Freitag, 12. Dezember 2008

Ich war hier auch noch nie

Letzten Donnerstag eilte ich vom fernen Osten der Stadt (dem schönen Bayswater) durch zwei elend lange Stunden Feierabendverkehr an die Southern Cross Station, um meine zwei reisenden Hannoveraner wieder in Empfang zunehmen. Bei leckerem Essen auf der Aix-au-Chapelle wurde mir die Ostküste des Landes sehr ans Herz gelegt sowie von Kamelen mit abgefahrenen Beinen im Outback berichtet. Sarah und Gunnar waren total begeistert von ihrer Reise bis hier, was mich natürlich freute – aber das konnte doch gesteigert werden?! Was tut man da? Man bestellt herrlichstes Wetter für einen Tag Sightseeing und feiert am Freitagabend in den kleinen Gassen Melbournes ausgiebigst das Wochenende und leider auch schon ein bisschen den Abschied von David, unserem Lieblingsaustralier. Er hat sich gegen den petrolgrünen Stempel entschieden und für eine Bar in Vietnams Bergen. Ähnliche Geschichte. Ich war jedenfalls wieder einmal begeistert von den Hinterhöfen der Innenstadt. In meiner ganzen Zeit hier war ich noch nicht einmal in einem Club zweimal. Das hat mehrere Gründe. Erstens: ich bin selten da. Zweitens: es gibt zu viele. Drittens: ich finde sie nie wieder. Man geht in die dunkelste Ecke und denkt, ist gleich Ende an den Mülltonnen und man tritt durch eine verrottete Tür und auf einmal steht man im angesagtesten Pub mit Livemusik. Das macht Spaß, besonders wenn man dabei einen dreiviertel Liter Melbourne Bitter von Gunnar in die Hand bekommt, Sarah sich sofort mit schwarzen Afghanen anfreundet und die Luft sehr lustig riecht. Das ist Melbournes Nachtleben.
Samstag kam schon früh der Nikolaus. Trotz ungeputzter FlipFlops, die wir rausgestellt hatten, war er fleißig. Ein wenig zu bedenken gab uns die Tatsache, dass die Lindt-Rentiere aussehen wie Osterhasen. Aber bei dem Wetter passt das auch. Schnell ein deftiges Frühstück bei Amici eingeschoben und schon gings los. Das dolle Trio machte sich auf in Richtung Direct Factory Outlet in der Stadt. Shoppen. Das geht so: Sarah sagt, was wir brauchen und Anke und Gunnar ziehen an, verhandeln das Doppelpack und kaufen. Klappte wiederholt super und wir machten ein Schnäppchen nach dem anderen. So kam es auch, dass ich mir im Sommer Australiens neue Winterstiefel kaufte. Zur Belohnung gabs für uns alle den obligatorischen Starbuckskaffee und eine neue Gutschrift auf meinem Punktekonto bei der australischen Verkehrsbehörde. Falsch geparkt, 57 australische Dollar ärmer. Wie war das mit Schnäppchen?
Schnell weg, das Wochenendausflugsziel rief. Wir hatten uns eine Hütte in den Grampians gebucht. Dieses Gebirge liegt im Nordwesten Melbournes, hinter den so genannten Goldfields. Diese haben wir uns gekniffen und uns stattdessen mit den Kängurus an unserer Hütte angefreundet. Obwohl wir uns hüpfend näherten (angeblich die ernergetisch sinnvollste Art der Fortbewegung), wurden wir aber nicht richtig warm. Wir hatten einen gemütlichen Abend inklusive Kochkurs a la Anke Teil 1 für Sari und schwelgten in Erinnerungen von damals. Früh am Sonntag wanderten wir los, zu dem Pinnacle, einem Aussichtsfelsen mit wunderschönem Ausblick über die Hochebene. Zwischendurch gabs mal einige ungewollte Klettereinlagen, aber das muss auch sein. Die Grampians sind nämlich eines der bekanntesten Klettergebiete weltweit. Jaha! Es gibt dort auch Wasserfälle. Um diese zu sehen wandert man ungefähr einen Kilometer mit 80% Steigung, um am Ende wieder am Anfang anzukommen. Hä? Na, egal. Trotzdem schön. Gemütlich fuhren wir in Melbourne ein, um den zweiten Teil des Kochkurses a la Anke zu absolvieren: Frikadellen mit Erbsen und Möhrchen. Deutsche Küche zum zweiten Advent. Montag und Dienstag verabschiedeten sich die beiden und befuhren die Great Ocean Road. Ich renovierte mich, um dann Dienstagabend fit zu sein. Es geschah nämlich Folgendes: nicht nur Sarah und Gunnar kamen zurück, nein, auch ein anderes bekanntes Gesicht gab sich die Ehre: Antonia! Sie war mit ihrem Schätzelein und dem flotten Townace-Van durch drei Wochen Regen über die Nullarbor Plain in Melbourne eingetroffen. Applaus! Wenn das kein Grund zur Freude ist! Soviel Informationsaustausch an einem Abend, mir rauchte der Kopf. Gestern wurden dann noch weitere Schnäppchen erstanden (noch billiger, gell Sarah) und noch leckerer gegessen, Weinchen verköstigt und schon musste ich die beiden schweren Herzens wieder gehen lassen. Nun haben sie hoffentlich noch eine schöne Woche in Sydney – noch ein Paar Ugg Boots für Lena kaufen (mir ist noch nicht ganz klar, von welchen freien Kapazitäten in welcher Tasche Sarah sprach, aber im Zweifel zaubert sie eine aus ihrem Rucksack…) und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Für das Protokoll: schön, dass ihr da gewesen seid, ihr Lieben!
Aber bei mir sind die Tage bis zum Urlaub zum Glück auch gezählt. Auf Schicht ist alles wie immer im Dezember – es muss an den Keksen liegen – viel zu viel zu tun. Ich habe also noch kein einziges Weihnachtsgeschenk und noch keine Kekse gebacken. Die Stimmung fehlt auch noch komplett. Bei 25 Grad und Sonnenschein fällt es mir sehr schwer zu glauben, in zwei Wochen wäre Weihnachten. Daran ändern auch vier Weihnachtsbäume im Büro und Chris Reas „Driving Home for Christmas“ (schon seit Wochen fährt der) nicht viel. Die Weihnachtszeit in Deutschland ist schon etwas Besonderes. Ich würde gerne jetzt mit euch einen Glühwein trinken oder gemütlich Tee mit Keksen schnurpsen... *melancholischerBlick*
Aber dann schau ich raus und die Sonne scheint und es ist ein herrlicher Tag ... Sonnenbrille auf, kurze Buchse an und alles ist gut!
Hohoho, eure Änk.

