Nach Tapas und ausgiebigem Rotweingenuss mit einigen Freunden ging es am Freitag früh für Torsten und mich mit dem weißen Safarimobil los. Natürlich untersuchte Torsten das Mobil vorher genauestens, konnte aber keine Mängel feststellen, bis auf eine Dichtung in der Heckklappe, aber das ist seine Berufskrankheit… Mit großen Augen erzählte man mir, das Gefährt habe 205 PS. Aha, deswegen bin ich an Ampeln immer die erste, verstanden.
Vollgepackt mit Luftmatratze, Benzinkanister, Campingstühlen, riesiger Kühltasche, Wasser- und Benzinkanister, Kocher und diversem anderen Gerät begann unsere Reise hinter Melbourne auf der Great Ocean Road. Ich kannte diese schöne Küstenstraße ja bisher nur im Herbst (ich verweise an dieser Stelle auf den entsprechenden Bericht) und war also nicht weniger gespannt als Torsten. Sie präsentierte sich bei strahlend blauem Hi
Von Port Augusta, der letzten Stadt vor Outback, hatte ich schon Einiges gehört. Ich dachte also, nicht Wunder, was eine Stadt. Ja. Bei genauerem Hinsehen hatte dieses Örtchen weniger Einwohner als Gehrden (nämlich 12 Tausend), dafür aber dreifach so viele Fastfoodläden. Dieser Ort ist auf der Landkarte Australiens ein relativ großer Punkt – wir sollten bald merken, wieso. Gerade ein paar Kilometer auf dem Stuart Highway gefahren, änderte sich die Umgebung schlagartig. Bäume und Büsche verschwanden nach und nach und wichen niedrigem Gestrüpp, über das ein paar Emus liefen. Es gab ein paar platte Hügel und ansonsten viel NICHTS. Rechts – Nichts. Links – Nichts. Vorne – Nichts. Hinten – Nichts.
Mit den letzten Strahlen Tageslicht fuhren wir bei unserem ersten Campingplatz ein. Wir hatten uns vorgenommen, nicht bei Dunkelheit durch das Outback zu eiern, denn das ist die Zeit, in der Katz und Maus und Känguru aus dem Busch kommt und gerne auf den Straßen spazieren geht. Noch dazu ist es, wie Torsten so schön sagte, auch dunkel wie im Bärenhintern. Unser Kühlergrill hat zum Glück außer einer riesigen Heuschrecke in den zwei Wochen keines dieser Lebewesen von Nahem zu Gesicht bekommen. Ich glaube, Tors
Nächste Nachtruhe fanden wir in Marla’s Roadhouse, nördlich von Coober Pedy. Auf diesem wunderschönen Campingplatz machten wir die faszinierende Bekanntschaft mit australischen Klassenfahrten. Wie bei uns früher das Torfhaus im Harz Standardprogramm war, so fährt der gemeine Australier mit der Schule in das rote Zentrum des Landes. Man hätte meinen können, Asterix sei mit seinen Galliern auf ein römisches Legionslager gestoßen – denn genauso sahen die 50 Zelte aus, die dort in Reih und Glied aufgebaut wurden. Es wurde gemeinsam gekocht, abgewaschen, aufgeräumt und bevor wir uns am nächsten morgen versahen, war die Kohorte wieder abgereist. Hui, ein Kompliment an die Logistik! Wir für unseren Teil ließen unseren Kocher an diesem Abend kalt – wir mussten ja auch mal das echte Roadhouse Essen im Outback probieren. So tafelten wir bei Riesenburger und Gulasch – Männerportion. Uff!
Am nächsten Tag ging es weiter, vorbei an unzähligen „schlafenden“ Kängurus, die nun aber ihren Eingang in die Nahrungskette fanden. Unglaublich große Adler stürzten sich auf sie, so dass die auch schon nicht ganz kleinen Krähen verschreckt im Hintergrund auf ihren Anteil warteten. Wir hatten beide noch nie solche großen Vögel gesehen und wenn sie sich mit ihren 20kg langsam in die Lüfte schwangen, weil wir nun mal da lang fahren wollten, dann dauerte das einen Moment. Das ein oder andere Mal konnten wir die dicken Schnäbel näher betrachten. Kurz vor Einfahrt in das Northern Territory hatten wir dann auch Glück und sahen endlich ein waches rotes Riesenkänguru. Es winkte uns sozusagen vom Straßenrand aus zu. Gott sei Dank blieb es auch da. Diese Tiere sind ganz schöne Kokoschinskis, verglichen mit den grauen Einwohneren Victorias, das kann sogar ich sehen. Und dann, endlich, nach 3.000km, bogen wir ab auf den Lasseter Highway, um die letzten 240km zum Uluru zurück zu legen. Und peng – da war er. Stand da einfach so rum. Rot, rund, groß und majestätisch ruhig.
