Montag, 9. Juni 2008

Bei Gott braucht man keine Kundenkarten

Uff. Nachdem nun der Geburtstag der Queen vorbei ist, bin ich ganz schön geschafft. Das war ein ereignisreiches und schön langes Wochenende, an dem ich das erste Mal in Richtung Westen aus Melbourne herausgefahren bin – auf der Great Ocean Road, eine der laut Reiseführer schönsten Küstenstraßen dieser Erde. Wollten wir doch mal sehen, ob das gegen die Nord- und Ostsee anstinken kann, nech.
Am Freitag abend gings schon los – nachdem ich Patrick und Philipp in der Stadt mit dem weißen Safarimobil aufgegabelt hatte, sind wir auch Umwegen und gefühlten 3450987 Kreisverkehren bei Kai angekommen, im schönen Point Cook, in Richtung Westen aus Melbourne hinaus, fast am Anfang der Great Ocean Road. Kai hat seinen Abschied gegeben, da er nun zu seiner Rundreise auf dem roten Kontinent aufbricht. Cheers, mate!
Nach einer kurzen Nachtruhe in dem riiiiesigen Haus seiner Gastfamilie haben wir dann am Samstag früh (und wenn ich früh sage, dann meine ich früh) Ramona aus Sydney am Flughafen eingesammelt. Ramönchen ist auch eine reiselustige Informandin aus dem Jahrgang 01/08. Man nennt sie auch „Die Frau mit dem Lonely Planet“, denn der ist wirklich immer an Frau. :-)
Dann gings standesgemäß mit einem Frühstück bei Mc Donalds los, bevor wir in Torquay, DER Surferstadt schlechthin (und das gilt dieses Mal für die nördliche und südliche Hemisphäre) erstmal Surf City leergeshoppt haben. Aus diesem Ort kommen sämtliche Surfmarken – Billabong, Rip Curl, Roxy und wie sie alle heißen. Weltcups im Surfen finden hier auch jährlich statt.
Bevor wir also auch nur eine müde Welle gesehen hatten, waren wir schon mal um einige Utensilien reicher – und unsere Geldbeutel mal wieder viel zu leicht. Am Strand von Torquay haben wir dann den Fast- und Voll-Profis bei der berühmten australischen Sportart zugeschaut und uns irgendwie dann doch noch Ausreden einfallen lassen, warum wir nun nicht bei diesen tollen Wellen und strahlendem Sonnenschein diesen Sport ausprobieren…. Klingt komisch, ist aber so. Wir habens geschafft und sind dann also mal los – immerhin wartete die Great Ocean Road auf uns! Diese ist eigentlich gar nicht so lang, nur 285km. Da man aber im Schnitt nicht schneller als 40km/h fährt, kann das ganz schön dauern. Es gab aber auch hinter jeder Kurve etwas Neues zu entdecken und Viewing Point gabs wie Sand am Meer. Der erste Teil geht direkt am Meer entlang, es ist eine ziemlich raue Küste. Zwischendurch gibt’s kleine Fischerdörfer, in denen man dann gemütlich am Ofen Pizza isst oder heißen Kakao trinkt, oder Leuchttürme, deren Einsamkeit man genießen kann. Auf einem Golfplatz haben wir die dortigen Bewohner mal aus der Nähe angesehen – es handelte sich um eine ziemlich große Kängurufamilie, die da als Golfboys arbeitet und ihre Beutel mit Golfbällen füllt :-) was für lustige Tiere!
Am Samstag sind wir wegen des gemütlichen Tempos nur bis Apollo Bay gekommen, dort hatten wir uns in eine 4 Sterne deluxe Jugendherberge eingemietet, Family Suite, versteht sich. Nach einem kurzen Imbiss hats dann auch nur noch für eine Runde Karten am Ofen gereicht, bevor wir allemann (noch erschöpft von entweder Anreise oder aber von der rauschenden Party am Vorabend) wie Steine ins Bett fielen.
