Dienstag, 30. September 2008

Walkabout unter den Schwingen des Adlers

Wo fange ich an. Am 11. September war es nun endlich soweit und wie schon unten erwähnt, konnte ich Torsten inklusive Versorgungspaket endlich abholen. Ich war ganz schön aufgeregt, bis er endlich durch das Gate rollerte. Und dann, ja und dann war es eigentlich nur noch wunderbar.
Nach Tapas und ausgiebigem Rotweingenuss mit einigen Freunden ging es am Freitag früh für Torsten und mich mit dem weißen Safarimobil los. Natürlich untersuchte Torsten das Mobil vorher genauestens, konnte aber keine Mängel feststellen, bis auf eine Dichtung in der Heckklappe, aber das ist seine Berufskrankheit… Mit großen Augen erzählte man mir, das Gefährt habe 205 PS. Aha, deswegen bin ich an Ampeln immer die erste, verstanden.
Vollgepackt mit Luftmatratze, Benzinkanister, Campingstühlen, riesiger Kühltasche, Wasser- und Benzinkanister, Kocher und diversem anderen Gerät begann unsere Reise hinter Melbourne auf der Great Ocean Road. Ich kannte diese schöne Küstenstraße ja bisher nur im Herbst (ich verweise an dieser Stelle auf den entsprechenden Bericht) und war also nicht weniger gespannt als Torsten. Sie präsentierte sich bei strahlend blauem Himmel (seit Torsten seinen Fuß in dieses Land gesetzt hat, strahlt die Sonne und es braucht für mich nicht mehr viel wärmer werden….), unglaublich viel Wind und riesigen blau-grünen Wellen. Immer wieder wunderschön und sehenswert. Gemütlich fuhren wir die kurvigen Straßen entlang, hielten hier und da, besuchten die Kängurus vom Golfplatz in Anglesea, genossen Scones (lecker Gebäck, ein wenig wie frische Hefeteilchen) und Tee am Cape Otway Leuchtturm bei den Koalas, bestaunten die Apostel und beendeten diesen ersten Tag der Reise in Portland. Am nächsten Tag ging es über den letzten Abschnitt vorbei an der London Bridge nach Warrnamboul. Und hier sahen wir nun etwas völlig Ungeplantes: Ihr erinnert Euch vielleicht noch an Wilma aus dem Juni, die Walfrau mit dem frisch geborenen Kalb, die noch zu geschafft war, um sich uns zu zeigen. Das war nun ganz anders: die beiden tollten im Wasser direkt vor uns an der Küste herum und hatten auch Spaß in der Sonne. Großes Damentennis! Sogar die große Flosse haben wir bestaunen können. Was für ein majestätisches Erlebnis! Hundert Fotos später befanden wir uns wieder auf der Straße, in Richtung Adelaide im Staat South Australia. Wenn man über die Grenze fährt, gewinnt man eine halbe Stunde an Zeit hinzu, ist das nicht verrückt? Die Australier quittieren dies mit Hupen. Dann trafen wir Larry, den Lobster. Larry steht am Ortsausgang von Kingston S.E. und ist verdammt riesig. Australier lieben Pappfiguren und sie bauen sie meistens dort, wo sonst nichts zu sehen ist. Unser Freund Larry ist 17m groß, leider klapperte schon seine eine Zange aus Altersschwachheit. Ansonsten sehr imposant. Weiter ging es durch den Coorong National Park, einem Lagunenstreifen mit viele Pelikanen und dem Murraydelta am südlichen Ozean. Nach einem schönen Sonnenuntergang in dieser Lagunenwelt haben wir das Tagesziel Adelaide auch gerade noch so erreicht. Die Hotelsuche gestaltete sich schwierig, aber schlussendlich war Ende gut, alles gut und wir konnten äußerst leckere Nudeln mit frischen Meeresgetier genießen. Sonntags erkundeten wir diese Universitätsstadt, die unter den australischen Städten immer vergebens um ein wenig Beachtung ringt. Da dort aber nie irgendwas passiert (ist), keiner angelandet ist und kein Gold gefunden wurde, tut sie sich schwer. So war es uns denn auch nach ein paar Stunden genug und auf gings. Heute sollten wir endlich den Stuart Highway hinter Port Augusta befahren. Ob es schon rot werden würde? Bisher erinnerte die Landschaft ein wenig ans Allgäu, mal an Schleswig-Holstein und eventuell an Afrika, aber ganz sicher nicht an den trockensten Staat (der South Australia anscheinend ist) auf dem trockensten Kontinent der Welt.
