Montag, 4. August 2008

Money makes the world go round…

… in Sydney!
Nach drei Wochen im mittlerweile fast heimischen Melbourne war es Freitag mal wieder Zeit, die Koffer zu packen und das Land zu erkunden. Dieses Mal stand die größte Stadt des Kontinents auf dem Kalender: ein Besuch bei Ramönchen (ihr erinnert euch – sie war bereits in der Geschichte mit der Great Ocean Road im Juni in der Besetzung dabei) in Sydney.
Nach freitäglichen Umzugsaktionen mit Antonia ging es abends mal wieder quatti quatti nach Tullamarine Airport, meinem Zweitwohnsitz. Mit ein wenig Verspätung hoben wir ab, mitten in die winterlichen Windböen hinein. Hui! Eine ruckelige Angelegenheit – mehrere Landeanflüge später befand ich mich in Sydney. Endlich Sydney! So viel hatte ich schon gehört, ich war gespannt.
In Central wurde ich von einem bekannten Gesicht begrüßt – Ramona! Cheerio! Die Zugfahrt nach North Sydney (McMahon’s Point direkt am Hafen) zu ihrer Wohnung war schon mal viel versprechend: man fährt über die berühmte Harbour Bridge, mit Blick auf das CBD der Stadt sowie auf, wie könnte es anders sein, das wohl meist fotografierteste Gebäude des Landes: das Opernhaus. Wow! Ich war ein wenig uppjerescht! Aber es kam noch viel besser. Nachdem wir die Sicherheitsschleusen von Ramonas Wohnanlage erfolgreich passiert hatten, hab ich nicht schlecht gestaunt und zweimal hinschauen müssen. Die Dame hat einen Ausblick wie auf einem Poster: von ihrem Balkon hat man freie Sicht auf einer der schönsten Skylines der Welt. Ihre Wohnung befindet sich nämlich nur 500m von der Brücke, dem Hafen, dem Opernhaus und allem anderen Gedöns entfernt. Für mich hätte also ein Stuhl auf dem Balkon für das Wochenende schon gereicht und ich wäre vollstens zufrieden gewesen. Aber ich hatte ein all inclusive Programm bei Reisebüro Franke gebucht. Zunächst einmal gab es aber viel zu erzählen, denn seit dem letzten Mal waren ja auch schon wieder fast acht Wochen vergangen (verrückt). Schnell war es schon wieder früh am morgen und wir fielen ins Bettchen. Ausschlafen war in meinem Angebot nicht inbegriffen, dafür aber ein super australisches Frühstück und strahlender Sonnenschein. Nachdem ich die ersten 50 Bilder vom Balkon aus geschossen hatte (die Brücke und die Oper waren auch am nächsten Morgen noch da), waren wir abreisefertig. Es ging zu Fuß durch North Sydney und Kirribilli (Kaffeestop) über die Harbour Bridge. Damit Torsten auch stolz sein kann, bin ich sogar freiwillig auf den einen Turm geklettert – was eine Sicht. Herrlich! Die Brücke war damals (1932) die längste Einbogenbrücke der Welt (oder der südlichen Hemisphäre, man weiß es nicht) und wurde bis 1988 abbezahlt. Teurer Spaß, aber steht ja auch nicht umsonst in Sydney. Im Volksmund auch wegen ihrer Form Kleiderbügel genannt. Dann weiter durch das älteste Stadtviertel „The Rocks“ – hier hat der alte Captain Arthur Phillip die erste britische Siedlung in Australien begründet. Damals. Heute wieder nach äußerst verruchter und pestiger Vergangenheit hübsch hergerichtet, kann man hier wunderbar Kaffee und Bierchen trinken und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Aber auch nur kurz, denn das Opernhaus wartet. Vorher noch kurz dem Techno Aborigine am Circular Quay guten Tag gesagt und den Fährverkehr im Hafen bestaunt. Die Fähren gehören genauso zum ÖPNV wie Bus und Bahn. Wie gerne würde ich morgens mit dem Schiff zur Arbeit fahren! Die Oper bot natürlich genügend Ansichten für die nächsten 100 Fotos, aus allen Winkeln und mit einigen Verrenkungen. Bei der Budgetplanung dieses Bauwerks brauch ich mir bei Siemens nie wieder Gedanken machen ob der Akkuratheit meiner Zahlen: geplant mit ungefähr 10 Millionen australischen Dollar, gebaut mit ungefähr 102 Millionen australischen Dollar. Und das hatte nix mit Inflation oder Wechselkurs zu tun (als Kauffrau ja immer eine gute Ausrede). Der ursprüngliche Architekt aus Dänemark wurde auf der Hälfte des Projektes entlassen und des Landes verwiesen. Nach 16 Jahren war das Veranstaltungszentrum 1973 fertig. Die Form kann man mit vielen Ausdrücken beschreiben – gepellte Orange find ich lustig. Haifischzahn, Narrenkappe, Segel – ist alles drin. Wir waren nicht richtig drin, denn etwas musste ich mir ja auch noch für die nächsten Besuche sparen. Aber die Klos waren luxuriös. Sydney eben.
