestenstrassen fuhren wir in Hobart ein, Hauptstadt des suedlichsten Bundesstaates. Was fuer ein niedliches Hafenstaedtchen. Gemuetlich tranken wir Kaffee in der Sonne, kauften leckersten Kaese (tasmanische Spezialitaet) und bummelten da so rum. Und dann ging unser Flieger nach Melbourne zurueck. Abschied von inga & Hendrik – wie schoen, dass wir ein Teil des Australienabenteuers zusammen erleben konnten! Und Tasmanien ist in jedem Fall eine Reise wert – eine Reise zurueck in der Zeit, durch englische Doerfer der sechziger Jahre, durch Regenwald, vorbei an weissen Straenden und klarem Wasser, vorbei an unzaehligen Tieren, durch klare Luft, ohne anderen Menschen zu begegnen – ein Traum.
Der Rueckflug war toll – wir hatten tolle Sicht und so kam es, dass ich einen Rundflug ueber Victoria bekam. Ueber den Wilson’s Prom (wo es leider immer noch brennt), ueber die Dandenongs (wo man die verbrannten Stellen sehen konnte), ueber Siemens und und und. Ein Gaensehautflug – ein bisschen, wie zum Abschied.

Abschied war sowieso ein grosses Wort letzte Woche, denn Hals ueber Kopf verkaufte ich mein weisses Safarimobil an einen windigen Reifenhaendler. Zu dem hatte Antonia ja beste Beziehungen nach unserem Bergfestwochenende, aber diese Bande sind nun zerschnitten, nachdem sich das weisse Safarimobil als ziemlich krank erwies. Mein armes Mobil wird nun vermutlich einer Putzflotte angehoeren – ich bin ein wenig traurig. Das gute Stueck! *GotthabesseligmitzweiFingerneinKreuzmach* Nun folgen eine Woche lang Abschiedsfeiern – die Taschentuecher liegen bereit.

Cheers, Eure Aenk.

Montag, 2. März 2009

Quietschende Reifen

Und schon wieder Montag, schon wieder eine Woche vorbei, schon wieder ein Bericht notwendig. Wo waren wir stehen geblieben? Nachdem wir also Judith und Mikosch auf den Weg in Richtung Adelaide in ihrem Luxuscamper gebracht hatten, nahmen die Dinge in Melbourne ihren gewohnten Lauf.
Kurz-Filmfestival in der Sydney Myer Music Bowl am Sonntagabend mit Roderick, Antonia und einem ordentlichen Picknick. Montags früh um halb sieben dann wieder Empfangskomitee, dieses Mal in der Königsdisziplin: Hochzeitreisen. Annika und Stefan (oder auch Frau und Herr Kunk) gaben sich die Ehre. Hotel Stahn hatte die Betten gelüftet und den Schampus gekühlt, die Woche fing also gut an. Leider waren auf Schicht ein bis zwei Nachtschichten nötig, so dass wir unser Freizeitprogramm leider danach richten mussten. Dienstagabend war schon wieder alles im Lot und die Talsperren wurden beim Oriental Tea House gefüllt. War ja schließlich Karneval. Ja und dann kam Mittwoch. Abreisetag für Stefan und Annika in Richtung Adelaide (da muss es gerade was umsonst geben…) und Musiziertag für Antonia und Anke. Wir hatten uns eingebildet, man könne dieses Land nicht verlassen, ohne wenigstens einmal in ein australisches Alphorn (im Volksmund auch Didgeridoo genannt) geblasen zu haben. Eigentlich darf die Frau bei den Ureinwohnern das nicht, wie wir gelernt haben. Aber es hat keiner gesehen. Psst. Bei dem Didgeridoo handelt es sich um ein obertonisches Blasinstrument. Eine Stunde lang versuchten wir uns. Ich fühlte mich an Blockflötenzeiten mit Inga und Maren in der Musikschule erinnert. Allerdings war dieses hier mit Hyperventilation verbunden, so dass wir beide nach einer halben Stunde zwar meditative Klänge aus den guten Stücken heraus lockten – aber auch gleich ein meditatives Körpergefühl dazu bekamen, weil wir die zirkulative Atmung einfach nicht beherrschen. Oder könnt ihr euch mit der einen Hand auf den Kopf klopfen und mit der anderen den Bauch reiben? Wir hatten eine Menge Spaß! Bbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbb......




Dann fand noch ein Treppenlauf auf den 1.000 Stufen in den Dandenongs statt, weswegen ich bis heute laufe wie ein Emu und schon war wieder Wochenende. Erneute Feuerwarnungen wegen Wetterumschwung – aber größere Katastrophen blieben zum Glück aus. Die Situation ist nach wie vor sehr angespannt und viele der Feuer sind noch nicht unter Kontrolle. Für diese Woche wird wieder Schlimmes erwartet, heute hat jeder von der Polizei Victorias eine Brandwarnung per SMS auf das Handy bekommen. Jeder ist froh, wenn der Sommer vorbei ist. (Offiziell ist er das übrigens seit heute. Das soll es nun also schon gewesen sein mit dem australischen Sommer?! Die Tage werden jedenfalls schon wieder kürzer... )
Jaaaa und Samstag dann ein ganz besonderes Schmankerl. In einer echten australischen Surferbude hab ich mir mein eigenes Brettchen bestellt. Nach Führung und Begutachtung der Werkstatt (und ihren Arbeitern…) hab ich mir ein Design überlegt und nun warte ich gespannt auf das gute Stück! Juhu, in zwei Wochen ist Taufe! Weiter ging es zum Hochzeitsnachfeiern von Christine und Stefan am Strand von Carrum und zu guter Letzt noch ein Geburtstagsessen mit und von Caro im italienischen Viertel Lygon Street. Happy Birthday! Dieses Viertel kannte ich bisher gar nicht, ist aber wunderbar. Man fühlt sich wie in Italien. Und lecker ist das auch! Herrlich.
Zum Aufklaren des Kopfes, wie könnte es anders sein, ging es Sonntag wieder nach Torquay, einmal surfen bitte. Und alles war wieder gut.
Nun sitze ich in meiner Wohnung und verkaufe mein Hab und Gut, um alles am Ende in zwei Taschen über den Ozean transportieren zu können. Wenn jemand also noch ein Auto, Campingstühle, Kocher, Kopfkissen, Wäscheständer oder auch Kleiderbügel braucht – einfach mal melden. Das kriegen wir hin.
Und dann möchte ich heute noch etwas ganz Besonderes aus der Familie bekannt geben: seit Samstag, dem 28.2.2009, hat die Welt nämlich einen Erdenbürger mehr. Der kleine Jakob ist gesund und munter geboren, herzlichen Glückwunsch für Mama Anna und Papa Martin und alles Gute für euch drei! Ich freue mich auf das erste Kennen lernen!