Von Port Augusta, der letzten Stadt vor Outback, hatte ich schon Einiges gehört. Ich dachte also, nicht Wunder, was eine Stadt. Ja. Bei genauerem Hinsehen hatte dieses Örtchen weniger Einwohner als Gehrden (nämlich 12 Tausend), dafür aber dreifach so viele Fastfoodläden. Dieser Ort ist auf der Landkarte Australiens ein relativ großer Punkt – wir sollten bald merken, wieso. Gerade ein paar Kilometer auf dem Stuart Highway gefahren, änderte sich die Umgebung schlagartig. Bäume und Büsche verschwanden nach und nach und wichen niedrigem Gestrüpp, über das ein paar Emus liefen. Es gab ein paar platte Hügel und ansonsten viel NICHTS. Rechts – Nichts. Links – Nichts. Vorne – Nichts. Hinten – Nichts.
Mit den letzten Strahlen Tageslicht fuhren wir bei unserem ersten Campingplatz ein. Wir hatten uns vorgenommen, nicht bei Dunkelheit durch das Outback zu eiern, denn das ist die Zeit, in der Katz und Maus und Känguru aus dem Busch kommt und gerne auf den Straßen spazieren geht. Noch dazu ist es, wie Torsten so schön sagte, auch dunkel wie im Bärenhintern. Unser Kühlergrill hat zum Glück außer einer riesigen Heuschrecke in den zwei Wochen keines dieser Lebewesen von Nahem zu Gesicht bekommen. Ich glaube, Torsten hatte bis zu dem Zeitpunkt nicht geglaubt, dass wir tatsächlich im Auto campen würden. Umso ungläubiger war sein Blick, als wir an unseren ersten Übernachtungsplatz im idyllischen Woomera hinter Spuds Roadhouse unsere Schateken ausbreiteten. Mit australischem Hightech wurde die Luftmatratze per Motor aufgeblasen und zwar so doll, dass wir die erste Nacht im weißen Safarimobil etwa 15cm von der Decke entfernt verbrachten. Jaa…. Wir übten noch. In der Campküche machte Torsten gleich seine ersten Erfahrungen mit waschechten Australiern und schwatze ihnen doch glatt ihren Wein ab. Der Mann ist gut! Am nächsten Tag stellten wir fest, was für eine schöne Gegend Woomera doch ist: inmitten australischem Raketentestgebiet mit tausenden von Quadratkilometern von Sperrzonen nach Norden, Süden, Westen und Osten. Dazu noch das Wartehäuschen für Asylanten. Herrlich. Nochmal voll tanken bei Spuds und ab dafür. Nächster Halt: Coober Pedy. Diese Stadt im Nichts mit 3.500 Einwohnern ist durch ihre Opalfunde bekannt. Kilometerweit drum herum kommt man sich vor, wie auf dem Mond. Es wächst nichts und riesige Flächen sind unterhöhlt und umgegraben, auf der Suche nach dem großen Coup. Es ist dort so heiß, dass die Bewohner ihre Häuser größtenteils unter die Erde gebuddelt haben. In der Stadt herrscht eine ganz merkwürdige Stimmung. Die Männer suchen oft jahrelang vergebens nach dem Edelstein. Wir besuchten eine Mine. Der Führer dort hatte sechs Kinder. In seiner Mine hatte er 2008 Opale im Wert von 160 australischen Dollars gefunden. Und auch in Australien ist schon September und auch ohne Finanzkrise ist das schon wenig Geld für eine 8-köpfige Familie. Und trotzdem konnte er nicht davon lassen. Torsten durfte sein Glück mit Spitzhacke und Bohrhammer versuchen und hatte schon genug, doch der Mann trieb ihn trotzdem weiter an. „Maybe here, give it a try. This could bei it!” Was wäre wohl unter Tage geschehen, hätten wir tatsächlich etwas entdeckt? Man weiß es nicht. Gruselig. Noch ein unterirdisches Haus begutachtet und wir kehrten diesem Ort den Rücken zu. Auf den Straßen hingen viele Aborignes rum, wieder betrunken, bekifft. Furchtbar. Und wieder ist es mir nicht gelungen, etwas mit den Australiern oder den Eingeborenen selber über dieses Thema zu diskutieren. An die einen kommt man nicht ran und die anderen wiegeln es mit zwei, drei Sprüchen ab. Alles Trinker. Ende der Diskussion. Schade.