Außerdem – Zeit ist Geld. Weiter im Sauseschritt durch Downtown Sydney, ein wenig Shopping im Queen Victoria Building und dann per Zug und Bus nach Bondi Beach, Surfer schauen. Ui! Ui! Schön! Nach leckerem Abendessen mit frischem Meeresgetier haben wir uns ein wenig im Darling Harbour (eine der weiteren Buchten in der Innenstadt) vergnügt. Zuviel vergnügen kann man sich leider nicht, denn wie schon oben erwähnt: money makes the world go round. Dafür waren für den Preis im gemischten Kaltgetränk auch ausreichend Umdrehungen drin, so dass wir nur über Umwege nach Hause gefunden haben.
Ein Wochenende mit Ramona wäre kein richtiges Wochenende, wenn man nicht ein wenig was Extravagantes einschieben würde. Deswegen ging es auch nach einer weiteren kurzen Nacht früh morgens wieder zum Darling Harbour zurück (nur mit Sonnenbrille auszuhalten, sonst war das zu hell…), um uns der Whale watching Tour „The wild thing“ anzuschließen. Ich dachte mir „Ach, papperlapapp. Komme ich nun aus Norddeutschland oder nicht? The wild thing, im Hafen von Sydney, da wird’s wohl nicht schaukeln, wir fahren ja nicht nach Helgoland.“ Ich möchte an dieser Stelle nicht weiter auf die Fahrt an sich eingehen. Der Steuermann des 20 Mannbootes war bestimmt auch in der Bar am Vorabend gewesen und ich weiß jetzt auch, dass unmittelbar vor der Hafeneinfahrt von Sydney im offenen Meer die Wellen zwei bis drei Meter hoch sind. Was am Anfang noch von jedem mit Hurra und Jippiie beschrieen wurde, wurde dann auch nach eineinhalb Stunden zur leichten Qual, ich habe auch schön den letzten Drink vom Abend zuvor verflucht. Ramona schuldet der Firma Dramamine einen Dankesbrief, denn die Drogen haben sie diese Fahrt überleben lassen. Aber was tut man nicht alles für die Wale, die wir ja nun doch schon seit einiger Zeit suchen (da war sie wieder, die Wildlife Watchlist, ein wenig verstaubt aber nun um einige Punkte abgearbeitet...). Und tatsächlich haben wir Southern Right Whales zu Gesicht bekommen. Zweimal mit der Flosse gewinkt und ein bisschen geplanscht. Leider ist davon noch kein Foto in meinen Einflussbereich gelangt, sobald das der Fall ist, reiche ich es nach. Alles in allem war der Spuk schnell wieder vorbei, aber es war trotzdem majestätisch. Auf dem Rückweg konnten einige sich übergebende Muttis den Steuermann Andrew überzeugen, vielleicht nicht frontal in die Wellen mit der Schaluppe zu fahren. Ein paar Delphine und Pelikane haben die Fahrt an der schönen Steilküste zurück in den Hafen begleitet. Herrlich! Der Hafen von Sydney ist riesig und zieht sich weit ins Landesinnere hinein, so dass man ihn eigentlich von fast überall in der Stadt sehen kann. Wunderschön! Mit festem Boden unter den Füßen gabs eine Pause in der Sonne, das bunte Treiben im Darling Harbour beobachten. Ich freue mich, wenn wir an Silvester mitte Familie genau hier residieren. 1A! Den Sonntag haben wir dann in Manly Beach ausklingen lassen, einem der bekanntesten Surferstrände an der nördlichen Hafenausfahrt. Ein wenig Shopping und schon musste ich meinen Koffer schnappen und den Flieger gen Melbourne erwischen. Auf dem Flug hab ich dann noch Tobi aus Kirchdorf bei Barsinghausen getroffen, wir saßen zufällig nebeneinander. In Gehrden geboren und in Hannover studiert – mit Erstaunen muss man doch immer wieder feststellen, dass die Welt klein ist… auch hier.
Es war ein wunderschönes wackeliges Wochenende in der großen tollen Stadt Sydney, mit Traumwetter und einer wunderbaren Reiseleiterin der Frankegruppe – vielen Dank noch mal dafür an Ramönchen! Jetzt muss ich sie nur noch überzeugen, mir ihre Wohnung für Silvester zu überlassen… mal sehen. Jedenfalls freue ich mich auf weitere Besuche in der heimlichen Hauptstadt mit den vielen schicken Leuten, die ihre Sonnenbrillen spazieren fuehren – wenn mein Konto wieder Luft hat.
Nun fragt man sich: Melbourne oder Sydney, Sydney oder Melbourne? Wenn Sydney die glamouröse Diva ist, dann ist Melbourne die kuschelige Mutti. Und da wohne ich ganz gerne!

