Dienstag, 30. September 2008

Walkabout unter den Schwingen des Adlers

Wo fange ich an. Am 11. September war es nun endlich soweit und wie schon unten erwähnt, konnte ich Torsten inklusive Versorgungspaket endlich abholen. Ich war ganz schön aufgeregt, bis er endlich durch das Gate rollerte. Und dann, ja und dann war es eigentlich nur noch wunderbar.
Nach Tapas und ausgiebigem Rotweingenuss mit einigen Freunden ging es am Freitag früh für Torsten und mich mit dem weißen Safarimobil los. Natürlich untersuchte Torsten das Mobil vorher genauestens, konnte aber keine Mängel feststellen, bis auf eine Dichtung in der Heckklappe, aber das ist seine Berufskrankheit… Mit großen Augen erzählte man mir, das Gefährt habe 205 PS. Aha, deswegen bin ich an Ampeln immer die erste, verstanden.
Vollgepackt mit Luftmatratze, Benzinkanister, Campingstühlen, riesiger Kühltasche, Wasser- und Benzinkanister, Kocher und diversem anderen Gerät begann unsere Reise hinter Melbourne auf der Great Ocean Road. Ich kannte diese schöne Küstenstraße ja bisher nur im Herbst (ich verweise an dieser Stelle auf den entsprechenden Bericht) und war also nicht weniger gespannt als Torsten. Sie präsentierte sich bei strahlend blauem Himmel (seit Torsten seinen Fuß in dieses Land gesetzt hat, strahlt die Sonne und es braucht für mich nicht mehr viel wärmer werden….), unglaublich viel Wind und riesigen blau-grünen Wellen. Immer wieder wunderschön und sehenswert. Gemütlich fuhren wir die kurvigen Straßen entlang, hielten hier und da, besuchten die Kängurus vom Golfplatz in Anglesea, genossen Scones (lecker Gebäck, ein wenig wie frische Hefeteilchen) und Tee am Cape Otway Leuchtturm bei den Koalas, bestaunten die Apostel und beendeten diesen ersten Tag der Reise in Portland. Am nächsten Tag ging es über den letzten Abschnitt vorbei an der London Bridge nach Warrnamboul. Und hier sahen wir nun etwas völlig Ungeplantes: Ihr erinnert Euch vielleicht noch an Wilma aus dem Juni, die Walfrau mit dem frisch geborenen Kalb, die noch zu geschafft war, um sich uns zu zeigen. Das war nun ganz anders: die beiden tollten im Wasser direkt vor uns an der Küste herum und hatten auch Spaß in der Sonne. Großes Damentennis! Sogar die große Flosse haben wir bestaunen können. Was für ein majestätisches Erlebnis! Hundert Fotos später befanden wir uns wieder auf der Straße, in Richtung Adelaide im Staat South Australia. Wenn man über die Grenze fährt, gewinnt man eine halbe Stunde an Zeit hinzu, ist das nicht verrückt? Die Australier quittieren dies mit Hupen. Dann trafen wir Larry, den Lobster. Larry steht am Ortsausgang von Kingston S.E. und ist verdammt riesig. Australier lieben Pappfiguren und sie bauen sie meistens dort, wo sonst nichts zu sehen ist. Unser Freund Larry ist 17m groß, leider klapperte schon seine eine Zange aus Altersschwachheit. Ansonsten sehr imposant. Weiter ging es durch den Coorong National Park, einem Lagunenstreifen mit viele Pelikanen und dem Murraydelta am südlichen Ozean. Nach einem schönen Sonnenuntergang in dieser Lagunenwelt haben wir das Tagesziel Adelaide auch gerade noch so erreicht. Die Hotelsuche gestaltete sich schwierig, aber schlussendlich war Ende gut, alles gut und wir konnten äußerst leckere Nudeln mit frischen Meeresgetier genießen. Sonntags erkundeten wir diese Universitätsstadt, die unter den australischen Städten immer vergebens um ein wenig Beachtung ringt. Da dort aber nie irgendwas passiert (ist), keiner angelandet ist und kein Gold gefunden wurde, tut sie sich schwer. So war es uns denn auch nach ein paar Stunden genug und auf gings. Heute sollten wir endlich den Stuart Highway hinter Port Augusta befahren. Ob es schon rot werden würde? Bisher erinnerte die Landschaft ein wenig ans Allgäu, mal an Schleswig-Holstein und eventuell an Afrika, aber ganz sicher nicht an den trockensten Staat (der South Australia anscheinend ist) auf dem trockensten Kontinent der Welt.
Von Port Augusta, der letzten Stadt vor Outback, hatte ich schon Einiges gehört. Ich dachte also, nicht Wunder, was eine Stadt. Ja. Bei genauerem Hinsehen hatte dieses Örtchen weniger Einwohner als Gehrden (nämlich 12 Tausend), dafür aber dreifach so viele Fastfoodläden. Dieser Ort ist auf der Landkarte Australiens ein relativ großer Punkt – wir sollten bald merken, wieso. Gerade ein paar Kilometer auf dem Stuart Highway gefahren, änderte sich die Umgebung schlagartig. Bäume und Büsche verschwanden nach und nach und wichen niedrigem Gestrüpp, über das ein paar Emus liefen. Es gab ein paar platte Hügel und ansonsten viel NICHTS. Rechts – Nichts. Links – Nichts. Vorne – Nichts. Hinten – Nichts.
Mit den letzten Strahlen Tageslicht fuhren wir bei unserem ersten Campingplatz ein. Wir hatten uns vorgenommen, nicht bei Dunkelheit durch das Outback zu eiern, denn das ist die Zeit, in der Katz und Maus und Känguru aus dem Busch kommt und gerne auf den Straßen spazieren geht. Noch dazu ist es, wie Torsten so schön sagte, auch dunkel wie im Bärenhintern. Unser Kühlergrill hat zum Glück außer einer riesigen Heuschrecke in den zwei Wochen keines dieser Lebewesen von Nahem zu Gesicht bekommen. Ich glaube, Torsten hatte bis zu dem Zeitpunkt nicht geglaubt, dass wir tatsächlich im Auto campen würden. Umso ungläubiger war sein Blick, als wir an unseren ersten Übernachtungsplatz im idyllischen Woomera hinter Spuds Roadhouse unsere Schateken ausbreiteten. Mit australischem Hightech wurde die Luftmatratze per Motor aufgeblasen und zwar so doll, dass wir die erste Nacht im weißen Safarimobil etwa 15cm von der Decke entfernt verbrachten. Jaa…. Wir übten noch. In der Campküche machte Torsten gleich seine ersten Erfahrungen mit waschechten Australiern und schwatze ihnen doch glatt ihren Wein ab. Der Mann ist gut! Am nächsten Tag stellten wir fest, was für eine schöne Gegend Woomera doch ist: inmitten australischem Raketentestgebiet mit tausenden von Quadratkilometern von Sperrzonen nach Norden, Süden, Westen und Osten. Dazu noch das Wartehäuschen für Asylanten. Herrlich. Nochmal voll tanken bei Spuds und ab dafür. Nächster Halt: Coober Pedy. Diese Stadt im Nichts mit 3.500 Einwohnern ist durch ihre Opalfunde bekannt. Kilometerweit drum herum kommt man sich vor, wie auf dem Mond. Es wächst nichts und riesige Flächen sind unterhöhlt und umgegraben, auf der Suche nach dem großen Coup. Es ist dort so heiß, dass die Bewohner ihre Häuser größtenteils unter die Erde gebuddelt haben. In der Stadt herrscht eine ganz merkwürdige Stimmung. Die Männer suchen oft jahrelang vergebens nach dem Edelstein. Wir besuchten eine Mine. Der Führer dort hatte sechs Kinder. In seiner Mine hatte er 2008 Opale im Wert von 160 australischen Dollars gefunden. Und auch in Australien ist schon September und auch ohne Finanzkrise ist das schon wenig Geld für eine 8-köpfige Familie. Und trotzdem konnte er nicht davon lassen. Torsten durfte sein Glück mit Spitzhacke und Bohrhammer versuchen und hatte schon genug, doch der Mann trieb ihn trotzdem weiter an. „Maybe here, give it a try. This could bei it!” Was wäre wohl unter Tage geschehen, hätten wir tatsächlich etwas entdeckt? Man weiß es nicht. Gruselig. Noch ein unterirdisches Haus begutachtet und wir kehrten diesem Ort den Rücken zu. Auf den Straßen hingen viele Aborignes rum, wieder betrunken, bekifft. Furchtbar. Und wieder ist es mir nicht gelungen, etwas mit den Australiern oder den Eingeborenen selber über dieses Thema zu diskutieren. An die einen kommt man nicht ran und die anderen wiegeln es mit zwei, drei Sprüchen ab. Alles Trinker. Ende der Diskussion. Schade.
