Dienstag, 3. Februar 2009

1 Hochzeit und 4 Besuchsfälle

Da hatte ich gerade vernünftig gelüftet (so gut das eben bei der Hitze möglich ist) und schwups war schon der nächste Besuch vor der Tür. Inga und Hendrik gaben sich aus Sydney die Ehre. Juhu! Wo soll man auch als Tennisfan sein zu den Australian Open, wenn nicht im schönen heißen Melbourne? Die beiden verbrachten ihre Tage bei mir auf dem Centre Court oder aber in kühlen Museen. Irgendwie muss man ja der Hitze entfliehen.
Freitag abend nach der Arbeit durfte ich mal wieder ein echtes australisches Erlebnis mitnehmen: ich war auf die Outback Hochzeit meiner Kollegin Sam eingeladen. Sie fand nachmittags um fünf bei 47,3 Grad unter schattenspendenden Eukalyptusbäumen hinter den Dandenongs mitten in verdörrter Landschaft draußen statt. Die Gäste saßen während der Zeremonie auf Strohballen und die Musik kam aus der Konserve. Sams Papa brachte sie durch den Gang zu ihrem Angetrauten bei Colby Calais' Musik. Für die Standesbeamtin (von Siemens, wie könnte es anders sein) war es die erste Hochzeit, weswegen sie auch leicht uppjerescht war und mit den Namen gut durcheinander kam. Aber: eine gute Viertelstunde später war alles erledigt, die Trauzeugen (Tochter Holly, 8, und Sohn Jake,4) gaben ihr Einverständnis, die Papiere wurden unterschrieben und Mrs. & Mr. Alfonso waren verheiratet! Und dann stieg die Party in der angrenzenden Scheune auf der Gum Gully Farm. Ohne Klimaanlage war Bier als Erstes alle und der Bräutigam war eine halbe Stunde nach der Trauung schon wieder in Shorts, T-Shirt, Schlappen und Sonnenbrille anzutreffen. Es war eine lustige Party mit lauter Bogans, völlig informell und trotzdem total schön!
Samstag hieß der große Plan: shoppen in Chadstone und dann ab zum Surfen nach Torquay. Ersteren Programmpunkt absolvierten wir mit Bravour, der nächste gestaltete sich einigermaßen schwierig. Unter dem fadenscheinigen Vorwand, man bräuchte noch ein Mitbringsel für kleine Brüder, ließen Inga und Hendrik uns schon an der Orsteinfahrt Torquay bei den Fabrikverkäufen sämtlicher australischer Surf- und Schwimmmarken anhalten. Das Ende vom Lied: Antonia und Anke stehen in einer ein quadratmetergroßen Umkleidekabine und probieren einen Arm voll Neoprenanzüge an. Während ich kurzentschlossen ein gutes Stück für nochmals 30% reduziert erstand (ich wundere mich, warum ich nicht noch was rauskriegte), dauerte es bei unserer Freundin Antonia etwas länger mit dem Entscheidungsprozess. Schließlich sollte es das teuerste Stück der Sammlung sein, welches wir über äußerst fragwürdige Methoden auf ein achtel des Originalpreises zu drücken wussten (nähere Infos können aus Wettbewerbs- und Ethikgründen hier nicht preisgegeben werden). Roddy hat sich hinterher für uns geschämt - diese deutschen Mädels sind aber auch nicht zu bremsen. Wie ihr vielleicht schon erraten könnt: gesurft haben wir nicht mehr am Samstag. Denn es war schon fünf Uhr und die Poolparty bei einem Kollegen rief uns zu sich. Dort haben wir bei 32 Grad unsere neuen Erwerbungen getestet. Fazit: halten warm! (Vielleicht auch ein Assesoire für meine Bewerbungsreise?)
Sonntag gabs erstmal wieder Abschied - Inga und Hendrik verließen mich in Richtung neue Heimat. Mir blieb eine Stunde, meine Bude auf Vordermann zu bringen, einmal Betten wechseln und zum Flughafen eilen. Nach drei Jahren oder mehr traf ich mich endlich mal wieder mit meiner lieben Tante Gisela & Onkel Helmut aus Shanghai. Wie schön! Dazu muss ich also erst nach Australien reisen. Wir verbrachten einen gemütlichen Tag in der Stadt (und ihren kleinen Gassen und Arkaden) und St. Kilda. Und gestern schon brachen sie wieder auf zum nächsten Reiseziel: Tasmanien. Hoffentlich dauert es nun nicht wieder drei Jahre... Es ist schön, dass ich am Ende der Welt nicht alleine bin und ich so oft bekannte Gesichter um mich herum hab!

Und nun sitze ich hier auf gepackten Taschen, mit drei Kilogramm Vegemite für Australier im Exil im Gepäck und der dicksten vorhandenen Jacke obenauf. Morgen nachmittag geht es los, die Heimat ruft. Ich freue mich auf viele liebe Menschen und ein schönes Käsebrot!
In einer guten Woche bin ich zurück auf Sendung in Down Under, bei Känguru und 35 Grad.

Cheers, Eure Änk.

Keine Kommentare: