Mittwoch, 29. Oktober 2008

Treuepunkteprogramm

Ihr kennt das ja: Payback, Happy Digits, Flybuys und Co. Die machen auch vor Australien nicht halt. Aber was soll man sammeln? Heute hat sich das ganz von alleine für mich entschieden für meine Zeit im Land der Kängurus. Ich sammele Treuepunkte bei der australischen Verkehrbehörde. Antonia hatte hiermit schon sehr viele Erfahrungen gemacht - nun bin ich auch mal beigetreten. Also billig ist die Aufnahme nicht.

Wir hoffen, dass die aktuellen Bonus-Sommerprämien unseren Geschmack treffen und sind in freudiger Erwartung von Grillzangen, Sportjacken oder Navigationssytemen.

Zügige Grüße von eurer Änk.

Montag, 27. Oktober 2008

Ja ja ja – jetzt wird wieder in die Hände gespuckt

Gelegentlich werde ich gefragt, ob ich denn eigentlich zum Urlaubmachen hier sei. Neiiiiiin. Vier bis fünf Tage die Woche bin ich tatsächlich damit beschäftigt, die Siemenswelt in Australien auf Trab zu halten (oder sie mich).
Der Alltag. Er hat auch hier ziemlich schnell Einzug gehalten.
Der Tag beginnt auch in der südlichen Hemisphäre mit dem lästigen Wecker, dessen Wiederholfunktion ich immer noch sehr zu schätzen weiß. Die erste Telefonkonferenz nach Deutschland mit Torsten begleitet Frühstück und Zähneputzen. Dann, immer zu spät, geht die Reise los in Richtung Bayswater, zur Siemens Landesgesellschaft. Das ist ein so genannter Stadtteil von Melbourne, ungefähr 25 km von mir weg. Klingt nicht schlimm – ist es aber. Der Verkehr in Melbourne ist einfach fürchterlich. Ihr müsst euch das so vorstellen: zweispurige Straße, rechte Spur – Parkspur, linke Spur – Tram. Nun könnte man sich fragen, wo man dann als Autofahrer bleibt. Die Lösung ist einfach, aber extrem nervig. Man fädelt sich schön hinter der Tram ein. Die Yarra Trams haben leider die Angewohnheit, alle 100m zu halten. Einmal vor der Kreuzung, einmal dahinter. Manche Stationen sind so dicht beieinander, dass das Ende des Zuges noch nicht abgefahren ist, der Vorderteil aber schon an der nächsten Haltestelle steht. Ist man Passagier in den Zügen, findet man es furchtbar gemütlich (wenn man Zeit hat), ist man Autofahrer, entwickeln sich ungekannte Hassgefühle und ich schimpfe vor mich hin wie so ein Rohrspatz, auf Deutsch und auf Englisch. Und das schon morgens um acht. Einziger Vorteil: ich kann ausgiebigst meine Lieblingsradiosendung verfolgen, Two Women and a Metro, 101.1. Ein kleiner Lichtblick zwischen den grauen Wolken in meinem Kopf. Ich bin am Ende jeden Morgens also um Jahre gealtert aber wenigstens bestens informiert. Nachdem die High Street mit dieser beschriebenen Verkehrsführung (und unzähligen Brautmodeläden, die wenigstens schön was zum Schauen im Stau bieten und seit diesem Wochenende auch endlich neu dekoriert haben) nach ungefähr einer halben Stunde hinter mir liegt (und damit auch die ersten 7km meiner Reise), biege ich ein auf die Summerhill Road. Die hab ich mir ausgesucht, weil sie keine einzige Ampel hat. Sie ist ungefähr 800m lang. Eine dermaßen lange Strecke ohne Ampel ist etwas Besonderes, auf meinem Arbeitsweg befinden sich nämlich in Summe 52 davon. Auf dem Burwood Highway sollte es dann schneller gehen, man befindet sich ja schließlich auf dem australischen Äquivalent zur Autobahn. Ich verweise auf