Am nächsten Morgen war wieder mal frühe Abfahrt angesagt (*gähn*), die Hauptattraktionen der Route standen schließlich an. Zunächst einmal natürlich ein australisches Frühstück – bacon, toast and eggs. Yammi. Dann war das erste Ziel Cape Otway National Park. Diese Landspitze besitzt erstens einen Leuchtturm (Kriterium 1) und zweitens gibt’s da Koalas noch und nöcher (Kriterium 2). Ihr erinnert euch vielleicht an die Wildlife Liste für dieses Wochenende… also, wir wurden begrüßt von einem Wallaby (kleines, dickes Känguru), was ausnahmsweise direkt an der Straße stand. Dann folgten Mengen von Koalas, die wie immer träge und faul in den Bäumen hingen. *schnarch*. Der Leuchtturm selber wurde natürlich bestiegen, um die tolle Aussicht bei schon wieder strahlendem Sonnenschein zu genießen. Dank der Nebensaison waren wir fast alleine dort (wie eigentlich an fast allen anderen Plätzen auch). Aber, keine Zeit. Weiter geht’s. Nun folgte das schönste und eindrucksvollste Stück dieser Straße – die 12 Apostel. Ein paar Details dazu: es sind nicht 12. Es sind nur 7. Es waren mal 8, aber vor ein paar Jahren ist einer eingekracht. Die Küste besteht aus weichem Sandstein, so dass das ziemlich schnell auswäscht. Sie hießen früher auch „Sau mit 7 Ferkeln“, aber man hat sie wegen der Touristen umbenannt. Aha. Wer die „lange Anna“ bei Helgoland kennt, der stelle sich das Ganze jetzt in gelb und 7-fach vor – und bitteschön:
Zusammen mit dem extrem klaren, kalten grün-blauen Meer und der Sonne war das schon ein sehr sehr schöner Anblick. Kurz entschlossen haben wir dann ganz dekadent einen Hubschrauberrundflug über die ganze Chose gebucht und uns das mal von oben angeschaut. So:
Das war toll! Ich bin noch nie in einem Hubschrauber geflogen! Knatterteil.
Noch ganz mitgenommen von den Eindrücken gings aber gleich weiter, zu den nächsten bekannten Formationen, die das Meer hier im Laufe der Zeiten noch so geschaffen hat. Die „London Bridge“ zum Beispiel, die mal mit dem Festland verbunden war und dann teilweise eingekracht ist (zu dem Zeitpunkt waren zwei Touristen da drauf – was die wohl gedacht haben? - „Ich wars nicht?“), „Thunder Hole“, in dem die Wellen einen Lärm veranstalten, wie bei einem Gewitter und unzählige viele kleine Grotten, Buchten und Strände. Nebenbei gabs immer wieder Geschichten von gesunkenen Schiffen und in den Buchten angespülten Passagieren, denn die Küste heißt auch „Shipwreck Coast“, weil ungefähr 80 Schiffe in diesem Abschnitt im Laufe der Jahre gekentert sind.
Pünktlich zum Sonnenuntergang waren wir dann in der „Bay of Islands“, auch hier dank der Nebensaison wieder ganz allein. Einfach wunderschön. Es fehlte mir eigentlich nur meine bessere Hälfte... :-(
Und schwups waren wir auch schon am Ende der Great Ocean Road angelangt – die Nacht haben wir in Warrnamboul (wenn man das ausspricht, dann klingt das wie „warm am Pool“, das wars aber definitiv nicht) verbracht. Nach einem sehr sehr leckeren Abendessen haben wir noch die Fußballnacht organisiert. Bier und Wein standen bereit, die Trikots und Fahnen waren gewaschen. Nachdem ja niemand das Spiel unserer Jungs gegen die Polen übertragen hat, haben wir Gebrauch von der neuesten Technik gemacht und das Internet des Hostels mit dem I Pod Touch von Philipp angezapft. Test funktionierte 1A. Beruhigt gingen wir erstmal ins Bettchen, denn das Spiel begann um 4:00 früh unserer Zeit. Ich habs natürlich sowieso verpennt. Ich hab nur mitgekriegt, wie Mann ab und zu ins Zimmer lief und wieder weg und sich dann plötzlich ganz heimlich, still und leise in die Kojen rollte. Huch, hab ich gedacht. Was nu? Auf Nachfrage, ob Sieg oder Niederlage, hörte ich nur ein grummeliges „Wissen wir nicht“. Oha. Die Hausherrin im Hostel hatte uns Internet für 3 Stunden