Gruetzi

Ich bin ein wenig hinterher mit der Berichterstattung, aber nun muss ich kurz etwas Aktuelles einschieben.
Wir waren gerade zum Mittag in der Schweiz und haben dort das leckerste Mittagessen seit sieben Monaten gegessen: Leberkaessemmeln und zum Nachtisch Negerkuss mit Russisch Brot. Fuer heute abend haben wir auch gleich eingeholt: Fleischsalat. Marzipankartoffeln und Lebkuchen sowie Weisswuerste, Euka Kerzen und Raclettegeraete haben wir fuer das Fest aufgehoben. Herrlich! Man geht in den Laden rein und alles ist wie zu Hause (bis auf die laaaaaangsame Sprache der Schwiezerrrrr...) und man geht aus der Tuer heraus und ist gleich wieder in Australien und geht ins Bayswater Hotel fuer Freitagsmittags-Kaltgetraenke.
Nun ist die Laune noch besser als ohnehin schon an einem Freitag nachmittag.
Pfueati, eure Aenk.

Montag, 1. Dezember 2008

Land in Sicht!

Donnerstag kam mein Kollege Dan zu mir und fragte mich, was ich
denn so Freitag mittag vorhätte. Etwas ungewöhnlich Zeit für eine Verabredung dachte ich, aber der gewählte Ort war auch nicht gerade romantisch: der Grill unserer Abteilung. Man hatte sich vorgenommen, mir beizubringen, wie man den australischen Nationalsport durchführt und so lernte ich das Grillen von 50 Spießen, 90 Steaks, 250 Würstchen, 2 Fisch und 4 Veggieburgern. Um am Ende selbst wie ein Burger zu stinken. Aber lustig wars und den Gästen hats geschmeckt, mate!