die oben beschriebene Verkehrssituation. Anderer Name, gleiches Spiel. Meine Nerven. Dazu ist man als deutscher Autofahrer auch deutlich anderen Fahrstil gewohnt als der Australier. Gelassen läufts….. grrrrr! Durch alle 40km/h Zonen an den Schulen hindurch (in denen Aufpasser in gelben Warnwesten wie wild auf Ampel-Fußgängerknöpfe drücken, damit die Kleinen und alle anderen potentiell gefährdeten Mitmenschen auch wohlbehalten an der Schulbank und beim Frisör ankommen). Endlich, nach einer knappen Stunde. Das Ortsschild verkündet: Welcome to Bayswater, Neighbourhood Shopping at its best! Wenn man gerne Autoreifen, Bremsbeläge oder Farbeimer kauft, dann ist man in diesem Ort richtig. Am Ortsausgang in Richtung Dandenong Nationalpark trifft man dann auf bekannte Gebäude.
Auch ohne Schild wäre jedem Siemensianer klar, man ist zu Hause. Siemens Ltd., Mountain Hwy, Bayswater, Australien. Da sitzen wir nun, globale, riesige Firma, in mitten von Autowerkstätten, an den Bergen Melbournes, eine Stunde von der Innenstadt entfernt. Nachdem ich glücklich mein Mobil auf dem Parkplatz abstellen kann und schnell an den Platz gehuscht bin, brühe ich mir erstmal den ersten Instant-Kaffee des Tages. Dann werkelt man so vor sich hin, macht ein paar Witzchen mit den Kollegen und trinkt noch ein bisschen mehr Kaffee. Es ist unglaublich leise in den Großraumbüros. Wahnsinn!
Ich bin wieder bei den zentralen Finanzen gelandet, im Controlling. Wir machen dort genau das Gleiche, was wir damals bei Com in München für die Zentralen gemacht haben. Zentrales Ergebnis, Bilanz und Cashflow, aber für alle Zentralabteilungen und längst nicht so organisiert. Weil ich das schon so gut kenne, konnte ich gleich richtig mitmachen und tatsächlich das Ein oder Andere aus Deutschland verwenden, denn diese Abteilung existiert hier noch gar nicht lange. Generell bin ich erstaunt über die Hemdsärmeligkeit in der täglichen Arbeit. Aber so ist das wohl, wenn man nur einen Bruchteil an Ressourcen zur Verfügung hat und täglich neue Abfragen aus Deutschland eintreffen. Wenn ich noch einmal eine email von Remaining Business auf den Tisch kriege, oder Abfragen von Corporate Communications …. (mit den besten Grüßen an meine lieben ehemaligen Kollegen). Wir sitzen viel weniger in Meetings als in der Heimat und mühen uns mehr mit SAP und Excel. Ich kann viel lernen und habe auch Glück mit meiner Chefin und meinen Kollegen. Meine Chefin ist der Überzeugung, ich solle in dem Jahr möglichst viel sehen und mitnehmen. Ich werde also überall mit hingeschleppt, werde überall vorgestellt, darf mir alles anschauen und mitwerkeln und konnte sogar schon Vorstellungsgespräche von der anderen Seite des Tisches führen. Kann mich überhaupt Null beklagen. Wenn ich in Urlaub gehe, weiß der halbe Laden irgendwie, wo ich bin und will hinterher Bilder sehen. Verrückt! Letzte Woche hatte ich mein australisches Mitarbeiter-Feedback Gespräch (EFA). Damit hatte ich nicht gerechnet, aber umso mehr hat es mich gefreut.
Unser Team besteht aus einer Australierin (meine Chefin Roz), einem Kroaten (Ken), einem Singapuri (Wenig Kee) und einem Sri Lankaner (Ravi). Dazu noch eine Chilenin (Marcella) und diverse Deutsche. Es ist ein lustiges Sprachen- und Kulturwirrwarr in diesem Haufen!