vertickt und nachdem wir den Test um ungefähr 23:00 Uhr gemacht hatten, war die Zeit danach einfach weitergelaufen. Da war dann auch mal ganz schnell Schluss mit no worries. Das ist nun nicht lustig. Im Radiosender SBS gabs die Berichte über das Spiel nur nach Kriegsmeldungen aus Afghanistan. Äh. Wir haben dann einen SMS Liveticker von Freunden in Anspruch genommen. Die Laune der männlichen Reiseteilnehmer war natürlich dementsprechend heute…. Aber wir haben den Sieg natürlich heute trotzdem gefeiert! Das nächste Spiel werden wir dann aber auch wirklich anschauen. Gott sei Dank ist am nächsten Tag casual Friday…
Wenn ihr noch mal kurz die Wildlife Liste Revue passieren lasst, dann stand da noch ein völlig neues Tier mit drauf – die Southern Right Whales! Noch nie hab ich Wale gesehen und für heute stand das an. In Warrnamboul ist DER Whalewatching Spot Australiens und die Saison ist von Mai bis September. Die Wale kommen aus der Antarktis und bekommen vor der Küste Südaustraliens ihren Nachwuchs. In der Bucht von Warrnamboul hält sich immer Wilma auf, ein Walweibchen mit kaputter Flosse. Leider hatte Wilma heute keine Lust, uns ihre kaputte Flosse zu zeigen – sie hat nämlich gestern Nachwuchs bekommen. Vermutlich war sie völlig fix und alle, denn so ein Kalb ist drei (3) bis vier (4) Meter lang! Und das alles im kalten Wasser. Brrr. Schade für uns, schön für Wilma.
Aber auch hier kann uns unser nächster Trip neuen Mut machen – bei Adeleide und Kangaroo Island gibt’s auch Wale. Neuer Versuch, neues Glück!
Zum Abschluss haben wir heute noch ein paar Emus gesehen und den verregneten Feiertag nach einer Fahrt durch das skurrile und einsame Hinterland Victorias bei einer weiteren ausgedehnten Shopping Tour inkl. heißer Chilischokolade in Surf City ausklingen lassen.
Bei der Einfahrt auf den dortigen Parkplatz hab ich dann auch mal meine Linksverkehrkenntnisse bewiesen, in dem ich volle Kanne auf der rechten Spur eingebogen bin. Ich glaub, die anderen Autos auf der Spur haben sich mindestens genauso erschrocken, wie wir und haben mich fix durchgelassen auf die andere Seite. Huch! Abbiegen und Verkehrsinseln sind aber auch komisch! Für solche Leute wie mich gelten dann auch die Schilder auf der Great Ocean Road….
Dann war es auch Zeit, Ramönchen nach diversen weiteren Reiseplanungen am Flughafen abzuliefern und gen Melbourne zu düsen.
Was für ein entspanntes, lustiges und schönes Wochenende – die Strände und die Landschaft samt Bewohnern und Besuchern sind wirklich einzigartig.
Nun muss ich erstmal ins Bett steigen, denn auch wir müssen hier morgen wieder schaffen. Brr. Ich wünsche eine entspannte Woche aus Down Under, dem Land der Fish and Chips!

Cheers, Eure Änk

3 Kommentare:

Der Ranger hat gesagt…

Moning, Moning Aenk,

ich seh schon, die suedliche Hemisphaere laesst sich's halt gut gehen:-)
Mein Chef hat heute erst zu mir gesagt (nach einem sehr "interessanten" Meeting: You see, we are crazy here!" Meine Antwort: "Yes, you drive left!" Das erklaert ja wohl alles.
Hast jetzt eigentlich vor mal die 10.000km rueberzujetten?

Gruessle
der Ranger

Anonym hat gesagt…

Hi liebste Kollegin,
das ist so schön was Du da schreibst! Freu mich auf unsere nächste Skyperei!

Fühl Dich gedrückt!
Die Uschi

Anonym hat gesagt…

sieben oder acht Apostel, das ist hier die Frage! Meine Reisebibel schlaegt einfach mal 8 vor, aber vielleicht haben die ja den letzten Zusammenbruch verpasst.

Hauptsache das weisse Safarimobil faehrt wieder, das sind doch die wichtigen Dinge im Leben!