Es folgten: zwei Tage Dauerregen. Und zwar so doll, dass man teilweise die Hand nicht vor Augen sehen konnte. Aber wir brauchen ja das Wasser.... leider fiel diese ungewohnt lange Regenzeit genau auf den letzten Ausflug der Franke-Stahn-Kombo. Ramona flog Freitag abend aus Sydney ein, damit wir uns gen Osten aufmachen konnten. Mallacoota im Crooajingolong Nationalpark, direkt an der Küste und Grenze zu New South Wales. Für die erste Nacht hatten wir uns im idyllischen Seaspray am längsten Strand der Welt (dem so gennanten 90 mile beach) auf dem Campingplatz eingemietet. Der aufmerksame Leser wird nun sicher merken, dass hier was nicht passt. Das Wetter. Es goss. Es stürmte. Irgendwie fanden wir in den Pfützen in australischer Finsternis ein Fleckchen Rasen und schlugen das Zelt auf. Schnell in den Schlafsack gemummelt und geschnarcht. So ein Plätschern kann auch beruhigen. Am nächsten Morgen: es goss. Es stürmte. Außer uns waren ungefähr zehn weitere Leute in Seaspray, das seinem Namen alle Ehre machte. Passend zum bisherigen Verlauf unserer Reise hatte ich auch noch den Kocher vergessen. Dafür aber drei Gasflaschen eingesteckt. Kein Kaffee. Meine Laune wurde nicht gerade besser. Was nützt einem der längste Strand der Welt, wenn man nicht mal 20m weit schauen kann?! Schnell weg. Durch Wasserlöcher fuhren wir stumpf weiter an der Küste. Durch Lakes Entrance mit seinen Pelikanen und Urlaubern. Dieser Ort bildet den Beginn der Seen-Landschaft in South Gipsland, wie dieser Fleck in Victoria auch heißt. Man könnte auch Mecklenburger Seenplatte sagen. Der Himmel klarte ein wenig auf. Wir fassten Mut und beschlossen, doch noch das Ziel Mallacoota anzusteuern. Kleine Künstlerstadt in mitten idyllischer Seen. Und so war es denn auch. Durch den Crooajingolong Nationalpark hindurch und auf einmal war man da, in diesem niedlichen Ferienort, der glaub ich mehr Bootsrampen und definitiv mehr Pelikane als Einwohner besitzt. Wir fanden ein wunderschönes Bed & Breakfast, denn nach zelten war uns doch nicht mehr (Luxusweibchen). Nach einem langen Spaziergang am Strand in einer einstündigen Regenpause zauberten wir in der riesigen Küche ein herrliches Abendessen, dass wir dank eines plötzlichen Wetterumschwungs sogar auf der Veranda am See verspeisen konnten. Eine herrliche Nachtruhe später erwachte ich und dachte, ich träume: die Sonne blinzelte durch die Vorhänge und der See glitzerte. Wieder einmal war man uns gnädig und so kam es, dass wir an der Küste und im Nationalpark einen herrlichen Sonntag verbrachten. Mit vielen Fliegen, der lästigen australischen Landplage, und mit dem Point Hicks. Diese Landzunge war das Erste, was Herr Cook damals von seiner Endeavour aus von Australien gesehen hat. Und weil sein erster Lieutnant Hicks hieß (man munkelt, er litt an chronischem Schluckauf), heißt das Stückchen mit Leuchtturm auch heute noch so. Ein herrliches Stück Küste in einem der unbekanntesten Nationalparks des Landes, der aber nicht zu unrecht zum Weltkulturerbe gehört. Leider drängte die Zeit und sechs lange Stunden Autofahrt später waren wir wieder in Melbourne.
Das letzte Wochenende mit glücklichem Ausgang der Franke-Stahn-Kombo endete heute morgen um fünf, als Ramona in ihr Taxi zum Flughafen stieg. Für sie geht es nun wieder nach Deutschland, denn ihr Infojahr neigt sich dem Ende zu. Vielen Dank für eine schöne Zeit in Australien, liebes Ramönchen. Und viel Glück bei Deinem Start in der alten Heimat Berlin! Und wenn sie nicht gestorben sind, dann reisen sie noch heute...

Adventsgrüße aus Melbourne von eurer Änk.

PS: Weitere Bilder folgen.

Montag, 24. November 2008

Der Ball ist rund...