Es war entsetzlich heiß und obwohl wir die neun km um den Uluru früh in Angriff nahmen, waren wir von der Hitze gut erledigt und verbrannt. Die Sonne hat trotz früher Stunden und Sonnencreme eine unheimliche Kraft und es tut richtig weh, wenn man zu lange in ihr rumeiert. Ein Vorgeschmack auf den Sommer…. Mein Wunsch war es gewesen, eine Tour oder einen Tag mit den Aborigines zu verbringen. Immerhin ist dieser weltweit einzige Monolith ihr Heiligtum und sie sind die älteste noch existente Kultur auf Erden. Wer, wenn nicht sie, könnten uns besser Auskunft erteilen. Aber leider waren diese Angebote entsetzlich teuer. Schade. Torstens Begeisterung für Australien und seine Campingplätze stieg von Tag zu Tag. Besonders als er feststellte, dass man immer und überall grillen kann, war es um ihn geschehen. Wir hatten eine wunderbare Zeit, umgeben von Nichts, unzähligen Sternen und Natur. Genau das, was man nach so langer getrennter Zeit braucht. Herrlich!
Nachdem wir alle Wanderungen und Sonnenuntergänge im Uluru-Kata Tjuta Nationalpark erlebt hatten, ging es weiter in die West McDonnell Ranges, zum Kings Canyon. Noch so eine alte Formation, auf deren Rand man entlang wandern kann. Wunderschön und für mich eigentlich die schönste Wanderung (wenn ich das so schreibe, find ich mich selber unglaublich: wer hätte gedacht, dass ich gerne zelte und wandere?!) des Urlaubs. Abends wurden wir Teil einer uraustralischen Veranstaltung im angrenzenden Resort (wir hatten uns übrigens den Luxus eines richtigen Bettes gegönnt –ui!): nach dem Barbecue standen die Gäste auf und es wurde aus voller Brust Waltzing Mathilda und im Anschluss noch die Nationalhymne geträllert. Die Bude bebte und wir hatten unseren Spaß.
Nach ausgiebiger Diskussion mit einem ortskundigen Allradautobesitzer beschlossen wir, den Rückweg aus dem roten Zentrum nicht über Schotterpisten zu fahren. Unser weißes Safarimobil hatte uns zwar tapfer überall hingebracht, aber man muss ja nicht übertreiben, nech. Und die Idee, der Polizei zu sagen, wo man wann hinfährt, damit sie uns auch finden, fanden wir zwar gut – aber der Hinweis, dass es vier Tage dauern kann, bis sie uns retten, fand nicht meine Zuneigung. So beschlossen wir, über den Stuart Highway zurück in die Flinders Ranges zu düsen, auf Empfehlung meiner lieben Chefin. Dort sollte es leckere Pies geben. Eine Nacht auf bekanntem Campingsplatz in Marla später fuhren wir in Port Augusta ein. Ihr erinnert euch – dieser letzte Fleck Zivilisation auf der Landkarte, der uns am Anfang unserer Reise nicht vom Hocker gehauen hatte. Naja, was soll ich sagen? Ich dachte, wir wären in einem anderen Land angekommen. Grüne Bäume, Fastfoodläden, zwei große Supermärkte, Internet, … wow! Irre! Die Nacht und ein bisschen des nächsten Tages verbrachten wir 40km nördlich von dort, im schönen Quorn. Bereits Filmkulisse für viele ältere Filme, schloss ich dieses Örtchen sofort in mein Herz. Eine Reise durch das Hinterland Australiens ist ein bisschen wie eine Zeitreise ins Europa der 50er und 60er Jahre. Die Zeit ist stehen geblieben. Total niedlich und gemütlich und wunderschön. Die nächste Etappe führte uns weiter in die Flinders Ranges hinein, vorbei an leeren Steppen mit Kängurus, Emus und elend vielen Fliegen (die
Am nächsten Tag weckte uns ein großer Sandsturm. In ziemlich ekelhaftem Wetter kamen wir nach einer Schafscher-Aktion auf der Farm am nächsten Ziel unserer Reise an: Wilpena Pound. Auch ein altes Gebirge, dass eigentlich eine von Bergen umgebene Hochebene ist. Weil gerade Frühling ist, blühten hier viele schöne bunte Blumen (oder kam es uns nur so vor, nach einer Woche rot und trocken?) und wieder einmal trommelte Torsten zur großen Wanderung, die wir standesgemäß deutlich unter der angegebenen Zeit aber mit einigen Verlusten beendeten. Und dass ich ein bisschen tot war, aber die Reisegruppe sonst total zufrieden.
Auf ging es nach Broken Hill. Irgendwann auf unseren 6.500 gefahrenen Kilometern begannen wir, uns etwas vorzulesen. Mein IPod hat zwar viel Platz, aber irgendwann ist einem auch das zu langweilig. Radio hört hinter Melbourne auf zu existieren. Also lasen wir. Passenderweise ein Buch über Australien, „Frühstück mit Kängurus“. Ich hatte schon ein halbes Jahr daran rumgewerkelt, nun kamen wir gut voran und stellten fest, dass wir eigentlich genau die Reiseroute des Autors befolgten. Wir waren also bestens informiert, als wir in Broken Hill in Mario’s Palace Hotel einfuhren. Dieses Hotel bestand aus mindestens 30 Zimmern, die allesamt aussahen, als würden Erich und Margret gleich aus dem Bett steigen. Welch Freude. Wir waren bis auf den Hausmeister und vier andere die einzigen Gäste im Palast und so kriegten wir am nächsten Morgen auch noch eine Führung durch das Ding. Irre – original 60er Jahre! Selbst das Bier im Kühlschrank der längst geschlossenen Bar sah so aus. Broken Hill liegt auch im Nirgendwo in New South Wales, aber es ist sehr reich, weil es gibt viel Blech dort: Gold, Silber, Kupfer und das ganze Ger
Mildura, einer Fahrt durch das ländlich idyllische Victoria und Boxenstop in der Goldgräberstadt Bendigo stellten wir am nächsten Tag unser Mobil in der heimatlichen Tiefgarage in Melbourne ab. Uff! Zwei Wochen und sechseinhalb tausend Kilometer später hatten wir einen wunderschönen Urlaub im echten Australien verbracht und ich bin froh, diese Eindrücke alle gesammelt zu haben – immerhin besteht Australien eigentlich zu 90% aus Outback mit seinen wenigen, besonderen Bewohnern. Dem Teil des Landes, in dem auf den drei vorhandenen Fernsehkanälen für Euterfett und Landmaschinen geworben wird.
Nach einem gemütlichen Tag in St. Kilda am Strand durfte ich Freitagabend endlich mein Geburtstagsgeschenk einlösen und wir gingen ins Regent Theatre, um uns das Musical Wicked anzuschauen. Diese Hexerei war wirklich bezaubernd. Dankeschön mein Sch
Ja und dann war Samstag, Grand Final Day, quasi viktorianischer Feiertag. Und was macht der gemeine Australier dann? Genau, ein Barbecue. Dem schlossen wir uns gerne an und so kam es, dass Torsten seinen ersten Urlaub auf dem Kopf mit einem weiteren australischen Erlebnis beendete – er spielte Footy und grillte. Er machte das so gut, dass man ihn für einen waschechten Australier hielt. Happy team Hawthorn gewann die Footy Saison verdient (find ich) gegen Geelong und nur allzu schnell musste ich Torsten wieder gehen lassen und mich nun auf Cricket und Pferderennen einstellen. Furchtbar, alles. Jasmin und Toby taten ihr bestes, mich am Sonntag auf der Mornington Penninsula am Strand abzulenken und die Arbeit seit gestern tut ihr Übriges.
Was hilft gegen das Nachurlaubsloch? Neue Pläne machen. Und die haben wir schon. Für November, für Weihnachten und das nächste Wochenende.
Eine Sache noch: seit wir wieder da sind, ist alles grün und es blüht und die Sonne scheint und wir haben laue 20-28 Grad. Es wird. Besuchszeit!
Seid alle lieb gegrüßt vom Ende der Welt von eurer Änk.

2 Kommentare:
Servus Aenk,
klingt nach einem tollen Road Trip!!! Bin schon auf die Bilder gespannt.
Freut mich zu hoeren, dass auch bei dir endlich der Sommer eingekehrt ist, jetzt koennen wir Suedhemisphaerler auch endlich die Pigmente zuechten:-)
Gruessle ausm Westen
Siemaen
Hallo Anke,
klingt ja klasse was du da so alles treibst ;)
Keep rollin,
Luise
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