Sonntag, 21. Dezember 2008

Alle Jahre wieder....

Vom Ende der Welt wünschen wir Euch allen ein frohes Weihnachtsfest und anschließend einen wundervollen Start in ein glückliches neues Jahr 2009!
Wir verbringen unser erstes Weihnachten alleine unter den Palmen Queenslands, bevor wir die Korken in Sydney mit Mama, Papa, Inga-Marie und Hendrik knallen lassen. Im Anschluss folgt dann eine gemütliche Campingreise entlang der Küste Queenslands.
Ab Mitte Januar meldet sich die Redaktion mit den neuesten Eindrücken zurück.

30 Grad heiße Weihnachtsgrüße aus Melbourne senden Torsten und Anke.

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Lara Croft & Harry Potter

Fotografiert von Peter - schön, dass du uns besucht hast! Und schade, dass nun die Geschichten aus Bangladesh aufhören... aber wer weiß, was sich in Gütersloh alles abspielt!

Ein gutes Heimkommen und Eingewöhnen wünscht der frische Hugh Jackman Fan.

Dienstag, 16. Dezember 2008

In der Weihnachtsbäckerei...

... gibts so manche Leckerei. Zwischen Mehl und Milch macht so mancher Knilch eine riesengroße Kleckerei- in der Weihnachtsbäckerei, in der Weihnachtsbäckerei. Wo ist das Rezept geblieben von den Plätzchen, die wir lieben? Wer hat das Rezept verschleppt? In der Weihnachtsbäckerei gibts so manche Leckerei. Zwischen Mehl und Milch macht so mancher Knilch eine riesengroße Kleckerei- in der Weihnachtsbäckerei, in der Weihnachtsbäckerei.
Na, dann müssen wir es packen, einfach frei nach Schnauze backen - schmeißt den Ofen an - ran! Brauchen wir nicht Schokolade, Zucker, Honig und Succade und ein bischen Zimt? Das stimmt.
Butter, Mehl und Milch verrühren, zwischendurch einmal probieren und dann kommt das Ei -vorbei. In der Weihnachtsbäckerei gibts so manche Leckerei. Zwischen Mehl und Milch macht so mancher Knilch eine riesengroße Kleckerei- in der Weihnachtsbäckerei, in der Weihnachtsbäckerei. Bitte mal zur Seite treten, denn wir brauchen Platz zum kneten. Sind die Finger rein? du Schwein! Sind die Plätzchen, die wir stechen, erstmal auf den Ofenblechen, warten wir gespannt - verbrannt. In der Weihnachtsbäckerei...

Freitag, 12. Dezember 2008

Ich war hier auch noch nie

Letzten Donnerstag eilte ich vom fernen Osten der Stadt (dem schönen Bayswater) durch zwei elend lange Stunden Feierabendverkehr an die Southern Cross Station, um meine zwei reisenden Hannoveraner wieder in Empfang zunehmen. Bei leckerem Essen auf der Aix-au-Chapelle wurde mir die Ostküste des Landes sehr ans Herz gelegt sowie von Kamelen mit abgefahrenen Beinen im Outback berichtet. Sarah und Gunnar waren total begeistert von ihrer Reise bis hier, was mich natürlich freute – aber das konnte doch gesteigert werden?! Was tut man da? Man bestellt herrlichstes Wetter für einen Tag Sightseeing und feiert am Freitagabend in den kleinen Gassen Melbournes ausgiebigst das Wochenende und leider auch schon ein bisschen den Abschied von David, unserem Lieblingsaustralier. Er hat sich gegen den petrolgrünen Stempel entschieden und für eine Bar in Vietnams Bergen. Ähnliche Geschichte. Ich war jedenfalls wieder einmal begeistert von den Hinterhöfen der Innenstadt. In meiner ganzen Zeit hier war ich noch nicht einmal in einem Club zweimal. Das hat mehrere Gründe. Erstens: ich bin selten da. Zweitens: es gibt zu viele. Drittens: ich finde sie nie wieder. Man geht in die dunkelste Ecke und denkt, ist gleich Ende an den Mülltonnen und man tritt durch eine verrottete Tür und auf einmal steht man im angesagtesten Pub mit Livemusik. Das macht Spaß, besonders wenn man dabei einen dreiviertel Liter Melbourne Bitter von Gunnar in die Hand bekommt, Sarah sich sofort mit schwarzen Afghanen anfreundet und die Luft sehr lustig riecht. Das ist Melbournes Nachtleben.
Samstag kam schon früh der Nikolaus. Trotz ungeputzter FlipFlops, die wir rausgestellt hatten, war er fleißig. Ein wenig zu bedenken gab uns die Tatsache, dass die Lindt-Rentiere aussehen wie Osterhasen. Aber bei dem Wetter passt das auch. Schnell ein deftiges Frühstück bei Amici eingeschoben und schon gings los. Das dolle Trio machte sich auf in Richtung Direct Factory Outlet in der Stadt. Shoppen. Das geht so: Sarah sagt, was wir brauchen und Anke und Gunnar ziehen an, verhandeln das Doppelpack und kaufen. Klappte wiederholt super und wir machten ein Schnäppchen nach dem anderen. So kam es auch, dass ich mir im Sommer Australiens neue Winterstiefel kaufte. Zur Belohnung gabs für uns alle den obligatorischen Starbuckskaffee und eine neue Gutschrift auf meinem Punktekonto bei der australischen Verkehrsbehörde. Falsch geparkt, 57 australische Dollar ärmer. Wie war das mit Schnäppchen?
Schnell weg, das Wochenendausflugsziel rief. Wir hatten uns eine Hütte in den Grampians gebucht. Dieses Gebirge liegt im Nordwesten Melbournes, hinter den so genannten Goldfields. Diese haben wir uns gekniffen und uns stattdessen mit den Kängurus an unserer Hütte angefreundet. Obwohl wir uns hüpfend näherten (angeblich die ernergetisch sinnvollste Art der Fortbewegung), wurden wir aber nicht richtig warm. Wir hatten einen gemütlichen Abend inklusive Kochkurs a la Anke Teil 1 für Sari und schwelgten in Erinnerungen von damals. Früh am Sonntag wanderten wir los, zu dem Pinnacle, einem Aussichtsfelsen mit wunderschönem Ausblick über die Hochebene. Zwischendurch gabs mal einige ungewollte Klettereinlagen, aber das muss auch sein. Die Grampians sind nämlich eines der bekanntesten Klettergebiete weltweit. Jaha! Es gibt dort auch Wasserfälle. Um diese zu sehen wandert man ungefähr einen Kilometer mit 80% Steigung, um am Ende wieder am Anfang anzukommen. Hä? Na, egal. Trotzdem schön. Gemütlich fuhren wir in Melbourne ein, um den zweiten Teil des Kochkurses a la Anke zu absolvieren: Frikadellen mit Erbsen und Möhrchen. Deutsche Küche zum zweiten Advent. Montag und Dienstag verabschiedeten sich die beiden und befuhren die Great Ocean Road. Ich renovierte mich, um dann Dienstagabend fit zu sein. Es geschah nämlich Folgendes: nicht nur Sarah und Gunnar kamen zurück, nein, auch ein anderes bekanntes Gesicht gab sich die Ehre: Antonia! Sie war mit ihrem Schätzelein und dem flotten Townace-Van durch drei Wochen Regen über die Nullarbor Plain in Melbourne eingetroffen. Applaus! Wenn das kein Grund zur Freude ist! Soviel Informationsaustausch an einem Abend, mir rauchte der Kopf. Gestern wurden dann noch weitere Schnäppchen erstanden (noch billiger, gell Sarah) und noch leckerer gegessen, Weinchen verköstigt und schon musste ich die beiden schweren Herzens wieder gehen lassen. Nun haben sie hoffentlich noch eine schöne Woche in Sydney – noch ein Paar Ugg Boots für Lena kaufen (mir ist noch nicht ganz klar, von welchen freien Kapazitäten in welcher Tasche Sarah sprach, aber im Zweifel zaubert sie eine aus ihrem Rucksack…) und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Für das Protokoll: schön, dass ihr da gewesen seid, ihr Lieben!
Aber bei mir sind die Tage bis zum Urlaub zum Glück auch gezählt. Auf Schicht ist alles wie immer im Dezember – es muss an den Keksen liegen – viel zu viel zu tun. Ich habe also noch kein einziges Weihnachtsgeschenk und noch keine Kekse gebacken. Die Stimmung fehlt auch noch komplett. Bei 25 Grad und Sonnenschein fällt es mir sehr schwer zu glauben, in zwei Wochen wäre Weihnachten. Daran ändern auch vier Weihnachtsbäume im Büro und Chris Reas „Driving Home for Christmas“ (schon seit Wochen fährt der) nicht viel. Die Weihnachtszeit in Deutschland ist schon etwas Besonderes. Ich würde gerne jetzt mit euch einen Glühwein trinken oder gemütlich Tee mit Keksen schnurpsen... *melancholischerBlick*
Aber dann schau ich raus und die Sonne scheint und es ist ein herrlicher Tag ... Sonnenbrille auf, kurze Buchse an und alles ist gut!
Hohoho, eure Änk.

Gruetzi

Ich bin ein wenig hinterher mit der Berichterstattung, aber nun muss ich kurz etwas Aktuelles einschieben.
Wir waren gerade zum Mittag in der Schweiz und haben dort das leckerste Mittagessen seit sieben Monaten gegessen: Leberkaessemmeln und zum Nachtisch Negerkuss mit Russisch Brot. Fuer heute abend haben wir auch gleich eingeholt: Fleischsalat. Marzipankartoffeln und Lebkuchen sowie Weisswuerste, Euka Kerzen und Raclettegeraete haben wir fuer das Fest aufgehoben. Herrlich! Man geht in den Laden rein und alles ist wie zu Hause (bis auf die laaaaaangsame Sprache der Schwiezerrrrr...) und man geht aus der Tuer heraus und ist gleich wieder in Australien und geht ins Bayswater Hotel fuer Freitagsmittags-Kaltgetraenke.
Nun ist die Laune noch besser als ohnehin schon an einem Freitag nachmittag.
Pfueati, eure Aenk.

Montag, 1. Dezember 2008

Land in Sicht!

Donnerstag kam mein Kollege Dan zu mir und fragte mich, was ich
denn so Freitag mittag vorhätte. Etwas ungewöhnlich Zeit für eine Verabredung dachte ich, aber der gewählte Ort war auch nicht gerade romantisch: der Grill unserer Abteilung. Man hatte sich vorgenommen, mir beizubringen, wie man den australischen Nationalsport durchführt und so lernte ich das Grillen von 50 Spießen, 90 Steaks, 250 Würstchen, 2 Fisch und 4 Veggieburgern. Um am Ende selbst wie ein Burger zu stinken. Aber lustig wars und den Gästen hats geschmeckt, mate!