Nächste Nachtruhe fanden wir in Marla’s Roadhouse, nördlich von Coober Pedy. Auf diesem wunderschönen Campingplatz machten wir die faszinierende Bekanntschaft mit australischen Klassenfahrten. Wie bei uns früher das Torfhaus im Harz Standardprogramm war, so fährt der gemeine Australier mit der Schule in das rote Zentrum des Landes. Man hätte meinen können, Asterix sei mit seinen Galliern auf ein römisches Legionslager gestoßen – denn genauso sahen die 50 Zelte aus, die dort in Reih und Glied aufgebaut wurden. Es wurde gemeinsam gekocht, abgewaschen, aufgeräumt und bevor wir uns am nächsten morgen versahen, war die Kohorte wieder abgereist. Hui, ein Kompliment an die Logistik! Wir für unseren Teil ließen unseren Kocher an diesem Abend kalt – wir mussten ja auch mal das echte Roadhouse Essen im Outback probieren. So tafelten wir bei Riesenburger und Gulasch – Männerportion. Uff!
Am nächsten Tag ging es weiter, vorbei an unzähligen „schlafenden“ Kängurus, die nun aber ihren Eingang in die Nahrungskette fanden. Unglaublich große Adler stürzten sich auf sie, so dass die auch schon nicht ganz kleinen Krähen verschreckt im Hintergrund auf ihren Anteil warteten. Wir hatten beide noch nie solche großen Vögel gesehen und wenn sie sich mit ihren 20kg langsam in die Lüfte schwangen, weil wir nun mal da lang fahren wollten, dann dauerte das einen Moment. Das ein oder andere Mal konnten wir die dicken Schnäbel näher betrachten. Kurz vor Einfahrt in das Northern Territory hatten wir dann auch Glück und sahen endlich ein waches rotes Riesenkänguru. Es winkte uns sozusagen vom Straßenrand aus zu. Gott sei Dank blieb es auch da. Diese Tiere sind ganz schöne Kokoschinskis, verglichen mit den grauen Einwohneren Victorias, das kann sogar ich sehen. Und dann, endlich, nach 3.000km, bogen wir ab auf den Lasseter Highway, um die letzten 240km zum Uluru zurück zu legen. Und peng – da war er. Stand da einfach so rum. Rot, rund, groß und majestätisch ruhig.
In dem angrenzenden, eigens hierfür gebauten Resort Yulara verbrachten wir die nächsten zwei Tage, selbstverständlich campierend. Neben der Umrundung des Steines stand noch die Wanderung durch die angrenzenden Olgas (durch das Tal des Windes) auf der Wunschliste meines Freundes. Wurde alles abgearbeitet. Man weiß nicht, warum die Olgas die Olgas heißen (oder auch Kata Tjuta), aber sie sind eigentlich eindrucksvoller als der Uluru, wie wir beide fanden. Beide Formationen sind vor ungefähr 500 Millionen Jahren entstanden und seitdem unverändert, vielleicht ein bisschen geschliffen durch Wind und Sand, wie eigentlich alles in Australien. Puh! Das ist alt! Das ist mir überhaupt erst auf dieser Reise richtig bewusst geworden. Man kann in Australien nicht staunend an alten Römersandalen oder chinesischen Tempeln vorbeilaufen, was eine Stadtbesichtigung für einen Europäer etwas unspannend macht. Dafür ist die Natur dieses Kontinents seit seiner Abspaltung vom Urkontinent vor Millionen von Jahren nahezu unverändert geblieben, was auch zu den merkwürdigsten Tieren und Pflanzen geführt hat. Man bedenke nur die hüpfenden Beuteltiere, Eukalyptusbäume oder die Tatsache, dass Hasen hier eine Plage sind, weil sie (immer noch) keine natürlichen Feinde haben, sondern nur zu Jagdfreuden der Engländer anno schnuff hier her geschifft wurden. Wir bekamen also doch das ein oder andere Mal große Augen.
Es war entsetzlich heiß und obwohl wir die neun km um den Uluru früh in Angriff nahmen, waren wir von der Hitze gut erledigt und verbrannt. Die Sonne hat trotz früher Stunden und Sonnencreme eine unheimliche Kraft und es tut richtig weh, wenn man zu lange in ihr rumeiert. Ein Vorgeschmack auf den Sommer…. Mein Wunsch war es gewesen, eine Tour oder einen Tag mit den Aborigines zu verbringen. Immerhin ist dieser weltweit einzige Monolith ihr Heiligtum und sie sind die älteste noch existente Kultur auf Erden. Wer, wenn nicht sie, könnten uns besser Auskunft erteilen. Aber leider waren diese Angebote entsetzlich teuer. Schade. Torstens Begeisterung für Australien und seine Campingplätze stieg von Tag zu Tag. Besonders als er feststellte, dass man immer und überall grillen kann, war es um ihn geschehen. Wir hatten eine wunderbare Zeit, umgeben von Nichts, unzähligen Sternen und Natur. Genau das, was man nach so langer getrennter Zeit braucht. Herrlich!
Nachdem wir alle Wanderungen und Sonnenuntergänge im Uluru-Kata Tjuta Nationalpark erlebt hatten, ging es weiter in die West McDonnell Ranges, zum Kings Canyon. Noch so eine alte Formation, auf deren Rand man entlang wandern kann. Wunderschön und für mich eigentlich die schönste Wanderung (wenn ich das so schreibe, find ich mich selber unglaublich: wer hätte gedacht, dass ich gerne zelte und wandere?!) des Urlaubs. Abends wurden wir Teil einer uraustralischen Veranstaltung im angrenzenden Resort (wir hatten uns übrigens den Luxus eines richtigen Bettes gegönnt –ui!): nach dem Barbecue standen die Gäste auf und es wurde aus voller Brust Waltzing Mathilda und im Anschluss noch die Nationalhymne geträllert. Die Bude bebte und wir hatten unseren Spaß.