Cheers, die Tante aus Australien.

PS: Im Melbourne Album findet ihr einige neue Bilder der Stadt und ihrer Bewohner, geschossen mit meiner neuesten Errungenschaft.

Samstag, 21. Februar 2009

... und wieder auf dem Kopf

Es war schön, mal wieder zu Hause in Deutschland zu sein. Vieles bekommt man hier am Ende der Welt doch nicht mit vom alten Kontinent. Und natürlich war es auch wunderbar, viele liebe Menschen zu treffen, lecker Käsebrot zu essen und zu frieren. Pünktlich zum Valentinstag lieferte mich Torsten am Münchener Flughafen ab. Ich beendete hier noch schnell mein Projekt 'Ich esse mich durch die bayrische Speisekarte in einer Woche' und wir feierten Abschied im Hofbräuhaus. Erster Zwischenstop war mal wieder Singapur. Dieses Mal jedoch etwas länger, so dass ich einen Nachtspaziergang durch die Stadt machen konnte, vorbei an vielen Sehenswürdigkeiten und mal wieder asiatische Luft schnuppern durfte. Leider haben Damaris und ich uns verpasst, so dass ich mich mit Reiseführer durchschlagen musste. Hat mir ganz gut gefallen, gibt lecker essen und kann man auch gut einkaufen - und dann freute ich mich aber auch, als ich mich Sonntag abend wieder in gewohnter Umgebung befand: am Strand von St. Kilda, bei 25 Grad und Kaltgetränken mit Antonia und ihren Mädels. Herrlich!

Langeweile kam dann wie immer nicht auf, denn es stand für diese Woche neben unserer Beschäftigung bei Siemens auf dem Programm der Eventagentur Paella & Paella GmbH & Co.Kg (grosses K):
1.) Sport: die Laufzeit braucht Fortschritt, den wir dafür aber beim Aufbau auf der Formel 1 Grandprix Strecke im Albert Park bestaunen können.

2.) Spontaner Polterabend bei Christine & Stefan in Carrum: die Überraschung ist uns gelungen. Die beiden wollten nämlich still und heimlich zu ihrer Hochzeit in Port Fairy abreisen. Nicht aber mit uns. Und so rückten wir Mittwoch abend mit Geschirr, künstlerisch gestalteten Verkleidungen und Brotzeit bei den beiden an. Was für ein Spaß! Und nun sind sie unter der Haube - Alles Gute für Familie Wendl!
3.) Judith & Mikosch vom Flughafen abholen: endlich! Große Wiedersehensfreude! Die beiden begannen von Tag 1 an mit Entspannung und verbrachten ihre Tage in Melbourne am Strand, in Cafes und am Strand. So soll es sein.
4.) Jackson & Jackson Konzert im Prince of Wales Bandroom in St. Kilda: sehr schön.
5.) Surfen in Torquay: bester Wochenabschluss überhaupt!

Wurde also alles in gewohnter Qualität erledigt und genossen. Nun befinden sich Judith und Mikosch auf ihrer Australienreise im Camper und ich bin gespannt, was sie in zwei Wochen alles zu berichten haben!
Und für mich scheint nun die Zeit noch schneller zu rennen als sowieso schon. So viel noch zu sehen, zu erleben, zu schmecken... Ich freue mich auf meinen letzten Monat in Australien, in dem die Tage hoffentlich 30 Stunden haben.
Cheers, Eure Änk.

Montag, 16. Februar 2009

Bushfires

Meine Woche auf dem alten Kontinent war geprägt von ungewöhnlich vielen Nachrichten vom fünften Kontinent: hier brachen nach Wochen der Hitze im südlichen Bundesstaat Victoria die verheerendsten Waldbrände (auf englisch harmlos bushfires genannt) in der Geschichte Australiens aus - während die Menschen im tropischen Queensland mit Wassermassen und Überflutungen zu kämpfen hatten. Immer wieder rief ich in der Wahlheimat an, um zu erfahren, wie es den Kollegen und Freunden erging, waren doch die in den Medien genannten Ortschaften verdächtig dicht am Siemensstandort und zu viele davon hatte ich als wunderschöne Wochenendziele besucht. So landete ich gestern abend mit gemischten Gefühlen in Melbourne: einerseits Freude über die Wiederkehr, andererseits auch Bange vor dem, was mich auf der Arbeit an Geschichten erwarten würde. Je näher wir heute morgen an Bayswater heran kamen, um so dichter wurde die dunkle Qualmwolke, die sich über uns legte. Beim Ausstieg hatte ich das Gefühl eines Lagerfeuers, was ich auch den ganzen Tag über selbst im Büro nicht los wurde.

Ein paar Blicke in die Gesichter meiner Kollegen und man konnte die Anspannung sehen, mit der sie seit Tagen leben. Angst, im Schlaf von der Feuersbrunst überrascht zu werden. Angst, keine Zeit zu haben, das nackte Leben und das der Kinder zu retten. Der nationale Feuerplan half bei dieser Katastrophe nicht, denn er besagt, dass man so lange im Haus bleiben soll, bis die Feuerwalze vorrüber gezogen ist. Selbst wenn die Hütte schon brennt. Dieses Mal jedoch trug der der starke Wind die Funken kilometerweit vor sich her und setzte die ausgedörrte Landschaft im Nu in Brand. Menschen flüchteten sich in Panik in die Badewanne - und verbrühten. Das Feuer erreichte Temperaturen von bis zu 1.200 Grad Celsius. Die Feuerwehrleute sind machtlos - welches Gerät soll dem standhalten? Alles, was sie tun können, ist die Häuser zu löschen, nachdem sie niedergebrannt sind. Meine Kollegen sind auch im Einsatz, teilweise vier Tage hintereinander. Was sie sehen, lässt sie nicht wieder los. Und das Schlimmste steht noch bevor: was ist mit all den Toten, die bisher keiner identifizieren möchte/kann? Über das Land rollt eine große Welle der Hilfsbereitschaft. Bei Siemens werden Kleidung und Spielzeug gesammelt, ehrenamtliche Helfer braten Würstchen oder hören einfach nur zu.

Falls man etwas tun möchte, ruft das australische Rote Kreuz unter
https://www.redcross.org.au/Donations/onlineDonations.asp
zu Spenden auf.

Um euch zu verdeutlichen, wie nahe diese im Fernsehen so weit weg erscheinenden Orte sind, hier ein paar Beispiele, die euch aus meinen vorherigen Berichten bekannt vorkommen:
In Kinglake, nordöstlich der Stadt, hatten wir im Oktober die wilden Orchideen gesucht und bestaunt. Verbrannt.
Hinter dem malerischen Marysville beginnen die Snowfields von Victoria. Verbrannt.
In Yarra Glenn haben wir den Melbourne Cup verfolgt. Verbrannt.

Die Cathedral Ranges im Wilsons Prom, mit der Sealers Cove im Hintergrund, an deren herrlich weissem Strand wir picknickten. Verbrannt.
Im Yarra Valley war ich zuletzt mit Mama und Papa gewesen und hatte die schönen Weinberge kurz vor der Ernte, die Güter und herrliche Landschaft genossen. Auch hier sind viele Teile verbrannt, die Ernte ist zerstört.
Im Healesville Sanctuary hatte ich viele australische Tiere kennen gelernt, die nun aus Angst vor Panik evakuiert wurden. Teile des Ortes sind Geschichte. Verbrannt.
Das Haus meiner Chefin mit dem wunderschönen Ausblick über das Tal - die Feuerfront kam 5km entfernt zum Stillstand, weil der Wind endlich abdrehte.
Ascheregen in der Stadt, glutroter Himmel.
Und schließlich heute nachmittag bei Feierabend werfen wir einen angstvollen Blick in Richtung
Dandenongs, das Naherholungsgebiet gleich hinter Siemens, in denen meine Kollegin Sam vor zwei Wochen noch ihre Hochzeit feierte. Dunkle Rauchschwaden verhüllen den Gipfel, dazwischen einzelne helle Flammen. Der Eukalyptuswald brennt.
Kollegen haben ihre Häuser verloren, manch einer besitzt nur noch das, was er am Leib trägt. Kinder verloren Schulfreunde. Ganze Familien starben bei dem Versuch, ihre Existenz zu retten. Und das alles keine 30km entfernt von meinem Arbeitsplatz, wie Antonia heute bedrückt bemerkte. So nah.

Und dann die fast komisch erscheinenden Meldungen von Überschwemmungen aus Ingham in Queensland. Das ist auch Australien. Dieses Land ist so unvorstellbar riesig, dass man die Hektoliter nicht mal eben per Schlauch von einem Ende ins 3.000km entfernte Flammeninferno pumpt. Und diese Überflutung führt dann zu einem weiteren Notstand auf Schicht:

Es ist ein verrücktes Leben in Down Under. So viel kann ich berichten.
Eure Änk.

Dienstag, 3. Februar 2009

1 Hochzeit und 4 Besuchsfälle

Da hatte ich gerade vernünftig gelüftet (so gut das eben bei der Hitze möglich ist) und schwups war schon der nächste Besuch vor der Tür. Inga und Hendrik gaben sich aus Sydney die Ehre. Juhu! Wo soll man auch als Tennisfan sein zu den Australian Open, wenn nicht im schönen heißen Melbourne? Die beiden verbrachten ihre Tage bei mir auf dem Centre Court oder aber in kühlen Museen. Irgendwie muss man ja der Hitze entfliehen.
Freitag abend nach der Arbeit durfte ich mal wieder ein echtes australisches Erlebnis mitnehmen: ich war auf die Outback Hochzeit meiner Kollegin Sam eingeladen. Sie fand nachmittags um fünf bei 47,3 Grad unter schattenspendenden Eukalyptusbäumen hinter den Dandenongs mitten in verdörrter Landschaft draußen statt. Die Gäste saßen während der Zeremonie auf Strohballen und die Musik kam aus der Konserve. Sams Papa brachte sie durch den Gang zu ihrem Angetrauten bei Colby Calais' Musik. Für die Standesbeamtin (von Siemens, wie könnte es anders sein) war es die erste Hochzeit, weswegen sie auch leicht uppjerescht war und mit den Namen gut durcheinander kam. Aber: eine gute Viertelstunde später war alles erledigt, die Trauzeugen (Tochter Holly, 8, und Sohn Jake,4) gaben ihr Einverständnis, die Papiere wurden unterschrieben und Mrs. & Mr. Alfonso waren verheiratet! Und dann stieg die Party in der angrenzenden Scheune auf der Gum Gully Farm. Ohne Klimaanlage war Bier als Erstes alle und der Bräutigam war eine halbe Stunde nach der Trauung schon wieder in Shorts, T-Shirt, Schlappen und Sonnenbrille anzutreffen. Es war eine lustige Party mit lauter Bogans, völlig informell und trotzdem total schön!
Samstag hieß der große Plan: shoppen in Chadstone und dann ab zum Surfen nach Torquay. Ersteren Programmpunkt absolvierten wir mit Bravour, der nächste gestaltete sich einigermaßen schwierig. Unter dem fadenscheinigen Vorwand, man bräuchte noch ein Mitbringsel für kleine Brüder, ließen Inga und Hendrik uns schon an der Orsteinfahrt Torquay bei den Fabrikverkäufen sämtlicher australischer Surf- und Schwimmmarken anhalten. Das Ende vom Lied: Antonia und Anke stehen in einer ein quadratmetergroßen Umkleidekabine und probieren einen Arm voll Neoprenanzüge an. Während ich kurzentschlossen ein gutes Stück für nochmals 30% reduziert erstand (ich wundere mich, warum ich nicht noch was rauskriegte), dauerte es bei unserer Freundin Antonia etwas länger mit dem Entscheidungsprozess. Schließlich sollte es das teuerste Stück der Sammlung sein, welches wir über äußerst fragwürdige Methoden auf ein achtel des Originalpreises zu drücken wussten (nähere Infos können aus Wettbewerbs- und Ethikgründen hier nicht preisgegeben werden). Roddy hat sich hinterher für uns geschämt - diese deutschen Mädels sind aber auch nicht zu bremsen. Wie ihr vielleicht schon erraten könnt: gesurft haben wir nicht mehr am Samstag. Denn es war schon fünf Uhr und die Poolparty bei einem Kollegen rief uns zu sich. Dort haben wir bei 32 Grad unsere neuen Erwerbungen getestet. Fazit: halten warm! (Vielleicht auch ein Assesoire für meine Bewerbungsreise?)
Sonntag gabs erstmal wieder Abschied - Inga und Hendrik verließen mich in Richtung neue Heimat. Mir blieb eine Stunde, meine Bude auf Vordermann zu bringen, einmal Betten wechseln und zum Flughafen eilen. Nach drei Jahren oder mehr traf ich mich endlich mal wieder mit meiner lieben Tante Gisela & Onkel Helmut aus Shanghai. Wie schön! Dazu muss ich also erst nach Australien reisen. Wir verbrachten einen gemütlichen Tag in der Stadt (und ihren kleinen Gassen und Arkaden) und St. Kilda. Und gestern schon brachen sie wieder auf zum nächsten Reiseziel: Tasmanien. Hoffentlich dauert es nun nicht wieder drei Jahre... Es ist schön, dass ich am Ende der Welt nicht alleine bin und ich so oft bekannte Gesichter um mich herum hab!