Nächste Nachtruhe fanden wir in Marla’s Roadhouse, nördlich von Coober Pedy. Auf diesem wunderschönen Campingplatz machten wir die faszinierende Bekanntschaft mit australischen Klassenfahrten. Wie bei uns früher das Torfhaus im Harz Standardprogramm war, so fährt der gemeine Australier mit der Schule in das rote Zentrum des Landes. Man hätte meinen können, Asterix sei mit seinen Galliern auf ein römisches Legionslager gestoßen – denn genauso sahen die 50 Zelte aus, die dort in Reih und Glied aufgebaut wurden. Es wurde gemeinsam gekocht, abgewaschen, aufgeräumt und bevor wir uns am nächsten morgen versahen, war die Kohorte wieder abgereist. Hui, ein Kompliment an die Logistik! Wir für unseren Teil ließen unseren Kocher an diesem Abend kalt – wir mussten ja auch mal das echte Roadhouse Essen im Outback probieren. So tafelten wir bei Riesenburger und Gulasch – Männerportion. Uff!
Am nächsten Tag ging es weiter, vorbei an unzähligen „schlafenden“ Kängurus, die nun aber ihren Eingang in die Nahrungskette fanden. Unglaublich große Adler stürzten sich auf sie, so dass die auch schon nicht ganz kleinen Krähen verschreckt im Hintergrund auf ihren Anteil warteten. Wir hatten beide noch nie solche großen Vögel gesehen und wenn sie sich mit ihren 20kg langsam in die Lüfte schwangen, weil wir nun mal da lang fahren wollten, dann dauerte das einen Moment. Das ein oder andere Mal konnten wir die dicken Schnäbel näher betrachten. Kurz vor Einfahrt in das Northern Territory hatten wir dann auch Glück und sahen endlich ein waches rotes Riesenkänguru. Es winkte uns sozusagen vom Straßenrand aus zu. Gott sei Dank blieb es auch da. Diese Tiere sind ganz schöne Kokoschinskis, verglichen mit den grauen Einwohneren Victorias, das kann sogar ich sehen. Und dann, endlich, nach 3.000km, bogen wir ab auf den Lasseter Highway, um die letzten 240km zum Uluru zurück zu legen. Und peng – da war er. Stand da einfach so rum. Rot, rund, groß und majestätisch ruhig.
In dem angrenzenden, eigens hierfür gebauten Resort Yulara verbrachten wir die nächsten zwei Tage, selbstverständlich campierend. Neben der Umrundung des Steines stand noch die Wanderung durch die angrenzenden Olgas (durch das Tal des Windes) auf der Wunschliste meines Freundes. Wurde alles abgearbeitet. Man weiß nicht, warum die Olgas die Olgas heißen (oder auch Kata Tjuta), aber sie sind eigentlich eindrucksvoller als der Uluru, wie wir beide fanden. Beide Formationen sind vor ungefähr 500 Millionen Jahren entstanden und seitdem unverändert, vielleicht ein bisschen geschliffen durch Wind und Sand, wie eigentlich alles in Australien. Puh! Das ist alt! Das ist mir überhaupt erst auf dieser Reise richtig bewusst geworden. Man kann in Australien nicht staunend an alten Römersandalen oder chinesischen Tempeln vorbeilaufen, was eine Stadtbesichtigung für einen Europäer etwas unspannend macht. Dafür ist die Natur dieses Kontinents seit seiner Abspaltung vom Urkontinent vor Millionen von Jahren nahezu unverändert geblieben, was auch zu den merkwürdigsten Tieren und Pflanzen geführt hat. Man bedenke nur die hüpfenden Beuteltiere, Eukalyptusbäume oder die Tatsache, dass Hasen hier eine Plage sind, weil sie (immer noch) keine natürlichen Feinde haben, sondern nur zu Jagdfreuden der Engländer anno schnuff hier her geschifft wurden. Wir bekamen also doch das ein oder andere Mal große Augen.