Nach ausgiebiger Diskussion mit einem ortskundigen Allradautobesitzer beschlossen wir, den Rückweg aus dem roten Zentrum nicht über Schotterpisten zu fahren. Unser weißes Safarimobil hatte uns zwar tapfer überall hingebracht, aber man muss ja nicht übertreiben, nech. Und die Idee, der Polizei zu sagen, wo man wann hinfährt, damit sie uns auch finden, fanden wir zwar gut – aber der Hinweis, dass es vier Tage dauern kann, bis sie uns retten, fand nicht meine Zuneigung. So beschlossen wir, über den Stuart Highway zurück in die Flinders Ranges zu düsen, auf Empfehlung meiner lieben Chefin. Dort sollte es leckere Pies geben. Eine Nacht auf bekanntem Campingsplatz in Marla später fuhren wir in Port Augusta ein. Ihr erinnert euch – dieser letzte Fleck Zivilisation auf der Landkarte, der uns am Anfang unserer Reise nicht vom Hocker gehauen hatte. Naja, was soll ich sagen? Ich dachte, wir wären in einem anderen Land angekommen. Grüne Bäume, Fastfoodläden, zwei große Supermärkte, Internet, … wow! Irre! Die Nacht und ein bisschen des nächsten Tages verbrachten wir 40km nördlich von dort, im schönen Quorn. Bereits Filmkulisse für viele ältere Filme, schloss ich dieses Örtchen sofort in mein Herz. Eine Reise durch das Hinterland Australiens ist ein bisschen wie eine Zeitreise ins Europa der 50er und 60er Jahre. Die Zeit ist stehen geblieben. Total niedlich und gemütlich und wunderschön. Die nächste Etappe führte uns weiter in die Flinders Ranges hinein, vorbei an leeren Steppen mit Kängurus, Emus und elend vielen Fliegen (die kriechen einem im Outback überall hin – in Mund, Nase, Ohren und ihr wisst schon) nach Parachilna. Hier sollte es nun die besagten Lieblingspies meiner Chefin geben. Ich hatte noch gefragt, in welchem Laden wir denn gehen müssten und nur ein Lachen geerntet. Der Ort hat 5 Einwohner und einen Pub. Da fiel die Wahl nicht schwer. Leider gabs keine Pies mehr. Und das nach 4.000 gefahrenen Kilometern. Welch Enttäuschung. Entlohnt wurden wir allerdings auf der Fahrt durch die Schlucht nach Blinman, unserem Tagesziel. In der Dämmerung leuchteten die Felsen glutrot und wir sahen die örtliche Sehenswürdigkeit in Massen: Kängurus. Manche von ihnen sollen gelbe Füße haben, aber das können wir nicht bestätigen. Man kommt sich hier nicht selten vor, wie im Zoo. In Blinman war das Hotel ausgebucht (es waren 15 Gäste vor Ort), der Campingplatz kaputt, sodass wir zufällig auf einem so genannten Homestead landeten. Eine Farm hatte im Hinterhof ein paar Hütten und Stellplätze. Wir machten die anstrengende Bekanntschaft mit Michael und Maria aus Adelaide, zwei pensionierten Pädagogen, die ihren Beruf an uns weiter ausübten. Herrje. Wir nehmen an, sie meinten es nur gut. Wir bekamen auch ihren Wein in Stahlbechern aus Syrien, die Michael damals einer Karawane auf einem Kamel hinter der Düne …. Und ihre glaubt ja gar nicht, wie anders der Wein aus diesen Stahlbechern schmeckt, denn da kann er --- Da hörte mein englisches Gehör auf, zu funktionieren und wir mussten ins Bett.
Am nächsten Tag weckte uns ein großer Sandsturm. In ziemlich ekelhaftem Wetter kamen wir nach einer Schafscher-Aktion auf der Farm am nächsten Ziel unserer Reise an: Wilpena Pound. Auch ein altes Gebirge, dass eigentlich eine von Bergen umgebene Hochebene ist. Weil gerade Frühling ist, blühten hier viele schöne bunte Blumen (oder kam es uns nur so vor, nach einer Woche rot und trocken?) und wieder einmal trommelte Torsten zur großen Wanderung, die wir standesgemäß deutlich unter der angegebenen Zeit aber mit einigen Verlusten beendeten. Und dass ich ein bisschen tot war, aber die Reisegruppe sonst total zufrieden.
Auf ging es nach Broken Hill. Irgendwann auf unseren 6.500 gefahrenen Kilometern begannen wir, uns etwas vorzulesen. Mein IPod hat zwar viel Platz, aber irgendwann ist einem auch das zu langweilig. Radio hört hinter Melbourne auf zu existieren. Also lasen wir. Passenderweise ein Buch über Australien, „Frühstück mit Kängurus“. Ich hatte schon ein halbes Jahr daran rumgewerkelt, nun kamen wir gut voran und stellten fest, dass wir eigentlich genau die Reiseroute des Autors befolgten. Wir waren also bestens informiert, als wir in Broken Hill in Mario’s Palace Hotel einfuhren. Dieses Hotel bestand aus mindestens 30 Zimmern, die allesamt aussahen, als würden Erich und Margret gleich aus dem Bett steigen. Welch Freude. Wir waren bis auf den Hausmeister und vier andere die einzigen Gäste im Palast und so kriegten wir am nächsten Morgen auch noch eine Führung durch das Ding. Irre – original 60er Jahre! Selbst das Bier im Kühlschrank der längst geschlossenen Bar sah so aus. Broken Hill liegt auch im Nirgendwo in New South Wales, aber es ist sehr reich, weil es gibt viel Blech dort: Gold, Silber, Kupfer und das ganze Geraffel. So ist das hier – entweder eine Stadt liegt am Wasser oder aber man findet was verbuddelt. Ansonsten keine Stadt. Ich hatte mir ein wenig mehr erwartet, ebenso von der verlassenen Goldgräberstadt Silverton nebendran (in der Mad Max gedreht wurde und der meistfotografierteste Pub Australiens, vermutlich auch der südlichen Hemisphäre, steht), so dass wir dann zügig zum Aufbruch in Richtung Victoria bliesen. Dort folgten wir dem Murray, dem größten Fluss des Landes, der eigentlich auch für einen Großteil der Wasserversorgung zuständig ist. Hier konnten wir nun wirklich gut sehen, was Trockenheit bedeutet, denn als groß möchte ich dieses Rinnsal nicht beschreiben. Nach einer Nacht in
Mildura, einer Fahrt durch das ländlich idyllische Victoria und Boxenstop in der Goldgräberstadt Bendigo stellten wir am nächsten Tag unser Mobil in der heimatlichen Tiefgarage in Melbourne ab. Uff! Zwei Wochen und sechseinhalb tausend Kilometer später hatten wir einen wunderschönen Urlaub im echten Australien verbracht und ich bin froh, diese Eindrücke alle gesammelt zu haben – immerhin besteht Australien eigentlich zu 90% aus Outback mit seinen wenigen, besonderen Bewohnern. Dem Teil des Landes, in dem auf den drei vorhandenen Fernsehkanälen für Euterfett und Landmaschinen geworben wird.
Nach einem gemütlichen Tag in St. Kilda am Strand durfte ich Freitagabend endlich mein Geburtstagsgeschenk einlösen und wir gingen ins Regent Theatre, um uns das Musical Wicked anzuschauen. Diese Hexerei war wirklich bezaubernd. Dankeschön mein Schatz!
Ja und dann war Samstag, Grand Final Day, quasi viktorianischer Feiertag. Und was macht der gemeine Australier dann? Genau, ein Barbecue. Dem schlossen wir uns gerne an und so kam es, dass Torsten seinen ersten Urlaub auf dem Kopf mit einem weiteren australischen Erlebnis beendete – er spielte Footy und grillte. Er machte das so gut, dass man ihn für einen waschechten Australier hielt. Happy team Hawthorn gewann die Footy Saison verdient (find ich) gegen Geelong und nur allzu schnell musste ich Torsten wieder gehen lassen und mich nun auf Cricket und Pferderennen einstellen. Furchtbar, alles. Jasmin und Toby taten ihr bestes, mich am Sonntag auf der Mornington Penninsula am Strand abzulenken und die Arbeit seit gestern tut ihr Übriges.
Was hilft gegen das Nachurlaubsloch? Neue Pläne machen. Und die haben wir schon. Für November, für Weihnachten und das nächste Wochenende.
Eine Sache noch: seit wir wieder da sind, ist alles grün und es blüht und die Sonne scheint und wir haben laue 20-28 Grad. Es wird. Besuchszeit!
Seid alle lieb gegrüßt vom Ende der Welt von eurer Änk.

