Montag, 23. Juni 2008

Paella und drei Würstchen kleineren Kalibers, nicht?

Nach aufregenden 94 Minuten Deutschland gegen Portugal, erlebt zum Teil per Livekommentierung von Torsten (*dankeschönkuss*), zum Teil im Pub, gings Freitag morgen sofort los zum Flughafen. Im Reisekalender geblättert, damit man auch weiß, wohin es geht: ahja, Adelaide mit Kangaroo Island und Barossa Valley standen zur Erkundung an. Zum ersten Mal sollte ich also Victoria in Richtung South Australia (Westen) per Flugzeug verlassen. Meine Kollegen hatten mich mit genug Warnungen bezüglich der dortigen Mitbewohner ausgestattet. Ich war gespannt.
Dieses Mal bestand die Reisegruppe des weißen Safarimobils mal wieder aus Philipp, Patrick und meiner Wenigkeit. Wir hatten allerdings einen Neueinkauf verpflichtet – Antonia (ihr erinnert euch) hatte sich uns freundlicherweise angeschlossen. Dem weißen Safarimobil haben wir in der Obhut des longterm parkings am Melbourne Tullamarine Airport eine Pause gegönnt.
Noch leicht geplättet vom frühen Aufstehen kamen wir in Adelaide an, um gleich unseren Mietwagen von Tobias bei Europcar in Empfang zu nehmen. Nachdem wir über seinen hässlichen Pulli genug gelästert hatten, fiel uns auf, dass er wohl Deutscher war. Huch. Hat aber tapfer in Englisch durchgehalten.
Auf gings in Richtung Süden, zum Cape Jervis. Unterwegs habe ich die ein oder andere lustige Nachricht von feiernden Fußballfans aus der Heimat bekommen – Stefan, wie war eigentlich der Freitag für dich?
Durch kleine Dörfchen mit lecker Schnabulierereien waren wir pünktlichst an der Fähre nach Kangaroo Island. Man verbrachte die 45 minütige Überfahrt schlafend unter oder über Deck, bei herrlichstem Sonnenschein. Für Robert habe ich während dieser Zeit die Windräder beobachtet – et voilà:
sie stehen still. Mist. Weitere Versuchsreihen werden natürlich folgen. Ebenso wie die Beantwortung der Frage: wird Walzer in Australien eigentlich rechts rum getanzt?