... und ein Spiel dauert dreißig Minuten.
So einfach ist das doch, oder? Sieben Wochen trainierten wir Mädels von Siemens (auch genannt Sie-Chicks) nun schon fleißig und feilten an unseren Pässen, Torschüssen und Taktiken, um püntklich zu den Australian Corporate Games fit zu sein. Bei Wind und Wetter. Zu diesem Thema ein kleiner Exkurs. Melbourne zeigte sich am Wochenende nämlich äußerst solidarisch mit der deutschen Heimat. Es hagelte und stürmte und schüttete bei 13 Grad. Aber wir brauchen ja das Wasser.... seitdem sind wir nun glücklicherweise doch nicht zur Wasserrationierungsstufe 4 eingestuft worden, sondern bleiben bei 3A. Das heißt, wir dürfen weiterhin zu bestimmten Zeiten unsere Blumen gießen und in der Waschanlage das Auto waschen.
Aber das alles hilft einem ja nicht viel, wenn Samstag morgen unter diesen Umständen um acht Anpfiff der Australian Corporate Games ist. Dieses Turnier besteht aus verschiedensten Sportarten (Volleyball, Bowling, Laufen, Schwimmen, Football, ...) und findet einmal im Jahr in Melbourne statt. Zum Glück war unser Anstoß erst Sonntag und man war uns gnädig. Es windete, aber es blieb trocken. So versammelten sich also neun verschlafene Gestalten samt Anhängen und Schienbeinschonern im Albert Park, feuerten zunächst die Jungs an, um dann selber zur Tat zu schreiten. Vorrunde. Gegen die Medibank. Ja gut ähhh. Ich sag amal, da müssma besser werden, gar kein Thema, gell. 0:4. Und der Schwur, sich nie bei Medibank zu versichern.
Ein zweites Mal an diesem Wochenende gingen die Gedanken in Richtung Heimat - zu Hannover 96. Vollstes Verständnis.
Päuschen, Pläuschchen mit unserem Trainer Thorsten und schon gings weiter: gegen Deloitte. Unternehmensberaterinnen. Heieiei. Eklatante Lücken im Sturm, Mittelfeld und in der Abwehr machten unserer Torfrau das Leben schwer. 0:3. Zweite Niederlage. Die Motivation. Die Männer taten ihr Bestes, uns anzufeuern und hilfreiche Tips von der Seitenlinie zu brüllen. Good stuff, easy, easy. Nicht so schnell. Pressure. Defense. Wat denn nu? Mir wurde ganz schwindelig. Bei unserem letzten Spiel kam die liebe Sonne heraus und wir nahmen uns vor, alles nach vorne zu werfen, gegen die Mannschaft von Lonely Planet. Diese an sich praktischen und von mir höchst geschätzten Reiseführer kommen aus Melbourne - und kommen mir nicht mehr ins Haus. Mit 0:2 beschlossen wir das Kapitel der diesjährigen Corporate Games. An Erfahrung haben wir gewonnen. Nachdem wir die Männer bis ins Viertelfinale anfeuerten, ist uns nun auch die Zielvorgabe für das nächste Turnier klar: das Runde muss ins Eckige. Nun müssen wir das nur noch umsetzen. Genauso wie die Tatsache, dass wenn die Sonne scheint, man sich in Australien eincremen sollte. Aber gefeiert haben wir trotzdem.
Good stuff, ein schöner Tag mit lieben Kollegen und Freunden, und schwups ist man Mitglied einer Hallen-Frauen-Fußballmannschaft.
Umta-umta-umta-tätäräää, tätäräää........

Eure Änk mit der Nummer 8.