Und nun sitze ich hier auf gepackten Taschen, mit drei Kilogramm Vegemite für Australier im Exil im Gepäck und der dicksten vorhandenen Jacke obenauf. Morgen nachmittag geht es los, die Heimat ruft. Ich freue mich auf viele liebe Menschen und ein schönes Käsebrot!
In einer guten Woche bin ich zurück auf Sendung in Down Under, bei Känguru und 35 Grad.

Cheers, Eure Änk.

Donnerstag, 29. Januar 2009

Heiße Sache

Ich sitze unter meiner Klimaanlage, froh, mich gerade auf 28 Grad abkühlen zu können. Nun hab ich acht Monate lang gejammert über Wind und Wetter und nun hab ich den Salat: die größte Hitzewelle seit über 100 Jahren rollt über Victoria. Seit Dienstag steigen die Temperaturen, bis sie heute nachmittag ein bisheriges Hoch erreichten: 45,3 Grad in der Stadt, 51 Grad zu Hause. Und das ist gemessen im Schatten und in Celsius. Letzte Nacht hat niemand, mit dem ich gesprochen hab, geschlafen: jeder wandelte durch seine vier Wände, auf der Suche nach einem kühlen Plätzchen. Das gab es leider nicht, denn auch nachts ist Hitze angesagt: 35 Grad. Wenn man denkt, der Wind bringt Erfrischung, täuscht man sich gewaltig - es ist, als wenn einem einer einen Fön ins Gesicht hält. Wir sitzen also im Backofen mit Heißluft. Schön. Die Schwimmbäder werden nicht geheizt, sondern gekühlt, die Züge fallen aus, weil die Schienen sich verformen, Waldbrände auf der Mornington Penninsula, man darf draußen kein Feuerzeug mehr verwenden, die Landschaft ist total verdörrt und die Stromversorgung bricht zusammen, weil zuviele Klimaanlagen laufen. Die Spieler der Australian Open mussten gestern bei rund 60 Grad Tennis spielen - nicht gerade menschenfreundlich, wie Inga-Marie heute morgen sehr richtig bemerkte. Inga und Hendrik besuchen mich gerade - und haben den besten Platz auf ihrer Matratze in meinem Wohnzimmer: sie liegt vor der Klimaanlage. Wir alle freuen uns auf das Wochenende - es soll drastische Abkühlung bringen (35 Grad). Für uns bringt es in jedem Fall einen Strand mit Wellen zum Surfen. Ohne Neoprenanzug.

Cheerio, Änk aus der Langnesewerbung.

Dienstag, 27. Januar 2009

Mama, Papa, Anke und der australische Nationalfeiertag

Kaum hatte der Alltag mich wieder, kamen auch schon Mama und Papa auf ihrer Rundreise durch den fünften Kontinent in Melbourne an. Sie hatten nun nach den Tropen und einigen haarsträubenden Fahrmanövern in ihrem Allrad Auto („Ich hatte ja ein 4WD gebucht, aber ich wollte den ja nicht gebrauchen!“) den Uluru und das rote Zentrum des Landes besucht und überlebt und waren über Adelaide per Great Ocean Road in die schönste Stadt Australiens gekommen und dabei sogar Koalabären mit Jungem auf dem Rücken gesehen. Wow! Es hatte alles wunderbar geklappt und nun hat sie das gleiche Abenteuerfieber befallen, wie uns alle: Anfangs noch etwas verwundert über meine Idee, eine Rinderfarm im Nirgendwo zu eröffnen, schlug Papa nun vor, er würde sich ums Melken kümmern und Mama würde den Haushalt schmeißen. Papa entdeckte Rei in der Tube und wusch nun seine Wäsche selbst im Fluss. Man nennt sie nun auch Bushman Jürgen und seine Bushtucker Lady Hanna, frisch gebackene Fans des Lebens auf dem Kopf.
In Melbourne wartete ein weiteres Programm auf sie, denn man ist ja nur einmal jung. Nach ausgiebiger Stadterkundung (und dabei besonders des Myer-Ladens mit – wie könnte es anders sein – dem größten Schlussverkauf des Landes…. Kennt ihr meine Eltern, wisst ihr, wie viele Tüten ich abends zu Hause vorfand…. Finanzkrise…. Kennen wir nicht.) lösten sie beide Freitagabend ihre Weihnachtsgeschenke ein und wir gingen zu den Australian Open, dem ersten Tennis Grand Slam des Jahres in der Rod Laver Arena. Wir hatten Glück und sahen zunächst großes Damentennis: Frau Dokovic gegen Frau Wozniacki. Erstere ist Australierin und hatte die Menge hinter sich. Der Saal tobte – jedenfalls zwischen den Spielen. Ansonsten herrscht beim Tennis ja immer Mucksmäuschenstille. Unglaublich, bei so vielen Menschen! Unsere persönliche Stimmung sank ein wenig, als wir nach einer geschlagenen Stunde im Anschluss an das Damenspiel mit zwar Kaltgetränken an den Platz zurückkamen, wir aber feststellen mussten, dass Herr Federer schon im zweiten Satz gegen Herrn Safin vorne lag. Eine schnelle Geschichte, von der sich die Bierausschankdame mal eine Scheibe abschneiden hätte können…. Herr Safin war nicht besonders gut besaitet und so kam es, dass nach einigem Hin- und Hergedresche das Spektakel nach knapp zwei Stunden entschieden war und wir entlassen waren. Ein schöner Abend in schöner Atmosphäre. Ich werde auch mal wieder den Schläger hervorkramen, habe ich mir überlegt…. Irgendwie muss man ja nach Australien zurückkommen!
Am Samstag fuhren wir in das Yarra Valley, das größte Weinanbaugebiet Victorias. Ein bisschen Wein probieren und die Seele baumeln lassen. In Warburton, einem kleinen Nest, machten wir Pause. Hier ist die Welt noch in Ordnung und schlimme Sachen können hier unmöglich passieren. Ich habe mich sehr über die vertrocknete Landschaft erschrocken: nach so viel Regen und grünen Wiesen noch vor vier Wochen ist nun alles verdörrt und wer schon mal in der toskanischen Crete war, der kann sich vorstellen, wie es hier im Moment aussieht. In einigen Wochen beginnt die Weinlese, alles Wasser wird für die Weinreben gespart. Meine Chefin Roz hatte uns zu sich nach Hause eingeladen. Sie wohnt herrlich abgelegen und als wir gerade gemütlich am Grill saßen, flogen zwei Adler ihre Kreise über uns und das Pferd auf der Weide wieherte vor sich hin. Wenn ich da wohnen würde – ich würde gar nicht mehr zur Schicht gehen. Wozu?
Den letzten Urlaubstag in Melbourne verbrachten wir mit der Erkenntnis, dass Mama und Papa mindestens noch eine Woche länger bräuchten, ganz entspannt am Strand auf der Mornington Penninsula. Schneeweißer Sand, türkises Wasser. Ein Sonntag nach Geschmack.
Viel zu schnell ging das Australienabenteuer meiner Eltern zu Ende. Wie schön, dass ihr da gewesen seid. Wo auch immer ich mich hinverkrieche auf dieser Welt – ihr findet mich zum Glück immer wieder! Und das ist doch ein schönes Gefühl.
Nachdem ich sie in die Hände von Virgin Blue gegeben hatte (tatsächlich wurde alles Gepäck eingecheckt, ich wundere mich heute noch…), machte ich mich auf – denn es war australischer Nationalfeiertag. Australia Day! Frohes Fest! Der Grill wurde bei Caro & Bob geheizt und Mengen von Fleisch wanderten über unsere Teller. Man feiert am 26. Januar die Ankunft des ersten Schiffes mit Gefangenen in der Botany Bay von Sydney. Mancher nennt es auch Invasion Day, wohl nicht zu Unrecht. Aber die Gelegenheit zum freien Tag ließen wir uns natürlich nicht nehmen. Von den Hügeln Ringwoods aus konnten wir sogar das schöne Feuerwerk in der Stadt verfolgen. Happy Australia Day!
Und nun befinden wir uns mitten in der heißesten Woche Melbournes seit 100 Jahren: eine Woche über 41 Grad. Endlich! Nach dem kältesten und nassestem Winter nun also das. Man munkelt, es sei mit Strom- und weiteren Zugausfällen zu rechnen, bei den Australian Open hat heute der Titelverteidiger wegen Hitzschlag aufgegeben. Beim Schwimmengehen vernimmt man ein leichtes Zischen beim Eintritt in das kühle Nass - ob die wohl das Wasser kühlen? Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, wie ich nächste Woche in meinem Wintermantel durch die deutschen Lande reisen soll. Wir werden sehen.