Donnerstag, 11. September 2008

Besuhuch!

Ihr glaubt nicht, wen ich heute am Tullamarine Flughafen Melbourne getroffen habe:
Jaha! Schätzelein! Welch Wiedersehensfreude nach fast fünf Monaten! Es hat alles gut geklappt, Torsten konnte noch ein wenig shoppen in Bangkok und nach dem ersten gemeinsamen Tag können wir berichten - is alles wie immer. Kein Grund zur Sorge.
Und das war es auch schon wieder mit der Berichterstattung von heute, wir sind jetzt mit anderen Dingen beschäftigt und melden uns nun ab für die nächsten zwei Wochen. Morgen brechen wir in Richtung roter Mitte des Kontinents auf und werden Euch dann mit neuen Bildern und Eindrücken beglücken.

Frühlingsgrüße aus Melbourne von Torsten und Anke.

Sonntag, 31. August 2008

Melbourne im Sauseschritt – Just do it!

Wie schon vor einiger Zeit erwähnt, stand dieses Wochenende im Zeichen des Sports.
Am Freitag abend hab ich noch mal fix im Fitnessstudio meine Belastbarkeit überprüft (phhhhh, ausbaufähig…), um dann zu später Stunde Ramönchen von der Southern Cross Station einzusammeln. Zunächst stand wieder mal ein Abschied in der Black Pearl in Fitzroy an - nach Eva und Sebi, Simon, Sina, Sabine, Antonia nun auch noch Moritz, unser EM Gefährte… schnief. In diesem Etablissement werden mittlerweile schon Taschentücher für uns bereit gelegt. Samstag stand mal ein wenig Sightseeing auf dem Programm, man muss der Dame aus der großen schönen Stadt Sydney ja auch etwas bieten und ich habe diesbezüglich in meinem Wohnort wirklich auch Nachholbedarf. Wir fuhren nach Williamstown, um den doch riesigen Hafen von Melbourne zu bestaunen und dann weiter in das niedliche Yarraville, wo wir den Nachmittag gemütlich bei heißem Tee und Muffins ausklingen lassen haben. Abends dann leckere Schnabulierereien im Babbles Restaurant bei mir ums Eck. Lecker lecker! Die Gruppe um den Tisch herum war ein gutes Spiegelbild der Melbournian Gesellschaft – von Franzosen und Deutschen über Ukrainer bis zu Australiern war alles vertreten. Aber Ramönchen und ich mussten uns arg zurückhalten, denn heute morgen gings um halb acht schon los, zum Nike Human Race Melbourne. Startpunkt war im Botanischen Garten, unweit des Shrine of Remembrance – ein weiteres Kriegsdenkmal Australiens, von dem man einen wunderbaren Blick auf die Stadt hat. Uff, soooo früh schon soooo fit zu sein, war ganz schön viel verlangt. Die Laufshirts von Nike waren knallrot, so dass das ein sehr lustiger Anblick war: viele hüpfende und laufende rote Punkte im tristen Wintergrau von Melbourne. Noch ein bisschen allgemeine Morgengymnastik und dann war auch schon Anpfiff. Durch den Botanischen Garten, drumrum und durch das Stadtzentrum, vorbei am Parlamentsgebäude und den beiden Kathedralen, am MCG entlang und schon wieder auf der Zielgeraden über den Federation Square an der Flinder’s Street Station in den Botanischen Garten hinein – Endspurt! Man weiß noch nix Genaues, aber man munkelt, wir wären die 10km in etwas mehr als einer Stunde gelaufen. Dafür, dass ich sonst eigentlich um diese Zeit höchstens vorsichtig meinen Fuß unter der Bettdecke vorstrecke, ist das doch gar nicht schlecht. Mit Zufriedenheit auf den Gesichtern und ein deftiges Frühstück im
Bauch waren wir wenig später wieder unterwegs - dieses Mal im Zug
Richtung Süden nach Brighton Beach. Dort gibt es wunderschön bunte Badehäuser am Strand, mit Blick auf die Stadt. Das sieht sogar bei grauem, wolkenverhangenem Himmel wunderbar aus.
Und dann musste ich meine Laufgefährtin (die wohlgemerkt extra für diesen Lauf aus Sydney angeflogen war – doppelter Respekt an dieser Stelle bitteschön) auch schon wieder an der Southern Cross Station abliefern. Nur um gerade eben zu erfahren, dass sämtliche Flüge nach Sydney heute abend leider ausfallen, wegen Sturms in der Hafenstadt. Nun kriegt Ramona eine Gratisübernachtung im Hilton am Tullamarine Flughafen und nimmt morgen früh neuen Anlauf.
Das bringt mich zum letzten, leidigem Thema dieses Berichts – dem Wetter. Am Freitag dachte ich, ich hätte ihn gesehen, den Frühling. Erstmals während meines Aufenthaltes waren es in Melbourne tatsächlich mehr Grad als in Sydney, nämlich 18 bei strahlendem Sonnenschein. Was ein Lebensgefühl! Hurra! Samstag war auch noch ok, aber heute war der absolute Absturz. Seit Zieleinlauf heute morgen herrschen wieder Regen und Sturm. Brrr, was für ein Aprilwetter im August. Dabei ist morgen offizieller Frühlingsanfang. Was mir ein wenig Sorgen bereitet, sind die neuesten Aussagen der Australier: „Also so lange kalt und regnerisch war es wirklich schon lange nicht mehr. Aber wir brauchen auch nötig den Regen.“ Jaaaa…. Aber doch nicht gerade jetzt? Ich esse weiterhin fleißig alles auf, damit in knapp zwei Wochen für Torsten die Sonne scheint.
Ist es nicht verrückt, dass nun schon vier Monate rum sind?
Ich muss ins Bett. Seid alle ganz lieb gegrüßt von Eurer Änk mit den schnellen Schuhen.

