An diesem Ort, an dem ich mich nun schon länger befinde, sitzt durchaus der ein oder andere Fußballfan. Nur sieht man diese nicht immer, denn man traut sich ob des Footy-Wahns nicht hevor, sie kommen erst nachts aus ihren Löchern, versammeln sich heimlich vor, nach und während der Sperrstunde in zwielichtigen Spelunken, um dann zum großen Schlussakkord doch laut brüllend auf dem größten Platz der Stadt ihre Sympathien mitzuteilen …09.06.2008 Vorrundenspiel gegen Polen. Das System war noch nicht ausgeklügelt und es musste auf Ersatzberichterstattung zugegriffen werden. Man sehe sich hierzu den Bericht der Great Ocean Road und die entsprechenden Bilder an.
Doch dann hatte das Fieber die Fans gepackt und die Pubs wurden gestürmt.
13.06.2008, 2:45AM* Vorrundenspiel gegen Kroatien, 100 Deutsche und drei Kroaten.
17.06.2008, 4:45AM*: Nerven bewahren und gegen Österreich gleich noch mal ran. Wurde auf dem heimischen Sofa angeschaut. Auf Grund nicht zumutbarer Kleidung gibt’s davon keine Beweisbilder.19.06.2008, 4:45AM*: Dann aber – das Viertelfinale. Gegen Portugal. Mein kroatischer Kollege sagte Böses voraus, wir wurden Gott sei Dank eines Besseren belehrt. Nach Livekommentierung via Torsten und Skype in den ersten 45 Minuten, folgendes Bild im "Mugg Mahons", einziger geöffneter Pub während der zweiten Hälfte:
26.06.2008, 4:45AM*: Halbfinale gegen die Türkei, wir sind dabei. Australische Verstärkung in der Fangemeinde, erste Verluste mussten waagerecht aus dem Pub getragen werden, chaotische Zustände beim Abbruch der Übertragung, Radiokommentierung des Klosetores zum 2:1, pünktlich zum 2:2 wieder on air:.jpg)
Kinders, die Nerven! FINALE!Der Pub überlebte nur knapp, wir ebenso. Erstmal Urlaub in der Stille Kangaroo Islands.
30.06.2008, 4:45AM*: Dieses Mal ganz groß auf dem Federation Square.
Noch einmal, früh aufstehen, in das Zentrum zum CBD eiern, Bier trinken nach dem Zähneputzen, mit einem halben Zacken in der Krone zur Arbeit schüsseln.
Wie brüllte einer der Anwesenden so schön: Jungs, jetzt holt doch mal den Pott nach Hause, Mensch!
Ein nervliches Wrack, traurig um den Pott, aber glücklich, nun wieder beruhigt durchschlafen zu können. Kein schreckhaftes Aufwachen mehr in der Nacht (Hhhh, Paella, verschlafen?!), kein morgendliches Bier mehr (oder aus Gewohnheit noch mal nachts aufstehen, zum Kühlschrank tapern, eins öffnen und wieder ins Bett?) und keine mitleidigen Kollegenblicke mehr ob der tiefer werdenden Ringe unter den Augen.Fazit dieser EM 2008 in Melbourne, Australien: Fußball regiert die Welt.

Auf einmal ist ein Pub in Mitten dieser Riesenstadt voll mit deutschen Fußballfans in voller Montur, australische Kollegen können sich unter Zwang auch mit Fußball anfreunden (auch wenn zu wenige Tore fallen) und es war eine schöne Party, morgens von halb drei bis halb sieben, mit Puls von 0 auf 200. Zum Frühaufsteher bin ich trotzdem nicht geworden und mir ist Kaffee als Erstes morgens immer noch lieber als Bier.
Viva l'Espana, felicitaciones a los torros!
*Gähn
Eure Änk.

1 Kommentar:
Ich kann das nachfühlen, auch meine Augenringe waren tief wie Krater. Und in der Hoffnung, nicht zu verlieren, war der Abend im Biergarten mit den üblichen Verdächtigen mit Flappe unten dennoch schön. Weltmeister ist eh der bessere Titel, gibt ein Sternderl mehr auf dem Shirt in Brusthöhe. ;o)
Augenringewegschminkende Grüße
Uschi, die EM-Süchtige
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