Heiße Grüße vom Balkon von Tochter Anke.

Mittwoch, 21. Januar 2009

"Experience the wet tropics - Erlebe die nassen Tropen“

Ui, nun ist schon fast Ende Januar und hier steht noch was von Knecht Ruprecht. Welch Lücke in der Berichterstattung, nun mal die Feder gespitzt und aufgemerkt, es geht wieder auf Reisen.
Es begab sich aber zu der Zeit, als Torsten wieder nach Melbourne reiste. Kaum aus dem asiatischen Vorweihnachtsgetummel am Flughafen befreit, wartete auch schon eine hungrige Meute im Amici auf den besonderen Gast. Es war zum Weihnachtsfrühstück geladen. Was für ein Geschnattere und welch Wiedersehensfreude. Und welch herrliches Wetter! Pünktlich wie immer schien die Sonne, der Himmel war blau und wir hatten viel Hitze. So beschlossen wir, eine so genannte Sunday Session in St. Kilda am Strand einzulegen. Dazu setzt man sich an die Strandbar in den Schatten, kühlt sich mit lokalem Bier ab, schaut die Leute und das Meer an und lässt den lieben Gott einen guten Mann sein. Leider hielt diese Entspannung nicht lange, denn ich musste noch mal schaffen gehen – die Bücher für das Jahr 2008 bei Siemens Australien wurden nämlich erst am 23.12. abends geschlossen. Dann aber auch richtig und ab 15:00 wurde der Grill geheizt und man verabschiedete sich in gemütlicher Runde vom alten Jahr. Torsten überstand eine Vorstellrunde bei meinen Kollegen und überlegt nun, wie man das Grillen in den Betriebsablauf bei Audi integrieren könnte.
Dann schnell den Rucksack geschnappt und auf gings: nach Cairns, Queensland, von wo wir am nächsten Tag in Richtung Norden aufbrachen. Es herrschten tropische Temperaturen: 35 Grad und 90% Luftfeuchte. Gelobt sei ein Auto mit Klimaanlage. Entlang der herrlichen Küste Queenslands genossen wir unseren ersten gemeinsamen Urlaubstag und bezogen unser Weihnachtsquartier am Newell Beach, bei Werner & Caroline, im Seachange B&B. Eine wunderschöne Bleibe, mit viel Liebe und Aufwand gepflegt und mit oberleckerem französischem Frühstück verfeinert. Und schon war Weihnachten! Bescherung! Dingdingding! Untermalt mit ein wenig Musik machten wir unsere Bescherung in Bikini und Badehose auf dem Balkon mit Blick auf das glitzernde Meer. Komisch aber schön! So kam es, dass ich keine Pasteten mit Zungenragout essen musste, sondern frischen Fisch am Hafen von Port Douglas speiste und meine liebe Familie hatte einen meckerfreien Heiligabend. Vielen Dank für all die lieben Weihnachtsgrüße und Geschenke, die über wundersame Weise alle den langen Weg auf unseren Gabentisch fanden – Danke!
Den ersten Weihnachtsfeiertag verbrachten wir in aller Ruhe am Pool, wahlweise lesend oder schwimmend und ich vorzugsweise schlafend. Wir waren so faul, dass wir uns abends mit Schnittchen zufrieden gaben. Am nächsten Tag stand der Daintree Nationalpark auf dem Programm. Das ist der Regenwald im Norden Queenslands und die einzige Stelle, an der Regenwald direkt auf den Ozean trifft. Bei deutlich über dreißig Grad ließen wir die Wanderung auf den Aussichtsberg Mt.Sorrow (der Name wäre womöglich noch Programm geworden) aus und machten einen Strandspaziergang am Cape Tribulation. Herr Cook ist damals vor der Küste gestrandet und daher der Name. Nach einigen Wochen hatten seine Leute das Boot wieder flott und es ging weiter. Wir besuchten noch die Cassowaries, lustige Emuartige Vögel mit blauem Kopf und fieser gefährlicher Kralle, um dann auch wieder nach Hause zu fahren. Diese Tropen sind ganz schön anstrengend! Ohne dass man sich viel bewegen würde, ist man komplett durchgeschwitzt und fertig mit der Welt. Leider konnte man immer noch nicht in die lockenden Fluten springen, da es vor Krokodilen und anderem tödlichen Vieh nur so wimmelte. Dazu später mehr. Am nächsten Tag fuhren wir einige Stunden bei rauer See auf das Great Barrier Reef hinaus. Wir hatten uns zum Tauchkurs entschlossen. Kurze Einführung (Atmen nicht vergessen, Brille soll kein Wasser haben und wenn Hai kommt, schnell weg) und dann wurde das Gerät angelegt. Wie Marsmenschen saßen wir in den Startlöchern, bepackt mit Flaschen, Gewichten (wer hängt sich schon freiwillig Gewichte beim Schwimmen an?!), Flossen und Brille. Und ich hatte ja schon die ganze Zeit so ein flaues Gefühl im Magen und ich bin ja auch bekannt für Rekapitulationen des Mageninhaltes. Dieses Mal konnte ich Torsten gerade noch bitten, mir vom Ende des Schiffes eine dieser netten kleinen braunen Tüten zu holen (ist natürlich überhaupt nicht aufgefallen, als er in voller Montur in Flossen einmal quer über das Boot watschelte) und schon passiert. Wie gut, dass die Tüten biologisch abbaubar sind, so dass sie gleich über Board ging. Der Tauchlehrer sagte mir tröstend „Na, no worries, ich hab dir doch gerade gezeigt, wie du dein Mundstück unter Wasser ausleeren kannst. Nun man los, auf geht’s.“ So begab ich mich mit ein wenig Farbe im Gesicht auf meinen ersten Tauchgang. Und habe nur noch gestaunt. Waren wir vom Schnorcheln schon begeistert – das Tauchen war einfach unbeschreiblich. Schwerelos durch die Korallenwände gleiten, den bunten Fischen, Seegurken und riesigen Muscheln hallo zu sagen – einmalig. Und diese Farben! Weils so schön war, machten wir noch einen Tauchgang, beobachteten Delphine und schnorchelten bei Niedrigwasser über einer anderen Stelle des Riffes. Es ist das größte Lebewesen der Erde – und es ist furchtbar faszinierend, was sich da unter der Wasseroberfläche so alles abspielt! Ein toller Tag!