Einen Ausblick auf das nächste Wochenende zeigt der Wetterbericht von Canberra im Australian Capital Territory:

Saturday Mostly fine. Min -1 Max 11
Sunday Mostly fine. Min -1 Max 11

Ich sach mal: crispy crispy, wie der Australier sagt. Wenn man das in LEO nachschlägt, gibt es als Übersetzung alles zwischen knusprig und Parmesanhippe. Nächste Woche werde ich also berichten, vom parmesanhippigen Wetter in der Hauptstadt Australiens.
Bis dahin wünsche ich euch eine schöne Woche aus der südlichen Hemisphäre, Eure Änk.

3 Kommentare:

Der Ranger hat gesagt…

Reich & schoen in Australien waere wohl auch ne angemessene Ueberschrift gewesen, oder?;-)
Ein beneidenswertes Wochenende!

Viel Spass beim Frieren kommendes WE, wird mir nicht anders gehen, es geht naemlich in die Berge!

Gruessle gen Osten
Siemaen

Anonym hat gesagt…

Ach Anke, Du warst tatsaechlich wieder schneller als ich! Aber ich hab kraeftig nachgelegt... erstaunlicherweise mit sehr aehnlichem Wortlaut, damit sei auch bewiesen, dass wir das WE wirklich zusammen verbracht haben ;)
J
etzt muss ich erstmal Muetze und Handschuh fuer das naechste WE kaufen. Bereit fuer die Schneeballschlacht???

Der Ranger hat gesagt…

Na wenn du was gegen Zel... brauchst kannst dich am kommenden Wochenende ja mit Schnee einreiben, duerfte auch helfen;-) Oder Urlaub in Asien machen und dich fuer Stunden massieren lassen, das wuerde ich eher machen.
Also, frohes Frieren
Siemaen