Samstag früh um viertel vor vier fiel mir ein, ich müsste doch mal am Tullamarine Flughafen nach dem Rechten sehen. Taxi bestellt, 131008 (leider kann ich keine Musik dazu abspielen, ansonsten könntet ihr euch alle auch diese wunderbare Nummer ganz leicht merken, 131008 - Silvertop Taxis, why wait.... ), zur Southern Cross Station gedüst, den Skybus erwischt und ab gehts. 6:40 Uhr Abflug nach Cairns, Queensland. Es wurde aber auch Zeit, einen weiteren Bundesstaat des Landes zu erkunden. Noch viel mehr an der Zeit war es, Sarah und den Kreisligafußballer Gunnar dort in die Arme zu schließen! Hurra! Lange war es her, seit wir an Silvester in der Heimat das neue Jahr zusammen begossen hatten. Welch
Wiedersehen!! So zogen wir los, um den Hippie Camper der beiden für ihre bevorstehende Reise entlang der Ostküste in Empfang zu nehmen. Bei dem Vermieter war erstmal alles no worries, bis uns Heinrich, der deutsche Mitarbeiter, beim vom Hof rollen einen Strich durch die Rechnung mac

hte. Er hielt uns an und begann, auf deutsch mit uns zu schimpfen. Bisher hatte er im Badener Dialekt Englisch probiert, dachte wohl, merkt ja keiner. Beim Schimpfen hat er sich dann lieber auf seine Muttersprache verlassen um uns sehr deutlich klar zu machen, dass unser Vorhaben "Highly illegal und mindestens 50.000 EUR kostet." Außerdem könne er sofort den Vertrag kündigen. Wir saßen zu dritt im Zweipersonen Camper. Bin ich also wieder ausgestiegen, alter Stinker. Hundert Meter weiter (ich konnte nicht wieder einsteigen, denn Heinrich passte auf) fand ich eine Autovermietung mit alten Autos. Die waren alle nett da und so kam es, dass ich für unser Wochenende meinen eigenen lilanen Flitzer bekam. Mit Alufelgen. Ha! Auf diesen Schock wurde erstmal gefrühstückt, geplaudert, geplaudert, geplaudert. Dann noch Schnäppchen Sonnenbrillen erstanden und los gings. Richtung Norden, Ellis Beach war unser Ziel. Das haben wir auch wohlbehalten erreicht, Gunnis Linksfahrversuche endeten erfolgreich auf dem Campingplatz, direkt am Meer. Herrlich türkises Wasser lud uns zur Abkühlung ein. Leider mussten wir uns mit Bier am Strand und einem Bad im Swimmingpool begnügen, denn Krokodile und ekelhafte Feuerquallen waren uns zuvor gekommen. Gemütlich klang unser erster gemeinsamer Abend bei Gegrilltem und kühlen Getränken am Strand aus.
Am nächsten Tag war nicht viel mit Ausschlafen, die beiden Neuankömmlinge wurden gleich australiengerecht eingenordet: um viertel nach sieben ging es bei 35 Grad und gefühlten 100% Luftfeuchtigkeit an der herrlichen Küste nach Norden, Port Douglas war unser Ziel. Dort erreichten wir pünktlich unseren Katamaran, der uns den Tag lang auf das Great Barrier Reef schaukelte. Bei Jack Johnson Musik, Sonnenschein und frischem Kaffee ließen wir die Seelen baumeln. Unser Gesprächsbedarf störte dabei die anderen vielleicht ein wenig, aber was solls. Man hatte sich viel zu erzählen... Dann kamen wir an den Low Isle an, einer Inselgruppe im besagten Korallenriff. Wir zogen furchtbar erotische Ganzkörperanzüge an, die uns gegen Quallen und Sonne schützten.