Dienstag, 18. November 2008

Für das Protokoll

Samstag früh um viertel vor vier fiel mir ein, ich müsste doch mal am Tullamarine Flughafen nach dem Rechten sehen. Taxi bestellt, 131008 (leider kann ich keine Musik dazu abspielen, ansonsten könntet ihr euch alle auch diese wunderbare Nummer ganz leicht merken, 131008 - Silvertop Taxis, why wait.... ), zur Southern Cross Station gedüst, den Skybus erwischt und ab gehts. 6:40 Uhr Abflug nach Cairns, Queensland. Es wurde aber auch Zeit, einen weiteren Bundesstaat des Landes zu erkunden. Noch viel mehr an der Zeit war es, Sarah und den Kreisligafußballer Gunnar dort in die Arme zu schließen! Hurra! Lange war es her, seit wir an Silvester in der Heimat das neue Jahr zusammen begossen hatten. Welch Wiedersehen!! So zogen wir los, um den Hippie Camper der beiden für ihre bevorstehende Reise entlang der Ostküste in Empfang zu nehmen. Bei dem Vermieter war erstmal alles no worries, bis uns Heinrich, der deutsche Mitarbeiter, beim vom Hof rollen einen Strich durch die Rechnung machte. Er hielt uns an und begann, auf deutsch mit uns zu schimpfen. Bisher hatte er im Badener Dialekt Englisch probiert, dachte wohl, merkt ja keiner. Beim Schimpfen hat er sich dann lieber auf seine Muttersprache verlassen um uns sehr deutlich klar zu machen, dass unser Vorhaben "Highly illegal und mindestens 50.000 EUR kostet." Außerdem könne er sofort den Vertrag kündigen. Wir saßen zu dritt im Zweipersonen Camper. Bin ich also wieder ausgestiegen, alter Stinker. Hundert Meter weiter (ich konnte nicht wieder einsteigen, denn Heinrich passte auf) fand ich eine Autovermietung mit alten Autos. Die waren alle nett da und so kam es, dass ich für unser Wochenende meinen eigenen lilanen Flitzer bekam. Mit Alufelgen. Ha! Auf diesen Schock wurde erstmal gefrühstückt, geplaudert, geplaudert, geplaudert. Dann noch Schnäppchen Sonnenbrillen erstanden und los gings. Richtung Norden, Ellis Beach war unser Ziel. Das haben wir auch wohlbehalten erreicht, Gunnis Linksfahrversuche endeten erfolgreich auf dem Campingplatz, direkt am Meer. Herrlich türkises Wasser lud uns zur Abkühlung ein. Leider mussten wir uns mit Bier am Strand und einem Bad im Swimmingpool begnügen, denn Krokodile und ekelhafte Feuerquallen waren uns zuvor gekommen. Gemütlich klang unser erster gemeinsamer Abend bei Gegrilltem und kühlen Getränken am Strand aus.
Am nächsten Tag war nicht viel mit Ausschlafen, die beiden Neuankömmlinge wurden gleich australiengerecht eingenordet: um viertel nach sieben ging es bei 35 Grad und gefühlten 100% Luftfeuchtigkeit an der herrlichen Küste nach Norden, Port Douglas war unser Ziel. Dort erreichten wir pünktlich unseren Katamaran, der uns den Tag lang auf das Great Barrier Reef schaukelte. Bei Jack Johnson Musik, Sonnenschein und frischem Kaffee ließen wir die Seelen baumeln. Unser Gesprächsbedarf störte dabei die anderen vielleicht ein wenig, aber was solls. Man hatte sich viel zu erzählen... Dann kamen wir an den Low Isle an, einer Inselgruppe im besagten Korallenriff. Wir zogen furchtbar erotische Ganzkörperanzüge an, die uns gegen Quallen und Sonne schützten. Flossen, Taucherbrillen und Schnorchel dazu und Abmarsch. Den Kopf unter die Wasseroberfläche gesteckt und nicht schlecht gestaunt. Es offenbarte sich eine kunterbunte Korallenwelt mit Clownfischen, großen und kleinen Schildkröten, Riffhaien, riesigen Fischen, Seegurken, Rochen, .... wunderschön. Besonders die Schildkröten hatten es mir angetan. Leider hatte ich vergessen, meine Kamera wasserfest zu machen, aber an Weihnachten klappts bestimmt. Nach kurzem Rundgang auf der Insel (war in 5 Minuten erledigt) gings zurück zum Boot, Mittagszeit. Mahlzeit. Danach der zweite Schnorchelgang