Es folgten: zwei Tage Dauerregen. Und zwar so doll, dass man teilweise die Hand nicht vor Augen sehen konnte. Aber wir brauchen ja das Wasser.... leider fiel diese ungewohnt lange Regenzeit genau auf den letzten Ausflug der Franke-Stahn-Kombo. Ramona flog Freitag abend aus Sydney ein, damit wir uns gen Osten aufmachen konnten. Mallacoota im Crooajingolong Nationalpark, direkt an der Küste und Grenze zu New South Wales. Für die erste Nacht hatten wir uns im idyllischen Seaspray am längsten Strand der Welt (dem so gennanten 90 mile beach) auf dem Campingplatz eingemietet. Der aufmerksame Leser wird nun sicher merken, dass hier was nicht passt. Das Wetter. Es goss. Es stürmte. Irgendwie fanden wir in den Pfützen in australischer Finsternis ein Fleckchen Rasen und schlugen das Zelt auf. Schnell in den Schlafsack gemummelt und geschnarcht. So ein Plätschern kann auch beruhigen. Am nächsten Morgen: es goss. Es stürmte. Außer uns waren ungefähr zehn weitere Leute in Seaspray, das seinem Namen alle Ehre machte. Passend zum bisherigen Verlauf unserer Reise hatte ich auch noch den Kocher vergessen. Dafür aber drei Gasflaschen eingesteckt. Kein Kaffee. Meine Laune wurde nicht gerade besser. Was nützt einem der längste Strand der Welt, wenn man nicht mal 20m weit schauen kann?! Schnell weg. Durch Wasserlöcher fuhren wir stumpf weiter an der Küste. Durch Lakes Entrance mit seinen Pelikanen und Urlaubern. Dieser Ort bildet den Beginn der Seen-Landschaft in South Gipsland, wie dieser Fleck in Victoria auch heißt. Man könnte auch Mecklenburger Seenplatte sagen. Der Himmel klarte ein wenig auf. Wir fassten Mut und beschlossen, doch noch das Ziel Mallacoota anzusteuern. Kleine Künstlerstadt in mitten idyllischer Seen. Und so war es denn auch. Durch den Crooajingolong Nationalpark hindurch und auf einmal war man da, in diesem niedlichen Ferienort, der glaub ich mehr Bootsrampen und definitiv mehr Pelikane als Einwohner besitzt. Wir fanden ein wunderschönes Bed & Breakfast, denn nach zelten war uns doch nicht mehr (Luxusweibchen). Nach einem langen Spaziergang am Strand in einer einstündigen Regenpause zauberten wir in der riesigen Küche ein herrliches Abendessen, dass wir dank eines plötzlichen Wetterumschwungs sogar auf der Veranda am See verspeisen konnten. Eine herrliche Nachtruhe später erwachte ich und dachte, ich träume: die Sonne blinzelte durch die Vorhänge und der See glitzerte. Wieder einmal war man uns gnädig und so kam es, dass wir an der Küste und im Nationalpark einen herrlichen Sonntag verbrachten. Mit vielen Fliegen, der lästigen australischen Landplage, und mit dem Point Hicks. Diese Landzunge war das Erste, was Herr Cook damals von seiner Endeavour aus von Australien gesehen hat. Und weil sein erster Lieutnant Hicks hieß (man munkelt, er litt an chronischem Schluckauf), heißt das Stückchen mit Leuchtturm auch heute noch so. Ein herrliches Stück Küste in einem der unbekanntesten Nationalparks des Landes, der aber nicht zu unrecht zum Weltkulturerbe gehört. Leider drängte die Zeit und sechs lange Stunden Autofahrt später waren wir wieder in Melbourne.
Das letzte Wochenende mit glücklichem Ausgang der Franke-Stahn-Kombo endete heute morgen um fünf, als Ramona in ihr Taxi zum Flughafen stieg. Für sie geht es nun wieder nach Deutschland, denn ihr Infojahr neigt sich dem Ende zu. Vielen Dank für eine schöne Zeit in Australien, liebes Ramönchen. Und viel Glück bei Deinem Start in der alten Heimat Berlin! Und wenn sie nicht gestorben sind, dann reisen sie noch heute...

Adventsgrüße aus Melbourne von eurer Änk.

PS: Weitere Bilder folgen.

Montag, 24. November 2008

Der Ball ist rund...

... und ein Spiel dauert dreißig Minuten.
So einfach ist das doch, oder? Sieben Wochen trainierten wir Mädels von Siemens (auch genannt Sie-Chicks) nun schon fleißig und feilten an unseren Pässen, Torschüssen und Taktiken, um püntklich zu den Australian Corporate Games fit zu sein. Bei Wind und Wetter. Zu diesem Thema ein kleiner Exkurs. Melbourne zeigte sich am Wochenende nämlich äußerst solidarisch mit der deutschen Heimat. Es hagelte und stürmte und schüttete bei 13 Grad. Aber wir brauchen ja das Wasser.... seitdem sind wir nun glücklicherweise doch nicht zur Wasserrationierungsstufe 4 eingestuft worden, sondern bleiben bei 3A. Das heißt, wir dürfen weiterhin zu bestimmten Zeiten unsere Blumen gießen und in der Waschanlage das Auto waschen.
Aber das alles hilft einem ja nicht viel, wenn Samstag morgen unter diesen Umständen um acht Anpfiff der Australian Corporate Games ist. Dieses Turnier besteht aus verschiedensten Sportarten (Volleyball, Bowling, Laufen, Schwimmen, Football, ...) und findet einmal im Jahr in Melbourne statt. Zum Glück war unser Anstoß erst Sonntag und man war uns gnädig. Es windete, aber es blieb trocken. So versammelten sich also neun verschlafene Gestalten samt Anhängen und Schienbeinschonern im Albert Park, feuerten zunächst die Jungs an, um dann selber zur Tat zu schreiten. Vorrunde. Gegen die Medibank. Ja gut ähhh. Ich sag amal, da müssma besser werden, gar kein Thema, gell. 0:4. Und der Schwur, sich nie bei Medibank zu versichern.
Ein zweites Mal an diesem Wochenende gingen die Gedanken in Richtung Heimat - zu Hannover 96. Vollstes Verständnis.
Päuschen, Pläuschchen mit unserem Trainer Thorsten und schon gings weiter: gegen Deloitte. Unternehmensberaterinnen. Heieiei. Eklatante Lücken im Sturm, Mittelfeld und in der Abwehr machten unserer Torfrau das Leben schwer. 0:3. Zweite Niederlage. Die Motivation. Die Männer taten ihr Bestes, uns anzufeuern und hilfreiche Tips von der Seitenlinie zu brüllen. Good stuff, easy, easy. Nicht so schnell. Pressure. Defense. Wat denn nu? Mir wurde ganz schwindelig. Bei unserem letzten Spiel kam die liebe Sonne heraus und wir nahmen uns vor, alles nach vorne zu werfen, gegen die Mannschaft von Lonely Planet. Diese an sich praktischen und von mir höchst geschätzten Reiseführer kommen aus Melbourne - und kommen mir nicht mehr ins Haus. Mit 0:2 beschlossen wir das Kapitel der diesjährigen Corporate Games. An Erfahrung haben wir gewonnen. Nachdem wir die Männer bis ins Viertelfinale anfeuerten, ist uns nun auch die Zielvorgabe für das nächste Turnier klar: das Runde muss ins Eckige. Nun müssen wir das nur noch umsetzen. Genauso wie die Tatsache, dass wenn die Sonne scheint, man sich in Australien eincremen sollte. Aber gefeiert haben wir trotzdem.
Good stuff, ein schöner Tag mit lieben Kollegen und Freunden, und schwups ist man Mitglied einer Hallen-Frauen-Fußballmannschaft.
Umta-umta-umta-tätäräää, tätäräää........

Eure Änk mit der Nummer 8.

