Sonntag, 31. August 2008

Melbourne im Sauseschritt – Just do it!

Wie schon vor einiger Zeit erwähnt, stand dieses Wochenende im Zeichen des Sports.
Am Freitag abend hab ich noch mal fix im Fitnessstudio meine Belastbarkeit überprüft (phhhhh, ausbaufähig…), um dann zu später Stunde Ramönchen von der Southern Cross Station einzusammeln. Zunächst stand wieder mal ein Abschied in der Black Pearl in Fitzroy an - nach Eva und Sebi, Simon, Sina, Sabine, Antonia nun auch noch Moritz, unser EM Gefährte… schnief. In diesem Etablissement werden mittlerweile schon Taschentücher für uns bereit gelegt. Samstag stand mal ein wenig Sightseeing auf dem Programm, man muss der Dame aus der großen schönen Stadt Sydney ja auch etwas bieten und ich habe diesbezüglich in meinem Wohnort wirklich auch Nachholbedarf. Wir fuhren nach Williamstown, um den doch riesigen Hafen von Melbourne zu bestaunen und dann weiter in das niedliche Yarraville, wo wir den Nachmittag gemütlich bei heißem Tee und Muffins ausklingen lassen haben. Abends dann leckere Schnabulierereien im Babbles Restaurant bei mir ums Eck. Lecker lecker! Die Gruppe um den Tisch herum war ein gutes Spiegelbild der Melbournian Gesellschaft – von Franzosen und Deutschen über Ukrainer bis zu Australiern war alles vertreten. Aber Ramönchen und ich mussten uns arg zurückhalten, denn heute morgen gings um halb acht schon los, zum Nike Human Race Melbourne. Startpunkt war im Botanischen Garten, unweit des Shrine of Remembrance – ein weiteres Kriegsdenkmal Australiens, von dem man einen wunderbaren Blick auf die Stadt hat. Uff, soooo früh schon soooo fit zu sein, war ganz schön viel verlangt. Die Laufshirts von Nike waren knallrot, so dass das ein sehr lustiger Anblick war: viele hüpfende und laufende rote Punkte im tristen Wintergrau von Melbourne. Noch ein bisschen allgemeine Morgengymnastik und dann war auch schon Anpfiff. Durch den Botanischen Garten, drumrum und durch das Stadtzentrum, vorbei am Parlamentsgebäude und den beiden Kathedralen, am MCG entlang und schon wieder auf der Zielgeraden über den Federation Square an der Flinder’s Street Station in den Botanischen Garten hinein – Endspurt! Man weiß noch nix Genaues, aber man munkelt, wir wären die 10km in etwas mehr als einer Stunde gelaufen. Dafür, dass ich sonst eigentlich um diese Zeit höchstens vorsichtig meinen Fuß unter der Bettdecke vorstrecke, ist das doch gar nicht schlecht. Mit Zufriedenheit auf den Gesichtern und ein deftiges Frühstück im
Bauch waren wir wenig später wieder unterwegs - dieses Mal im Zug
Richtung Süden nach Brighton Beach. Dort gibt es wunderschön bunte Badehäuser am Strand, mit Blick auf die Stadt. Das sieht sogar bei grauem, wolkenverhangenem Himmel wunderbar aus.
Und dann musste ich meine Laufgefährtin (die wohlgemerkt extra für diesen Lauf aus Sydney angeflogen war – doppelter Respekt an dieser Stelle bitteschön) auch schon wieder an der Southern Cross Station abliefern. Nur um gerade eben zu erfahren, dass sämtliche Flüge nach Sydney heute abend leider ausfallen, wegen Sturms in der Hafenstadt. Nun kriegt Ramona eine Gratisübernachtung im Hilton am Tullamarine Flughafen und nimmt morgen früh neuen Anlauf.
Das bringt mich zum letzten, leidigem Thema dieses Berichts – dem Wetter. Am Freitag dachte ich, ich hätte ihn gesehen, den Frühling. Erstmals während meines Aufenthaltes waren es in Melbourne tatsächlich mehr Grad als in Sydney, nämlich 18 bei strahlendem Sonnenschein. Was ein Lebensgefühl! Hurra! Samstag war auch noch ok, aber heute war der absolute Absturz. Seit Zieleinlauf heute morgen herrschen wieder Regen und Sturm. Brrr, was für ein Aprilwetter im August. Dabei ist morgen offizieller Frühlingsanfang. Was mir ein wenig Sorgen bereitet, sind die neuesten Aussagen der Australier: „Also so lange kalt und regnerisch war es wirklich schon lange nicht mehr. Aber wir brauchen auch nötig den Regen.“ Jaaaa…. Aber doch nicht gerade jetzt? Ich esse weiterhin fleißig alles auf, damit in knapp zwei Wochen für Torsten die Sonne scheint.
Ist es nicht verrückt, dass nun schon vier Monate rum sind?
Ich muss ins Bett. Seid alle ganz lieb gegrüßt von Eurer Änk mit den schnellen Schuhen.