Nachdem wir Sonntag dann Port Douglas und die Mossman Gorge (der treue Leser erinnert sich aus meinem Novemberbericht mit Sarah & Gunnar) erkundeten, hieß es für uns leider schon Abschied nehmen. Abschied von einer tollen Unterkunft, in der Mango das Hauptnahrungsmittel war und wir jeden Tag mit einer riesigen Portion tropischer Früchte begannen, die wir teilweise noch nie gesehen hatten. Herrlich!
Über Brisbane kamen wir in Sydney an, wo uns nicht wie geplant Mama und Papa erwarteten, sondern Inga-Marie und Hendrik. Auch schön und hat auch länger gedauert – wir hatten uns so lange nicht gesehen und Hendrik wusste einiges von seiner Reise durch Bali und Neuseeland zu berichten! Meine Eltern hatten dagegen etwas Pech – nachdem in Frankfurt zunächst das Gepäckband kaputt war (und ich sag noch, kauft Siemens), hatte auch noch die Benzinleitung des Vogels ein Leck, so dass sie drei weitere Stunden umgeben von Feuerwehrleuten und Krankenwagen im Flugzeug warteten. Um dann nach Bangkok zu fliegen, denn zu mehr reichte es nicht mehr. Aber im Anschluss schön im A380 nach Down Under geschaukelt! Nach fast 48 Stunden konnten wir sie endlich in die Arme nehmen – war ja auch schon lange her, dass man sich gesehen hatte. Wie schön! Ich freute mich! Unternehmungslustig wie sie sind, schleiften wir sie den Tag lang durch Sydney. Wer rastet, der rostet. Darling Harbour, Harbour Bridge, The Rocks, das Opernhaus und jede Menge neue Bilder für das Familienalbum – und dann übermannte sie doch die Müdigkeit und wir mussten das Abendessen beenden. Zu dem Zeitpunkt waren sie dann auch gut 60 Stunden auf den Beinen – ganz schöne Leistung, nicht wahr. Am nächsten Tag ging es natürlich gleich weiter durch die schöne Hafenmetropole. Man verbrachte den Silvestertag am Strand von Manly, einem von Sydneys Stadtstränden, zu dem man nach einer wunderschönen Fährfahrt durch den Hafen gelangt. Nach einer Abkühlung und kurzer Shoppingeinlage (bei der Torsten sich die xte Badehose kaufte – aber ist schön!) mussten wir uns sputen. Schließlich wollten wir das weltberühmte Feuerwerk im Hafen sehen. Viel hatten wir gehört – vor allem Horrorgeschichten über campierende Leute an den besten Aussichtspunkten. Schon morgens fielen uns die Massen auf, die in den botanischen Garten strömten. Wir hatten uns nach ausgiebiger Beratschlagung für den Cremone Point entschieden, auf der anderen Seite des Hafens; gegenüber der Oper und des CBDs gelegen, versprach dieser beste Ausblicke. Wir schickten unseren Spähtrupp Inga und Hendrik los und siehe da – sie organisierten uns einen wunderschönen Platz auf den Felsen mit direktem Blick auf das Geschehen. So picknickten wir zwischen Probefeuerwerk und Bootsparade und harrten der Dinge, die da so kommen würden. Es ist schon lustig: Inga und ich haben schon von klein auf Silvester zusammen gefeiert. Aber das wir daß auch mal im schönsten Hafen der Welt tun würden – wer hätte das gedacht…. *melancholischerblick* Und dann! KRAWUMM! PENG! BLITZDONNER! Mitternacht! Ein frohes neues Jahr! Happy new year! Eine Viertelstunde lang erstrahlte der klare Nachthimmel Sydneys in vielen Farben und Formen. Das Feuerwerk wurde acht Mal in der Bucht wiederholt – aber nichts konnte das Geglitzer und das Getöse um die altehrwürdige Harbour Bridge toppen. (Ich möchte sogar sagen, nicht mal mehr die Feuerwerkswettbewerbe in den Herrenhäuser Gärten von Hannover.) Ich wollte an dieser Stelle mal ein Video sprechen lassen. Aber das klappt irgendwie nicht. Schade. Es war dieser Blick in dunkel mit Feuerwerk. Es war toll, einfach traumhaft. Beendet wurde das Ganze mit einem Hupkonzert der Schiffe. Was dieses Jahr 2009 wohl alles bringt, wenn es so schön beginnt?
Ein wenig verkatert begaben wir uns am nächsten Tag auf eine tolle Opernführung (leider konnte ich keine Karten für eine Aufführung organisieren), durch den botanischen Garten und nach Bondi Beach (oder doch nach Townhall, Papa?), um unsere Sydneywoche dann mit einem Ausflug in die Blue Mountains zu beschließen. Dieses Gebirge vor Sydney gehört zum Kulturerbe und hat seinen Namen von den dichten Eukalyptuswäldern, die einen blauen Dunst über das Ganze legen. Ein bisschen gepicknickt mit Chicken, ein bisschen gewandert über die Riesentreppe an den drei Schwestern inklusive erster Schlangensichtung und eine schrecklich schöne CD mit australischer Volksmusik – und alle waren glücklich und zufrieden. Sydney ist ein toller Auftakt für eine Australienreise und hat auch mir wieder einmal bestens gefallen. Schade, dass meine persönliche Reiseführerin Ramona nicht mehr da war - wir haben an Dich gedacht!
