Dienstag, 27. Januar 2009

Mama, Papa, Anke und der australische Nationalfeiertag

Kaum hatte der Alltag mich wieder, kamen auch schon Mama und Papa auf ihrer Rundreise durch den fünften Kontinent in Melbourne an. Sie hatten nun nach den Tropen und einigen haarsträubenden Fahrmanövern in ihrem Allrad Auto („Ich hatte ja ein 4WD gebucht, aber ich wollte den ja nicht gebrauchen!“) den Uluru und das rote Zentrum des Landes besucht und überlebt und waren über Adelaide per Great Ocean Road in die schönste Stadt Australiens gekommen und dabei sogar Koalabären mit Jungem auf dem Rücken gesehen. Wow! Es hatte alles wunderbar geklappt und nun hat sie das gleiche Abenteuerfieber befallen, wie uns alle: Anfangs noch etwas verwundert über meine Idee, eine Rinderfarm im Nirgendwo zu eröffnen, schlug Papa nun vor, er würde sich ums Melken kümmern und Mama würde den Haushalt schmeißen. Papa entdeckte Rei in der Tube und wusch nun seine Wäsche selbst im Fluss. Man nennt sie nun auch Bushman Jürgen und seine Bushtucker Lady Hanna, frisch gebackene Fans des Lebens auf dem Kopf.
In Melbourne wartete ein weiteres Programm auf sie, denn man ist ja nur einmal jung. Nach ausgiebiger Stadterkundung (und dabei besonders des Myer-Ladens mit – wie könnte es anders sein – dem größten Schlussverkauf des Landes…. Kennt ihr meine Eltern, wisst ihr, wie viele Tüten ich abends zu Hause vorfand…. Finanzkrise…. Kennen wir nicht.) lösten sie beide Freitagabend ihre Weihnachtsgeschenke ein und wir gingen zu den Australian Open, dem ersten Tennis Grand Slam des Jahres in der Rod Laver Arena. Wir hatten Glück und sahen zunächst großes Damentennis: Frau Dokovic gegen Frau Wozniacki. Erstere ist Australierin und hatte die Menge hinter sich. Der Saal tobte – jedenfalls zwischen den Spielen. Ansonsten herrscht beim Tennis ja immer Mucksmäuschenstille. Unglaublich, bei so vielen Menschen! Unsere persönliche Stimmung sank ein wenig, als wir nach einer geschlagenen Stunde im Anschluss an das Damenspiel mit zwar Kaltgetränken an den Platz zurückkamen, wir aber feststellen mussten, dass Herr Federer schon im zweiten Satz gegen Herrn Safin vorne lag. Eine schnelle Geschichte, von der sich die Bierausschankdame mal eine Scheibe abschneiden hätte können…. Herr Safin war nicht besonders gut besaitet und so kam es, dass nach einigem Hin- und Hergedresche das Spektakel nach knapp zwei Stunden entschieden war und wir entlassen waren. Ein schöner Abend in schöner Atmosphäre. Ich werde auch mal wieder den Schläger hervorkramen, habe ich mir überlegt…. Irgendwie muss man ja nach Australien zurückkommen!
Am Samstag fuhren wir in das Yarra Valley, das größte Weinanbaugebiet Victorias. Ein bisschen Wein probieren und die Seele baumeln lassen. In Warburton, einem kleinen Nest, machten wir Pause. Hier ist die Welt noch in Ordnung und schlimme Sachen können hier unmöglich passieren. Ich habe mich sehr über die vertrocknete Landschaft erschrocken: nach so viel Regen und grünen Wiesen noch vor vier Wochen ist nun alles verdörrt und wer schon mal in der toskanischen Crete war, der kann sich vorstellen, wie es hier im Moment aussieht. In einigen Wochen beginnt die Weinlese, alles Wasser wird für die Weinreben gespart. Meine Chefin Roz hatte uns zu sich nach Hause eingeladen. Sie wohnt herrlich abgelegen und als wir gerade gemütlich am Grill saßen, flogen zwei Adler ihre Kreise über uns und das Pferd auf der Weide wieherte vor sich hin. Wenn ich da wohnen würde – ich würde gar nicht mehr zur Schicht gehen. Wozu?
Den letzten Urlaubstag in Melbourne verbrachten wir mit der Erkenntnis, dass Mama und Papa mindestens noch eine Woche länger bräuchten, ganz entspannt am Strand auf der Mornington Penninsula. Schneeweißer Sand, türkises Wasser. Ein Sonntag nach Geschmack.
Viel zu schnell ging das Australienabenteuer meiner Eltern zu Ende. Wie schön, dass ihr da gewesen seid. Wo auch immer ich mich hinverkrieche auf dieser Welt – ihr findet mich zum Glück immer wieder! Und das ist doch ein schönes Gefühl.
Nachdem ich sie in die Hände von Virgin Blue gegeben hatte (tatsächlich wurde alles Gepäck eingecheckt, ich wundere mich heute noch…), machte ich mich auf – denn es war australischer Nationalfeiertag. Australia Day! Frohes Fest! Der Grill wurde bei Caro & Bob geheizt und Mengen von Fleisch wanderten über unsere Teller. Man feiert am 26. Januar die Ankunft des ersten Schiffes mit Gefangenen in der Botany Bay von Sydney. Mancher nennt es auch Invasion Day, wohl nicht zu Unrecht. Aber die Gelegenheit zum freien Tag ließen wir uns natürlich nicht nehmen. Von den Hügeln Ringwoods aus konnten wir sogar das schöne Feuerwerk in der Stadt verfolgen. Happy Australia Day!
Und nun befinden wir uns mitten in der heißesten Woche Melbournes seit 100 Jahren: eine Woche über 41 Grad. Endlich! Nach dem kältesten und nassestem Winter nun also das. Man munkelt, es sei mit Strom- und weiteren Zugausfällen zu rechnen, bei den Australian Open hat heute der Titelverteidiger wegen Hitzschlag aufgegeben. Beim Schwimmengehen vernimmt man ein leichtes Zischen beim Eintritt in das kühle Nass - ob die wohl das Wasser kühlen? Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, wie ich nächste Woche in meinem Wintermantel durch die deutschen Lande reisen soll. Wir werden sehen.

Heiße Grüße vom Balkon von Tochter Anke.

1 Kommentar:

Der Ranger hat gesagt…

Mensch Aenk, dat klingt alles net schlecht, wa! Bin kommende Woche auch in Dtld unterwegs. Wann treibst du dich denn in Erl rum? Ich flieg morgen abend schon ab.
Gruessle gen Osten
Der Ranger