direkt vom Boot. Toll! Es folgte eine herrliche Rückfahrt, die wir dank unseres Gewissens in Sachen Hautkrebs (mit Namen Gunnar) fast unverbrannt überstanden. Wir hatten unseren Spaß mit einer merkwürdigen Mitreisenden, die wir mexikanisch Tortuga tauften. Komische Quaddel. Nach einem Rundgang durch das idyllische Fischer- und Feriendorf Port Douglas entschieden wir uns, den Grill ein weiteres Mal zu bemühen und erstanden für einen Spottpreis Haifischfilets und Riesengarnelen. Eine weitere Stunde Autofahrt und wir kamen in Wonga Beach an, Sarahs Wahl für diese Nacht. Wir sind uns nicht ganz klar geworden, in welche Kommune auf welcher Erde wir übernachteten, aber ganz normal war der Campingplatz nicht. Lustige Bewohner in komischsten Behausungen. Unweit des Daintree Nationalparks gelegen, direkt am Strand. Sarahs erste Versuche, uns einen Campingplatz zu ergattern wurden belohnt- wir bekamen den besten Platz überhaupt. 1A! Gut gemacht! Auch hier wieder die Warnung, nicht im Dunkeln zu baden, wegen der Alligatoren. Nicht im Dunkeln? Keine 1.000.000 Pferde kriegen mich zu irgend einer Tageszeit in dieses Gewässer, hatte ich doch meine Erfahrungen hiermit bereits in der Katherine Gorge im Northern Territory gemacht. Uaa! Nachts kühlte es sich überhaupt nicht ab, so dass wir schwitzend auf den nächsten morgen warteten. Nach ausgiebigem Frühstück und weiterem Informationsaustausch (es passiert aber auch immer so viel!) fuhren wir in den Daintree Nationalpark. Es ist ein riesiger Regenwald. Wir wanderten durch die Mossman Gorge, ein Fluss mit Wasserfällen in diesem Nationalpark. Umgeben von undurchdringbarem Grün, Lianen, riesigen Bäumen mit Luftwurzeln, Geräuschen wie im Urwaldhaus von Hannover und dem Plätschern des Flusses hatten wir eine urige Zeit. Bis Sarah ihren Fuß zur Abkühlung in eines der Wasserlöcher hielt. Und schrie. Ein Blutegel hatte sich an ihren großen Zeh angedockt. Hab ich schnell abgezogen. Judith, bitte melden, wenn wir hätten was beachten sollen. Ich habe von den beiden seit gestern nichts mehr gehört, aber ich gehe davon aus, dass Gunnar sein Skalpell stecken lassen konnte und die angedachte Amputation nicht durchgeführt werden musste. Es blutete zwar so, als ob das schon geschehen sei, aber Gott sei Dank wurden davon keine Krokodile oder Haie angezogen... Tapfer überstand Sarah unseren Spaziergang und kühlte ihren Zeh im Fluss.
Nach oberleckeren Smoothies (alles Kalte schmeckte herrlich!) war es Zeit, sich zu trennen. Sari und Gunni fuhren mit ihrem Mobil weiter in den Daintree Nationalpark und freuen sich auf weitere vier Wochen Wildnis in Australien. Ich hingegen düste mit dem lila Flitzer in Richtung Süden nach Cairns über ein paar Abstecher an einige Strände zurück.
Beim Einstieg ins Flugzeug dann noch ein bisschen was zum Schmunzeln. Kennt ihr den Film 'Meine Braut, ihr Vater und ich'? Die Szene, in der Ben Stiller versucht, ins Flugzeug einzusteigen, der einzige Fluggast ist und nicht einsteigen darf, weil seine Reihe noch nicht aufgerufen wurde? So in etwa ging es mir auch. Und das in Australien, aber vielleicht war Margot, die Flugbegleiterin auch nur ein weiteres Einwanderexemplar. Man denke an Heinrich.
Ein tolles Wochenende in den Tropen, leider viel zu schnell vorbei! Verrückt, wie unterschiedlich dieses Land doch ist.
Heute morgen hab ich schön verpennt, die Queenslandzeit will mir nicht so richtig in den Kopf. Weil die Kühe verrücktspielen, hat man dort nicht die Sommerzeit übernommen. Na, eine Stunde länger schlafen kann ich gut!
Ich freu mich schon, wenn ich in drei Wochen die beiden Urlauber in Melbourne empfangen kann. Dann geht das Gequatsche weiter... jippii!
Seid ganz lieb gegrüßt vom Ende der Welt, eure Änk.