Es war entsetzlich heiß und obwohl wir die neun km um den Uluru früh in Angriff nahmen, waren wir von der Hitze gut erledigt und verbrannt. Die Sonne hat trotz früher Stunden und Sonnencreme eine unheimliche Kraft und es tut richtig weh, wenn man zu lange in ihr rumeiert. Ein Vorgeschmack auf den Sommer…. Mein Wunsch war es gewesen, eine Tour oder einen Tag mit den Aborigines zu verbringen. Immerhin ist dieser weltweit einzige Monolith ihr Heiligtum und sie sind die älteste noch existente Kultur auf Erden. Wer, wenn nicht sie, könnten uns besser Auskunft erteilen. Aber leider waren diese Angebote entsetzlich teuer. Schade. Torstens Begeisterung für Australien und seine Campingplätze stieg von Tag zu Tag. Besonders als er feststellte, dass man immer und überall grillen kann, war es um ihn geschehen. Wir hatten eine wunderbare Zeit, umgeben von Nichts, unzähligen Sternen und Natur. Genau das, was man nach so langer getrennter Zeit braucht. Herrlich!
Nachdem wir alle Wanderungen und Sonnenuntergänge im Uluru-Kata Tjuta Nationalpark erlebt hatten, ging es weiter in die West McDonnell Ranges, zum Kings Canyon. Noch so eine alte Formation, auf deren Rand man entlang wandern kann. Wunderschön und für mich eigentlich die schönste Wanderung (wenn ich das so schreibe, find ich mich selber unglaublich: wer hätte gedacht, dass ich gerne zelte und wandere?!) des Urlaubs. Abends wurden wir Teil einer uraustralischen Veranstaltung im angrenzenden Resort (wir hatten uns übrigens den Luxus eines richtigen Bettes gegönnt –ui!): nach dem Barbecue standen die Gäste auf und es wurde aus voller Brust Waltzing Mathilda und im Anschluss noch die Nationalhymne geträllert. Die Bude bebte und wir hatten unseren Spaß.
Nach ausgiebiger Diskussion mit einem ortskundigen Allradautobesitzer beschlossen wir, den Rückweg aus dem roten Zentrum nicht über Schotterpisten zu fahren. Unser weißes Safarimobil hatte uns zwar tapfer überall hingebracht, aber man muss ja nicht übertreiben, nech. Und die Idee, der Polizei zu sagen, wo man wann hinfährt, damit sie uns auch finden, fanden wir zwar gut – aber der Hinweis, dass es vier Tage dauern kann, bis sie uns retten, fand nicht meine Zuneigung. So beschlossen wir, über den Stuart Highway zurück in die Flinders Ranges zu düsen, auf Empfehlung meiner lieben Chefin. Dort sollte es leckere Pies geben. Eine Nacht auf bekanntem Campingsplatz in Marla später fuhren wir in Port Augusta ein. Ihr erinnert euch – dieser letzte Fleck Zivilisation auf der Landkarte, der uns am Anfang unserer Reise nicht vom Hocker gehauen hatte. Naja, was soll ich sagen? Ich dachte, wir wären in einem anderen Land angekommen. Grüne Bäume, Fastfoodläden, zwei