Dienstag, 18. November 2008

Für das Protokoll

Samstag früh um viertel vor vier fiel mir ein, ich müsste doch mal am Tullamarine Flughafen nach dem Rechten sehen. Taxi bestellt, 131008 (leider kann ich keine Musik dazu abspielen, ansonsten könntet ihr euch alle auch diese wunderbare Nummer ganz leicht merken, 131008 - Silvertop Taxis, why wait.... ), zur Southern Cross Station gedüst, den Skybus erwischt und ab gehts. 6:40 Uhr Abflug nach Cairns, Queensland. Es wurde aber auch Zeit, einen weiteren Bundesstaat des Landes zu erkunden. Noch viel mehr an der Zeit war es, Sarah und den Kreisligafußballer Gunnar dort in die Arme zu schließen! Hurra! Lange war es her, seit wir an Silvester in der Heimat das neue Jahr zusammen begossen hatten. Welch Wiedersehen!! So zogen wir los, um den Hippie Camper der beiden für ihre bevorstehende Reise entlang der Ostküste in Empfang zu nehmen. Bei dem Vermieter war erstmal alles no worries, bis uns Heinrich, der deutsche Mitarbeiter, beim vom Hof rollen einen Strich durch die Rechnung machte. Er hielt uns an und begann, auf deutsch mit uns zu schimpfen. Bisher hatte er im Badener Dialekt Englisch probiert, dachte wohl, merkt ja keiner. Beim Schimpfen hat er sich dann lieber auf seine Muttersprache verlassen um uns sehr deutlich klar zu machen, dass unser Vorhaben "Highly illegal und mindestens 50.000 EUR kostet." Außerdem könne er sofort den Vertrag kündigen. Wir saßen zu dritt im Zweipersonen Camper. Bin ich also wieder ausgestiegen, alter Stinker. Hundert Meter weiter (ich konnte nicht wieder einsteigen, denn Heinrich passte auf) fand ich eine Autovermietung mit alten Autos. Die waren alle nett da und so kam es, dass ich für unser Wochenende meinen eigenen lilanen Flitzer bekam. Mit Alufelgen. Ha! Auf diesen Schock wurde erstmal gefrühstückt, geplaudert, geplaudert, geplaudert. Dann noch Schnäppchen Sonnenbrillen erstanden und los gings. Richtung Norden, Ellis Beach war unser Ziel. Das haben wir auch wohlbehalten erreicht, Gunnis Linksfahrversuche endeten erfolgreich auf dem Campingplatz, direkt am Meer. Herrlich türkises Wasser lud uns zur Abkühlung ein. Leider mussten wir uns mit Bier am Strand und einem Bad im Swimmingpool begnügen, denn Krokodile und ekelhafte Feuerquallen waren uns zuvor gekommen. Gemütlich klang unser erster gemeinsamer Abend bei Gegrilltem und kühlen Getränken am Strand aus.
Am nächsten Tag war nicht viel mit Ausschlafen, die beiden Neuankömmlinge wurden gleich australiengerecht eingenordet: um viertel nach sieben ging es bei 35 Grad und gefühlten 100% Luftfeuchtigkeit an der herrlichen Küste nach Norden, Port Douglas war unser Ziel. Dort erreichten wir pünktlich unseren Katamaran, der uns den Tag lang auf das Great Barrier Reef schaukelte. Bei Jack Johnson Musik, Sonnenschein und frischem Kaffee ließen wir die Seelen baumeln. Unser Gesprächsbedarf störte dabei die anderen vielleicht ein wenig, aber was solls. Man hatte sich viel zu erzählen... Dann kamen wir an den Low Isle an, einer Inselgruppe im besagten Korallenriff. Wir zogen furchtbar erotische Ganzkörperanzüge an, die uns gegen Quallen und Sonne schützten. Flossen, Taucherbrillen und Schnorchel dazu und Abmarsch. Den Kopf unter die Wasseroberfläche gesteckt und nicht schlecht gestaunt. Es offenbarte sich eine kunterbunte Korallenwelt mit Clownfischen, großen und kleinen Schildkröten, Riffhaien, riesigen Fischen, Seegurken, Rochen, .... wunderschön. Besonders die Schildkröten hatten es mir angetan. Leider hatte ich vergessen, meine Kamera wasserfest zu machen, aber an Weihnachten klappts bestimmt. Nach kurzem Rundgang auf der Insel (war in 5 Minuten erledigt) gings zurück zum Boot, Mittagszeit. Mahlzeit. Danach der zweite Schnorchelgang direkt vom Boot. Toll! Es folgte eine herrliche Rückfahrt, die wir dank unseres Gewissens in Sachen Hautkrebs (mit Namen Gunnar) fast unverbrannt überstanden. Wir hatten unseren Spaß mit einer merkwürdigen Mitreisenden, die wir mexikanisch Tortuga tauften. Komische Quaddel. Nach einem Rundgang durch das idyllische Fischer- und Feriendorf Port Douglas entschieden wir uns, den Grill ein weiteres Mal zu bemühen und erstanden für einen Spottpreis Haifischfilets und Riesengarnelen. Eine weitere Stunde Autofahrt und wir kamen in Wonga Beach an, Sarahs Wahl für diese Nacht. Wir sind uns nicht ganz klar geworden, in welche Kommune auf welcher Erde wir übernachteten, aber ganz normal war der Campingplatz nicht. Lustige Bewohner in komischsten Behausungen. Unweit des Daintree Nationalparks gelegen, direkt am Strand. Sarahs erste Versuche, uns einen Campingplatz zu ergattern wurden belohnt- wir bekamen den besten Platz überhaupt. 1A! Gut gemacht! Auch hier wieder die Warnung, nicht im Dunkeln zu baden, wegen der Alligatoren. Nicht im Dunkeln? Keine 1.000.000 Pferde kriegen mich zu irgend einer Tageszeit in dieses Gewässer, hatte ich doch meine Erfahrungen hiermit bereits in der Katherine Gorge im Northern Territory gemacht. Uaa! Nachts kühlte es sich überhaupt nicht ab, so dass wir schwitzend auf den nächsten morgen warteten. Nach ausgiebigem Frühstück und weiterem Informationsaustausch (es passiert aber auch immer so viel!) fuhren wir in den Daintree Nationalpark. Es ist ein riesiger Regenwald. Wir wanderten durch die Mossman Gorge, ein Fluss mit Wasserfällen in diesem Nationalpark. Umgeben von undurchdringbarem Grün, Lianen, riesigen Bäumen mit Luftwurzeln, Geräuschen wie im Urwaldhaus von Hannover und dem Plätschern des Flusses hatten wir eine urige Zeit. Bis Sarah ihren Fuß zur Abkühlung in eines der Wasserlöcher hielt. Und schrie. Ein Blutegel hatte sich an ihren großen Zeh angedockt. Hab ich schnell abgezogen. Judith, bitte melden, wenn wir hätten was beachten sollen. Ich habe von den beiden seit gestern nichts mehr gehört, aber ich gehe davon aus, dass Gunnar sein Skalpell stecken lassen konnte und die angedachte Amputation nicht durchgeführt werden musste. Es blutete zwar so, als ob das schon geschehen sei, aber Gott sei Dank wurden davon keine Krokodile oder Haie angezogen... Tapfer überstand Sarah unseren Spaziergang und kühlte ihren Zeh im Fluss.
Nach oberleckeren Smoothies (alles Kalte schmeckte herrlich!) war es Zeit, sich zu trennen. Sari und Gunni fuhren mit ihrem Mobil weiter in den Daintree Nationalpark und freuen sich auf weitere vier Wochen Wildnis in Australien. Ich hingegen düste mit dem lila Flitzer in Richtung Süden nach Cairns über ein paar Abstecher an einige Strände zurück.
Beim Einstieg ins Flugzeug dann noch ein bisschen was zum Schmunzeln. Kennt ihr den Film 'Meine Braut, ihr Vater und ich'? Die Szene, in der Ben Stiller versucht, ins Flugzeug einzusteigen, der einzige Fluggast ist und nicht einsteigen darf, weil seine Reihe noch nicht aufgerufen wurde? So in etwa ging es mir auch. Und das in Australien, aber vielleicht war Margot, die Flugbegleiterin auch nur ein weiteres Einwanderexemplar. Man denke an Heinrich.
Ein tolles Wochenende in den Tropen, leider viel zu schnell vorbei! Verrückt, wie unterschiedlich dieses Land doch ist.
Heute morgen hab ich schön verpennt, die Queenslandzeit will mir nicht so richtig in den Kopf. Weil die Kühe verrücktspielen, hat man dort nicht die Sommerzeit übernommen. Na, eine Stunde länger schlafen kann ich gut!
Ich freu mich schon, wenn ich in drei Wochen die beiden Urlauber in Melbourne empfangen kann. Dann geht das Gequatsche weiter... jippii!
Seid ganz lieb gegrüßt vom Ende der Welt, eure Änk.

Montag, 10. November 2008

Damals [Back in the good old days] …

Freitag abend, Melbourne, 19:00 Uhr, 15 Grad, es regnet in Bind-oder Wollfäden, sehr windig. Nina, Troy, Steffi und Anke brechen auf, auf unsere lang geplante Wanderung durch den Wilsons Promontory Nationalpark, dem südlichsten Zipfel vom australischen Festland. Grundsätzlich hatte ich den Park mit seinen Einwohnern schonmal am Anfang meiner Zeit besucht (ich verweise auf entsprechende Bilder und Berichte weiter vorne). Nach einem halben Jahr Australien hatte man mich nun soweit: Anke geht wandern und zelten übernacht. Juhu. Die schönsten Strände Victorias erschließen sich nur so, sagt mein Reisefuehrer (und Kollegen). Wie oben beschrieben, war das Wetter so, wie ich es mir ungefähr vorstellte. In trockenen 10 Minuten bauten wir in Tidal River nachts um halb zwölf unsere zwei Zelte auf. Huch, das geht schnell! Und leicht! Wow. Erstaunen. Nach einer kalten Nacht erwachte ich von rupfenden Geraeuschen links neben meinem Ohr: ein Wombat beim Frühstück. Klamm und kalt frühstückten wir Porridge mit Wasser, umgeben von nervenden Rosellas, und beratschlagten, was z tun sei. Bleiben und laufen oder kneifen und nach Hause in die warmen vier Wände? Eine heiße Dusche und einen Kaffee später befanden wir uns auf dem Weg: die Entscheidung war gefallen und wir wanderten los, durch Victorias größten Nationalpark, auf dem so genannten Great Prom Walk. Durch Regenwald, hoch und runter, bis wir zur Mittagspause nach einem langen Bretterweg auf einmal wie Robinson Crusoe in der Sealers Cove ankamen. Der Himmel riss auf und die Sonne begann zu scheinen. Wir mussten unsere Augen vor der Sonne und dem weißen Strand nach dem dunklen Regenwald ein wenig schützen. Ich kam mir vor, wie im Paradies. Schnell die Rucksäcke ab und die Vorräte um einige Peanutbuttersandwiches bei dieser tollen Aussicht erleichtert. Troy blies zu baldigem Aufbruch und wehrte unsere Fragerei nach der verbleibenden Länge der Strecke mit Witzchen ueber sein eingebautes Navigationsgeraet ab. (Der Arme, hat er ganz gut gemeistert, als Hahn im Korb mit jammernden Mädels…) Weiter gings, von einem Strand zum nächsten: war man unten am kühlen Nass angekommen, konnte man sich sicher sein, es am anderen Ende wieder hochlaufen zu müssen. So vergingen die Stunden, laufend, schwitzend, staunend ob dieser herrlichen Natur und mit Sicherheit der schönsten Strände, die ich bisher in Australien zu Gesicht bekommen habe. Gegen sieben Uhr abends erreichen wir leicht geplättet nach sieben Stunden Wanderung unseren Campingplatz an der Refuge Cove. Schnell noch ein paar Nudeln gekocht, Pesto sei gelobt, das Plumpsklo mit Wäscheklammernase überstanden und die Zähne im Bach geputzt. Dem Känguru gute Nacht gesagt und weggeknackt. Ratzepüüüüüüüh. Sehr gute Nachtruhe. Am nächsten Morgen stellten wir fest, dass unsere Wasservorräte zu Ende waren. Leider durfte man das Bachwasser nicht trinken, wie eigentlich geplant, so dass wir es im Nudel-Pesto-Topf abkochen mussten. Mir ist Zitronentee immer noch lieber als Geschmackrichtung, aber wenn man gar nichts mehr hat, trinkt man auch lauwarmes Pestowasser. Bergauf gings, immer wieder belohnt von paradiesichen Ausblicken bei strahlendem Sonnenschein und zwei Stunden später kamen wir am schönsten Strand der Welt an: Little Waterloo Bay. Niemand dort, außer uns, den Möwen und den Raben, die uns traditionsgemäß um einige Vorräte erleichterten. Was für eine Mittagspause! Troy nahm ein Bad im kristallklaren, türkisblauen Wasser. Ich wollte auch, aber es war kalt! *DaumenundZeigefingereinenhalbenmilimeterauseinanderzeig* Außerdem: Man musste weiter. In strammem Tempo bogen wir leider von der herrlichen Küste ab, zurück ins Landesinnere. Nina und ich waren in der Zwischenzeit bei Grundsatzdiskussionen gelandet, den Weltschmerz und kaputte Waden betreffend. Endlich kamen wir zur grossen Weggabelung, an der sich viele Wege nach Rom treffen. Dort machten wir bei mittlerweile heißem Pestowasser die Entdeckung, dass Tidal River noch 11,4 km entfernt war. Waaaaaas? Schnell weiter. Durch tiefen Sand erreichten wir Oberon Bay auf der anderen Seite des Parks (Westen) und stiefelten ein wenig mutlos bei sengender Sonne ueber den kilometerlangen Strand. Steffis Blasen platzten, meine Hüftknochen scheuerten sich unter dem Rucksack auf und Nina’s Taschentuchverbrauch erreichte ungekannte Dimensionen. Selbst der fitte Troy war leicht lädiert und fertig mit der Welt.
Nochmal Pause und die Albatrosse beobachtet, die lustige Turnübungen vor unseren Augen veranstalteten. Die letzte Etappe rief. Nochmal bergauf, um noch eine Landzunge, hoch, runter, Kängurus im Busch (und der Wunsch, ihnen einfach den Rucksack aufzusetzen und einen Klaps zu geben), hoch, Stolpersteine und endlich Norman Bay in Sicht, mit dem Tidal River Camping Platz dahinter. Die letzten zwei Kilometer mit dem Ziel vor Augen waren laaaaang; ich dachte, ich muss umfallen. Ich wäre gerne in die Fluten gesprungen, aber mein Durst war größer. Also schleppten wir uns zum nächsten Schlauch am Camping Platz und hängten uns darunter. Ich glaube nicht, dass ich in meinem Leben schonmal solchen Durst hatte, unglaublich! Völlig platt und leider mit Sonnenbrand schauten wir den Bewohnern von Tidal River beim Barbecue zu, unfähig, uns zu rühren. Nach einer halben Stunde schweigendem Keksverzehr verluden wir ächzend unsere Rucksäcke in das Auto und sagten dem einzigartigen Wilsons Prom gute Nacht. Es war wieder 19:00 Uhr geworden. Nach 40km wandern in der Wildnis lechzten wir alle nach Erfrischung, die wir dann in Leongatha am Weg nach Melbourne endlich fanden. In Form von Riesen-Pizzas und frisch gezapften Bieren. Cheers! Am nächsten Morgen erwachte ich um Jahre gealtert. Aua, meine Schultern, aua, meine Hüften, aua, meine Knie... wie gut, dass ich ohnehin schon einen Termin beim Chiropraktiker vereinbart hatte. Der hat mich wieder hingebogen, alter Knochenbrecher.
Was für ein unglaublich schönes Wochenende. Meine erste Wander-Camping-Erfahrung in Australien – unvergesslich, schön, wild und sportlich. Solche Strände muss mir Queensland nächstes Wochenende erstmal bieten.
Es bleibt die Lust nach mehr, oder kann ich dieses Land verlassen, ohne seinen südlichsten Punkt mit Leuchtturm zu Gesicht bekommen zu haben?
Sonnenverbrannte Grüße aus Melbourne von Eurer Änk.