Das nächste Ziel der Reisegruppe war Brisbane. Mit haarsträubenden Gepäckmengen-Verschleierungen meiner Eltern (wieso denn, wir haben extra leicht in Reisetaschen gepackt?!) hoben wir ab, um im ziemlich einfallslosen Brisbane zu landen. Herrje, welch Schock. Aber wir wollten ja nur eine Nacht bleiben, um am nächsten Tag auf das große Abenteuer aufzubrechen – unsere Camperreise an der Ostküste Australiens. Lange vorher gebucht, alles geplant, standen wir morgens um 10:00 Uhr am Schalter der Britz Campervermietung von Brisbane. Pia nahm sich gleich unser an, nachdem sich ein nettes junges Mädel unsere Gunst verspielt hatte mit merkwürdigen Versicherungsprämien in hunderten von Dollarhöhe, die wir noch gerne zahlen sollten… Man gut, dass zwei Kaufleute mit von der Partie waren. Aber wo waren nun eigentlich die zwei Camper? Pia? Camper eins stand startbereit auf dem Hof, Camper zwei (von Mama und Papa) hatte leider ein Känguru zu gerne gehabt und war in Reparatur. So kam es, dass wir einen halben Tag im Lone Pine Koala Sanctuary von Brisbane zubrachten, wo ich endlich Kängurus und Koalas knuddeln und streicheln konnte. Auch schön. Aber die Zeit drängte, denn am nächsten Tag hatten wir eine Tour von Hervey Bay (ca. 4 Stunden nördlich) nach Fraser Island gebucht. Camper in Empfang genommen und ab dafür. Vorbei an der Riesenananas (ich liebe Australiens Vorliebe für Pappmaschee) und hinein in den ersten Regen – pünktlich zum ersten Camping von meinen Eltern. Ohoh. Haben wir alles überlebt und sogar noch mit Rennen die Fähre nach Fraser Island bekommen, der größten Sandinsel der Welt! Hier verbrachten wir zwei schöne Tage mit einem Allradantriebsbus, der, wie könnte es anders sein, ein alter Hannomag war. Treu brachte er uns über die Sanddünen, an Stränden mit wilder Brandung vorbei und quer durch diese wunderbare Insel. Wir badeten in klaren Süßwasserseen und Flüssen, in denen das Wasser 100 Jahre alt ist und bestaunten die Wellen des Ozeans, in denen sich allerlei todbringendes Getier tummelt. Wenn man nicht von einer der zehn menschenessenden Haiarten aufgefuttert wird, dann kommt man vielleicht um, weil man einen Box-Jellyfish (Qualle), einen Stinger (Qualle), einen Steinfisch oder eine Iracangee (wie schreibt man das?) trifft. Fingernagelgroß bedeutet dieses Tier sofortiges Ableben. Oder man denkt beim Strandspaziergang, oh diese schöne Muschel möchte ich gerne meiner Oma mitnehmen, dann wird man manchmal dafür sofort bestraft und fällt von der Berührung tot um. Irgendwas ist ja immer. Schön. Wir campten in Luxuszelten und beim nächtlichen Toilettengang (man ging gemeinsam) erstrahlte das Himmelszelt wunderbar hell. (Das jedenfalls erzählte Torsten mir, ich persönlich war damit beschäftigt, nicht auf irgendwas draufzutreten oder in eines der riesigen Spinnennetze zu geraten – und nicht aufzuwachen.) Nach dieser Tour trennten sich die beiden Campermobile und wir überließen Mama und Papa der australischen Wildnis (und den Reparaturwerkstätten, denn ihr Camper hatte leichte Elektrizitätsprobleme). Torsten und ich fuhren gemütlich die Küste hoch und machten Halt in lustigen Orten wie Town of 1770 (erste Landsichtung von Herrn Cook in Queensland), Agnes Water (nördlichster Surfort – das haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen), Clearview (mit einem Campingplatz von 1960, vermutlich Kulturerbe und deswegen unverändert und ohne Gasgrill) und schließlich Airlie Beach. Vorbei an der Rinderhauptstadt Australiens (Rockhampton), vorbei an weitem Farmland und Zuckerrohrplantagen und vorbei an Mackay. In Airlie Beach trafen wir bekannte Gesichter, die nun etwas gebräunt waren. Mama und Papa kamen von ihrer Great Barrier Reef Tour zurück und wir feierten ein kleines Wiedersehen im Busch mit standesgemäßem BBQ. Am nächsten Tag hieß es dann für Torsten und mich „Segel ahoi“ und wir gingen an Board der Iceberg. Als ich die Dame bei der Fahrkartenabholung fragte, wie das Wetter würde, sagte sie mit einem Lächeln: „Oh sehr gut. Morgen viel Sonne, dann ein wenig wechselhaft. Wir erwarten den Zyklon für übermorgen.“ Ahja. Nochmal eine Packung Reisetabletten besorgt. Gemeinsam mit 11 weiteren lustigen Gesellen aus aller Welt, einem Skipper und einem Azubi umsegelten wir zwei Tage lang die Whitsunday Islands, eine Gruppe Sandinseln, die vor der Küste Queenslands liegt. Dieses Mal war ich bestens präpariert und schluckte tapfer alle sechs Stunden meine Wundermittel. Klappte gut. Torsten setzte die Segel mit dem bestaussehensten Engländer, der mir je begegnet ist, und wir nahmen ordentlich Fahrt auf. Zwischendurch wurde geschnorchelt, geschnattert und entspannt. Für die Nacht vor Cook Island hatten wir die Kabine in der Spitze vorne – äußerst romantisch und ein kleines bisschen schaukelig. Wir ankerten morgens vor dem weltberühmten Whitehavenbeach, den wir leider zu Hochwasser zu sehen bekamen, weswegen er ganz schön klein war. Aber sonst ist der bestimmt toll! Dafür sahen wir viele Schildkröten. Auch schön. Die Tour endete mit den ersten Vorboten des angekündigten Wetterumschwunges – nach zwei Stunden totaler Flaute stürmte es los. Wir kamen flott in den Hafen und es dauerte bis zum nächsten Morgen, dass ich nicht mehr schwankend durch das Leben wankte. Beim Frühstück wurden wir Zeuge eines holländischen Ferienmorgens. Als alter Camper ging unser Platznachbar um sein Mobil und fuhrwerkte an einer der Klappen rum, um schließlich einen Trolley (so wie so ein Handgepäckstück) rauszuziehen. Zog die Stange mit Griff raus und ging los, als wenn er gleich in einen Flieger einsteigen wollte. Uns wurde klar, was er da in seinem Koffer hatte, als er an uns vorbeikam. Es stank nämlich ganz furchtbar. Guten morgen! Der Holländer und sein Kacketrolley.