Montag, 10. November 2008

Damals [Back in the good old days] …

Freitag abend, Melbourne, 19:00 Uhr, 15 Grad, es regnet in Bind-oder Wollfäden, sehr windig. Nina, Troy, Steffi und Anke brechen auf, auf unsere lang geplante Wanderung durch den Wilsons Promontory Nationalpark, dem südlichsten Zipfel vom australischen Festland. Grundsätzlich hatte ich den Park mit seinen Einwohnern schonmal am Anfang meiner Zeit besucht (ich verweise auf entsprechende Bilder und Berichte weiter vorne). Nach einem halben Jahr Australien hatte man mich nun soweit: Anke geht wandern und zelten übernacht. Juhu. Die schönsten Strände Victorias erschließen sich nur so, sagt mein Reisefuehrer (und Kollegen). Wie oben beschrieben, war das Wetter so, wie ich es mir ungefähr vorstellte. In trockenen 10 Minuten bauten wir in Tidal River nachts um halb zwölf unsere zwei Zelte auf. Huch, das geht schnell! Und leicht! Wow. Erstaunen. Nach einer kalten Nacht erwachte ich von rupfenden Geraeuschen links neben meinem Ohr: ein Wombat beim Frühstück. Klamm und kalt frühstückten wir Porridge mit Wasser, umgeben von nervenden Rosellas, und beratschlagten, was z tun sei. Bleiben und laufen oder kneifen und nach Hause in die warmen vier Wände? Eine heiße Dusche und einen Kaffee später befanden wir uns auf dem Weg: die Entscheidung war gefallen und wir wanderten los, durch Victorias größten Nationalpark, auf dem so genannten Great Prom Walk. Durch Regenwald, hoch und runter, bis wir zur Mittagspause nach einem langen Bretterweg auf einmal wie Robinson Crusoe in der Sealers Cove ankamen. Der Himmel riss auf und die Sonne begann zu scheinen. Wir mussten unsere Augen vor der Sonne und dem weißen Strand nach dem dunklen Regenwald ein wenig schützen. Ich kam mir vor, wie im Paradies. Schnell die Rucksäcke ab und die Vorräte um einige Peanutbuttersandwiches bei dieser tollen Aussicht erleichtert. Troy blies zu baldigem Aufbruch und wehrte unsere Fragerei nach der verbleibenden Länge der Strecke mit Witzchen ueber sein eingebautes Navigationsgeraet ab. (Der Arme, hat er ganz gut gemeistert, als Hahn im Korb mit jammernden Mädels…) Weiter gings, von einem Strand zum nächsten: war man unten am kühlen Nass angekommen, konnte man sich sicher sein, es am anderen Ende wieder hochlaufen zu müssen. So vergingen die Stunden, laufend, schwitzend, staunend ob dieser herrlichen Natur und mit Sicherheit der schönsten Strände, die ich bisher in Australien zu Gesicht bekommen habe. Gegen sieben Uhr abends erreichen wir leicht geplättet nach sieben Stunden Wanderung unseren Campingplatz an der Refuge Cove. Schnell noch ein paar Nudeln gekocht, Pesto sei gelobt, das Plumpsklo mit Wäscheklammernase überstanden und die Zähne im Bach geputzt. Dem Känguru gute Nacht gesagt und weggeknackt. Ratzepüüüüüüüh. Sehr gute Nachtruhe. Am nächsten Morgen stellten wir fest, dass unsere Wasservorräte zu Ende waren. Leider durfte man das Bachwasser nicht trinken, wie eigentlich geplant, so dass wir es im Nudel-Pesto-Topf abkochen mussten. Mir ist Zitronentee immer noch lieber als Geschmackrichtung, aber wenn man gar nichts mehr hat, trinkt man auch lauwarmes Pestowasser. Bergauf gings, immer wieder belohnt von paradiesichen Ausblicken bei strahlendem Sonnenschein und zwei Stunden später kamen wir am schönsten Strand der Welt an: Little Waterloo Bay. Niemand dort, außer uns, den Möwen und den Raben, die uns traditionsgemäß um einige Vorräte erleichterten. Was für eine Mittagspause! Troy nahm ein Bad im kristallklaren, türkisblauen Wasser. Ich wollte auch, aber es war kalt! *DaumenundZeigefingereinenhalbenmilimeterauseinanderzeig* Außerdem: Man musste weiter. In strammem Tempo bogen wir leider von