Mittwoch, 11. März 2009

In Neuseeland oder “Ham? Neeeee!”

Der aufmerksame Leser und Geograph hat bestimmt schon festgestellt, dass auf meiner Australienexpedition noch ein wichtiges Element fehlte: Tasmanien! Richtig. Als ich das erstmal rausgefunden hatte und auch noch weiterer letzter Feiertag (Tag der Arbeit natuerlich) quasi zum Verreisen zwang, waren die Fluege auch schon gebucht. Wie es der Zufall so wollte, wollten Inga, Hendrik, Judith und Mikosch auch diese Insel im Sueden des australischen Festlandes besuchen. Um Tasmanien ranken sich die wildesten Geschichten: die laengste Zeit seit seiner Entdeckung war es eine Gefangeneninsel (mit dem Namen ‚van Diemens Land’) mit schlimmsten Folterungen, Inzucht und Vertreibung von Aborigines. Dazu kommt ein auesserst rauhes Klima – kein Wunder, denn zwischen hier und der Antarktis liegt nicht mehr viel. Naemlich gar nix. So machten wir uns also abenteuerlustig auf am Freitag abend, um in Launceston am Hub Backpackers auch auf Inga & Hendrik zu stossen. Diese schoene Jugendherberge im Herzen Launcestons im Norden Tasmaniens zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass unten drin ein Pub ist. Dieser Pub widerum zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er Freitags eine Schwulen- & Transvestitendisko, Samstags eine Stripbar ist. Wie schon gesagt, wir kamen Freitags an. Herr Scharf war auch schon da und schlief unter mir im Doppelstockbett. Naechsten morgen frueh nach sonnigem Fruehstueck gings los – in die Berge! Im Cradle Mountain Nationalpark wollten wir auf den Gipfel des Cradle Mountain wandern. Leider machte uns das angesprochene Wetter zu schaffen – es goss und stuermte naemlich. Gelobt sei Funktionskleidung. Am Aussichtspunkt auf den Gipfel sahen wir viel weiche Watte in Form von grauem Nebel, aber keinen Gipfel. Da es uns beinahe in die Watte reinwehte, beschlossen wir, umzudrehen und noch eine Runde um den Dove Lake zu drehen. Unten im Tal war es naemlich trocken, windstill und fast warm. Herrlich! Und dann ging es auch schon wieder zurueck, Zwischenstation fuer einen heissen Kakao (wie lange war ich schon nicht mehr durchgefroren gewesen und hatte das Beduerfnis nach heisser Schokolade gehabt) inklusive. Bis Judith fragte „Wie sieht denn eigentlich so ein Wombat aus? Hat das einen dicken Hintern und Puschel dran?“ Da dem so ist, hatten wir ausreichend Gelegenheit dank Judiths Adlerauge einige dieser possierlichen Tierchen sowie hunderte von Wallabies (tot oder lebendig) und Echidnas zu beobachten. Klein und gross. Und dann verliessen wir am Sonntag frueh nach ekelhaftem Fruehstueck Launceston (wo auch mein Lieblingsbier in Australien herkommt – James Boag & Son), um an der Ostkueste der Insel nach Bicheno und dem Freycinet Nationalpark zu duesen. Herrlich! Straende wie im Wilson’s Prom und klare Luft – man fuehlte sich ein wenig in Daenemark, Schweden, Neuseeland, der Lueneburger Heide oder aber auch auf Tasmanien. Es folgte eine wunderschoene Wanderung zur Wineglass Bay. Diese Bucht heisst, wie sie heisst, weil sie erstens rund ist wie ein Weinglas und zweitens frueher das Wasser blutrot war, vom vielen Walfang. Nun war es aber glasklar, tuerkis-blau, der Strand war schneeweiss, es huepften Wallabies rum, wir tranken einen schoenen Rotwein und huepften zu guter Letzt in die eiskalten Fluten. Ein bisschen unwirklich, weil kitschig das Ganze – aber so war es. Die folgende Nacht im niedlichen Bed&Breakfast war fuer Inga und mich nicht ganz so ruhig, weil wir uns leider den Magen verdorben hatten. Am naechsten morgen beobachteten wir Tintenfisch-Fischer am Pier von Bicheno, wie sie sich blaue Haende holten, weil sie die Fische zerlegten. Die Fische hatten bestimmt ein Lamydepot ueberfallen – so viel Tinte im Bauch! Ueber weiter traumhaft schoene, einsame Kuestenstrassen fuhren wir in Hobart ein, Hauptstadt des suedlichsten Bundesstaates. Was fuer ein niedliches Hafenstaedtchen. Gemuetlich tranken wir Kaffee in der Sonne, kauften leckersten Kaese (tasmanische Spezialitaet) und bummelten da so rum. Und dann ging unser Flieger nach Melbourne zurueck. Abschied von inga & Hendrik – wie schoen, dass wir ein Teil des Australienabenteuers zusammen erleben konnten! Und Tasmanien ist in jedem Fall eine Reise wert – eine Reise zurueck in der Zeit, durch englische Doerfer der sechziger Jahre, durch Regenwald, vorbei an weissen Straenden und klarem Wasser, vorbei an unzaehligen Tieren, durch klare Luft, ohne anderen Menschen zu begegnen – ein Traum.
Der Rueckflug war toll – wir hatten tolle Sicht und so kam es, dass ich einen Rundflug ueber Victoria bekam. Ueber den Wilson’s Prom (wo es leider immer noch brennt), ueber die Dandenongs (wo man die verbrannten Stellen sehen konnte), ueber Siemens und und und. Ein Gaensehautflug – ein bisschen, wie zum Abschied.

Abschied war sowieso ein grosses Wort letzte Woche, denn Hals ueber Kopf verkaufte ich mein weisses Safarimobil an einen windigen Reifenhaendler. Zu dem hatte Antonia ja beste Beziehungen nach unserem Bergfestwochenende, aber diese Bande sind nun zerschnitten, nachdem sich das weisse Safarimobil als ziemlich krank erwies. Mein armes Mobil wird nun vermutlich einer Putzflotte angehoeren – ich bin ein wenig traurig. Das gute Stueck! *GotthabesseligmitzweiFingerneinKreuzmach* Nun folgen eine Woche lang Abschiedsfeiern – die Taschentuecher liegen bereit.

Cheers, Eure Aenk.

1 Kommentar:

Der Ranger hat gesagt…

Klingt nochmal nach einem tollen Wochenende, aber du hast uns den Samstag Abend verschwiegen;-) Oder war das etwa ne Schwulen&Transvestiten-Strip-Show, die du lieber verdraengst?????

Gruessle ausm Westen
Der Ranger