Auf Kangaroo Island haben uns gleich die ersten Robben begrüßt. Die Insel ist die drittgrößte Australiens mit einer ziemlich einzigartigen Natur. Sie hat sich sehr früh vom Festland getrennt und Chlamydien und Gonokokken hat es hier noch nie gegeben, deswegen können alle friedlich blühen und gedeihen.
Nach den ersten Erkundungen sind wir dann bei Einbruch der Dunkelheit mal in Richtung Unterkunft gefahren. Von dem einzigen „Highway“ der Insel gings bei Kilometer 22 ungefähr runter und gefühlt nach einer halben Stunde roter Schotterpiste mit Kängurus und Possums bei Kilometer 24 wieder drauf. Schön, ne. Unsere Cabin lag im Nirgendwo, wenn ich nicht Kängurus um mich rum gehabt hätte, ich hätte gedacht, ich bin in Afrika. Nach ausgiebigem Barbecue, Weinverköstigung und leichtem Verlust der Muttersprache bei einigen Teilnehmern haben wir uns aufgehübscht und sind mal zum Haupthaus der Cabinverwaltung gestiefelt. Wein war auch alle.
Weil es nur sehr wenige Bewohner gibt, es immer noch Nebensaison und fast ein Drittel der Insel Nationalpark ist („Flinders Chase National Park“), herrschte auf der Insel eine wunderbare Stille. Stille? Naja, fast. Bis auf die örtliche Bevölkerung, die nach einem Tag harter Arbeit beim Gum Tree Planting nun ums Feuer stand und sich in Karaoke versuchte. Hat auch fast geklappt. Wir haben Gott sei dank nach Diskussionen über die f***ing Victorians (dafür waren dann die Warnungen gedacht) noch die Kurve gekriegt und sind, geleitet von Vollmond, einem phänomenalen Sternenzelt und Kängurus in unseren Betten gelandet.
Am nächsten Morgen hatte ich eigentlich auf der Veranda eine Tierparade erwartet. Stattdessen gabs erstmal schön Paellas Eier und Speck, ordentlich Tinte auf den Füller.
Es folgte eine Führung an der „Seal Bay“. Hier wohnt die drittgrößte Kolonie von australischen Seelöwen. Das war vielleicht putzig! Damit war das Manko von Phillip Island auch wettgemacht und die Tiere von unserer Liste abgehakt. Für die Mädels: die Weibchen sind 18 Monate schwanger und zwischen der letzten und nächsten Schwangerschaft liegen im Schnitt fünf (5!) Tage. Noch Fragen?
Im Anschluss fanden wir uns in der „Little Sahara“ wieder – 15km Sanddünen erstrecken sich auf der Insel. Dort kann man lustige Sachen machen, z.B. Sandboarden, Schattenspiele spielen oder auch einfach mal die Klappe halten und die Sonne genießen. Ein gewisses Syltflair kommt auf. Die Insel verfügt auch laut Untersuchung von der Sydney Uni (das klingt nach Traumjob) über die schönsten Strände Australiens (vermutlich auch der südlichen Hemisphäre), aber angesichts der Wellen setze ich da keinen Fuß rein, das ist mal amtlich. Ist auch keine DLRG vor Ort. Auf der Suche nach einem Café auf der Insel sind wir ein paar Stunden durch das riesige Hinterland gefahren und dabei fühlten wir uns ein wenig wie im Outback (oder jedenfalls stellten wir uns das so vor). Die Highways dort waren nämlich rote Schlammstraßen. Es gab auch weder eine Überholspur noch einen Beschleunigungsstreifen. Es gab allerdings auch keinen Verkehr, so dass wir dem einzigen entgegenkommenden Auto auch schön ausgiebig gewunken haben. An die Vereinbarung mit Europcar, das Auto nur auf befestigten Straßen zu fahren, konnten wir uns unmöglich halten. Wir hätten fliegen müssen. Eine toskanische Schotterpiste a lá strada bianca ist ein Kinderspiel gegen den roten Schlamm Australiens. Jedenfalls was das Waschen angeht.
Aber man konnte in jedem Fall sehen, woher die Insel ihren Namen hat – leider liegen viele der Namensgeber mausetot am Straßenrand … (Ich stelle mir lieber vor, die Tiere würden dort schlafen.) Es ist sehr gefährlich in der Dämmerung zu fahren, denn dann sind sie sehr aktiv und sauschnell. Manch einer denkt auch bei der Inselüberquerung Schaf=Känguru, aber weit gefehlt.
Weitere Highlights des Tages waren die „Remarkable Rocks“ im Flinders Chase National Park. Von weitem nichts weiter als eine Ansammlung von einigen Steinen weit oben über dem Meer, sehen sie aus der Nähe betrachtet aus wie aus einem Dalí Gemälde. Der Wind mit dem Salz und dem Wasser (die Wellen kommen bis da hoch!) haben das Gestein so zugerichtet. Ein dankbares Fotomotiv…
Die letzte Station auf der Insel war dann, pünktlich zum Sonnenuntergang der „Admirals Arch“, eine Art Höhle, vom Ozean geschaffen, in der sich ersten die riesigen Wellen ordentlich krachend brechen und zweitens auch die neuseeländischen Seelöwen ihr Zuhause haben. Diese Kiwis wollen nix mit den Aussies zu tun haben. Ich muss leider sagen, dass diese speziellen Kollegen verdammt noch mal stinken. Hauptsache, das ist man kein generelles Zeichen.
Die Insel war dann doch noch größer als gedacht und nach 100km Fahrt über den befestigten Highway waren wir gerade so pünktlich zur Abfahrt der Fähre zurück in Penneshaw. Am Festland gings dann im Sauseschritt weiter in Richtung Hungry Jacks, durch Adelaide durch und in Richtung Norden in Australiens größtes Weinanbaugebiet – das „Barossa Valley“. Deutsche Siedlungen noch und nöcher, nicht. Nachdem wir auch in dichtestem Nebel unsere Unterkunft in einem kleinen cottage in einem Weinberg gefunden hatten, haben wir den Tag gemütlich mit einem Weinchen vor dem angeheizten Kamin ausklingen lassen. Für die weiteren Gäste des Hauses war die Nacht weniger geruhsam: weil die Mutti nicht da war, haben wir nicht den Eingang gefunden. Wir haben dann mal jede Tür probiert und auf einmal stand Paella (aka Antonia) mitten bei ihmchens im Schlafzimmer. Ähhh. G'day, mates…
Ausschlafen war mal fällig und deswegen haben wir den kleinen Örtchen des Tales sowie den Winzereien erst gegen Mittag Besuche abgestattet. Das war alles sehr entspannt und wir haben den ein oder anderen Tropfen probiert. In jedem Fall aber auch den Käse dazu, der war nämlich Gouda und hinterher auch nicht mehr vorhanden. Lustig und beschwingt sind wir dann am Sonntag abend wieder in Melbourne gelandet, um dort zu erfahren, dass es sechs (6) Grad kalt ist. Brrr. Seit Samstag werden zwar die Tage wieder länger, aber meine Chefin hat mir heute alle Illusionen genommen – wir sind jetzt bei der Hälfte des Winters. Dauert noch.
Leider ging diese schöne Reise viel zu schnell vorbei, hätte auch noch ein wenig länger dauern können - lustig wars!

Cheers, Eure Änk.

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Glück Auf,

Freitag war alles einwandfrei im grün-blauen Bereich :-)

Habe die Kollegen schon mal auf Donnerstag vorbereitet. Bei Sieg kommt nicht nur das Radio-Gong-Deutschland-SChweißband mit zur Arbeit ;-o

Gut geh'n - yalla yalla,
Stefan

Anonym hat gesagt…

Da hat der Kollege mal sein Wort gehalten und ist heute im Gerry T-Shirt angetanzt. Weltklasse!
Was kommt Montag?

Grüßle,
Julia

Änk hat gesagt…

Also mein Trikot haengt hier auch am Tisch, is nur mittlerweile ganz schoen besudelt vonne Pubs. Montag wird die volle Montur angezogen, das ist Pflicht.
FINALE!

Der Ranger hat gesagt…

HI Aenk,

also beschweren kannst du dich ja auch nicht gerade:-) Und ich moechte es mal so ausdruecken, konzentriert arbeiten geht schon, ich sehe Urlaubsplanung aber auch als Arbeit an...;-)

Lass dir das Bierchen am Montag frueh wieder schmecken.

Cheers
Simon