große Supermärkte, Internet, … wow! Irre! Die Nacht und ein bisschen des nächsten Tages verbrachten wir 40km nördlich von dort, im schönen Quorn. Bereits Filmkulisse für viele ältere Filme, schloss ich dieses Örtchen sofort in mein Herz. Eine Reise durch das Hinterland Australiens ist ein bisschen wie eine Zeitreise ins Europa der 50er und 60er Jahre. Die Zeit ist stehen geblieben. Total niedlich und gemütlich und wunderschön. Die nächste Etappe führte uns weiter in die Flinders Ranges hinein, vorbei an leeren Steppen mit Kängurus, Emus und elend vielen Fliegen (die kriechen einem im Outback überall hin – in Mund, Nase, Ohren und ihr wisst schon) nach Parachilna. Hier sollte es nun die besagten Lieblingspies meiner Chefin geben. Ich hatte noch gefragt, in welchem Laden wir denn gehen müssten und nur ein Lachen geerntet. Der Ort hat 5 Einwohner und einen Pub. Da fiel die Wahl nicht schwer. Leider gabs keine Pies mehr. Und das nach 4.000 gefahrenen Kilometern. Welch Enttäuschung. Entlohnt wurden wir allerdings auf der Fahrt durch die Schlucht nach Blinman, unserem Tagesziel. In der Dämmerung leuchteten die Felsen glutrot und wir sahen die örtliche Sehenswürdigkeit in Massen: Kängurus. Manche von ihnen sollen gelbe Füße haben, aber das können wir nicht bestätigen. Man kommt sich hier nicht selten vor, wie im Zoo. In Blinman war das Hotel ausgebucht (es waren 15 Gäste vor Ort), der Campingplatz kaputt, sodass wir zufällig auf einem so genannten Homestead landeten. Eine Farm hatte im Hinterhof ein paar Hütten und Stellplätze. Wir machten die anstrengende Bekanntschaft mit Michael und Maria aus Adelaide, zwei pensionierten Pädagogen, die ihren Beruf an uns weiter ausübten. Herrje. Wir nehmen an, sie meinten es nur gut. Wir bekamen auch ihren Wein in Stahlbechern aus Syrien, die Michael damals einer Karawane auf einem Kamel hinter der Düne …. Und ihre glaubt ja gar nicht, wie anders der Wein aus diesen Stahlbechern schmeckt, denn da kann er --- Da hörte mein englisches Gehör auf, zu funktionieren und wir mussten ins Bett.
Am nächsten Tag weckte uns ein großer Sandsturm. In ziemlich ekelhaftem Wetter kamen wir nach einer Schafscher-Aktion auf der Farm am nächsten Ziel unserer Reise an: Wilpena Pound. Auch ein altes Gebirge, dass eigentlich eine von Bergen umgebene Hochebene ist. Weil gerade Frühling ist, blühten hier viele schöne bunte Blumen (oder kam es uns nur so vor, nach einer Woche rot und trocken?) und wieder einmal trommelte Torsten zur großen Wanderung, die wir standesgemäß deutlich unter der angegebenen Zeit aber mit einigen Verlusten beendeten. Und dass ich ein bisschen tot war, aber die Reisegruppe sonst total zufrieden.