PS: Melbourne gefällt mir übrigens immer besser, je mehr ich in den vielen einzelnen Stadtteilen unterwegs bin. Was für eine gemütliche, lebendige Stadt, die in vielen Dingen Berlin gleicht. Schön!

Dienstag, 19. August 2008

Im Westen viel Sonne

Ist ja schon wieder gleich Mitte der Woche und ein neuer Bericht vom Ende der Welt ist fällig. In letzter Zeit passiert aber auch so Einiges. Dieses Mal ging es nach einem wunderschönen mittwochabendlichen Jason Mraz Konzert am Donnerstag nach Perth hin. Es gab sogar eine neue Herausforderung am Tullamarine Airport, denn Tigerair fliegt nicht direkt da ab. Das weiß ich nun auch. In nasser Kälte wurden dann die Turbinen angeworfen und ein gefühltes Nickerchen später landete ich in Western Australia, dem sechsten Bundesstaat meines Aufenthaltes. Nach Taxifahrt fand ich auch die anderen Teilnehmer der Reisegruppe „Go West“ dieses Wochenendes: wie könnte es anders sein – Ramona wartete in Fremantle (ein Vorort von Perth) zusammen mit Jasmin aus Melbourne in Rosie’s Pub auf mich. Dort hatten wir uns eingemietet. Pub war schon zu, meine Äuglein folgten sogleich. Am nächsten Tag wurde ich tatsächlich von einem Sonnenstrahl an der Nase gekitzelt und von leckerem Frühstück geweckt (was sich übrigens auch in den nächsten drei Tagen nicht mehr änderte…). Das nennt man Urlaub, herrlich! Bestens mit Proviant versorgt, gings in unserem roten Flitzer auf die Reise gen Norden – nach Cervantes. Man könnte meinen, das sei spanisch und man sieht vor seinem inneren Auge schon die Tapas und Stierkämpfer, aber wenn man das australisch ausspricht, dann klingt das eher nach einer Kopfschmerztablette: Tzöarvänties. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Please see in store for details. Trotzdem war dieser Ort wunderbar, sofortige Entspannung machte sich breit. Stellt Euch einfach vor, ihr sitzt in einem gemütlichen Café bei lecker Sandwich, es läuft leise Musik und Ihr lasst den Blick über folgenden Strand schweifen: Verstanden? Genau. Ich wollte auch nicht mehr weg. Wir haben noch den örtlichen Surfshop unterstützt und das 20. Paar Badelatschen erstanden, war aber auch Schlussverkauf da. Dieser freundliche Mann reist bei uns auch immer mit. Ich frage mich, wie an diesem wirklichen Ende der Welt ein Surfshop die aktuelle Kollektion an den Mann bringt. Es war jetzt nicht so, als hätten wir morgens vor dem Laden kampiert, um an die Sonderangebote ranzukommen. Am Strand wurden wir Zeuge des örtlichen Alltags. Zwei Fischer bekamen ihr Boot nicht aufs Trockene und versanken mit ihrem Jeep bei Rausziehversuchen immer mehr im Wasser. Die selbsternannte Zweimann-Strandpolizei wartete nur auf ihren Einsatz, so dass sie uns ihren Trecker vorführen konnten. Wir durften auch mitfahren und zusehen, wer der stärkere war. Ui, Jungs, toll gemacht. Was für ein Leben für diese Herren: sie sitzen den ganzen Tag am Strand, gehen ein wenig fischen und ansonsten warten sie bei einem Emu Bierchen darauf, dass sie mit dem Trecker die anderen retten können. Und sind dabei maximalpigmentiert. Aber für Muße hatten wir keine Zeit und so ging es weiter zu der Pinnacles Wüste im Nambung Nationalpark gleich um die Ecke. Dort stehen auf einmal tausende merkwürdige Gesteinsbrocken mitten im Sand, was natürlich besonders in der Nachmittagssonne im warmen Licht stimmungsvoll war. Wie gut, dass der Speicherplatz auf Digitalkamerakarten groß ist….
Zurück in Fremantle („Freo“) gabs ein feines Fischessen beim Italiener und ein noch feineres Eis. Die Stadt ist wirklich einen Besuch wert, überall gibt’s (anscheinend erst nachdem der America’s Cup hier in den 1970er Jahren gehalten wurde) nette Cafés und Bars und kleine Geschäfte…. Denen und dem Markt haben wir am nächsten morgen vor Abfahrt noch einen Besuch abgestattet. Da die Entfernungen in Western Australia (WA) riiiiesig sind (der Staat hat die Größe Indiens bei nur zwei Millionen Einwohnern, oder anders gesagt: er erstreckt sich auf einem Drittel des Kontinents und ist aber nur Heimat von weniger als zehn Prozent der Australier), mussten wir unser Programm ein wenig umstricken. So schafften wir es nicht, dem südlichen Tall Timber Country einen Besuch abzustatten, wo es Bäume gibt, die über 40m hoch sind. Dafür fuhren wir gen Süden an der wunderschönen Westküste Australiens bis nach Bunbury. Und nun haltet Euch fest: ich habe angebadet. Jawohl. Die Badesaison ist damit offiziell eröffnet. Im Moment gibt’s zum Baden noch gratis Antizellulite dazu, aber das kann nie schaden. Ich sag mal, war erfrischend. Aber bei 25-27 Grad Lufttemperatur muss man sich ja irgendwie abkühlen und irgendwann muss ja auch der neue Bikini getauft werden. Am Abend bestaunten wir einen wunderschönen Sonnenuntergang (erstmalig ging für mich in Australien die Sonne über dem Meer unter) bevor Jasmin und ich endlich die leckere Fischspezialität der Gegend probieren konnten: Crayfish. Das sind große Hummer. Dazu frisches Brot. Mmmm!
Und schon war auch Sonntag. Aber bevor es auf den Rückweg ging, gabs noch eine Neuigkeit für die Wildlifewatchlist (Kängurus, Emus und sonstige Tierchen gehören zur Grundausstattung einer jeden Reise). Direkt am Strand von Bunbury schwomm ein Delphin und zwar seelenruhig direkt vor unseren Füßen! Flipper! Einfach schön.
Dann rief uns die einsamste Hauptstadt eines Bundesstaates der Welt (…) zu sich – Perth. Die Sonne scheint hier besonders stark und der Himmel ist noch blauer, weswegen die Hochhäuser noch weißer strahlen. So stehts im Reiseführer. Und ich kann berichten: es kommt einem wirklich so vor. Die Stadt hat mir mit Abstand bisher von allen am Besten gefallen (jetzt wird Antonia wieder böse, wegen Melbourne): von den zwei Millionen Einwohnern des Bundesstaates wohnen hier schon anderthalb, sie sind alle furchtbar entspannt, es gibt schöne Straßen mit alten Gebäuden und einen riesigen Kings Park, der alles überblickt. Und außerdem trifft man bekannte Gesichter, schon bei der Einfahrt: Eva und Sebi waren mit ihrer Vanette mittlerweile aus Melbourne über die Nullabor Plain hier angekommen, so dass wir an der ersten Kreuzung Perths gleich ein Wiedersehen feierten! Irre! Tja und so schön das alles war und so gerne ich zu den beiden in ihr Mobil gestiegen wäre, um mit ihnen zusammen nach Broome an der Westküste nach Norden zu fahren – der Flieger nach Melbourne hob pünktlich um 18:00 Uhr ab. Leider leider leider. In meiner neuen Heimat erwarteten mich gewohnte 7 Grad Celsius und Nieselregen. Es war, als wenn man aus einem Traum aufwacht und das Bett noch kuschelig warm ist. Einziger Sonnenschein: das Corollataxi an der Southern Cross Station, das fährt wirklich zu jeder Tages- und Nachtzeit. Vielen Dank, liebe Paella!
Nun ist auch erstmal genug für den August mit der Reiserei. Jetzt heißt es, sich vorzubereiten auf das Nike Human Race am 31.08.2008: 10km mit Ramona durch Melbourne. Hauptsache, die Strecke ist ausgeschildert…. Hinterher kenn ich mich aus. Hoffentlich.
Mein nächster Besuch am Tullamarine Flughafen wird sein, wenn ich endlich Torsten abholen kann. Juhu, sonnige Aussichten!
Bis dahin, olympische Grüße aus dem Süden, Eure Änk.

