Letzten Donnerstag eilte ich vom fernen Osten der Stadt (dem schönen Bayswater) durch zwei elend lange Stunden Feierabendverkehr an die Southern Cross Station, um meine zwei reisenden Hannoveraner wieder in Empfang zunehmen. Bei leckerem Essen auf der Aix-au-Chapelle wurde mir die Ostküste des Landes sehr ans Herz gelegt sowie von Kamelen mit abgefahrenen Beinen im Outback berichtet. Sarah und Gunnar waren total begeistert von ihrer Reise bis hier, was mich natürlich freute – aber das konnte doch gesteige

rt werden?! Was tut man da? Man bestellt herrlichstes Wetter für einen Tag Sightseeing und feiert am Freitagabend in den kleinen Gassen Melbournes ausgiebigst das Wochenende und leider auch schon ein bisschen den Abschied von David, unserem Lieblingsaustralier. Er hat sich gegen den petrolgrünen Stempel entschieden und für eine Bar in Vietnams Bergen. Ähnliche Geschichte. Ich war jedenfalls wieder einmal begeistert von den Hinterhöfen der Innenstadt. In meiner ganzen Zeit hier war ich noch nicht einmal in einem Club zweimal. Das hat mehrere Gründe. Erstens: ich bin selten da. Zweitens: es gibt zu viele. Drittens: ich finde sie nie wieder. Man geht in die dunkelste Ecke und denkt, ist gleich Ende an den Mülltonnen und man tritt durch eine verrottete Tür und auf einmal steht man im angesagtesten Pub mit Livemusik. Das macht Spaß, besonders wenn man dabei einen dreiviertel Liter Melbourne Bitter von Gunnar in die Hand bekommt, Sarah sich sofort mit schwarzen Afghanen anfreundet und die Luft sehr lustig riecht. Das ist Melbournes Nachtleben.

Samstag kam schon früh der Nikolaus. Trotz ungeputzter FlipFlops, die wir rausgestellt hatten, war er fleißig. Ein wenig zu bedenken gab uns die Tatsache, dass die Lindt-Rentiere aussehen wie Osterhasen. Aber bei dem Wetter passt das auch. Schnell ein deftiges Frühstück bei Amici eingeschoben und schon gings los. Das dolle Trio machte sich auf in Richtung Direct Factory Outlet in der Stadt. Shoppen. Das geht so: Sarah sagt, was wir brauchen und Anke und Gunnar ziehen an, verhandeln das Doppelpack und kaufen. Klappte wiederholt super und wir machten ein Schnäppchen nach dem anderen. So kam es auch, dass ich mir im Sommer Australiens neue Winterstiefel kaufte. Zur Belohnung gabs für uns alle den obligatorischen Starbuckskaffee und eine neue Gutschrift auf meinem Punktekonto bei der australischen Verkehrsbehörde. Falsch geparkt, 57 australische Dollar ärmer. Wie war das mit Schnäppchen?
Schnell weg, das Wochenendausflugsziel rief. Wir hatten uns eine Hütte in den Grampians gebucht. Dieses Gebirge liegt im Nordwesten Melbournes, hinter den so genannten Goldfields. Diese haben wir uns gekniffen und uns stattdessen mit den Kängurus an unserer Hütte angefreundet. Obwohl wir uns hüpfend näherten (angeblich die ernergetisch sinnvollste Art der Fortbewegung), wurden wir aber nicht richtig warm. Wir hatten einen gemütlichen Abend inklusive Kochkurs a la Anke Teil 1 für Sari und schwelgten in Erinnerungen von damals. Früh am Sonntag wanderten wir los, zu dem Pinnacle, einem Aussichtsfelsen

mit wunderschönem Ausblick über die Hochebene. Zwischendurch gabs mal einige ungewollte Klettereinlagen, aber das muss auch sein. Die Grampians sind nämlich eines der bekanntesten Klettergebiete weltweit. Jaha! Es gibt dort auch Wasserfälle. Um diese zu sehen wandert man ungefähr einen Kilometer mit 80% Steigung, um am Ende wieder am Anfang anzukommen. Hä? Na, egal. Trotzdem schön. Gemütlich fuhren wir in Melbourne ein, um den zweiten Teil des Kochkurses a la Anke zu absolvieren: Frikadellen mit Erbsen und Möhrchen. Deutsche Küche zum zweiten Advent. Montag und Dienstag verabschiedeten sich die beiden und befuhren die Great Ocean Road. Ich renovierte mich, um dann Dienstagabend fit zu sein. Es geschah nämlich Folgendes: nicht nur Sarah und Gunnar kamen zurück, nein, auch ein anderes bekanntes Gesicht gab sich die Ehre: Antonia! Sie war mit ihrem Schätzelein und dem flotten Townace-Van durch drei Wochen Regen über die Nullarbor Plain in Melbourne eingetroffen. Applaus! Wenn das kein Grund zur Freude ist! Soviel Informationsaustausch an einem Abend, mir rauchte der Kopf. Gestern wurden dann noch weitere Schnäppchen erstanden (noch billiger, gell Sarah) und noch leckerer gegessen,

Weinchen verköstigt und schon musste ich die beiden schweren Herzens wieder gehen lassen. Nun haben sie hoffentlich noch eine schöne Woche in Sydney – noch ein Paar Ugg Boots für Lena kaufen (mir ist noch nicht ganz klar, von welchen freien Kapazitäten in welcher Tasche Sarah sprach, aber im Zweifel zaubert sie eine aus ihrem Rucksack…) und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Für das Protokoll: schön, dass ihr da gewesen seid, ihr Lieben!
Aber bei mir sind die Tage bis zum Urlaub zum Glück auch gezählt. Auf Schicht ist alles wie immer im Dezember – es muss an den Keksen liegen – viel zu viel zu tun. Ich habe also noch kein einziges Weihnachtsgeschenk und noch keine Kekse gebacken. Die Stimmung fehlt auch noch komplett. Bei 25 Grad und Sonnensc

hein fällt es mir sehr schwer zu glauben, in zwei Wochen wäre Weihnachten. Daran ändern auch vier Weihnachtsbäume im Büro und Chris Reas „Driving Home for Christmas“ (schon seit Wochen fährt der) nicht viel. Die Weihnachtszeit in Deutschland ist schon etwas Besonderes. Ich würde gerne jetzt mit euch einen Glühwein trinken oder gemütlich Tee mit Keksen schnurpsen... *melancholischerBlick*
Aber dann schau ich raus und die Sonne scheint und es ist ein herrlicher Tag ... Sonnenbrille auf, kurze Buchse an und alles ist gut!
Hohoho, eure Änk.
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