PS: Melbourne gefällt mir übrigens immer besser, je mehr ich in den vielen einzelnen Stadtteilen unterwegs bin. Was für eine gemütliche, lebendige Stadt, die in vielen Dingen Berlin gleicht. Schön!

Dienstag, 19. August 2008

Im Westen viel Sonne

Ist ja schon wieder gleich Mitte der Woche und ein neuer Bericht vom Ende der Welt ist fällig. In letzter Zeit passiert aber auch so Einiges. Dieses Mal ging es nach einem wunderschönen mittwochabendlichen Jason Mraz Konzert am Donnerstag nach Perth hin. Es gab sogar eine neue Herausforderung am Tullamarine Airport, denn Tigerair fliegt nicht direkt da ab. Das weiß ich nun auch. In nasser Kälte wurden dann die Turbinen angeworfen und ein gefühltes Nickerchen später landete ich in Western Australia, dem sechsten Bundesstaat meines Aufenthaltes. Nach Taxifahrt fand ich auch die anderen Teilnehmer der Reisegruppe „Go West“ dieses Wochenendes: wie könnte es anders sein – Ramona wartete in Fremantle (ein Vorort von Perth) zusammen mit Jasmin aus Melbourne in Rosie’s Pub auf mich. Dort hatten wir uns eingemietet. Pub war schon zu, meine Äuglein folgten sogleich. Am nächsten Tag wurde ich tatsächlich von einem Sonnenstrahl an der Nase gekitzelt und von leckerem Frühstück geweckt (was sich übrigens auch in den nächsten drei Tagen nicht mehr änderte…). Das nennt man Urlaub, herrlich! Bestens mit Proviant versorgt, gings in unserem roten Flitzer auf die Reise gen Norden – nach Cervantes. Man könnte meinen, das sei spanisch und man sieht vor seinem inneren Auge schon die Tapas und Stierkämpfer, aber wenn man das australisch ausspricht, dann klingt das eher nach einer Kopfschmerztablette: Tzöarvänties. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Please see in store for details. Trotzdem war dieser Ort wunderbar, sofortige Entspannung machte sich breit. Stellt Euch einfach vor, ihr sitzt in einem gemütlichen Café bei lecker Sandwich, es läuft leise Musik und Ihr lasst den Blick über folgenden Strand schweifen: Verstanden? Genau. Ich wollte auch nicht mehr weg. Wir haben noch den örtlichen Surfshop unterstützt und das 20. Paar Badelatschen erstanden, war aber auch Schlussverkauf da. Dieser freundliche Mann reist bei uns auch immer mit. Ich frage mich, wie an diesem wirklichen Ende der Welt ein Surfshop die aktuelle Kollektion an den Mann bringt. Es war jetzt nicht so, als hätten wir morgens vor dem Laden kampiert, um an die Sonderangebote ranzukommen. Am Strand wurden wir Zeuge des örtlichen Alltags. Zwei Fischer bekamen ihr Boot nicht aufs Trockene und versanken mit ihrem Jeep bei Rausziehversuchen immer mehr im Wasser. Die selbsternannte Zweimann-Strandpolizei wartete nur auf ihren Einsatz, so dass sie uns ihren Trecker vorführen konnten. Wir durften auch mitfahren und zusehen, wer der stärkere war. Ui, Jungs, toll gemacht. Was für ein Leben für diese Herren: sie sitzen den ganzen Tag am Strand, gehen ein wenig fischen und ansonsten warten sie bei einem Emu Bierchen darauf, dass sie mit dem Trecker die anderen retten können. Und sind dabei maximalpigmentiert. Aber für Muße hatten wir keine Zeit und so ging es weiter zu der Pinnacles Wüste im Nambung Nationalpark gleich um die Ecke. Dort stehen auf einmal tausende merkwürdige Gesteinsbrocken mitten im Sand, was natürlich besonders in der Nachmittagssonne im warmen Licht stimmungsvoll war. Wie gut, dass der Speicherplatz auf Digitalkamerakarten groß ist….
Zurück in Fremantle („Freo“) gabs ein feines Fischessen beim Italiener und ein noch feineres Eis. Die Stadt ist wirklich einen Besuch wert, überall gibt’s (anscheinend erst nachdem der America’s Cup hier in den 1970er Jahren gehalten wurde) nette Cafés und Bars und kleine Geschäfte…. Denen und dem Markt haben wir am nächsten morgen vor Abfahrt noch einen Besuch abgestattet. Da die Entfernungen in Western Australia (WA) riiiiesig sind (der Staat hat die Größe Indiens bei nur zwei Millionen Einwohnern, oder anders gesagt: er erstreckt sich auf einem Drittel des Kontinents und ist aber nur Heimat von weniger als zehn Prozent der Australier), mussten wir unser Programm ein wenig umstricken. So schafften wir es nicht, dem südlichen Tall Timber Country einen Besuch abzustatten, wo es Bäume gibt, die über 40m hoch sind. Dafür fuhren wir gen Süden an der wunderschönen Westküste Australiens bis nach Bunbury. Und nun haltet Euch fest: ich habe angebadet. Jawohl. Die Badesaison ist damit offiziell eröffnet. Im Moment gibt’s zum Baden noch gratis Antizellulite dazu, aber das kann nie schaden. Ich sag mal, war erfrischend. Aber bei 25-27 Grad Lufttemperatur muss man sich ja irgendwie abkühlen und irgendwann muss ja auch der neue Bikini getauft werden. Am Abend bestaunten wir einen wunderschönen Sonnenuntergang (erstmalig ging für mich in Australien die Sonne über dem Meer unter) bevor Jasmin und ich endlich die leckere Fischspezialität der Gegend probieren konnten: Crayfish. Das sind große Hummer. Dazu frisches Brot. Mmmm!
Und schon war auch Sonntag. Aber bevor es auf den Rückweg ging, gabs noch eine Neuigkeit für die Wildlifewatchlist (Kängurus, Emus und sonstige Tierchen gehören zur Grundausstattung einer jeden Reise). Direkt am Strand von Bunbury schwomm ein Delphin und zwar seelenruhig direkt vor unseren Füßen! Flipper! Einfach schön.
Dann rief uns die einsamste Hauptstadt eines Bundesstaates der Welt (…) zu sich – Perth. Die Sonne scheint hier besonders stark und der Himmel ist noch blauer, weswegen die Hochhäuser noch weißer strahlen. So stehts im Reiseführer. Und ich kann berichten: es kommt einem wirklich so vor. Die Stadt hat mir mit Abstand bisher von allen am Besten gefallen (jetzt wird Antonia wieder böse, wegen Melbourne): von den zwei Millionen Einwohnern des Bundesstaates wohnen hier schon anderthalb, sie sind alle furchtbar entspannt, es gibt schöne Straßen mit alten Gebäuden und einen riesigen Kings Park, der alles überblickt. Und außerdem trifft man bekannte Gesichter, schon bei der Einfahrt: Eva und Sebi waren mit ihrer Vanette mittlerweile aus Melbourne über die Nullabor Plain hier angekommen, so dass wir an der ersten Kreuzung Perths gleich ein Wiedersehen feierten! Irre! Tja und so schön das alles war und so gerne ich zu den beiden in ihr Mobil gestiegen wäre, um mit ihnen zusammen nach Broome an der Westküste nach Norden zu fahren – der Flieger nach Melbourne hob pünktlich um 18:00 Uhr ab. Leider leider leider. In meiner neuen Heimat erwarteten mich gewohnte 7 Grad Celsius und Nieselregen. Es war, als wenn man aus einem Traum aufwacht und das Bett noch kuschelig warm ist. Einziger Sonnenschein: das Corollataxi an der Southern Cross Station, das fährt wirklich zu jeder Tages- und Nachtzeit. Vielen Dank, liebe Paella!
Nun ist auch erstmal genug für den August mit der Reiserei. Jetzt heißt es, sich vorzubereiten auf das Nike Human Race am 31.08.2008: 10km mit Ramona durch Melbourne. Hauptsache, die Strecke ist ausgeschildert…. Hinterher kenn ich mich aus. Hoffentlich.
Mein nächster Besuch am Tullamarine Flughafen wird sein, wenn ich endlich Torsten abholen kann. Juhu, sonnige Aussichten!
Bis dahin, olympische Grüße aus dem Süden, Eure Änk.