Auf ging es nach Broken Hill. Irgendwann auf unseren 6.500 gefahrenen Kilometern begannen wir, uns etwas vorzulesen. Mein IPod hat zwar viel Platz, aber irgendwann ist einem auch das zu langweilig. Radio hört hinter Melbourne auf zu existieren. Also lasen wir. Passenderweise ein Buch über Australien, „Frühstück mit Kängurus“. Ich hatte schon ein halbes Jahr daran rumgewerkelt, nun kamen wir gut voran und stellten fest, dass wir eigentlich genau die Reiseroute des Autors befolgten. Wir waren also bestens informiert, als wir in Broken Hill in Mario’s Palace Hotel einfuhren. Dieses Hotel bestand aus mindestens 30 Zimmern, die allesamt aussahen, als würden Erich und Margret gleich aus dem Bett steigen. Welch Freude. Wir waren bis auf den Hausmeister und vier andere die einzigen Gäste im Palast und so kriegten wir am nächsten Morgen auch noch eine Führung durch das Ding. Irre – original 60er Jahre! Selbst das Bier im Kühlschrank der längst geschlossenen Bar sah so aus. Broken Hill liegt auch im Nirgendwo in New South Wales, aber es ist sehr reich, weil es gibt viel Blech dort: Gold, Silber, Kupfer und das ganze Geraffel. So ist das hier – entweder eine Stadt liegt am Wasser oder aber man findet was verbuddelt. Ansonsten keine Stadt. Ich hatte mir ein wenig mehr erwartet, ebenso von der verlassenen Goldgräberstadt Silverton nebendran (in der Mad Max gedreht wurde und der meistfotografierteste Pub Australiens, vermutlich auch der südlichen Hemisphäre, steht), so dass wir dann zügig zum Aufbruch in Richtung Victoria bliesen. Dort folgten wir dem Murray, dem größten Fluss des Landes, der eigentlich auch für einen Großteil der Wasserversorgung zuständig ist. Hier konnten wir nun wirklich gut sehen, was Trockenheit bedeutet, denn als groß möchte ich dieses Rinnsal nicht beschreiben. Nach einer Nacht in
Mildura, einer Fahrt durch das ländlich idyllische Victoria und Boxenstop in der Goldgräberstadt Bendigo stellten wir am nächsten Tag unser Mobil in der heimatlichen Tiefgarage in Melbourne ab. Uff! Zwei Wochen und sechseinhalb tausend Kilometer später hatten wir einen wunderschönen Urlaub im echten Australien verbracht und ich bin froh, diese Eindrücke alle gesammelt zu haben – immerhin besteht Australien eigentlich zu 90% aus Outback mit seinen wenigen, besonderen Bewohnern. Dem Teil des Landes, in dem auf den drei vorhandenen Fernsehkanälen für Euterfett und Landmaschinen geworben wird.
Nach einem gemütlichen Tag in St. Kilda am Strand durfte ich Freitagabend endlich mein Geburtstagsgeschenk einlösen und wir gingen ins Regent Theatre, um uns das Musical Wicked anzuschauen. Diese Hexerei war wirklich bezaubernd. Dankeschön mein Schatz!
Ja und dann war Samstag, Grand Final Day, quasi viktorianischer Feiertag. Und was macht der gemeine Australier dann? Genau, ein Barbecue. Dem schlossen wir uns gerne an und so kam es, dass Torsten seinen ersten Urlaub auf dem Kopf mit einem weiteren australischen Erlebnis beendete – er spielte Footy und grillte. Er machte das so gut, dass man ihn für einen waschechten Australier hielt. Happy team Hawthorn gewann die Footy Saison verdient (find ich) gegen Geelong und nur allzu schnell musste ich Torsten wieder gehen lassen und mich nun auf Cricket und Pferderennen einstellen. Furchtbar, alles. Jasmin und Toby taten ihr bestes, mich am Sonntag auf der Mornington Penninsula am Strand abzulenken und die Arbeit seit gestern tut ihr Übriges.
Was hilft gegen das Nachurlaubsloch? Neue Pläne machen. Und die haben wir schon. Für November, für Weihnachten und das nächste Wochenende.
Eine Sache noch: seit wir wieder da sind, ist alles grün und es blüht und die Sonne scheint und wir haben laue 20-28 Grad. Es wird. Besuchszeit!
Seid alle lieb gegrüßt vom Ende der Welt von eurer Änk.

2 Kommentare:

Der Ranger hat gesagt…

Servus Aenk,

klingt nach einem tollen Road Trip!!! Bin schon auf die Bilder gespannt.
Freut mich zu hoeren, dass auch bei dir endlich der Sommer eingekehrt ist, jetzt koennen wir Suedhemisphaerler auch endlich die Pigmente zuechten:-)
Gruessle ausm Westen
Siemaen

Anonym hat gesagt…

Hallo Anke,

klingt ja klasse was du da so alles treibst ;)

Keep rollin,
Luise