PS: Ein Fotoalbum folgt. Nun hat es sich nämlich gerade von 32 Grad auf laue 26 abgekühlt und es ist Zeit, das Bett zu besuchen. Gute Nacht.

Dienstag, 4. November 2008

The celebration that stops a nation

Heute war nun der große Tag: Melbourne Cup Day. Man ließ die Arbeit ruhen, die Sonne schien und die Hottis waren in Rennlaune. Für zwei Minuten hielt das Land die Luft an, 107 Tausend Mitbürger und Mitbürgerinnen verfolgten das Rennen hautnah am Flemington Racecourse, die Kassen der Wettbüros klingelten und ... schon war alles vorbei. Viewed mit der Nummer 10 hat die 3.200m als erster zurückgelegt, zusammen mit seinem Fliegengewichtsjockey. Ich hatte ja auf Master O'Reilly gesetzt (und dafür mitleidige Blicke geerntet, aber der Pub bei mir um die Ecke heißt auch so und der ist gut) mit der Nummer 2. Mist. Auf diese Aufregung musste erstmal gegrillt werden.

3-2-1, go! Sonnige Grüße von Eurer Änk.

PS: Ganz frisch aus dem Druck: neue Bilder im Melbournealbum sowie ein neuer Ordner für die Botaniker.

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Treuepunkteprogramm

Ihr kennt das ja: Payback, Happy Digits, Flybuys und Co. Die machen auch vor Australien nicht halt. Aber was soll man sammeln? Heute hat sich das ganz von alleine für mich entschieden für meine Zeit im Land der Kängurus. Ich sammele Treuepunkte bei der australischen Verkehrbehörde. Antonia hatte hiermit schon sehr viele Erfahrungen gemacht - nun bin ich auch mal beigetreten. Also billig ist die Aufnahme nicht.

Wir hoffen, dass die aktuellen Bonus-Sommerprämien unseren Geschmack treffen und sind in freudiger Erwartung von Grillzangen, Sportjacken oder Navigationssytemen.

Zügige Grüße von eurer Änk.

Montag, 27. Oktober 2008

Ja ja ja – jetzt wird wieder in die Hände gespuckt

Gelegentlich werde ich gefragt, ob ich denn eigentlich zum Urlaubmachen hier sei. Neiiiiiin. Vier bis fünf Tage die Woche bin ich tatsächlich damit beschäftigt, die Siemenswelt in Australien auf Trab zu halten (oder sie mich).
Der Alltag. Er hat auch hier ziemlich schnell Einzug gehalten.
Der Tag beginnt auch in der südlichen Hemisphäre mit dem lästigen Wecker, dessen Wiederholfunktion ich immer noch sehr zu schätzen weiß. Die erste Telefonkonferenz nach Deutschland mit Torsten begleitet Frühstück und Zähneputzen. Dann, immer zu spät, geht die Reise los in Richtung Bayswater, zur Siemens Landesgesellschaft. Das ist ein so genannter Stadtteil von Melbourne, ungefähr 25 km von mir weg. Klingt nicht schlimm – ist es aber. Der Verkehr in Melbourne ist einfach fürchterlich. Ihr müsst euch das so vorstellen: zweispurige Straße, rechte Spur – Parkspur, linke Spur – Tram. Nun könnte man sich fragen, wo man dann als Autofahrer bleibt. Die Lösung ist einfach, aber extrem nervig. Man fädelt sich schön hinter der Tram ein. Die Yarra Trams haben leider die Angewohnheit, alle 100m zu halten. Einmal vor der Kreuzung, einmal dahinter. Manche Stationen sind so dicht beieinander, dass das Ende des Zuges noch nicht abgefahren ist, der Vorderteil aber schon an der nächsten Haltestelle steht. Ist man Passagier in den Zügen, findet man es furchtbar gemütlich (wenn man Zeit hat), ist man Autofahrer, entwickeln sich ungekannte Hassgefühle und ich schimpfe vor mich hin wie so ein Rohrspatz, auf Deutsch und auf Englisch. Und das schon morgens um acht. Einziger Vorteil: ich kann ausgiebigst meine Lieblingsradiosendung verfolgen, Two Women and a Metro, 101.1. Ein kleiner Lichtblick zwischen den grauen Wolken in meinem Kopf. Ich bin am Ende jeden Morgens also um Jahre gealtert aber wenigstens bestens informiert. Nachdem die High Street mit dieser beschriebenen Verkehrsführung (und unzähligen Brautmodeläden, die wenigstens schön was zum Schauen im Stau bieten und seit diesem Wochenende auch endlich neu dekoriert haben) nach ungefähr einer halben Stunde hinter mir liegt (und damit auch die ersten 7km meiner Reise), biege ich ein auf die Summerhill Road. Die hab ich mir ausgesucht, weil sie keine einzige Ampel hat. Sie ist ungefähr 800m lang. Eine dermaßen lange Strecke ohne Ampel ist etwas Besonderes, auf meinem Arbeitsweg befinden sich nämlich in Summe 52 davon. Auf dem Burwood Highway sollte es dann schneller gehen, man befindet sich ja schließlich auf dem australischen Äquivalent zur Autobahn. Ich verweise auf die oben beschriebene Verkehrssituation. Anderer Name, gleiches Spiel. Meine Nerven. Dazu ist man als deutscher Autofahrer auch deutlich anderen Fahrstil gewohnt als der Australier. Gelassen läufts….. grrrrr! Durch alle 40km/h Zonen an den Schulen hindurch (in denen Aufpasser in gelben Warnwesten wie wild auf Ampel-Fußgängerknöpfe drücken, damit die Kleinen und alle anderen potentiell gefährdeten Mitmenschen auch wohlbehalten an der Schulbank und beim Frisör ankommen). Endlich, nach einer knappen Stunde. Das Ortsschild verkündet: Welcome to Bayswater, Neighbourhood Shopping at its best! Wenn man gerne Autoreifen, Bremsbeläge oder Farbeimer kauft, dann ist man in diesem Ort richtig. Am Ortsausgang in Richtung Dandenong Nationalpark trifft man dann auf bekannte Gebäude.
Auch ohne Schild wäre jedem Siemensianer klar, man ist zu Hause. Siemens Ltd., Mountain Hwy, Bayswater, Australien. Da sitzen wir nun, globale, riesige Firma, in mitten von Autowerkstätten, an den Bergen Melbournes, eine Stunde von der Innenstadt entfernt. Nachdem ich glücklich mein Mobil auf dem Parkplatz abstellen kann und schnell an den Platz gehuscht bin, brühe ich mir erstmal den ersten Instant-Kaffee des Tages. Dann werkelt man so vor sich hin, macht ein paar Witzchen mit den Kollegen und trinkt noch ein bisschen mehr Kaffee. Es ist unglaublich leise in den Großraumbüros. Wahnsinn!
Ich bin wieder bei den zentralen Finanzen gelandet, im Controlling. Wir machen dort genau das Gleiche, was wir damals bei Com in München für die Zentralen gemacht haben. Zentrales Ergebnis, Bilanz und Cashflow, aber für alle Zentralabteilungen und längst nicht so organisiert. Weil ich das schon so gut kenne, konnte ich gleich richtig mitmachen und tatsächlich das Ein oder Andere aus Deutschland verwenden, denn diese Abteilung existiert hier noch gar nicht lange. Generell bin ich erstaunt über die Hemdsärmeligkeit in der täglichen Arbeit. Aber so ist das wohl, wenn man nur einen Bruchteil an Ressourcen zur Verfügung hat und täglich neue Abfragen aus Deutschland eintreffen. Wenn ich noch einmal eine email von Remaining Business auf den Tisch kriege, oder Abfragen von Corporate Communications …. (mit den besten Grüßen an meine lieben ehemaligen Kollegen). Wir sitzen viel weniger in Meetings als in der Heimat und mühen uns mehr mit SAP und Excel. Ich kann viel lernen und habe auch Glück mit meiner Chefin und meinen Kollegen. Meine Chefin ist der Überzeugung, ich solle in dem Jahr möglichst viel sehen und mitnehmen. Ich werde also überall mit hingeschleppt, werde überall vorgestellt, darf mir alles anschauen und mitwerkeln und konnte sogar schon Vorstellungsgespräche von der anderen Seite des Tisches führen. Kann mich überhaupt Null beklagen. Wenn ich in Urlaub gehe, weiß der halbe Laden irgendwie, wo ich bin und will hinterher Bilder sehen. Verrückt! Letzte Woche hatte ich mein australisches Mitarbeiter-Feedback Gespräch (EFA). Damit hatte ich nicht gerechnet, aber umso mehr hat es mich gefreut.
Unser Team besteht aus einer Australierin (meine Chefin Roz), einem Kroaten (Ken), einem Singapuri (Wenig Kee) und einem Sri Lankaner (Ravi). Dazu noch eine Chilenin (Marcella) und diverse Deutsche. Es ist ein lustiges Sprachen- und Kulturwirrwarr in diesem Haufen!