Um 12 Uhr, da kann ich meine Uhr nach stellen, stehen Barry und Stefan vor meinem Tisch mit hungrigen Mägen. Auf zu Werner’s, der Kantine und Café auf dem Standort. Dort trifft man sich zunächst einmal noch mit weiteren bekannten Gesichtern an den Mikrowellen in der Siemens Musterküche. Das Essen in der Kantine ist zwar gut, aber ganz schön fettig. Also stelle ich mich hin und koche vor. Fleißig in Armen-Tupper abgefüllt und aufgewärmt. Während des Essens bemühen sich meine Kollegen, mir alle australischen Feinheiten des Lebens beizubringen (wir sind im Moment gerade bei den Cricketregeln, das dauert etwas länger). Es folgt das Quiz des Tages aus der Tageszeitung von Thelma, allgemeiner Tratsch und Klatsch sowie meine Reiseplanungen und die Stunde Nichtstun ist viel zu schnell vorbei, besonders wenn man sie nun draußen bei herrlichen Temperaturen genießen kann. Zurück im Gänsemarsch. Noch ein bisschen Termine, emails und telefonieren, ein bisschen Exceltapeten entwerfen, endlich mit Deutschland telefonieren und bekannt geben, man könne unmöglich die gesetzten Termine einhalten und schon ist Feierabend. Wobei das auch erst seit ungefähr vier Wochen so ist. Die ersten Monate hatten wir unglaublich viel zu tun mit Budgetrunden, SLA Verhandlungen, Siemens Neuorganisation und und und. Jede Hand wurde gebraucht, so dass ich meistens nicht vor 19:00 und später das Schiff verlassen konnte. Wie gut, dass ich bei mir um die Ecke einen Supermarkt mit rund-um-die-Uhr-Öffnungszeiten hab. Mittlerweile ist es ruhiger geworden und ich habe auch etwas von meiner deutschen Arbeitsweise in einer Schublade versteckt. Ansonsten kann man nämlich auch schnell durchdrehen, mit der australischen Einstellung „no worries“. So habe ich nun auch kein besonders schlechtes Gewissen mehr, wenn ich um fünf die Kiste ausmache und gen Heimat düse. Die Arbeitszeit nehmen die Australier sehr genau und sind auch furchtbar emsig, aber nur von 8:30-17:00. Dann ist der Krieg schnell vorbei. Dafür haben alle ein Privatleben und das ist ihnen wichtig. Eigentlich eine schöne Einstellung.
Einmal im Quartal wird mittags gemeinsam gegrillt und jeden Freitag gibt’s ab fünf Feierabendbier. Die Chefs der Landesgesellschaft sind sehr präsent und jederzeit ansprechbar. Sie sind offen und diskutieren gerne. Es macht einfach Spaß, in einer kleineren Organisation zu arbeiten, in der fast jeder jeden kennt.
Nach Feierabend gehe ich manchmal mit meinen Kollegen noch in den Dandenong Nationalpark, ein wenig Sport machen, wir spielen Fußball in einer Mädelsgruppe oder ich renne um den See im Albert Park. Ansonsten lädt der Balkon ein zum Entspannen und die Innenstadt für diverse andere Aktivitäten. Donnerstags sind die Geschäfte alle lange offen. An anderen Tagen ist um fünf auch dort Schicht im Schacht. Auch oft ausgeübte Freizeitbeschäftigung: Wäsche waschen (das ist in meiner australischen Top-Lader Maschine eine ganz schöne Prozedur, die aufwandsmäßig dem frühzeitlichen Waschbrett sehr nahe kommt. Aber mittlerweile weiß ich, welche Zusätze und welche Einweichdauer welche Wäsche braucht, so dass ich das Gefühl hab, es wird ein bisschen sauberer. Aber wer mich ein bisschen besser kennt, der weiß, wie sehr ich meine wertvolle Siemenswaschmaschine vermisse... *Torstenhabsieseelig*), putzen, einkaufen, bügeln und nach Hause telefonieren. Der Alltag.
Und dann geht ein Tag am anderen Ende der Welt viel zu schnell zu Ende und Anke kriecht in ihr Bett. Wenn ich Glück hab, dann bin ich vor meinem schnarchenden Nachbarn in der Falle. Dank der Pappbauweise und der Einfachverglasung ist meine Wohnung nicht gerade leise und meine Nachbarn sind sehr nachtaktiv. Wenn nicht geschnarcht wird, dann gestritten (mit Vorliebe um 4:30 morgens) und wenn sie nicht streiten, dann kommt garantiert der Müllwagen vorgefahren oder aber die Bauarbeiter auf der Baustelle gegenüber beginnen ihren Arbeitstag mit Kranaufstellen und Gejohle. Herrje. Wie gut, dass es Oropax gibt.
Der nächste Tag beginnt auch in der südlichen Hemisphäre mit dem lästigen Wecker…
Feierabendgrüße an diesem Montag aus Australien von Eurer Änk.