Flossen, Taucherbrillen und Schnorchel dazu und Abmarsch. Den Kopf unter die Wasseroberfläche gesteckt und nicht schlecht gestaunt. Es offenbarte sich eine kunterbunte Korallenwelt mit Clownfischen, großen und kleinen Schildkröten, Riffhaien, riesigen Fischen, Seegurken, Rochen, .... wunderschön. Besonders die Schildkröten hatten es mir angetan. Leider hatte ich vergessen, meine Kamera wasserfest zu machen, aber an Weihnachten klappts bestimmt. Nach kurzem Rundgang auf der Insel (war in 5 Minuten erledigt) gings zurück zum Boot, Mittagszeit. Mahlzeit. Danach der zweite Schnorchelgang direkt vom Boot. Toll! Es folgte eine herrliche Rückfahrt, die wir dank unseres Gewissens in Sachen Hautkrebs (mit Namen Gunnar) fast unverbrannt überstanden. Wir hatten unseren Spaß mit einer merkwürdigen Mitreisenden, die wir mexikanisch Tortuga tauften. Komische Quaddel. Nach einem Rundgang durch das idyllische Fischer- und Feriendorf Port Douglas entschieden wir uns, den Grill ein weiteres Mal zu bemühen und erstanden für einen Spottpreis Haifischfilets und Riesengarnelen. Eine weitere Stunde Autofahrt und wir kamen in Wonga Beach an, Sarahs Wahl für diese Nacht. Wir sind uns nicht ganz klar geworden, in welche Kommune auf welcher Erde wir übernachteten, aber ganz normal war der Campingplatz nicht. Lustige Bewohner in komischsten Behausungen. Unweit des Daintree Nationalparks gelegen, direkt am Strand. Sarahs erste Versuche, uns einen Campingplatz zu ergattern wurden belohnt- wir bekamen den besten Platz überhaupt. 1A! Gut gemacht! Auch hier wieder die Warnung, nicht im Dunkeln zu baden, wegen der Alligatoren. Nicht im Dunkeln? Keine 1.000.000 Pferde kriegen mich zu irgend einer Tageszeit in dieses Gewässer, hatte ich doch meine Erfahrungen hiermit bereits in der Katherine Gorge im Northern Territory gemacht. Uaa! Nachts kühlte es sich überhaupt nicht ab, so dass wir schwitzend auf den nächsten morgen warteten. Nach ausgiebigem Frühstück und weiterem Informationsaustausch (es passiert aber auch immer so viel!) fuhren wir in den Daintree Nationalpark. Es ist ein riesiger Regenwald. Wir wanderten durch die Mossman Gorge, ein Fluss

mit Wasserfällen in diesem Nationalpark. Umgeben von undurchdringbarem Grün, Lianen, riesigen Bäumen mit Luftwurzeln, Geräuschen wie im Urwaldhaus von Hannover und dem Plätschern des Flusses hatten wir eine urige Zeit. Bis Sarah ihren Fuß zur Abkühlung in eines der Wasserlöcher hielt. Und schrie. Ein Blutegel hatte sich an ihren großen Zeh angedockt. Hab ich schnell abgezogen. Judith, bitte melden, wenn wir hätten was beachten sollen. Ich habe von den beiden seit gestern nichts mehr gehört, aber ich gehe davon aus, dass Gunnar sein Skalpell stecken lassen konnte und die angedachte Amputation nicht durchgeführt werden musste. Es blutete zwar so, als ob das schon geschehen sei, aber Gott sei Dank wurden davon keine Krokodile oder Haie angezogen... Tapfer überstand Sarah unseren Spaziergang und kühlte ihren Zeh im Fluss.
Nach oberleckeren Smoothies (alles Kalte schmeckte herrlich!) war es Zeit, sich zu trennen. Sari und Gunni fuhren mit ihrem Mobil weiter in den Daintree Nationalpark und freuen sich auf weitere vier Wochen Wildnis in Australien. Ich hingegen düste mit dem lila Flitzer in Richtung Süden nach Cairns über ein paar Abstecher an einige Strände zurück.
Beim Einstieg ins Flugzeug dann noch ein bisschen was zum Schmunzeln. Kennt ihr den Film 'Meine Braut, ihr Vater und ich'? Die Szene, in der Ben Stiller versucht, ins Flugzeug einzusteigen, der einzige Fluggast ist und nicht einsteigen darf, weil seine Reihe noch nicht aufgerufen wurde? So in etwa ging es mir auch. Und das in Australien, aber vielleicht war Margot, die Flugbegleiterin auch nur ein weiteres Einwanderexemplar. Man denke an Heinrich.
Ein tolles Wochenende in den Tropen, leider viel zu schnell vorbei! Verrückt, wie unterschiedlich dieses Land doch ist.
Heute morgen hab ich schön verpennt, die Queenslandzeit will mir nicht so richtig in den Kopf. Weil die Kühe verrücktspielen, hat man dort nicht die Sommerzeit übernommen. Na, eine Stunde länger schlafen kann ich gut!
Ich freu mich schon, wenn ich in drei Wochen die beiden Urlauber in Melbourne empfangen kann. Dann geht das Gequatsche weiter... jippii!
Seid ganz lieb gegrüßt vom Ende der Welt, eure Änk.