PS: Ich moechte mal auf Ramonas Blog verweisen, da findet Ihr die Reisen allesamt aus anderer Sicht sowie weitere Ladungen an wunderschoenen Bildern von der Dame aus Sydney. Viel Spass!
http://ramona-in-sydney.blogspot.com/

Montag, 11. August 2008

Erster! Fertig!

Pünktlich zum Feierabend sind nun alle Bilder des letzten Wochenendes präpariert. Ebenso hab ich noch einige weitere aus Ramönchens Fundus vom Wochenende in Sydney hinzugefügt, inklusive Wal (mit ein wenig suchen).
Ich möchte an dieser Stelle noch erwähnen, dass wir am Sonntag in Canberra tatsächlich den kältesten Tag des Jahres erwischt haben. Wir ahnten es. Kennt ihr das Lied von Elisa Gabbai was sie immer bei Radio Gong zum ersten Schnee spielen? "Winter in Canberra, so weiß war das Land ... Es war Winter in Canberra. Ich stehe am Fenster und schau‘ in die Ferne, im Haus am Griffinsee. Ich seh‘ graue Wolken und suche die Sterne und wieder fällt der Schnee..."
Gute Nacht, eure Änk.

Warum fuhren wir nach Canberra?

Stellt Euch vor, ihr hättet in München oder Berlin oder Frankfurt oder Köln oder Hannover oder Bremen oder Hamburg gewohnt – und dann wäret ihr nach Bonn in die Bundeshauptstadt gefahren. Zwei Gleise auf dem Hauptbahnhof, Flughafen geteilt mit Köln.
Und jetzt wisst Ihr eigentlich auch schon alles über mein letztes Wochenende in Canberra, der Hauptstadt Australiens.
Denn nach einem Besuch auf dem Melbourne International Film Festival am Freitag ging es Samstag in aller Herrgottsfrühe mal wieder zum Flughafen (böse Zungen behaupten, ich würde mich in Melbourne eigentlich nur in Tullamarine auskennen, aber das ist völlig falsch…. Ich kenne nämlich auch noch das wunderschön gelegene Bayswater von meiner allmorgendlichen Reise. Aber das ist eine andere Geschichte.), um eine knappe Stunde später im kalten Canberra zu landen (5 Grad, Schneeregen). Um mich rum viele Skifahrer in voller Montur und Ramona aus Sydney, meine ständige Reisebegleiterin. Man hatte am Flughafen die Wahl zwischen Ski- und Surfbus, wir haben dann doch ein Taxi genommen. Wer will schon in Australien Ski fahren und wer will schon bei 5 Grad surfen (und wo…)?? Verrückt. Also ich sag mal, wir haben schön langsam gemacht und in aller Ruhe die komplette Fahnenparade aller Länder am Ufer des künstlich angelegten Sees der Stadt begutachtet (man glaubt nicht, wie interessant Fahnen sein können), waren in der Nationalgalerie, im Gerichtshof, der Zeltvertretung der Aborigines, im alten sowie neuen Parlamentsgebäude sowie im Botschaftsviertel, wo wir nach Monaten mal wieder Fuß auf halbwegs deutschen Boden setzen konnten, haben viel Pause gemacht, viel Kaffee getrunken, mal geschlafen, … endlich war Abendprogramm angesagt, schließlich sind von den 300.000 Bewohnern ungefähr die Hälfte Studenten. Aber wo waren eigentlich die Bewohner im Allgemeinen? Im Reiseführer stand: dieser Ort fühlt sich nicht überlaufen an, weil ist alles weitläufig geplant. Das stimmt, meine Füße haben auch gequalmt, aber der gemeine Canberrianer ist auch an sich recht scheu und eher selten zu sehen. Merkwürdig. Jedenfalls endete das abendliche Vergnügen aber auch schnell nach Pizza und Weingenuss und halb elf war auch Schicht im Schacht in der australischen Hauptstadt. Aber man wird ja auch nicht jünger. Deswegen endlich ausschlafen am Sonntagmorgen, um dann um den See Burley Griffin zu joggen, um die Insel auch noch und dann nach einem ausgiebigem Frühstück noch ein wenig zu shoppen im einzigen Einkaufszentrum der Stadt. Dann mussten wir uns zum Schluss tatsächlich beeilen und mit dem Taxi zur letzten Sehenswürdigkeit fahren – dem Australian War Memorial. Mir ist immer noch nicht ganz klar, wie man als eine der wenige Nationen ohne eigenen Krieg dermaßen stolz sein kann, für andere gekämpft zu haben… Endlich gingen die Flieger zurück nach Sydney und Melbourne – ich freute mich tatsächlich auf das viktorianische Wetter, in der Annahme, mit den üblichen 15 Grad rechnen zu können. Pustekuchen. Seit dem Wochenende sind wir wieder bei 3 Grad und Regen. Und das, obwohl gestern Frühlingsanfang war und die Kirschen und Magnolien blühen. Hier ist alles auf dem Kopf… Woher weiß so eine Kirsche denn, dass sie jetzt blühen muss??
Jedenfalls weiß ich jetzt die ungläubigen Blicke meiner Kollegen zu deuten, als ich das Reiseziel Canberra bekannt gab. Würde ich jetzt nicht für den ottonormalen Australientouristen empfehlen, ich habe selten eine Stadt mit so wenig Charakter gesehen. Trotzdem war es gut, mal das Regierungsviertel gesehen zu haben, immerhin konnten uns einige der netten Mitarbeiter im Parlament das politische System des Landes und seine Geschichte schön erläutern. Oder wusstet ihr, dass die Queen immer noch das Sagen hat als Staatsoberhaupt dieser konstitutionellen Monarchie? Außerdem ist es irgendwie auch schon wieder erstaunlich, dass man diese Stadt komplett im Nirgendwo geplant und gebaut hat, weil man sich zwischen dem wunderbaren Melbourne und aufregenden Sydney nicht einigen konnte und das vor erst ungefähr 100 Jahren! Was für eine junge Nation… Ende gut, alles gut.
Cheers, Eure Änk.