PS: Ich moechte mal auf Ramonas Blog verweisen, da findet Ihr die Reisen allesamt aus anderer Sicht sowie weitere Ladungen an wunderschoenen Bildern von der Dame aus Sydney. Viel Spass!
http://ramona-in-sydney.blogspot.com/

Montag, 11. August 2008

Erster! Fertig!

Pünktlich zum Feierabend sind nun alle Bilder des letzten Wochenendes präpariert. Ebenso hab ich noch einige weitere aus Ramönchens Fundus vom Wochenende in Sydney hinzugefügt, inklusive Wal (mit ein wenig suchen).
Ich möchte an dieser Stelle noch erwähnen, dass wir am Sonntag in Canberra tatsächlich den kältesten Tag des Jahres erwischt haben. Wir ahnten es. Kennt ihr das Lied von Elisa Gabbai was sie immer bei Radio Gong zum ersten Schnee spielen? "Winter in Canberra, so weiß war das Land ... Es war Winter in Canberra. Ich stehe am Fenster und schau‘ in die Ferne, im Haus am Griffinsee. Ich seh‘ graue Wolken und suche die Sterne und wieder fällt der Schnee..."
Gute Nacht, eure Änk.

Warum fuhren wir nach Canberra?

Stellt Euch vor, ihr hättet in München oder Berlin oder Frankfurt oder Köln oder Hannover oder Bremen oder Hamburg gewohnt – und dann wäret ihr nach Bonn in die Bundeshauptstadt gefahren. Zwei Gleise auf dem Hauptbahnhof, Flughafen geteilt mit Köln.
Und jetzt wisst Ihr eigentlich auch schon alles über mein letztes Wochenende in Canberra, der Hauptstadt Australiens.
Denn nach einem Besuch auf dem Melbourne International Film Festival am Freitag ging es Samstag in aller Herrgottsfrühe mal wieder zum Flughafen (böse Zungen behaupten, ich würde mich in Melbourne eigentlich nur in Tullamarine auskennen, aber das ist völlig falsch…. Ich kenne nämlich auch noch das wunderschön gelegene Bayswater von meiner allmorgendlichen Reise. Aber das ist eine andere Geschichte.), um eine knappe Stunde später im kalten Canberra zu landen (5 Grad, Schneeregen). Um mich rum viele Skifahrer in voller Montur und Ramona aus Sydney, meine ständige Reisebegleiterin. Man hatte am Flughafen die Wahl zwischen Ski- und Surfbus, wir haben dann doch ein Taxi genommen. Wer will schon in Australien Ski fahren und wer will schon bei 5 Grad surfen (und wo…)?? Verrückt. Also ich sag mal, wir haben schön langsam gemacht und in aller Ruhe die komplette Fahnenparade aller Länder am Ufer des künstlich angelegten Sees der Stadt begutachtet (man glaubt nicht, wie interessant Fahnen sein können), waren in der Nationalgalerie, im Gerichtshof, der Zeltvertretung der Aborigines, im alten sowie neuen Parlamentsgebäude sowie im Botschaftsviertel, wo wir nach Monaten mal wieder Fuß auf halbwegs deutschen Boden setzen konnten, haben viel Pause gemacht, viel Kaffee getrunken, mal geschlafen, … endlich war Abendprogramm angesagt, schließlich sind von den 300.000 Bewohnern ungefähr die Hälfte Studenten. Aber wo waren eigentlich die Bewohner im Allgemeinen? Im Reiseführer stand: dieser Ort fühlt sich nicht überlaufen an, weil ist alles weitläufig geplant. Das stimmt, meine Füße haben auch gequalmt, aber der gemeine Canberrianer ist auch an sich recht scheu und eher selten zu sehen. Merkwürdig. Jedenfalls endete das abendliche Vergnügen aber auch schnell nach Pizza und Weingenuss und halb elf war auch Schicht im Schacht in der australischen Hauptstadt. Aber man wird ja auch nicht jünger. Deswegen endlich ausschlafen am Sonntagmorgen, um dann um den See Burley Griffin zu joggen, um die Insel auch noch und dann nach einem ausgiebigem Frühstück noch ein wenig zu shoppen im einzigen Einkaufszentrum der Stadt. Dann mussten wir uns zum Schluss tatsächlich beeilen und mit dem Taxi zur letzten Sehenswürdigkeit fahren – dem Australian War Memorial. Mir ist immer noch nicht ganz klar, wie man als eine der wenige Nationen ohne eigenen Krieg dermaßen stolz sein kann, für andere gekämpft zu haben… Endlich gingen die Flieger zurück nach Sydney und Melbourne – ich freute mich tatsächlich auf das viktorianische Wetter, in der Annahme, mit den üblichen 15 Grad rechnen zu können. Pustekuchen. Seit dem Wochenende sind wir wieder bei 3 Grad und Regen. Und das, obwohl gestern Frühlingsanfang war und die Kirschen und Magnolien blühen. Hier ist alles auf dem Kopf… Woher weiß so eine Kirsche denn, dass sie jetzt blühen muss??
Jedenfalls weiß ich jetzt die ungläubigen Blicke meiner Kollegen zu deuten, als ich das Reiseziel Canberra bekannt gab. Würde ich jetzt nicht für den ottonormalen Australientouristen empfehlen, ich habe selten eine Stadt mit so wenig Charakter gesehen. Trotzdem war es gut, mal das Regierungsviertel gesehen zu haben, immerhin konnten uns einige der netten Mitarbeiter im Parlament das politische System des Landes und seine Geschichte schön erläutern. Oder wusstet ihr, dass die Queen immer noch das Sagen hat als Staatsoberhaupt dieser konstitutionellen Monarchie? Außerdem ist es irgendwie auch schon wieder erstaunlich, dass man diese Stadt komplett im Nirgendwo geplant und gebaut hat, weil man sich zwischen dem wunderbaren Melbourne und aufregenden Sydney nicht einigen konnte und das vor erst ungefähr 100 Jahren! Was für eine junge Nation… Ende gut, alles gut.
Cheers, Eure Änk.