PS: Manchmal hab ich Glück und es bietet sich mir folgendes Bild zum Frühstück:

Sonntag, 19. Oktober 2008

Auf den Spuren der Kolonialherren…

… wandelten wir dieses Wochenende. Projektmanagement ist alles und so hatten wir alles minutiös durchgeplant, um schlussendlich angehübscht mit Schnittchen am Caulfield Racecourse einzulaufen. Wir befinden uns jetzt im Melbourne Spring Carnival, jener Jahreszeit, in der wöchentlich teure Pferderennen ausgetragen werden, begleitet von Modenschauen und vielen, vielen Feiern.

6:40 morgens: Mein Wecker klingelt (nicht nötig, weil mein schnarchender Nachbar mich schon geweckt hatte, aber das muss ich euch ein andermal erzählen).

7:07: aus dem Bettchen gequält und in die Dusche gehüpft.

7:31: gerade fertig, der Kaffee kocht und Antonia kommt mit Paul’s Milchfahrrad aus der Chomley Street angeschüsselt. Pünktlichst wie immer, im Korb neben den Absatzsandalen: ein Pfefferhuhn und eine Knoblauchknolle. Man weiß nie.

7:40: Toast und Kaffee fertig, Frühstücken. Dazu: erstes Glas Schampus.

7:50: die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, Hähnchen wird filetiert, Wraps geschmiert und gewickelt, als gäbe es kein morgen, Gemüse geschnippelt und Guacamole in der Mikrowelle zubereitet. Wir verzichten auf Mettigel, aber die Kühltasche ist ohnehin voll. Muttis in Aktion.

8:45: Fuß- und Fingernägel werden lackiert.

9:00: der Frisörsalon 31/20 St. Edmonds Road öffnet wegen guten Wetters draußen seine Pforten. Erste Kundin: Antonia Barth mit dünnen Haaren.

9:10: die zweite Frisöse Nina trifft ein. Mit vereinten Kräften und einer halben Flasche Haarspray extra super stark (nicht mit Heißkleber zu verwechseln) ist die Frisur von Antonia in Form. Leider zerstört der Haarschmuck die Frisur, so dass die Prozedur von vorne beginnt und im vierten Anlauf erfolgreich beendet wird.

9:30: nächste Kundin im Salon: Anke Stahn. Selbes Spielchen. Mehr Schampus.

9:50: Die Frisur sitzt. Mit Fashiontape werden letzte Änderungen an Kleidern und sonstigen Partien vorgenommen. Schminke drauf und Fotos geschossen.

10:15 Abmarsch. Bepackt mit Taschen und Täschchen, stolzierend in zu großen Schuhen geht’s zum Kaffeemann und dann in den Caulfield Express, direkt zur Rennbahn.

Dort treffen wir David, Andy und Joan, den australischen Teil der Veranstaltung. In ulkigsten Verstecken schmuggeln wir unsere Getränke durch die Kontrolle. Wir sind auch ziemlich alleine mit unserem Gepäck, aber der Deutsche ist nun mal gerne organisiert mit Stullen und Picknickdecke.
Die Sonne kommt raus und peng! 30 Grad, lauwarme Getraenke, gute Laune und das Wettfieber verwandeln die Menge um die Pferderennbahn zu einer Feiermeile in schick. Die Herren in Anzug und Schlips, die Damen etwas luftiger in Kleidchen und Hut. Es finden zehn Rennen statt und wir sind zwischendurch nahe am Sonnenstich. Es ist ein bisschen wie Wiesn in der Heimat, so dass wir gegen Ende beschließen, mitzutrinken. Es wurde dann sehr lustig. Leider haben wir nix gewonnen, außer viel an Erfahrung. Die kann ich in zwei Wochen beim Melbourne Cup (dem größten und teuersten Pferderennen des Landes) auch gut gebrauchen. Der Abend klang gemütlich auf der Chapel Street bei mir um die Ecke und auf meinem Balkon aus. Gestern Nacht hab ich gedacht, ich muss vielleicht sterben, aber wie ihr seht: ich lebe noch.
Heute morgen ein herzhaftes Frühstück mit Kollegen und dann haben Steffi und ich uns auf der Mornington Penninsula den Wind um die Nase wehen lassen. Und schon war alles gut.

Sonntagsgrüße aus Melbourne von eurer galoppierenden Änk.

Dienstag, 14. Oktober 2008

++Eilmeldung++Eilmeldung++Eilmeldung++

Australien und Indien trennen sich nach fuenf Tagen unentschieden im ersten Cricketspiel der Saison.

Australien: 430 & 6/228
Indien: 360 & 4/177

Nun muss erstmal der Teevorrat aufgestockt werden, bevor es weiter geht mit spannenden Partien............................

Montag, 13. Oktober 2008

Die Zelluliteeinheit im Kampf gegen die Finanzkrise

Die Finanzkrise – sie ist in aller Munde. So richtig bekommt man hier am Ende der Welt nichts davon mit. Die Sonne scheint immer noch, man findet Fünfdollarnoten auf der Straße, meine Kollegen denken über Häuserkäufe nach und der Spruch „No worries, mate“ bringt einen einfach durch alle Lebenslagen. Positiv hervorzuheben ist der hervorragende Dollarkurs, der uns sogar ein unbeschwertes Leben beschert, denn wir können nun Alles ganz einfach durch zwei teilen. Geteiltes Leid ist halbes Leid.
Trotzdem mussten wir das schlechte Gewissen bekämpfen und wollten uns mit der Heimat solidarisch zeigen. Was taten wir also? Wir kurbelten die Wirtschaft an und gingen shoppen bis wir uns gerade noch so zum Kriegsdenkmal über der Stadt schleppen konnten, um dort im Sonnenuntergang unser Sushi zu verspeisen. Und nun kann ich sagen, ich hab mein Rezept gegen die Krise gefunden: man lege einfach sein Geld in schönen Kleidern und Hüten an, gegebenenfalls kann man auch über Flugtickets und Eiscreme oder neue Autoantennen nachdenken. Funktioniert super! Und man kommt zum gleichen Resultat: am Ende des Tages ist das Konto auf 0 (schwarz).
Da das Quecksilber mittlerweile auf ungefähr 30 Grad klettert, mussten wir uns Sonntag abkühlen und man ging früh surfen. Olala! Unser Surflehrer war genauso attraktiv wie Tante Käthe bei der WM 1990, leider haben wir versäumt, ein Bild der Lockenpracht mit Schnäuzer zu schießen. Aber wir standen ihm in unseren Ganzkörperanzügen in nichts nach. Zwei Stunden paddelten, hüpften und balancierten wir in den riesigen Wellen von Torquay an der Great Ocean Road herum. Eigentlich kam ich mir vor, wie bei einer Kneipp-Kur im Wassertretbecken. Erwischt man eine Welle gut, ist man schnell in Richtung Strand gedüst. Aber möchte man in die Wellen zurück ist man auch gerne mal zehn Minuten unterwegs – drei Schritte vor, zweieinhalb dank Brandung zurück. Am Ende war ich maxalle, aber es hat furchtbar viel Spaß gemacht! Nun muss ich nur noch die Standfestigkeit ausbauen – üben, üben, üben. Und die Hühnerflügel nicht vergessen. Das Wochenende klang gemütlich aus bei Kaffee an der herrlichen Küste. Was geht’s uns gut hier, fernab von Stress und Hektik! Und genau das hoffe ich von Euch allen auch.
Cheers, Eure Änk.

