Samstag, 21. Februar 2009

... und wieder auf dem Kopf

Es war schön, mal wieder zu Hause in Deutschland zu sein. Vieles bekommt man hier am Ende der Welt doch nicht mit vom alten Kontinent. Und natürlich war es auch wunderbar, viele liebe Menschen zu treffen, lecker Käsebrot zu essen und zu frieren. Pünktlich zum Valentinstag lieferte mich Torsten am Münchener Flughafen ab. Ich beendete hier noch schnell mein Projekt 'Ich esse mich durch die bayrische Speisekarte in einer Woche' und wir feierten Abschied im Hofbräuhaus. Erster Zwischenstop war mal wieder Singapur. Dieses Mal jedoch etwas länger, so dass ich einen Nachtspaziergang durch die Stadt machen konnte, vorbei an vielen Sehenswürdigkeiten und mal wieder asiatische Luft schnuppern durfte. Leider haben Damaris und ich uns verpasst, so dass ich mich mit Reiseführer durchschlagen musste. Hat mir ganz gut gefallen, gibt lecker essen und kann man auch gut einkaufen - und dann freute ich mich aber auch, als ich mich Sonntag abend wieder in gewohnter Umgebung befand: am Strand von St. Kilda, bei 25 Grad und Kaltgetränken mit Antonia und ihren Mädels. Herrlich!

Langeweile kam dann wie immer nicht auf, denn es stand für diese Woche neben unserer Beschäftigung bei Siemens auf dem Programm der Eventagentur Paella & Paella GmbH & Co.Kg (grosses K):
1.) Sport: die Laufzeit braucht Fortschritt, den wir dafür aber beim Aufbau auf der Formel 1 Grandprix Strecke im Albert Park bestaunen können.

2.) Spontaner Polterabend bei Christine & Stefan in Carrum: die Überraschung ist uns gelungen. Die beiden wollten nämlich still und heimlich zu ihrer Hochzeit in Port Fairy abreisen. Nicht aber mit uns. Und so rückten wir Mittwoch abend mit Geschirr, künstlerisch gestalteten Verkleidungen und Brotzeit bei den beiden an. Was für ein Spaß! Und nun sind sie unter der Haube - Alles Gute für Familie Wendl!
3.) Judith & Mikosch vom Flughafen abholen: endlich! Große Wiedersehensfreude! Die beiden begannen von Tag 1 an mit Entspannung und verbrachten ihre Tage in Melbourne am Strand, in Cafes und am Strand. So soll es sein.
4.) Jackson & Jackson Konzert im Prince of Wales Bandroom in St. Kilda: sehr schön.
5.) Surfen in Torquay: bester Wochenabschluss überhaupt!

Wurde also alles in gewohnter Qualität erledigt und genossen. Nun befinden sich Judith und Mikosch auf ihrer Australienreise im Camper und ich bin gespannt, was sie in zwei Wochen alles zu berichten haben!
Und für mich scheint nun die Zeit noch schneller zu rennen als sowieso schon. So viel noch zu sehen, zu erleben, zu schmecken... Ich freue mich auf meinen letzten Monat in Australien, in dem die Tage hoffentlich 30 Stunden haben.
Cheers, Eure Änk.

Montag, 16. Februar 2009

Bushfires

Meine Woche auf dem alten Kontinent war geprägt von ungewöhnlich vielen Nachrichten vom fünften Kontinent: hier brachen nach Wochen der Hitze im südlichen Bundesstaat Victoria die verheerendsten Waldbrände (auf englisch harmlos bushfires genannt) in der Geschichte Australiens aus - während die Menschen im tropischen Queensland mit Wassermassen und Überflutungen zu kämpfen hatten. Immer wieder rief ich in der Wahlheimat an, um zu erfahren, wie es den Kollegen und Freunden erging, waren doch die in den Medien genannten Ortschaften verdächtig dicht am Siemensstandort und zu viele davon hatte ich als wunderschöne Wochenendziele besucht. So landete ich gestern abend mit gemischten Gefühlen in Melbourne: einerseits Freude über die Wiederkehr, andererseits auch Bange vor dem, was mich auf der Arbeit an Geschichten erwarten würde. Je näher wir heute morgen an Bayswater heran kamen, um so dichter wurde die dunkle Qualmwolke, die sich über uns legte. Beim Ausstieg hatte ich das Gefühl eines Lagerfeuers, was ich auch den ganzen Tag über selbst im Büro nicht los wurde.

