Sonntag, 19. Oktober 2008

Auf den Spuren der Kolonialherren…

… wandelten wir dieses Wochenende. Projektmanagement ist alles und so hatten wir alles minutiös durchgeplant, um schlussendlich angehübscht mit Schnittchen am Caulfield Racecourse einzulaufen. Wir befinden uns jetzt im Melbourne Spring Carnival, jener Jahreszeit, in der wöchentlich teure Pferderennen ausgetragen werden, begleitet von Modenschauen und vielen, vielen Feiern.

6:40 morgens: Mein Wecker klingelt (nicht nötig, weil mein schnarchender Nachbar mich schon geweckt hatte, aber das muss ich euch ein andermal erzählen).

7:07: aus dem Bettchen gequält und in die Dusche gehüpft.

7:31: gerade fertig, der Kaffee kocht und Antonia kommt mit Paul’s Milchfahrrad aus der Chomley Street angeschüsselt. Pünktlichst wie immer, im Korb neben den Absatzsandalen: ein Pfefferhuhn und eine Knoblauchknolle. Man weiß nie.

7:40: Toast und Kaffee fertig, Frühstücken. Dazu: erstes Glas Schampus.

7:50: die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, Hähnchen wird filetiert, Wraps geschmiert und gewickelt, als gäbe es kein morgen, Gemüse geschnippelt und Guacamole in der Mikrowelle zubereitet. Wir verzichten auf Mettigel, aber die Kühltasche ist ohnehin voll. Muttis in Aktion.

8:45: Fuß- und Fingernägel werden lackiert.

9:00: der Frisörsalon 31/20 St. Edmonds Road öffnet wegen guten Wetters draußen seine Pforten. Erste Kundin: Antonia Barth mit dünnen Haaren.

9:10: die zweite Frisöse Nina trifft ein. Mit vereinten Kräften und einer halben Flasche Haarspray extra super stark (nicht mit Heißkleber zu verwechseln) ist die Frisur von Antonia in Form. Leider zerstört der Haarschmuck die Frisur, so dass die Prozedur von vorne beginnt und im vierten Anlauf erfolgreich beendet wird.

9:30: nächste Kundin im Salon: Anke Stahn. Selbes Spielchen. Mehr Schampus.

9:50: Die Frisur sitzt. Mit Fashiontape werden letzte Änderungen an Kleidern und sonstigen Partien vorgenommen. Schminke drauf und Fotos geschossen.

10:15 Abmarsch. Bepackt mit Taschen und Täschchen, stolzierend in zu großen Schuhen geht’s zum Kaffeemann und dann in den Caulfield Express, direkt zur Rennbahn.

Dort treffen wir David, Andy und Joan, den australischen Teil der Veranstaltung. In ulkigsten Verstecken schmuggeln wir unsere Getränke durch die Kontrolle. Wir sind auch ziemlich alleine mit unserem Gepäck, aber der Deutsche ist nun mal gerne organisiert mit Stullen und Picknickdecke.
Die Sonne kommt raus und peng! 30 Grad, lauwarme Getraenke, gute Laune und das Wettfieber verwandeln die Menge um die Pferderennbahn zu einer Feiermeile in schick. Die Herren in Anzug und Schlips, die Damen etwas luftiger in Kleidchen und Hut. Es finden zehn Rennen statt und wir sind zwischendurch nahe am Sonnenstich. Es ist ein bisschen wie Wiesn in der Heimat, so dass wir gegen Ende beschließen, mitzutrinken. Es wurde dann sehr lustig. Leider haben wir nix gewonnen, außer viel an Erfahrung. Die kann ich in zwei Wochen beim Melbourne Cup (dem größten und teuersten Pferderennen des Landes) auch gut gebrauchen. Der Abend klang gemütlich auf der Chapel Street bei mir um die Ecke und auf meinem Balkon aus. Gestern Nacht hab ich gedacht, ich muss vielleicht sterben, aber wie ihr seht: ich lebe noch.
Heute morgen ein herzhaftes Frühstück mit Kollegen und dann haben Steffi und ich uns auf der Mornington Penninsula den Wind um die Nase wehen lassen. Und schon war alles gut.

Sonntagsgrüße aus Melbourne von eurer galoppierenden Änk.

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