Für uns ging es weiter an der Küste Richtung Norden. Mama und Papa waren uns voraus, denn sie hatten noch so viel zu sehen! Wir stoppten in Charters Towers, in Queenslands Outback, wo uns dann der Zyklon Charlotte endgültig eingeholt hatte. Am nächsten Tag kamen wir noch durch malerische kleine Outbackstädte bis Townsville und dann dachte ich, wir schwimmen weg. Nach zwei Tagen war es immer noch nicht besser, Kino und Aquarium mit genug Haien hatten wir besucht, so dass wir beschlossen, Magnetic Island ausfallen zu lassen (welch Jammer!) und weiter gen Norden zu fahren. Dort sollte das Schlimmste überstanden sein und die Straßen waren endlich wieder auf. Leider galt das nicht für die Campingplätze – die waren nämlich abgesoffen. Also campten wir wild. In unserem Luxuscamper ja kein Problem. Der hatte nämlich Wassertank und Pumpe zum Abwaschen, Licht und Kühlschrank und Gasherd und Mikrowelle und stehen konnte man auch noch drin. Kann man ruhig mal so sagen. Leider kamen wir im Dunkeln an, so dass wir erst am nächsten morgen sahen, wo wir waren. Die Nacht über schüttete es ohne Erbarmen und ich hatte wirklich Angst um uns. Bei Tageslicht betrachtet hätte es auch nur einen weiteren Meter im Meeresspiegel gebraucht und wir hätten ein Hausboot gehabt. Leider machte ich hier auch die unschöne Bekanntschaft mit kleinen schwarzen Fliegen, die meine Nachtruhe störten und mich aussehen ließen, wie von Windpocken befallen. Bis ich merkte, was passierte, war mein Körper von 80 oder 90 Stichen übersäht und ich juckte mich zu Tode. Schnell weg! Noch vor dem Frühstück fuhren wir ab. Tolle Tropen! Ein wenig fertig kamen wir nachmittags in Mission Beach an. Hier beschlossen wir, zu bleiben für die Nacht. Schoen lange Straende mit Palmen ... Es war furchtbar heiß und kein Wind ging, so dass unser Camper eine schöne Schlaftemperatur von ca. 32 Grad hatte. Meine Stiche juckten. Ich wusste weder ein noch aus und zu allem Überfluss befand sich vor unserem Mobil eine recht große Schlange, mittlerweile die dritte, die wir sahen. Schön in Queensland. Nach einer weiteren schlaflosen Nacht kühlte ich mich morgens im Pool und unter eiskalter Dusche ab. Und dann ging es auf dem direkten Weg nach Cairns, wo wir unser Fahrzeug schon einen Tag eher abgeben mussten, als wir dachten. Huch…. Naja. Ein klimatisiertes Hotelzimmer war uns nicht unrecht und so verbrachten wir den letzten Abend gemütlich an Cairns’ Promenade, Fisch und Krebs essend. Ein nettes Ehepaar sprach mich auf meine leicht geschwollenen Arme an und wies mich freundlich darauf hin, dass im Moment eine erhöhte Gefahr von Dengue Fieber bestünde. Ahja, auch das noch. Wenn man also Todesfische, Haie, Muscheln, Krokodile, Dingos, Spinnen und Schlangen überlebt – dann sticht einen eine Mücke und man kriegt Fieberanfälle. Zum Glück waren es ja kleine schwarze Fliegen und wie ihr seht, leb ich ja auch noch. Aber gerade so. Gerade so. Nach einem schönen Vormittag in Cairns’ Badeanstalt (das ist wirklich gut: weil man nicht im Meer baden kann, gibt es in den Städten so genannte Lagunen, die umsonst und 24 Stunden offen sind) landeten wir im heimischen Melbourne bei 15 Grad. Schon lange hatte ich mich nicht mehr über eine solche Temperatur gefreut. Durchatmen! Zackzack wurden wir von Antonia abgeliefert und kaum zwei Stunden später befanden wir uns auf der Verlobungsfeier von Jasmin & Toby. Pünktlich zu Reden (und Traenen in die Augen kriegen) und Nachtisch waren wir da – und dann wurde erstmal gepoltert. Das war den Australiern erst nicht geheuer, aber weil es Krach macht und viel Spaß, wurde es dann doch für gut befunden und ordentlich ausprobiert. Zur Ausnüchterung am nächsten Tag hatte Antonia einen Surfkurs bei unserem Haus- und Hoflehrer (Tante Käthe, man lese den ersten Surfbericht) in Torquay gebucht. War das ein Spaß! Und so langsam krieg ich das auch besser hin. Nach weiterem Grillen ging Torstens Zeit im heißen Australien zu Ende und so musste ich ihn schweren Herzens gestern Morgen am Flughafen abliefern. Für mich (und auch für Antonia, die wieder Mitglied der Siemensfamilie geworden ist) fährt der Schichtbus wieder. Es sind zwischen 28 und 37 Grad – so heiß, dass die Züge ausfallen, weil sich die Schienen verformen.

Seit langem hatte ich nicht mehr so lange Urlaub, wie jetzt. Es war furchtbar entspannend und ein einziges Abenteuer in den Tropen. Herrlich! Und doch immer noch nicht lange genug, um alles zu sehen. Aber wir koennen ruhigen Gewissens behaupten: nasse Tropen: ham wir erlebt!
Nun bereite ich mich vor auf die nächste Besuchswelle und meine Deutschlandreise in zwei Wochen. Kinders, wie die Zeit vergeht.

Aus dem australischen Sommer grüßt euch eure Änk.