der herrlichen Küste ab, zurück ins Landesinnere. Nina und ich waren in der Zwischenzeit bei Grundsatzdiskussionen gelandet, den Weltschmerz und kaputte Waden betreffend. Endlich kamen wir zur grossen Weggabelung, an der sich viele Wege nach Rom treffen. Dort machten wir bei mittlerweile heißem Pestowasser die Entdeckung, dass Tidal River noch 11,4 km entfernt war. Waaaaaas? Schnell weiter. Durch tiefen Sand erreichten wir Oberon Bay auf der anderen Seite des Parks (Westen) und stiefelten ein wenig mutlos bei sengender Sonne ueber den kilometerlangen Strand. Steffis Blasen platzten, meine Hüftknochen scheuerten sich unter dem Rucksack auf und Nina’s Taschentuchverbrauch erreichte ungekannte Dimensionen. Selbst der fitte Troy war leicht lädiert und fertig mit der Welt.
Nochmal Pause und die Albatrosse beobachtet, die lustige Turnübungen vor unseren Augen veranstalteten. Die letzte Etappe rief. Nochmal bergauf, um noch eine Landzunge, hoch, runter, Kängurus im Busch (und der Wunsch, ihnen einfach den Rucksack aufzusetzen und einen Klaps zu geben), hoch, Stolpersteine und endlich Norman Bay in Sicht, mit dem Tidal River Camping Platz dahinter. Die letzten zwei Kilometer mit dem Ziel vor Augen waren laaaaang; ich dachte, ich muss umfallen. Ich wäre gerne in die Fluten gesprungen, aber mein Durst war größer. Also schleppten wir uns zum nächsten Schlauch am Camping Platz und hängten uns darunter. Ich glaube nicht, dass ich in meinem Leben schonmal solchen Durst hatte, unglaublich! Völlig platt und leider mit Sonnenbrand schauten wir den Bewohnern von Tidal River beim Barbecue zu, unfähig, uns zu rühren. Nach einer halben Stunde schweigendem Keksverzehr verluden wir ächzend unsere Rucksäcke in das Auto und sagten dem einzigartigen Wilsons Prom gute Nacht. Es war wieder 19:00 Uhr geworden. Nach 40km wandern in der Wildnis lechzten wir alle nach Erfrischung, die wir dann in Leongatha am Weg nach Melbourne endlich fanden. In Form von Riesen-Pizzas und frisch gezapften Bieren. Cheers! Am nächsten Morgen erwachte ich um Jahre gealtert. Aua, meine Schultern, aua, meine Hüften, aua, meine Knie... wie gut, dass ich ohnehin schon einen Termin beim Chiropraktiker vereinbart hatte. Der hat mich wieder hingebogen, alter Knochenbrecher.
Was für ein unglaublich schönes Wochenende. Meine erste Wander-Camping-Erfahrung in Australien – unvergesslich, schön, wild und sportlich. Solche Strände muss mir Queensland nächstes Wochenende erstmal bieten.
Es bleibt die Lust nach mehr, oder kann ich dieses Land verlassen, ohne seinen südlichsten Punkt mit Leuchtturm zu Gesicht bekommen zu haben?
Sonnenverbrannte Grüße aus Melbourne von Eurer Änk.


PS: Ein Fotoalbum folgt. Nun hat es sich nämlich gerade von 32 Grad auf laue 26 abgekühlt und es ist Zeit, das Bett zu besuchen. Gute Nacht.

Dienstag, 4. November 2008

The celebration that stops a nation

Heute war nun der große Tag: Melbourne Cup Day. Man ließ die Arbeit ruhen, die Sonne schien und die Hottis waren in Rennlaune. Für zwei Minuten hielt das Land die Luft an, 107 Tausend Mitbürger und Mitbürgerinnen verfolgten das Rennen hautnah am Flemington Racecourse, die Kassen der Wettbüros klingelten und ... schon war alles vorbei. Viewed mit der Nummer 10 hat die 3.200m als erster zurückgelegt, zusammen mit seinem Fliegengewichtsjockey. Ich hatte ja auf Master O'Reilly gesetzt (und dafür mitleidige Blicke geerntet, aber der Pub bei mir um die Ecke heißt auch so und der ist gut) mit der Nummer 2. Mist. Auf diese Aufregung musste erstmal gegrillt werden.

3-2-1, go! Sonnige Grüße von Eurer Änk.

PS: Ganz frisch aus dem Druck: neue Bilder im Melbournealbum sowie ein neuer Ordner für die Botaniker.