Ein paar Blicke in die Gesichter meiner Kollegen und man konnte die Anspannung sehen, mit der sie seit Tagen leben. Angst, im Schlaf von der Feuersbrunst überrascht zu werden. Angst, keine Zeit zu haben, das nackte Leben und das der Kinder zu retten. Der nationale Feuerplan half bei dieser Katastrophe nicht, denn er besagt, dass man so lange im Haus bleiben soll, bis die Feuerwalze vorrüber gezogen ist. Selbst wenn die Hütte schon brennt. Dieses Mal jedoch trug der der starke Wind die Funken kilometerweit vor sich her und setzte die ausgedörrte Landschaft im Nu in Brand. Menschen flüchteten sich in Panik in die Badewanne - und verbrühten. Das Feuer erreichte Temperaturen von bis zu 1.200 Grad Celsius. Die Feuerwehrleute sind machtlos - welches Gerät soll dem standhalten? Alles, was sie tun können, ist die Häuser zu löschen, nachdem sie niedergebrannt sind. Meine Kollegen sind auch im Einsatz, teilweise vier Tage hintereinander. Was sie sehen, lässt sie nicht wieder los. Und das Schlimmste steht noch bevor: was ist mit all den Toten, die bisher keiner identifizieren möchte/kann? Über das Land rollt eine große Welle der Hilfsbereitschaft. Bei Siemens werden Kleidung und Spielzeug gesammelt, ehrenamtliche Helfer braten Würstchen oder hören einfach nur zu.

Falls man etwas tun möchte, ruft das australische Rote Kreuz unter
https://www.redcross.org.au/Donations/onlineDonations.asp
zu Spenden auf.

Um euch zu verdeutlichen, wie nahe diese im Fernsehen so weit weg erscheinenden Orte sind, hier ein paar Beispiele, die euch aus meinen vorherigen Berichten bekannt vorkommen:
In Kinglake, nordöstlich der Stadt, hatten wir im Oktober die wilden Orchideen gesucht und bestaunt. Verbrannt.
Hinter dem malerischen Marysville beginnen die Snowfields von Victoria. Verbrannt.
In Yarra Glenn haben wir den Melbourne Cup verfolgt. Verbrannt.

Die Cathedral Ranges im Wilsons Prom, mit der Sealers Cove im Hintergrund, an deren herrlich weissem Strand wir picknickten. Verbrannt.
Im Yarra Valley war ich zuletzt mit Mama und Papa gewesen und hatte die schönen Weinberge kurz vor der Ernte, die Güter und herrliche Landschaft genossen. Auch hier sind viele Teile verbrannt, die Ernte ist zerstört.
Im Healesville Sanctuary hatte ich viele australische Tiere kennen gelernt, die nun aus Angst vor Panik evakuiert wurden. Teile des Ortes sind Geschichte. Verbrannt.
Das Haus meiner Chefin mit dem wunderschönen Ausblick über das Tal - die Feuerfront kam 5km entfernt zum Stillstand, weil der Wind endlich abdrehte.
Ascheregen in der Stadt, glutroter Himmel.
Und schließlich heute nachmittag bei Feierabend werfen wir einen angstvollen Blick in Richtung
Dandenongs, das Naherholungsgebiet gleich hinter Siemens, in denen meine Kollegin Sam vor zwei Wochen noch ihre Hochzeit feierte. Dunkle Rauchschwaden verhüllen den Gipfel, dazwischen einzelne helle Flammen. Der Eukalyptuswald brennt.
Kollegen haben ihre Häuser verloren, manch einer besitzt nur noch das, was er am Leib trägt. Kinder verloren Schulfreunde. Ganze Familien starben bei dem Versuch, ihre Existenz zu retten. Und das alles keine 30km entfernt von meinem Arbeitsplatz, wie Antonia heute bedrückt bemerkte. So nah.

Und dann die fast komisch erscheinenden Meldungen von Überschwemmungen aus Ingham in Queensland. Das ist auch Australien. Dieses Land ist so unvorstellbar riesig, dass man die Hektoliter nicht mal eben per Schlauch von einem Ende ins 3.000km entfernte Flammeninferno pumpt. Und diese Überflutung führt dann zu einem weiteren Notstand auf Schicht:

Es ist ein verrücktes Leben in Down Under. So viel kann ich berichten.
Eure Änk.