Montag, 4. August 2008

Money makes the world go round…

… in Sydney!
Nach drei Wochen im mittlerweile fast heimischen Melbourne war es Freitag mal wieder Zeit, die Koffer zu packen und das Land zu erkunden. Dieses Mal stand die größte Stadt des Kontinents auf dem Kalender: ein Besuch bei Ramönchen (ihr erinnert euch – sie war bereits in der Geschichte mit der Great Ocean Road im Juni in der Besetzung dabei) in Sydney.
Nach freitäglichen Umzugsaktionen mit Antonia ging es abends mal wieder quatti quatti nach Tullamarine Airport, meinem Zweitwohnsitz. Mit ein wenig Verspätung hoben wir ab, mitten in die winterlichen Windböen hinein. Hui! Eine ruckelige Angelegenheit – mehrere Landeanflüge später befand ich mich in Sydney. Endlich Sydney! So viel hatte ich schon gehört, ich war gespannt.
In Central wurde ich von einem bekannten Gesicht begrüßt – Ramona! Cheerio! Die Zugfahrt nach North Sydney (McMahon’s Point direkt am Hafen) zu ihrer Wohnung war schon mal viel versprechend: man fährt über die berühmte Harbour Bridge, mit Blick auf das CBD der Stadt sowie auf, wie könnte es anders sein, das wohl meist fotografierteste Gebäude des Landes: das Opernhaus. Wow! Ich war ein wenig uppjerescht! Aber es kam noch viel besser. Nachdem wir die Sicherheitsschleusen von Ramonas Wohnanlage erfolgreich passiert hatten, hab ich nicht schlecht gestaunt und zweimal hinschauen müssen. Die Dame hat einen Ausblick wie auf einem Poster: von ihrem Balkon hat man freie Sicht auf einer der schönsten Skylines der Welt. Ihre Wohnung befindet sich nämlich nur 500m von der Brücke, dem Hafen, dem Opernhaus und allem anderen Gedöns entfernt. Für mich hätte also ein Stuhl auf dem Balkon für das Wochenende schon gereicht und ich wäre vollstens zufrieden gewesen. Aber ich hatte ein all inclusive Programm bei Reisebüro Franke gebucht. Zunächst einmal gab es aber viel zu erzählen, denn seit dem letzten Mal waren ja auch schon wieder fast acht Wochen vergangen (verrückt). Schnell war es schon wieder früh am morgen und wir fielen ins Bettchen. Ausschlafen war in meinem Angebot nicht inbegriffen, dafür aber ein super australisches Frühstück und strahlender Sonnenschein. Nachdem ich die ersten 50 Bilder vom Balkon aus geschossen hatte (die Brücke und die Oper waren auch am nächsten Morgen noch da), waren wir abreisefertig. Es ging zu Fuß durch North Sydney und Kirribilli (Kaffeestop) über die Harbour Bridge. Damit Torsten auch stolz sein kann, bin ich sogar freiwillig auf den einen Turm geklettert – was eine Sicht. Herrlich! Die Brücke war damals (1932) die längste Einbogenbrücke der Welt (oder der südlichen Hemisphäre, man weiß es nicht) und wurde bis 1988 abbezahlt. Teurer Spaß, aber steht ja auch nicht umsonst in Sydney. Im Volksmund auch wegen ihrer Form Kleiderbügel genannt. Dann weiter durch das älteste Stadtviertel „The Rocks“ – hier hat der alte Captain Arthur Phillip die erste britische Siedlung in Australien begründet. Damals. Heute