Um 12 Uhr, da kann ich meine Uhr nach stellen, stehen Barry und Stefan vor meinem Tisch mit hungrigen Mägen. Auf zu Werner’s, der Kantine und Café auf dem Standort. Dort trifft man sich zunächst einmal noch mit weiteren bekannten Gesichtern an den Mikrowellen in der Siemens Musterküche. Das Essen in der Kantine ist zwar gut, aber ganz schön fettig. Also stelle ich mich hin und koche vor. Fleißig in Armen-Tupper abgefüllt und aufgewärmt. Während des Essens bemühen sich meine Kollegen, mir alle australischen Feinheiten des Lebens beizubringen (wir sind im Moment gerade bei den Cricketregeln, das dauert etwas länger). Es folgt das Quiz des Tages aus der Tageszeitung von Thelma, allgemeiner Tratsch und Klatsch sowie meine Reiseplanungen und die Stunde Nichtstun ist viel zu schnell vorbei, besonders wenn man sie nun draußen bei herrlichen Temperaturen genießen kann. Zurück im Gänsemarsch. Noch ein bisschen Termine, emails und telefonieren, ein bisschen Exceltapeten entwerfen, endlich mit Deutschland telefonieren und bekannt geben, man könne unmöglich die gesetzten Termine einhalten und schon ist Feierabend. Wobei das auch erst seit ungefähr vier Wochen so ist. Die ersten Monate hatten wir unglaublich viel zu tun mit Budgetrunden, SLA Verhandlungen, Siemens Neuorganisation und und und. Jede Hand wurde gebraucht, so dass ich meistens nicht vor 19:00 und später das Schiff verlassen konnte. Wie gut, dass ich bei mir um die Ecke einen Supermarkt mit rund-um-die-Uhr-Öffnungszeiten hab. Mittlerweile ist es ruhiger geworden und ich habe auch etwas von meiner deutschen Arbeitsweise in einer Schublade versteckt. Ansonsten kann man nämlich auch schnell durchdrehen, mit der australischen Einstellung „no worries“. So habe ich nun auch kein besonders schlechtes Gewissen mehr, wenn ich um fünf die Kiste ausmache und gen Heimat düse. Die Arbeitszeit nehmen die Australier sehr genau und sind auch furchtbar emsig, aber nur von 8:30-17:00. Dann ist der Krieg schnell vorbei. Dafür haben alle ein Privatleben und das ist ihnen wichtig. Eigentlich eine schöne Einstellung.
Einmal im Quartal wird mittags gemeinsam gegrillt und jeden Freitag gibt’s ab fünf Feierabendbier. Die Chefs der Landesgesellschaft sind sehr präsent und jederzeit ansprechbar. Sie sind offen und diskutieren gerne. Es macht einfach Spaß, in einer kleineren Organisation zu arbeiten, in der fast jeder jeden kennt.
Nach Feierabend gehe ich manchmal mit meinen Kollegen noch in den Dandenong Nationalpark, ein wenig Sport machen, wir spielen Fußball in einer Mädelsgruppe oder ich renne um den See im Albert Park. Ansonsten lädt der Balkon ein zum Entspannen und die Innenstadt für diverse andere Aktivitäten. Donnerstags sind die Geschäfte alle lange offen. An anderen Tagen ist um fünf auch dort Schicht im Schacht. Auch oft ausgeübte Freizeitbeschäftigung: Wäsche waschen (das ist in meiner australischen Top-Lader Maschine eine ganz schöne Prozedur, die aufwandsmäßig dem frühzeitlichen Waschbrett sehr nahe kommt. Aber mittlerweile weiß ich, welche Zusätze und welche Einweichdauer welche Wäsche braucht, so dass ich das Gefühl hab, es wird ein bisschen sauberer. Aber wer mich ein bisschen besser kennt, der weiß, wie sehr ich meine wertvolle Siemenswaschmaschine vermisse... *Torstenhabsieseelig*), putzen, einkaufen, bügeln und nach Hause telefonieren. Der Alltag.
Und dann geht ein Tag am anderen Ende der Welt viel zu schnell zu Ende und Anke kriecht in ihr Bett. Wenn ich Glück hab, dann bin ich vor meinem schnarchenden Nachbarn in der Falle. Dank der Pappbauweise und der Einfachverglasung ist meine Wohnung nicht gerade leise und meine Nachbarn sind sehr nachtaktiv. Wenn nicht geschnarcht wird, dann gestritten (mit Vorliebe um 4:30 morgens) und wenn sie nicht streiten, dann kommt garantiert der Müllwagen vorgefahren oder aber die Bauarbeiter auf der Baustelle gegenüber beginnen ihren Arbeitstag mit Kranaufstellen und Gejohle. Herrje. Wie gut, dass es Oropax gibt.
Der nächste Tag beginnt auch in der südlichen Hemisphäre mit dem lästigen Wecker…
Feierabendgrüße an diesem Montag aus Australien von Eurer Änk.

PS: Manchmal hab ich Glück und es bietet sich mir folgendes Bild zum Frühstück:

Sonntag, 19. Oktober 2008

Auf den Spuren der Kolonialherren…

… wandelten wir dieses Wochenende. Projektmanagement ist alles und so hatten wir alles minutiös durchgeplant, um schlussendlich angehübscht mit Schnittchen am Caulfield Racecourse einzulaufen. Wir befinden uns jetzt im Melbourne Spring Carnival, jener Jahreszeit, in der wöchentlich teure Pferderennen ausgetragen werden, begleitet von Modenschauen und vielen, vielen Feiern.

6:40 morgens: Mein Wecker klingelt (nicht nötig, weil mein schnarchender Nachbar mich schon geweckt hatte, aber das muss ich euch ein andermal erzählen).

7:07: aus dem Bettchen gequält und in die Dusche gehüpft.

7:31: gerade fertig, der Kaffee kocht und Antonia kommt mit Paul’s Milchfahrrad aus der Chomley Street angeschüsselt. Pünktlichst wie immer, im Korb neben den Absatzsandalen: ein Pfefferhuhn und eine Knoblauchknolle. Man weiß nie.

7:40: Toast und Kaffee fertig, Frühstücken. Dazu: erstes Glas Schampus.

7:50: die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, Hähnchen wird filetiert, Wraps geschmiert und gewickelt, als gäbe es kein morgen, Gemüse geschnippelt und Guacamole in der Mikrowelle zubereitet. Wir verzichten auf Mettigel, aber die Kühltasche ist ohnehin voll. Muttis in Aktion.

8:45: Fuß- und Fingernägel werden lackiert.

9:00: der Frisörsalon 31/20 St. Edmonds Road öffnet wegen guten Wetters draußen seine Pforten. Erste Kundin: Antonia Barth mit dünnen Haaren.

9:10: die zweite Frisöse Nina trifft ein. Mit vereinten Kräften und einer halben Flasche Haarspray extra super stark (nicht mit Heißkleber zu verwechseln) ist die Frisur von Antonia in Form. Leider zerstört der Haarschmuck die Frisur, so dass die Prozedur von vorne beginnt und im vierten Anlauf erfolgreich beendet wird.

9:30: nächste Kundin im Salon: Anke Stahn. Selbes Spielchen. Mehr Schampus.

9:50: Die Frisur sitzt. Mit Fashiontape werden letzte Änderungen an Kleidern und sonstigen Partien vorgenommen. Schminke drauf und Fotos geschossen.

10:15 Abmarsch. Bepackt mit Taschen und Täschchen, stolzierend in zu großen Schuhen geht’s zum Kaffeemann und dann in den Caulfield Express, direkt zur Rennbahn.

Dort treffen wir David, Andy und Joan, den australischen Teil der Veranstaltung. In ulkigsten Verstecken schmuggeln wir unsere Getränke durch die Kontrolle. Wir sind auch ziemlich alleine mit unserem Gepäck, aber der Deutsche ist nun mal gerne organisiert mit Stullen und Picknickdecke.
Die Sonne kommt raus und peng! 30 Grad, lauwarme Getraenke, gute Laune und das Wettfieber verwandeln die Menge um die Pferderennbahn zu einer Feiermeile in schick. Die Herren in Anzug und Schlips, die Damen etwas luftiger in Kleidchen und Hut. Es finden zehn Rennen statt und wir sind zwischendurch nahe am Sonnenstich. Es ist ein bisschen wie Wiesn in der Heimat, so dass wir gegen Ende beschließen, mitzutrinken. Es wurde dann sehr lustig. Leider haben wir nix gewonnen, außer viel an Erfahrung. Die kann ich in zwei Wochen beim Melbourne Cup (dem größten und teuersten Pferderennen des Landes) auch gut gebrauchen. Der Abend klang gemütlich auf der Chapel Street bei mir um die Ecke und auf meinem Balkon aus. Gestern Nacht hab ich gedacht, ich muss vielleicht sterben, aber wie ihr seht: ich lebe noch.
Heute morgen ein herzhaftes Frühstück mit Kollegen und dann haben Steffi und ich uns auf der Mornington Penninsula den Wind um die Nase wehen lassen. Und schon war alles gut.

Sonntagsgrüße aus Melbourne von eurer galoppierenden Änk.