Montag, 6. Oktober 2008

Bergfest – Rüssel an Schwanz hinterher

Es gab viele Feste zum Feiern am letzten Wochenende – Einheit in der Heimat, Antonia’s Rückkehr in das Land der Kängurus (helau, wir haben sie wieder!), Geschäftsjahresschluss, sechsjähriges Firmenjubiläum und Bergfest meines Infojahres. Oha! Um dem zu entkommen, flüchteten wir uns in das höchste Gebirge Australiens – in den Mt. Kosciuszko Nationalpark in New South Wales (bot sich ja an).
Freitagabend ging es los mit der Reise und dem Geschnatter von Nina, Antonia und meiner Wenigkeit, natürlich im weißen Safarimobil. Bis man so alles und jeden und das gute Silber aus der Chomley Street 39 zusammen hat, kann schon mal etwas Zeit vergehen, weswegen wir uns auch erst weit nach Mitternacht auf die Suche nach einer Herberge in Wodonga oder Albury machten. Man weiß nicht so genau, in welchem Ort (und Bundesstaat) wir letztendlich schliefen. Wir kamen uns vor, wie Maria und Josef auf Unterkunftssuche, bis sich ein windiger Motelwirt erbarmte und uns seine Luxushütte überließ, inklusive Spa. Ohne Ochs und Esel. Frisch gestärkt fuhren wir am Samstag in die Berge ein. Dort herrschte am letzten Skiwochenende dieser Saison noch Schneekettenpflicht. Ich möchte an dieser Stelle noch mal darauf hinweisen, dass wir uns trotz sechs-stündiger Fahrt noch in Australien befanden. Schneeketten. Ihr versteht schon. Wir entschieden uns schon aus Prinzip dagegen, pah, das würde das Mobil schon schaffen. Tat es auch, die Straßen waren frei und so kam es, dass wir nach erfolgloser Taubenjagd mit der Waffe „rechte hintere Tür“ in Thredbo einfuhren – höchst gelegenste und teuerste Stadt des Kontinents mit alpinem Flair. Am Ortseingang begrüßte und die Hahnenkammhütte. Grüetzi. Leider war das Wetter alles andere als schön, so dass wir es bei einem Picknick und kleinem Spaziergang beließen. Hier war alles dermaßen teuer, dass einem die Raben den Käse im Pfundstück klauten. Unverschämt!
Und dann machte das weiße Safarimobil schlapp, pfffffffff. Platt wie Plattfuß vorne rechts. Drei Mädels und ein Ersatzreifen. Und ein Auto voller spanischer Diplomaten inklusive Schwiegersohn, die sich schon in Schale geworfen hatten für den Apres Ski. Das Reifenwechseln wurde also ein ganz unbürokratisches EU-Projekt, der Subventionsantrag läuft noch. Nach dieser Aufregung erstmal in Ruhe das Nachtlager an einem eiskalten Bergbach aufgeschlagen und den Abend gemütlich ausklingen lassen. Zu Dritt ist der Platz in meinem Auto ganz schön knapp, als mittlere Person kam ich mir vor wie ein Brathähnchen. Wurde zur Rechten gewendet, drehte ich mich mit, was zur Folge hatte, dass zur Linken auch gewendet wurde. Einigermaßen ausgeruht erwachten wir bei Kaiserwetter Sonntagmorgen und bester Laune nahmen wir den Sessellift gen Gipfel. Dann noch 6,5km über Wege, Schneefelder und Bäche in strahlendem Sonnenschein gewandert und schon waren wir da – auf dem Dach Australiens. Die Spitze des Mt. Kosciuszko ist 2.220m hoch, Kinder, was ein Blick. Außer dass es keinen Almdudler gab, war es Österreichgefühl pur. Entspannung. Nur allzu schnell mussten wir wieder zum Aufbruch blasen, denn Melbourne war ja 700km weit entfernt…. Wir machten also eine Sonntagsfahrt durch das ländliche New South Wales und Victoria, vorbei am SEN Pleiteteich (wir haben ihn gefunden!) und kamen schließlich wohlbehalten und sonnenverbrannt in der Landeshauptstadt an. Was für ein schönes Mädelswochenende, mein Mund ist jetzt noch fusselig und die Bauchmuskeln schmerzen vom vielen kichern. Herrlich!
Antonia hatte heute ihren ersten Probearbeitstag als meine persönliche Assistentin und hat sich herzallerliebst um das weiße Safarimobil gekümmert. Wie sich unter den ungläubigen Augen der Reifenverkäufer herausstellte, hatten wir Glück im Unglück: durch Torstens und meinen Urlaub waren die Reifen dermaßen schief abgefahren, dass der eine geplatzt ist und der andere kurz vor knapp war. Hui! Außerdem hat Paella nun neue Freunde in der Autoantennen- und Windschutzscheiben-Industrie von Bayswater und ich stehe kurz vor der australischen Privatinsolvenz. Trotzdem vielen lieben Dank für Deine Hilfe, Antonia!
Das war nun hoffentlich auch der Abschluss der Winterberichterstattung. Nun geht es weiter, mit dem Melbourne Spring Carnival (Pferderennen) und Surfkurs. Waren die ersten Monate geprägt von vielen Reisen, freue ich mich nun auf die Sommermonate in und um Melbourne (mit ein paar Abstechern vielleicht...). Man muss dem kommenden Besuchsreigen ja auch etwas bieten können.
Ich wünsche den Siemensianern unter der Leserschaft ein frohes neues Jahr und meinem lieben Informandenjahrgang April 2008 eine wunderbare zweite Hälfte des Infojahres!

Cheers, Eure Änk.