Montag, 4. August 2008

Money makes the world go round…

… in Sydney!
Nach drei Wochen im mittlerweile fast heimischen Melbourne war es Freitag mal wieder Zeit, die Koffer zu packen und das Land zu erkunden. Dieses Mal stand die größte Stadt des Kontinents auf dem Kalender: ein Besuch bei Ramönchen (ihr erinnert euch – sie war bereits in der Geschichte mit der Great Ocean Road im Juni in der Besetzung dabei) in Sydney.
Nach freitäglichen Umzugsaktionen mit Antonia ging es abends mal wieder quatti quatti nach Tullamarine Airport, meinem Zweitwohnsitz. Mit ein wenig Verspätung hoben wir ab, mitten in die winterlichen Windböen hinein. Hui! Eine ruckelige Angelegenheit – mehrere Landeanflüge später befand ich mich in Sydney. Endlich Sydney! So viel hatte ich schon gehört, ich war gespannt.
In Central wurde ich von einem bekannten Gesicht begrüßt – Ramona! Cheerio! Die Zugfahrt nach North Sydney (McMahon’s Point direkt am Hafen) zu ihrer Wohnung war schon mal viel versprechend: man fährt über die berühmte Harbour Bridge, mit Blick auf das CBD der Stadt sowie auf, wie könnte es anders sein, das wohl meist fotografierteste Gebäude des Landes: das Opernhaus. Wow! Ich war ein wenig uppjerescht! Aber es kam noch viel besser. Nachdem wir die Sicherheitsschleusen von Ramonas Wohnanlage erfolgreich passiert hatten, hab ich nicht schlecht gestaunt und zweimal hinschauen müssen. Die Dame hat einen Ausblick wie auf einem Poster: von ihrem Balkon hat man freie Sicht auf einer der schönsten Skylines der Welt. Ihre Wohnung befindet sich nämlich nur 500m von der Brücke, dem Hafen, dem Opernhaus und allem anderen Gedöns entfernt. Für mich hätte also ein Stuhl auf dem Balkon für das Wochenende schon gereicht und ich wäre vollstens zufrieden gewesen. Aber ich hatte ein all inclusive Programm bei Reisebüro Franke gebucht. Zunächst einmal gab es aber viel zu erzählen, denn seit dem letzten Mal waren ja auch schon wieder fast acht Wochen vergangen (verrückt). Schnell war es schon wieder früh am morgen und wir fielen ins Bettchen. Ausschlafen war in meinem Angebot nicht inbegriffen, dafür aber ein super australisches Frühstück und strahlender Sonnenschein. Nachdem ich die ersten 50 Bilder vom Balkon aus geschossen hatte (die Brücke und die Oper waren auch am nächsten Morgen noch da), waren wir abreisefertig. Es ging zu Fuß durch North Sydney und Kirribilli (Kaffeestop) über die Harbour Bridge. Damit Torsten auch stolz sein kann, bin ich sogar freiwillig auf den einen Turm geklettert – was eine Sicht. Herrlich! Die Brücke war damals (1932) die längste Einbogenbrücke der Welt (oder der südlichen Hemisphäre, man weiß es nicht) und wurde bis 1988 abbezahlt. Teurer Spaß, aber steht ja auch nicht umsonst in Sydney. Im Volksmund auch wegen ihrer Form Kleiderbügel genannt. Dann weiter durch das älteste Stadtviertel „The Rocks“ – hier hat der alte Captain Arthur Phillip die erste britische Siedlung in Australien begründet. Damals. Heute wieder nach äußerst verruchter und pestiger Vergangenheit hübsch hergerichtet, kann man hier wunderbar Kaffee und Bierchen trinken und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Aber auch nur kurz, denn das Opernhaus wartet. Vorher noch kurz dem Techno Aborigine am Circular Quay guten Tag gesagt und den Fährverkehr im Hafen bestaunt. Die Fähren gehören genauso zum ÖPNV wie Bus und Bahn. Wie gerne würde ich morgens mit dem Schiff zur Arbeit fahren! Die Oper bot natürlich genügend Ansichten für die nächsten 100 Fotos, aus allen Winkeln und mit einigen Verrenkungen. Bei der Budgetplanung dieses Bauwerks brauch ich mir bei Siemens nie wieder Gedanken machen ob der Akkuratheit meiner Zahlen: geplant mit ungefähr 10 Millionen australischen Dollar, gebaut mit ungefähr 102 Millionen australischen Dollar. Und das hatte nix mit Inflation oder Wechselkurs zu tun (als Kauffrau ja immer eine gute Ausrede). Der ursprüngliche Architekt aus Dänemark wurde auf der Hälfte des Projektes entlassen und des Landes verwiesen. Nach 16 Jahren war das Veranstaltungszentrum 1973 fertig. Die Form kann man mit vielen Ausdrücken beschreiben – gepellte Orange find ich lustig. Haifischzahn, Narrenkappe, Segel – ist alles drin. Wir waren nicht richtig drin, denn etwas musste ich mir ja auch noch für die nächsten Besuche sparen. Aber die Klos waren luxuriös. Sydney eben.