Dienstag, 14. Oktober 2008

++Eilmeldung++Eilmeldung++Eilmeldung++

Australien und Indien trennen sich nach fuenf Tagen unentschieden im ersten Cricketspiel der Saison.

Australien: 430 & 6/228
Indien: 360 & 4/177

Nun muss erstmal der Teevorrat aufgestockt werden, bevor es weiter geht mit spannenden Partien............................

Montag, 13. Oktober 2008

Die Zelluliteeinheit im Kampf gegen die Finanzkrise

Die Finanzkrise – sie ist in aller Munde. So richtig bekommt man hier am Ende der Welt nichts davon mit. Die Sonne scheint immer noch, man findet Fünfdollarnoten auf der Straße, meine Kollegen denken über Häuserkäufe nach und der Spruch „No worries, mate“ bringt einen einfach durch alle Lebenslagen. Positiv hervorzuheben ist der hervorragende Dollarkurs, der uns sogar ein unbeschwertes Leben beschert, denn wir können nun Alles ganz einfach durch zwei teilen. Geteiltes Leid ist halbes Leid.
Trotzdem mussten wir das schlechte Gewissen bekämpfen und wollten uns mit der Heimat solidarisch zeigen. Was taten wir also? Wir kurbelten die Wirtschaft an und gingen shoppen bis wir uns gerade noch so zum Kriegsdenkmal über der Stadt schleppen konnten, um dort im Sonnenuntergang unser Sushi zu verspeisen. Und nun kann ich sagen, ich hab mein Rezept gegen die Krise gefunden: man lege einfach sein Geld in schönen Kleidern und Hüten an, gegebenenfalls kann man auch über Flugtickets und Eiscreme oder neue Autoantennen nachdenken. Funktioniert super! Und man kommt zum gleichen Resultat: am Ende des Tages ist das Konto auf 0 (schwarz).
Da das Quecksilber mittlerweile auf ungefähr 30 Grad klettert, mussten wir uns Sonntag abkühlen und man ging früh surfen. Olala! Unser Surflehrer war genauso attraktiv wie Tante Käthe bei der WM 1990, leider haben wir versäumt, ein Bild der Lockenpracht mit Schnäuzer zu schießen. Aber wir standen ihm in unseren Ganzkörperanzügen in nichts nach. Zwei Stunden paddelten, hüpften und balancierten wir in den riesigen Wellen von Torquay an der Great Ocean Road herum. Eigentlich kam ich mir vor, wie bei einer Kneipp-Kur im Wassertretbecken. Erwischt man eine Welle gut, ist man schnell in Richtung Strand gedüst. Aber möchte man in die Wellen zurück ist man auch gerne mal zehn Minuten unterwegs – drei Schritte vor, zweieinhalb dank Brandung zurück. Am Ende war ich maxalle, aber es hat furchtbar viel Spaß gemacht! Nun muss ich nur noch die Standfestigkeit ausbauen – üben, üben, üben. Und die Hühnerflügel nicht vergessen. Das Wochenende klang gemütlich aus bei Kaffee an der herrlichen Küste. Was geht’s uns gut hier, fernab von Stress und Hektik! Und genau das hoffe ich von Euch allen auch.
Cheers, Eure Änk.

Montag, 6. Oktober 2008

Bergfest – Rüssel an Schwanz hinterher

Es gab viele Feste zum Feiern am letzten Wochenende – Einheit in der Heimat, Antonia’s Rückkehr in das Land der Kängurus (helau, wir haben sie wieder!), Geschäftsjahresschluss, sechsjähriges Firmenjubiläum und Bergfest meines Infojahres. Oha! Um dem zu entkommen, flüchteten wir uns in das höchste Gebirge Australiens – in den Mt. Kosciuszko Nationalpark in New South Wales (bot sich ja an).
Freitagabend ging es los mit der Reise und dem Geschnatter von Nina, Antonia und meiner Wenigkeit, natürlich im weißen Safarimobil. Bis man so alles und jeden und das gute Silber aus der Chomley Street 39 zusammen hat, kann schon mal etwas Zeit vergehen, weswegen wir uns auch erst weit nach Mitternacht auf die Suche nach einer Herberge in Wodonga oder Albury machten. Man weiß nicht so genau, in welchem Ort (und Bundesstaat) wir letztendlich schliefen. Wir kamen uns vor, wie Maria und Josef auf Unterkunftssuche, bis sich ein windiger Motelwirt erbarmte und uns seine Luxushütte überließ, inklusive Spa. Ohne Ochs und Esel. Frisch gestärkt fuhren wir am Samstag in die Berge ein. Dort herrschte am letzten Skiwochenende dieser Saison noch Schneekettenpflicht. Ich möchte an dieser Stelle noch mal darauf hinweisen, dass wir uns trotz sechs-stündiger Fahrt noch in Australien befanden. Schneeketten. Ihr versteht schon. Wir entschieden uns schon aus Prinzip dagegen, pah, das würde das Mobil schon schaffen. Tat es auch, die Straßen waren frei und so kam es, dass wir nach erfolgloser Taubenjagd mit der Waffe „rechte hintere Tür“ in Thredbo einfuhren – höchst gelegenste und teuerste Stadt des Kontinents mit alpinem Flair. Am Ortseingang begrüßte und die Hahnenkammhütte. Grüetzi. Leider war das Wetter alles andere als schön, so dass wir es bei einem Picknick und kleinem Spaziergang beließen. Hier war alles dermaßen teuer, dass einem die Raben den Käse im Pfundstück klauten. Unverschämt!
Und dann machte das weiße Safarimobil schlapp, pfffffffff. Platt wie Plattfuß vorne rechts. Drei Mädels und ein Ersatzreifen. Und ein Auto voller spanischer Diplomaten inklusive Schwiegersohn, die sich schon in Schale geworfen hatten für den Apres Ski. Das Reifenwechseln wurde also ein ganz unbürokratisches EU-Projekt, der Subventionsantrag läuft noch. Nach dieser Aufregung erstmal in Ruhe das Nachtlager an einem eiskalten Bergbach aufgeschlagen und den Abend gemütlich ausklingen lassen. Zu Dritt ist der Platz in meinem Auto ganz schön knapp, als mittlere Person kam ich mir vor wie ein Brathähnchen. Wurde zur Rechten gewendet, drehte ich mich mit, was zur Folge hatte, dass zur Linken auch gewendet wurde. Einigermaßen ausgeruht erwachten wir bei Kaiserwetter Sonntagmorgen und bester Laune nahmen wir den Sessellift gen Gipfel. Dann noch 6,5km über Wege, Schneefelder und Bäche in strahlendem Sonnenschein gewandert und schon waren wir da – auf dem Dach Australiens. Die Spitze des Mt. Kosciuszko ist 2.220m hoch, Kinder, was ein Blick. Außer dass es keinen Almdudler gab, war es Österreichgefühl pur. Entspannung. Nur allzu schnell mussten wir wieder zum Aufbruch blasen, denn Melbourne war ja 700km weit entfernt…. Wir machten also eine Sonntagsfahrt durch das ländliche New South Wales und Victoria, vorbei am SEN Pleiteteich (wir haben ihn gefunden!) und kamen schließlich wohlbehalten und sonnenverbrannt in der Landeshauptstadt an. Was für ein schönes Mädelswochenende, mein Mund ist jetzt noch fusselig und die Bauchmuskeln schmerzen vom vielen kichern. Herrlich!
Antonia hatte heute ihren ersten Probearbeitstag als meine persönliche Assistentin und hat sich herzallerliebst um das weiße Safarimobil gekümmert. Wie sich unter den ungläubigen Augen der Reifenverkäufer herausstellte, hatten wir Glück im Unglück: durch Torstens und meinen Urlaub waren die Reifen dermaßen schief abgefahren, dass der eine geplatzt ist und der andere kurz vor knapp war. Hui! Außerdem hat Paella nun neue Freunde in der Autoantennen- und Windschutzscheiben-Industrie von Bayswater und ich stehe kurz vor der australischen Privatinsolvenz. Trotzdem vielen lieben Dank für Deine Hilfe, Antonia!
Das war nun hoffentlich auch der Abschluss der Winterberichterstattung. Nun geht es weiter, mit dem Melbourne Spring Carnival (Pferderennen) und Surfkurs. Waren die ersten Monate geprägt von vielen Reisen, freue ich mich nun auf die Sommermonate in und um Melbourne (mit ein paar Abstechern vielleicht...). Man muss dem kommenden Besuchsreigen ja auch etwas bieten können.
Ich wünsche den Siemensianern unter der Leserschaft ein frohes neues Jahr und meinem lieben Informandenjahrgang April 2008 eine wunderbare zweite Hälfte des Infojahres!

Cheers, Eure Änk.