wieder nach äußerst verruchter und pestiger Vergangenheit hübsch hergerichtet, kann man hier wunderbar Kaffee und Bierchen trinken und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Aber auch nur kurz, denn das Opernhaus wartet. Vorher noch kurz dem Techno Aborigine am Circular Quay guten Tag gesagt und den Fährverkehr im Hafen bestaunt. Die Fähren gehören genauso zum ÖPNV wie Bus und Bahn. Wie gerne würde ich morgens mit dem Schiff zur Arbeit fahren! Die Oper bot natürlich genügend Ansichten für die nächsten 100 Fotos, aus allen Winkeln und mit einigen Verrenkungen. Bei der Budgetplanung dieses Bauwerks brauch ich mir bei Siemens nie wieder Gedanken machen ob der Akkuratheit meiner Zahlen: geplant mit ungefähr 10 Millionen australischen Dollar, gebaut mit ungefähr 102 Millionen australischen Dollar. Und das hatte nix mit Inflation oder Wechselkurs zu tun (als Kauffrau ja immer eine gute Ausrede). Der ursprüngliche Architekt aus Dänemark wurde auf der Hälfte des Projektes entlassen und des Landes verwiesen. Nach 16 Jahren war das Veranstaltungszentrum 1973 fertig. Die Form kann man mit vielen Ausdrücken beschreiben – gepellte Orange find ich lustig. Haifischzahn, Narrenkappe, Segel – ist alles drin. Wir waren nicht richtig drin, denn etwas musste ich mir ja auch noch für die nächsten Besuche sparen. Aber die Klos waren luxuriös. Sydney eben.
Außerdem – Zeit ist Geld. Weiter im Sauseschritt durch Downtown Sydney, ein wenig Shopping im Queen Victoria Building und dann per Zug und Bus nach Bondi Beach, Surfer schauen. Ui! Ui! Schön! Nach leckerem Abendessen mit frischem Meeresgetier haben wir uns ein wenig im Darling Harbour (eine der weiteren Buchten in der Innenstadt) vergnügt. Zuviel vergnügen kann man sich leider nicht, denn wie schon oben erwähnt: money makes the world go round. Dafür waren für den Preis im gemischten Kaltgetränk auch ausreichend Umdrehungen drin, so dass wir nur über Umwege nach Hause gefunden haben.
Ein Wochenende mit Ramona wäre kein richtiges Wochenende, wenn man nicht ein wenig was Extravagantes einschieben würde. Deswegen ging es auch nach einer weiteren kurzen Nacht früh morgens wieder zum Darling Harbour zurück (nur mit Sonnenbrille auszuhalten, sonst war das zu hell…), um uns der Whale watching Tour „The wild thing“ anzuschließen. Ich dachte mir „Ach, papperlapapp. Komme ich nun aus Norddeutschland oder nicht? The wild thing, im Hafen von Sydney, da wird’s wohl nicht schaukeln, wir fahren ja nicht nach Helgoland.“ Ich möchte an dieser Stelle nicht weiter auf die Fahrt an sich eingehen. Der Steuermann des 20 Mannbootes war bestimmt auch in der Bar am Vorabend gewesen und ich weiß jetzt auch, dass unmittelbar vor der Hafeneinfahrt von Sydney im offenen Meer die Wellen zwei bis drei Meter hoch sind. Was am Anfang noch von jedem mit Hurra und Jippiie beschrieen wurde, wurde dann auch nach eineinhalb Stunden zur leichten Qual, ich habe auch schön den letzten