Dienstag, 3. Februar 2009

1 Hochzeit und 4 Besuchsfälle

Da hatte ich gerade vernünftig gelüftet (so gut das eben bei der Hitze möglich ist) und schwups war schon der nächste Besuch vor der Tür. Inga und Hendrik gaben sich aus Sydney die Ehre. Juhu! Wo soll man auch als Tennisfan sein zu den Australian Open, wenn nicht im schönen heißen Melbourne? Die beiden verbrachten ihre Tage bei mir auf dem Centre Court oder aber in kühlen Museen. Irgendwie muss man ja der Hitze entfliehen.
Freitag abend nach der Arbeit durfte ich mal wieder ein echtes australisches Erlebnis mitnehmen: ich war auf die Outback Hochzeit meiner Kollegin Sam eingeladen. Sie fand nachmittags um fünf bei 47,3 Grad unter schattenspendenden Eukalyptusbäumen hinter den Dandenongs mitten in verdörrter Landschaft draußen statt. Die Gäste saßen während der Zeremonie auf Strohballen und die Musik kam aus der Konserve. Sams Papa brachte sie durch den Gang zu ihrem Angetrauten bei Colby Calais' Musik. Für die Standesbeamtin (von Siemens, wie könnte es anders sein) war es die erste Hochzeit, weswegen sie auch leicht uppjerescht war und mit den Namen gut durcheinander kam. Aber: eine gute Viertelstunde später war alles erledigt, die Trauzeugen (Tochter Holly, 8, und Sohn Jake,4) gaben ihr Einverständnis, die Papiere wurden unterschrieben und Mrs. & Mr. Alfonso waren verheiratet! Und dann stieg die Party in der angrenzenden Scheune auf der Gum Gully Farm. Ohne Klimaanlage war Bier als Erstes alle und der Bräutigam war eine halbe Stunde nach der Trauung schon wieder in Shorts, T-Shirt, Schlappen und Sonnenbrille anzutreffen. Es war eine lustige Party mit lauter Bogans, völlig informell und trotzdem total schön!
Samstag hieß der große Plan: shoppen in Chadstone und dann ab zum Surfen nach Torquay. Ersteren Programmpunkt absolvierten wir mit Bravour, der nächste gestaltete sich einigermaßen schwierig. Unter dem fadenscheinigen Vorwand, man bräuchte noch ein Mitbringsel für kleine Brüder, ließen Inga und Hendrik uns schon an der Orsteinfahrt Torquay bei den Fabrikverkäufen sämtlicher australischer Surf- und Schwimmmarken anhalten. Das Ende vom Lied: Antonia und Anke stehen in einer ein quadratmetergroßen Umkleidekabine und probieren einen Arm voll Neoprenanzüge an. Während ich kurzentschlossen ein gutes Stück für nochmals 30% reduziert erstand (ich wundere mich, warum ich nicht noch was rauskriegte), dauerte es bei unserer Freundin Antonia etwas länger mit dem Entscheidungsprozess. Schließlich sollte es das teuerste Stück der Sammlung sein, welches wir über äußerst fragwürdige Methoden auf ein achtel des Originalpreises zu drücken wussten (nähere Infos können aus Wettbewerbs- und Ethikgründen hier nicht preisgegeben werden). Roddy hat sich hinterher für uns geschämt - diese deutschen Mädels sind aber auch nicht zu bremsen. Wie ihr vielleicht schon erraten könnt: gesurft haben wir nicht mehr am Samstag. Denn es war schon fünf Uhr und die Poolparty bei einem Kollegen rief uns zu sich. Dort haben wir bei 32 Grad unsere neuen Erwerbungen getestet. Fazit: halten warm! (Vielleicht auch ein Assesoire für meine Bewerbungsreise?)
Sonntag gabs erstmal wieder Abschied - Inga und Hendrik verließen mich in Richtung neue Heimat. Mir blieb eine Stunde, meine Bude auf Vordermann zu bringen, einmal Betten wechseln und zum Flughafen eilen. Nach drei Jahren oder mehr traf ich mich endlich mal wieder mit meiner lieben Tante Gisela & Onkel Helmut aus Shanghai. Wie schön! Dazu muss ich also erst nach Australien reisen. Wir verbrachten einen gemütlichen Tag in der Stadt (und ihren kleinen Gassen und Arkaden) und St. Kilda. Und gestern schon brachen sie wieder auf zum nächsten Reiseziel: Tasmanien. Hoffentlich dauert es nun nicht wieder drei Jahre... Es ist schön, dass ich am Ende der Welt nicht alleine bin und ich so oft bekannte Gesichter um mich herum hab!

Und nun sitze ich hier auf gepackten Taschen, mit drei Kilogramm Vegemite für Australier im Exil im Gepäck und der dicksten vorhandenen Jacke obenauf. Morgen nachmittag geht es los, die Heimat ruft. Ich freue mich auf viele liebe Menschen und ein schönes Käsebrot!
In einer guten Woche bin ich zurück auf Sendung in Down Under, bei Känguru und 35 Grad.

Cheers, Eure Änk.