Dienstag, 30. September 2008

Walkabout unter den Schwingen des Adlers

Wo fange ich an. Am 11. September war es nun endlich soweit und wie schon unten erwähnt, konnte ich Torsten inklusive Versorgungspaket endlich abholen. Ich war ganz schön aufgeregt, bis er endlich durch das Gate rollerte. Und dann, ja und dann war es eigentlich nur noch wunderbar.
Nach Tapas und ausgiebigem Rotweingenuss mit einigen Freunden ging es am Freitag früh für Torsten und mich mit dem weißen Safarimobil los. Natürlich untersuchte Torsten das Mobil vorher genauestens, konnte aber keine Mängel feststellen, bis auf eine Dichtung in der Heckklappe, aber das ist seine Berufskrankheit… Mit großen Augen erzählte man mir, das Gefährt habe 205 PS. Aha, deswegen bin ich an Ampeln immer die erste, verstanden.
Vollgepackt mit Luftmatratze, Benzinkanister, Campingstühlen, riesiger Kühltasche, Wasser- und Benzinkanister, Kocher und diversem anderen Gerät begann unsere Reise hinter Melbourne auf der Great Ocean Road. Ich kannte diese schöne Küstenstraße ja bisher nur im Herbst (ich verweise an dieser Stelle auf den entsprechenden Bericht) und war also nicht weniger gespannt als Torsten. Sie präsentierte sich bei strahlend blauem Himmel (seit Torsten seinen Fuß in dieses Land gesetzt hat, strahlt die Sonne und es braucht für mich nicht mehr viel wärmer werden….), unglaublich viel Wind und riesigen blau-grünen Wellen. Immer wieder wunderschön und sehenswert. Gemütlich fuhren wir die kurvigen Straßen entlang, hielten hier und da, besuchten die Kängurus vom Golfplatz in Anglesea, genossen Scones (lecker Gebäck, ein wenig wie frische Hefeteilchen) und Tee am Cape Otway Leuchtturm bei den Koalas, bestaunten die Apostel und beendeten diesen ersten Tag der Reise in Portland. Am nächsten Tag ging es über den letzten Abschnitt vorbei an der London Bridge nach Warrnamboul. Und hier sahen wir nun etwas völlig Ungeplantes: Ihr erinnert Euch vielleicht noch an Wilma aus dem Juni, die Walfrau mit dem frisch geborenen Kalb, die noch zu geschafft war, um sich uns zu zeigen. Das war nun ganz anders: die beiden tollten im Wasser direkt vor uns an der Küste herum und hatten auch Spaß in der Sonne. Großes Damentennis! Sogar die große Flosse haben wir bestaunen können. Was für ein majestätisches Erlebnis! Hundert Fotos später befanden wir uns wieder auf der Straße, in Richtung Adelaide im Staat South Australia. Wenn man über die Grenze fährt, gewinnt man eine halbe Stunde an Zeit hinzu, ist das nicht verrückt? Die Australier quittieren dies mit Hupen. Dann trafen wir Larry, den Lobster. Larry steht am Ortsausgang von Kingston S.E. und ist verdammt riesig. Australier lieben Pappfiguren und sie bauen sie meistens dort, wo sonst nichts zu sehen ist. Unser Freund Larry ist 17m groß, leider klapperte schon seine eine Zange aus Altersschwachheit. Ansonsten sehr imposant. Weiter ging es durch den Coorong National Park, einem Lagunenstreifen mit viele Pelikanen und dem Murraydelta am südlichen Ozean. Nach einem schönen Sonnenuntergang in dieser Lagunenwelt haben wir das Tagesziel Adelaide auch gerade noch so erreicht. Die Hotelsuche gestaltete sich schwierig, aber schlussendlich war Ende gut, alles gut und wir konnten äußerst leckere Nudeln mit frischen Meeresgetier genießen. Sonntags erkundeten wir diese Universitätsstadt, die unter den australischen Städten immer vergebens um ein wenig Beachtung ringt. Da dort aber nie irgendwas passiert (ist), keiner angelandet ist und kein Gold gefunden wurde, tut sie sich schwer. So war es uns denn auch nach ein paar Stunden genug und auf gings. Heute sollten wir endlich den Stuart Highway hinter Port Augusta befahren. Ob es schon rot werden würde? Bisher erinnerte die Landschaft ein wenig ans Allgäu, mal an Schleswig-Holstein und eventuell an Afrika, aber ganz sicher nicht an den trockensten Staat (der South Australia anscheinend ist) auf dem trockensten Kontinent der Welt.
Von Port Augusta, der letzten Stadt vor Outback, hatte ich schon Einiges gehört. Ich dachte also, nicht Wunder, was eine Stadt. Ja. Bei genauerem Hinsehen hatte dieses Örtchen weniger Einwohner als Gehrden (nämlich 12 Tausend), dafür aber dreifach so viele Fastfoodläden. Dieser Ort ist auf der Landkarte Australiens ein relativ großer Punkt – wir sollten bald merken, wieso. Gerade ein paar Kilometer auf dem Stuart Highway gefahren, änderte sich die Umgebung schlagartig. Bäume und Büsche verschwanden nach und nach und wichen niedrigem Gestrüpp, über das ein paar Emus liefen. Es gab ein paar platte Hügel und ansonsten viel NICHTS. Rechts – Nichts. Links – Nichts. Vorne – Nichts. Hinten – Nichts.
Mit den letzten Strahlen Tageslicht fuhren wir bei unserem ersten Campingplatz ein. Wir hatten uns vorgenommen, nicht bei Dunkelheit durch das Outback zu eiern, denn das ist die Zeit, in der Katz und Maus und Känguru aus dem Busch kommt und gerne auf den Straßen spazieren geht. Noch dazu ist es, wie Torsten so schön sagte, auch dunkel wie im Bärenhintern. Unser Kühlergrill hat zum Glück außer einer riesigen Heuschrecke in den zwei Wochen keines dieser Lebewesen von Nahem zu Gesicht bekommen. Ich glaube, Torsten hatte bis zu dem Zeitpunkt nicht geglaubt, dass wir tatsächlich im Auto campen würden. Umso ungläubiger war sein Blick, als wir an unseren ersten Übernachtungsplatz im idyllischen Woomera hinter Spuds Roadhouse unsere Schateken ausbreiteten. Mit australischem Hightech wurde die Luftmatratze per Motor aufgeblasen und zwar so doll, dass wir die erste Nacht im weißen Safarimobil etwa 15cm von der Decke entfernt verbrachten. Jaa…. Wir übten noch. In der Campküche machte Torsten gleich seine ersten Erfahrungen mit waschechten Australiern und schwatze ihnen doch glatt ihren Wein ab. Der Mann ist gut! Am nächsten Tag stellten wir fest, was für eine schöne Gegend Woomera doch ist: inmitten australischem Raketentestgebiet mit tausenden von Quadratkilometern von Sperrzonen nach Norden, Süden, Westen und Osten. Dazu noch das Wartehäuschen für Asylanten. Herrlich. Nochmal voll tanken bei Spuds und ab dafür. Nächster Halt: Coober Pedy. Diese Stadt im Nichts mit 3.500 Einwohnern ist durch ihre Opalfunde bekannt. Kilometerweit drum herum kommt man sich vor, wie auf dem Mond. Es wächst nichts und riesige Flächen sind unterhöhlt und umgegraben, auf der Suche nach dem großen Coup. Es ist dort so heiß, dass die Bewohner ihre Häuser größtenteils unter die Erde gebuddelt haben. In der Stadt herrscht eine ganz merkwürdige Stimmung. Die Männer suchen oft jahrelang vergebens nach dem Edelstein. Wir besuchten eine Mine. Der Führer dort hatte sechs Kinder. In seiner Mine hatte er 2008 Opale im Wert von 160 australischen Dollars gefunden. Und auch in Australien ist schon September und auch ohne Finanzkrise ist das schon wenig Geld für eine 8-köpfige Familie. Und trotzdem konnte er nicht davon lassen. Torsten durfte sein Glück mit Spitzhacke und Bohrhammer versuchen und hatte schon genug, doch der Mann trieb ihn trotzdem weiter an. „Maybe here, give it a try. This could bei it!” Was wäre wohl unter Tage geschehen, hätten wir tatsächlich etwas entdeckt? Man weiß es nicht. Gruselig. Noch ein unterirdisches Haus begutachtet und wir kehrten diesem Ort den Rücken zu. Auf den Straßen hingen viele Aborignes rum, wieder betrunken, bekifft. Furchtbar. Und wieder ist es mir nicht gelungen, etwas mit den Australiern oder den Eingeborenen selber über dieses Thema zu diskutieren. An die einen kommt man nicht ran und die anderen wiegeln es mit zwei, drei Sprüchen ab. Alles Trinker. Ende der Diskussion. Schade.
Nächste Nachtruhe fanden wir in Marla’s Roadhouse, nördlich von Coober Pedy. Auf diesem wunderschönen Campingplatz machten wir die faszinierende Bekanntschaft mit australischen Klassenfahrten. Wie bei uns früher das Torfhaus im Harz Standardprogramm war, so fährt der gemeine Australier mit der Schule in das rote Zentrum des Landes. Man hätte meinen können, Asterix sei mit seinen Galliern auf ein römisches Legionslager gestoßen – denn genauso sahen die 50 Zelte aus, die dort in Reih und Glied aufgebaut wurden. Es wurde gemeinsam gekocht, abgewaschen, aufgeräumt und bevor wir uns am nächsten morgen versahen, war die Kohorte wieder abgereist. Hui, ein Kompliment an die Logistik! Wir für unseren Teil ließen unseren Kocher an diesem Abend kalt – wir mussten ja auch mal das echte Roadhouse Essen im Outback probieren. So tafelten wir bei Riesenburger und Gulasch – Männerportion. Uff!
Am nächsten Tag ging es weiter, vorbei an unzähligen „schlafenden“ Kängurus, die nun aber ihren Eingang in die Nahrungskette fanden. Unglaublich große Adler stürzten sich auf sie, so dass die auch schon nicht ganz kleinen Krähen verschreckt im Hintergrund auf ihren Anteil warteten. Wir hatten beide noch nie solche großen Vögel gesehen und wenn sie sich mit ihren 20kg langsam in die Lüfte schwangen, weil wir nun mal da lang fahren wollten, dann dauerte das einen Moment. Das ein oder andere Mal konnten wir die dicken Schnäbel näher betrachten. Kurz vor Einfahrt in das Northern Territory hatten wir dann auch Glück und sahen endlich ein waches rotes Riesenkänguru. Es winkte uns sozusagen vom Straßenrand aus zu. Gott sei Dank blieb es auch da. Diese Tiere sind ganz schöne Kokoschinskis, verglichen mit den grauen Einwohneren Victorias, das kann sogar ich sehen. Und dann, endlich, nach 3.000km, bogen wir ab auf den Lasseter Highway, um die letzten 240km zum Uluru zurück zu legen. Und peng – da war er. Stand da einfach so rum. Rot, rund, groß und majestätisch ruhig.