Außerdem – Zeit ist Geld. Weiter im Sauseschritt durch Downtown Sydney, ein wenig Shopping im Queen Victoria Building und dann per Zug und Bus nach Bondi Beach, Surfer schauen. Ui! Ui! Schön! Nach leckerem Abendessen mit frischem Meeresgetier haben wir uns ein wenig im Darling Harbour (eine der weiteren Buchten in der Innenstadt) vergnügt. Zuviel vergnügen kann man sich leider nicht, denn wie schon oben erwähnt: money makes the world go round. Dafür waren für den Preis im gemischten Kaltgetränk auch ausreichend Umdrehungen drin, so dass wir nur über Umwege nach Hause gefunden haben.
Ein Wochenende mit Ramona wäre kein richtiges Wochenende, wenn man nicht ein wenig was Extravagantes einschieben würde. Deswegen ging es auch nach einer weiteren kurzen Nacht früh morgens wieder zum Darling Harbour zurück (nur mit Sonnenbrille auszuhalten, sonst war das zu hell…), um uns der Whale watching Tour „The wild thing“ anzuschließen. Ich dachte mir „Ach, papperlapapp. Komme ich nun aus Norddeutschland oder nicht? The wild thing, im Hafen von Sydney, da wird’s wohl nicht schaukeln, wir fahren ja nicht nach Helgoland.“ Ich möchte an dieser Stelle nicht weiter auf die Fahrt an sich eingehen. Der Steuermann des 20 Mannbootes war bestimmt auch in der Bar am Vorabend gewesen und ich weiß jetzt auch, dass unmittelbar vor der Hafeneinfahrt von Sydney im offenen Meer die Wellen zwei bis drei Meter hoch sind. Was am Anfang noch von jedem mit Hurra und Jippiie beschrieen wurde, wurde dann auch nach eineinhalb Stunden zur leichten Qual, ich habe auch schön den letzten Drink vom Abend zuvor verflucht. Ramona schuldet der Firma Dramamine einen Dankesbrief, denn die Drogen haben sie diese Fahrt überleben lassen. Aber was tut man nicht alles für die Wale, die wir ja nun doch schon seit einiger Zeit suchen (da war sie wieder, die Wildlife Watchlist, ein wenig verstaubt aber nun um einige Punkte abgearbeitet...). Und tatsächlich haben wir Southern Right Whales zu Gesicht bekommen. Zweimal mit der Flosse gewinkt und ein bisschen geplanscht. Leider ist davon noch kein Foto in meinen Einflussbereich gelangt, sobald das der Fall ist, reiche ich es nach. Alles in allem war der Spuk schnell wieder vorbei, aber es war trotzdem majestätisch. Auf dem Rückweg konnten einige sich übergebende Muttis den Steuermann Andrew überzeugen, vielleicht nicht frontal in die Wellen mit der Schaluppe zu fahren. Ein paar Delphine und Pelikane haben die Fahrt an der schönen Steilküste zurück in den Hafen begleitet. Herrlich! Der Hafen von Sydney ist riesig und zieht sich weit ins Landesinnere hinein, so dass man ihn eigentlich von fast überall in der Stadt sehen kann. Wunderschön! Mit festem Boden unter den Füßen gabs eine Pause in der Sonne, das bunte Treiben im Darling Harbour beobachten. Ich freue mich, wenn wir an Silvester mitte Familie genau hier residieren. 1A! Den Sonntag haben wir dann in Manly Beach ausklingen lassen, einem der bekanntesten Surferstrände an der nördlichen Hafenausfahrt. Ein wenig Shopping und schon musste ich meinen Koffer schnappen und den Flieger gen Melbourne erwischen. Auf dem Flug hab ich dann noch Tobi aus Kirchdorf bei Barsinghausen getroffen, wir saßen zufällig nebeneinander. In Gehrden geboren und in Hannover studiert – mit Erstaunen muss man doch immer wieder feststellen, dass die Welt klein ist… auch hier.
Es war ein wunderschönes wackeliges Wochenende in der großen tollen Stadt Sydney, mit Traumwetter und einer wunderbaren Reiseleiterin der Frankegruppe – vielen Dank noch mal dafür an Ramönchen! Jetzt muss ich sie nur noch überzeugen, mir ihre Wohnung für Silvester zu überlassen… mal sehen. Jedenfalls freue ich mich auf weitere Besuche in der heimlichen Hauptstadt mit den vielen schicken Leuten, die ihre Sonnenbrillen spazieren fuehren – wenn mein Konto wieder Luft hat.
Nun fragt man sich: Melbourne oder Sydney, Sydney oder Melbourne? Wenn Sydney die glamouröse Diva ist, dann ist Melbourne die kuschelige Mutti. Und da wohne ich ganz gerne!

Einen Ausblick auf das nächste Wochenende zeigt der Wetterbericht von Canberra im Australian Capital Territory:

Saturday Mostly fine. Min -1 Max 11
Sunday Mostly fine. Min -1 Max 11

Ich sach mal: crispy crispy, wie der Australier sagt. Wenn man das in LEO nachschlägt, gibt es als Übersetzung alles zwischen knusprig und Parmesanhippe. Nächste Woche werde ich also berichten, vom parmesanhippigen Wetter in der Hauptstadt Australiens.
Bis dahin wünsche ich euch eine schöne Woche aus der südlichen Hemisphäre, Eure Änk.