Drink vom Abend zuvor verflucht. Ramona schuldet der Firma Dramamine einen Dankesbrief, denn die Drogen haben sie diese Fahrt überleben lassen. Aber was tut man nicht alles für die Wale, die wir ja nun doch schon seit einiger Zeit suchen (da war sie wieder, die Wildlife Watchlist, ein wenig verstaubt aber nun um einige Punkte abgearbeitet...). Und tatsächlich haben wir Southern Right Whales zu Gesicht bekommen. Zweimal mit der Flosse gewinkt und ein bisschen geplanscht. Leider ist davon noch kein Foto in meinen Einflussbereich gelangt, sobald das der Fall ist, reiche ich es nach. Alles in allem war der Spuk schnell wieder vorbei, aber es war trotzdem majestätisch. Auf dem Rückweg konnten einige sich übergebende Muttis den Steuermann Andrew überzeugen, vielleicht nicht frontal in die Wellen mit der Schaluppe zu fahren. Ein paar Delphine und Pelikane haben die Fahrt an der schönen Steilküste zurück in den Hafen begleitet. Herrlich! Der Hafen von Sydney ist riesig und zieht sich weit ins Landesinnere hinein, so dass man ihn eigentlich von fast überall in der Stadt sehen kann. Wunderschön! Mit festem Boden unter den Füßen gabs eine Pause in der Sonne, das bunte Treiben im Darling Harbour beobachten. Ich freue mich, wenn wir an Silvester mitte Familie genau hier residieren. 1A! Den Sonntag haben wir dann in Manly Beach ausklingen lassen, einem der bekanntesten Surferstrände an der nördlichen Hafenausfahrt. Ein wenig Shopping und schon musste ich meinen Koffer schnappen und den Flieger gen Melbourne erwischen. Auf dem Flug hab ich dann noch Tobi aus Kirchdorf bei Barsinghausen getroffen, wir saßen zufällig nebeneinander. In Gehrden geboren und in Hannover studiert – mit Erstaunen muss man doch immer wieder feststellen, dass die Welt klein ist… auch hier.
Es war ein wunderschönes wackeliges Wochenende in der großen tollen Stadt Sydney, mit Traumwetter und einer wunderbaren Reiseleiterin der Frankegruppe – vielen Dank noch mal dafür an Ramönchen! Jetzt muss ich sie nur noch überzeugen, mir ihre Wohnung für Silvester zu überlassen… mal sehen. Jedenfalls freue ich mich auf weitere Besuche in der heimlichen Hauptstadt mit den vielen schicken Leuten, die ihre Sonnenbrillen spazieren fuehren – wenn mein Konto wieder Luft hat.
Nun fragt man sich: Melbourne oder Sydney, Sydney oder Melbourne? Wenn Sydney die glamouröse Diva ist, dann ist Melbourne die kuschelige Mutti. Und da wohne ich ganz gerne!

Einen Ausblick auf das nächste Wochenende zeigt der Wetterbericht von Canberra im Australian Capital Territory:

Saturday Mostly fine. Min -1 Max 11
Sunday Mostly fine. Min -1 Max 11

Ich sach mal: crispy crispy, wie der Australier sagt. Wenn man das in LEO nachschlägt, gibt es als Übersetzung alles zwischen knusprig und Parmesanhippe. Nächste Woche werde ich also berichten, vom parmesanhippigen Wetter in der Hauptstadt Australiens.
Bis dahin wünsche ich euch eine schöne Woche aus der südlichen Hemisphäre, Eure Änk.