In dem angrenzenden, eigens hierfür gebauten Resort Yulara verbrachten wir die nächsten zwei Tage, selbstverständlich campierend. Neben der Umrundung des Steines stand noch die Wanderung durch die angrenzenden Olgas (durch das Tal des Windes) auf der Wunschliste meines Freundes. Wurde alles abgearbeitet. Man weiß nicht, warum die Olgas die Olgas heißen (oder auch Kata Tjuta), aber sie sind eigentlich eindrucksvoller als der Uluru, wie wir beide fanden. Beide Formationen sind vor ungefähr 500 Millionen Jahren entstanden und seitdem unverändert, vielleicht ein bisschen geschliffen durch Wind und Sand, wie eigentlich alles in Australien. Puh! Das ist alt! Das ist mir überhaupt erst auf dieser Reise richtig bewusst geworden. Man kann in Australien nicht staunend an alten Römersandalen oder chinesischen Tempeln vorbeilaufen, was eine Stadtbesichtigung für einen Europäer etwas unspannend macht. Dafür ist die Natur dieses Kontinents seit seiner Abspaltung vom Urkontinent vor Millionen von Jahren nahezu unverändert geblieben, was auch zu den merkwürdigsten Tieren und Pflanzen geführt hat. Man bedenke nur die hüpfenden Beuteltiere, Eukalyptusbäume oder die Tatsache, dass Hasen hier eine Plage sind, weil sie (immer noch) keine natürlichen Feinde haben, sondern nur zu Jagdfreuden der Engländer anno schnuff hier her geschifft wurden. Wir bekamen also doch das ein oder andere Mal große Augen.
Es war entsetzlich heiß und obwohl wir die neun km um den Uluru früh in Angriff nahmen, waren wir von der Hitze gut erledigt und verbrannt. Die Sonne hat trotz früher Stunden und Sonnencreme eine unheimliche Kraft und es tut richtig weh, wenn man zu lange in ihr rumeiert. Ein Vorgeschmack auf den Sommer…. Mein Wunsch war es gewesen, eine Tour oder einen Tag mit den Aborigines zu verbringen. Immerhin ist dieser weltweit einzige Monolith ihr Heiligtum und sie sind die älteste noch existente Kultur auf Erden. Wer, wenn nicht sie, könnten uns besser Auskunft erteilen. Aber leider waren diese Angebote entsetzlich teuer. Schade. Torstens Begeisterung für Australien und seine Campingplätze stieg von Tag zu Tag. Besonders als er feststellte, dass man immer und überall grillen kann, war es um ihn geschehen. Wir hatten eine wunderbare Zeit, umgeben von Nichts, unzähligen Sternen und Natur. Genau das, was man nach so langer getrennter Zeit braucht. Herrlich!
Nachdem wir alle Wanderungen und Sonnenuntergänge im Uluru-Kata Tjuta Nationalpark erlebt hatten, ging es weiter in die West McDonnell Ranges, zum Kings Canyon. Noch so eine alte Formation, auf deren Rand man entlang wandern kann. Wunderschön und für mich eigentlich die schönste Wanderung (wenn ich das so schreibe, find ich mich selber unglaublich: wer hätte gedacht, dass ich gerne zelte und wandere?!) des Urlaubs. Abends wurden wir Teil einer uraustralischen Veranstaltung im angrenzenden Resort (wir hatten uns übrigens den Luxus eines richtigen Bettes gegönnt –ui!): nach dem Barbecue standen die Gäste auf und es wurde aus voller Brust Waltzing Mathilda und im Anschluss noch die Nationalhymne geträllert. Die Bude bebte und wir hatten unseren Spaß.
Nach ausgiebiger Diskussion mit einem ortskundigen Allradautobesitzer beschlossen wir, den Rückweg aus dem roten Zentrum nicht über Schotterpisten zu fahren. Unser weißes Safarimobil hatte uns zwar tapfer überall hingebracht, aber man muss ja nicht übertreiben, nech. Und die Idee, der Polizei zu sagen, wo man wann hinfährt, damit sie uns auch finden, fanden wir zwar gut – aber der Hinweis, dass es vier Tage dauern kann, bis sie uns retten, fand nicht meine Zuneigung. So beschlossen wir, über den Stuart Highway zurück in die Flinders Ranges zu düsen, auf Empfehlung meiner lieben Chefin. Dort sollte es leckere Pies geben. Eine Nacht auf bekanntem Campingsplatz in Marla später fuhren wir in Port Augusta ein. Ihr erinnert euch – dieser letzte Fleck Zivilisation auf der Landkarte, der uns am Anfang unserer Reise nicht vom Hocker gehauen hatte. Naja, was soll ich sagen? Ich dachte, wir wären in einem anderen Land angekommen. Grüne Bäume, Fastfoodläden, zwei große Supermärkte, Internet, … wow! Irre! Die Nacht und ein bisschen des nächsten Tages verbrachten wir 40km nördlich von dort, im schönen Quorn. Bereits Filmkulisse für viele ältere Filme, schloss ich dieses Örtchen sofort in mein Herz. Eine Reise durch das Hinterland Australiens ist ein bisschen wie eine Zeitreise ins Europa der 50er und 60er Jahre. Die Zeit ist stehen geblieben. Total niedlich und gemütlich und wunderschön. Die nächste Etappe führte uns weiter in die Flinders Ranges hinein, vorbei an leeren Steppen mit Kängurus, Emus und elend vielen Fliegen (die kriechen einem im Outback überall hin – in Mund, Nase, Ohren und ihr wisst schon) nach Parachilna. Hier sollte es nun die besagten Lieblingspies meiner Chefin geben. Ich hatte noch gefragt, in welchem Laden wir denn gehen müssten und nur ein Lachen geerntet. Der Ort hat 5 Einwohner und einen Pub. Da fiel die Wahl nicht schwer. Leider gabs keine Pies mehr. Und das nach 4.000 gefahrenen Kilometern. Welch Enttäuschung. Entlohnt wurden wir allerdings auf der Fahrt durch die Schlucht nach Blinman, unserem Tagesziel. In der Dämmerung leuchteten die Felsen glutrot und wir sahen die örtliche Sehenswürdigkeit in Massen: Kängurus. Manche von ihnen sollen gelbe Füße haben, aber das können wir nicht bestätigen. Man kommt sich hier nicht selten vor, wie im Zoo. In Blinman war das Hotel ausgebucht (es waren 15 Gäste vor Ort), der Campingplatz kaputt, sodass wir zufällig auf einem so genannten Homestead landeten. Eine Farm hatte im Hinterhof ein paar Hütten und Stellplätze. Wir machten die anstrengende Bekanntschaft mit Michael und Maria aus Adelaide, zwei pensionierten Pädagogen, die ihren Beruf an uns weiter ausübten. Herrje. Wir nehmen an, sie meinten es nur gut. Wir bekamen auch ihren Wein in Stahlbechern aus Syrien, die Michael damals einer Karawane auf einem Kamel hinter der Düne …. Und ihre glaubt ja gar nicht, wie anders der Wein aus diesen Stahlbechern schmeckt, denn da kann er --- Da hörte mein englisches Gehör auf, zu funktionieren und wir mussten ins Bett.
Am nächsten Tag weckte uns ein großer Sandsturm. In ziemlich ekelhaftem Wetter kamen wir nach einer Schafscher-Aktion auf der Farm am nächsten Ziel unserer Reise an: Wilpena Pound. Auch ein altes Gebirge, dass eigentlich eine von Bergen umgebene Hochebene ist. Weil gerade Frühling ist, blühten hier viele schöne bunte Blumen (oder kam es uns nur so vor, nach einer Woche rot und trocken?) und wieder einmal trommelte Torsten zur großen Wanderung, die wir standesgemäß deutlich unter der angegebenen Zeit aber mit einigen Verlusten beendeten. Und dass ich ein bisschen tot war, aber die Reisegruppe sonst total zufrieden.
Auf ging es nach Broken Hill. Irgendwann auf unseren 6.500 gefahrenen Kilometern begannen wir, uns etwas vorzulesen. Mein IPod hat zwar viel Platz, aber irgendwann ist einem auch das zu langweilig. Radio hört hinter Melbourne auf zu existieren. Also lasen wir. Passenderweise ein Buch über Australien, „Frühstück mit Kängurus“. Ich hatte schon ein halbes Jahr daran rumgewerkelt, nun kamen wir gut voran und stellten fest, dass wir eigentlich genau die Reiseroute des Autors befolgten. Wir waren also bestens informiert, als wir in Broken Hill in Mario’s Palace Hotel einfuhren. Dieses Hotel bestand aus mindestens 30 Zimmern, die allesamt aussahen, als würden Erich und Margret gleich aus dem Bett steigen. Welch Freude. Wir waren bis auf den Hausmeister und vier andere die einzigen Gäste im Palast und so kriegten wir am nächsten Morgen auch noch eine Führung durch das Ding. Irre – original 60er Jahre! Selbst das Bier im Kühlschrank der längst geschlossenen Bar sah so aus. Broken Hill liegt auch im Nirgendwo in New South Wales, aber es ist sehr reich, weil es gibt viel Blech dort: Gold, Silber, Kupfer und das ganze Geraffel. So ist das hier – entweder eine Stadt liegt am Wasser oder aber man findet was verbuddelt. Ansonsten keine Stadt. Ich hatte mir ein wenig mehr erwartet, ebenso von der verlassenen Goldgräberstadt Silverton nebendran (in der Mad Max gedreht wurde und der meistfotografierteste Pub Australiens, vermutlich auch der südlichen Hemisphäre, steht), so dass wir dann zügig zum Aufbruch in Richtung Victoria bliesen. Dort folgten wir dem Murray, dem größten Fluss des Landes, der eigentlich auch für einen Großteil der Wasserversorgung zuständig ist. Hier konnten wir nun wirklich gut sehen, was Trockenheit bedeutet, denn als groß möchte ich dieses Rinnsal nicht beschreiben. Nach einer Nacht in
Mildura, einer Fahrt durch das ländlich idyllische Victoria und Boxenstop in der Goldgräberstadt Bendigo stellten wir am nächsten Tag unser Mobil in der heimatlichen Tiefgarage in Melbourne ab. Uff! Zwei Wochen und sechseinhalb tausend Kilometer später hatten wir einen wunderschönen Urlaub im echten Australien verbracht und ich bin froh, diese Eindrücke alle gesammelt zu haben – immerhin besteht Australien eigentlich zu 90% aus Outback mit seinen wenigen, besonderen Bewohnern. Dem Teil des Landes, in dem auf den drei vorhandenen Fernsehkanälen für Euterfett und Landmaschinen geworben wird.
Nach einem gemütlichen Tag in St. Kilda am Strand durfte ich Freitagabend endlich mein Geburtstagsgeschenk einlösen und wir gingen ins Regent Theatre, um uns das Musical Wicked anzuschauen. Diese Hexerei war wirklich bezaubernd. Dankeschön mein Schatz!
Ja und dann war Samstag, Grand Final Day, quasi viktorianischer Feiertag. Und was macht der gemeine Australier dann? Genau, ein Barbecue. Dem schlossen wir uns gerne an und so kam es, dass Torsten seinen ersten Urlaub auf dem Kopf mit einem weiteren australischen Erlebnis beendete – er spielte Footy und grillte. Er machte das so gut, dass man ihn für einen waschechten Australier hielt. Happy team Hawthorn gewann die Footy Saison verdient (find ich) gegen Geelong und nur allzu schnell musste ich Torsten wieder gehen lassen und mich nun auf Cricket und Pferderennen einstellen. Furchtbar, alles. Jasmin und Toby taten ihr bestes, mich am Sonntag auf der Mornington Penninsula am Strand abzulenken und die Arbeit seit gestern tut ihr Übriges.
Was hilft gegen das Nachurlaubsloch? Neue Pläne machen. Und die haben wir schon. Für November, für Weihnachten und das nächste Wochenende.
Eine Sache noch: seit wir wieder da sind, ist alles grün und es blüht und die Sonne scheint und wir haben laue 20-28 Grad. Es wird. Besuchszeit!
Seid alle lieb gegrüßt vom Ende der Welt von eurer Änk.