Montag, 11. August 2008

Warum fuhren wir nach Canberra?

Stellt Euch vor, ihr hättet in München oder Berlin oder Frankfurt oder Köln oder Hannover oder Bremen oder Hamburg gewohnt – und dann wäret ihr nach Bonn in die Bundeshauptstadt gefahren. Zwei Gleise auf dem Hauptbahnhof, Flughafen geteilt mit Köln.
Und jetzt wisst Ihr eigentlich auch schon alles über mein letztes Wochenende in Canberra, der Hauptstadt Australiens.
Denn nach einem Besuch auf dem Melbourne International Film Festival am Freitag ging es Samstag in aller Herrgottsfrühe mal wieder zum Flughafen (böse Zungen behaupten, ich würde mich in Melbourne eigentlich nur in Tullamarine auskennen, aber das ist völlig falsch…. Ich kenne nämlich auch noch das wunderschön gelegene Bayswater von meiner allmorgendlichen Reise. Aber das ist eine andere Geschichte.), um eine knappe Stunde später im kalten Canberra zu landen (5 Grad, Schneeregen). Um mich rum viele Skifahrer in voller Montur und Ramona aus Sydney, meine ständige Reisebegleiterin. Man hatte am Flughafen die Wahl zwischen Ski- und Surfbus, wir haben dann doch ein Taxi genommen. Wer will schon in Australien Ski fahren und wer will schon bei 5 Grad surfen (und wo…)?? Verrückt. Also ich sag mal, wir haben schön langsam gemacht und in aller Ruhe die komplette Fahnenparade aller Länder am Ufer des künstlich angelegten Sees der Stadt begutachtet (man glaubt nicht, wie interessant Fahnen sein können), waren in der Nationalgalerie, im Gerichtshof, der Zeltvertretung der Aborigines, im alten sowie neuen Parlamentsgebäude sowie im Botschaftsviertel, wo wir nach Monaten mal wieder Fuß auf halbwegs deutschen Boden setzen konnten, haben viel Pause gemacht, viel Kaffee getrunken, mal geschlafen, … endlich war Abendprogramm angesagt, schließlich sind von den 300.000 Bewohnern ungefähr die Hälfte Studenten. Aber wo waren eigentlich die Bewohner im Allgemeinen? Im Reiseführer stand: dieser Ort fühlt sich nicht überlaufen an, weil ist alles weitläufig geplant. Das stimmt, meine Füße haben auch gequalmt, aber der gemeine Canberrianer ist auch an sich recht scheu und eher selten zu sehen. Merkwürdig. Jedenfalls endete das abendliche Vergnügen aber auch schnell nach Pizza und Weingenuss und halb elf war auch Schicht im Schacht in der australischen Hauptstadt. Aber man wird ja auch nicht jünger. Deswegen endlich ausschlafen am Sonntagmorgen, um dann um den See Burley Griffin zu joggen, um die Insel auch noch und dann nach einem ausgiebigem Frühstück noch ein wenig zu shoppen im einzigen Einkaufszentrum der Stadt. Dann mussten wir uns zum Schluss tatsächlich beeilen und mit dem Taxi zur letzten Sehenswürdigkeit fahren – dem Australian War Memorial. Mir ist immer noch nicht ganz klar, wie man als eine der wenige Nationen ohne eigenen Krieg dermaßen stolz sein kann, für andere gekämpft zu haben… Endlich gingen die Flieger zurück nach Sydney und Melbourne – ich freute mich tatsächlich auf das viktorianische Wetter, in der Annahme, mit den üblichen 15 Grad rechnen zu können. Pustekuchen. Seit dem Wochenende sind wir wieder bei 3 Grad und Regen. Und das, obwohl gestern Frühlingsanfang war und die Kirschen und Magnolien blühen. Hier ist alles auf dem Kopf… Woher weiß so eine Kirsche denn, dass sie jetzt blühen muss??
Jedenfalls weiß ich jetzt die ungläubigen Blicke meiner Kollegen zu deuten, als ich das Reiseziel Canberra bekannt gab. Würde ich jetzt nicht für den ottonormalen Australientouristen empfehlen, ich habe selten eine Stadt mit so wenig Charakter gesehen. Trotzdem war es gut, mal das Regierungsviertel gesehen zu haben, immerhin konnten uns einige der netten Mitarbeiter im Parlament das politische System des Landes und seine Geschichte schön erläutern. Oder wusstet ihr, dass die Queen immer noch das Sagen hat als Staatsoberhaupt dieser konstitutionellen Monarchie? Außerdem ist es irgendwie auch schon wieder erstaunlich, dass man diese Stadt komplett im Nirgendwo geplant und gebaut hat, weil man sich zwischen dem wunderbaren Melbourne und aufregenden Sydney nicht einigen konnte und das vor erst ungefähr 100 Jahren! Was für eine junge Nation… Ende gut, alles gut.
Cheers, Eure Änk.

8 Kommentare:

Der Ranger hat gesagt…

Kleine Anmerkung, falls du es in deinem hohen alter schon vergessen haben solltest:
Die Bundeshauptstadt Deutschlands ist ... Berlin!
Ansonsten beneide ich dich nicht, hier wird's langsam waermer bei 20-25 Grad:-) Sonnenbrandgefahr!!!
Gruessle aus Westen
Simaen

Anonym hat gesagt…

Da hat wohl jemand in Geschichte nicht so richtig aufgepasst. Die Bundeshauptstadt ist nämlich Erlangen

Peer Wiefel hat gesagt…

Als Berliner kann ich mich nur enttäuscht von euren Kenntnissen über unser Heimatland zeigen. Nur der Simon hat in der Schulle aufgepasst...

Änk hat gesagt…

Meine Herren, ich darf doch recht bitten. Es handelt sich um einen Vergangenheitsbericht. Ähäm. Viele Grüße in die Welt.

Anonym hat gesagt…

Hatte ich dir nicht gesagt, dass Canberra nicht eine Reise wert ist? ts, aber du musst ja deine eigenen Erfahrungen machen :-)
schönen Feierabend, julchen

Der Ranger hat gesagt…

Maedchen, als Bonn noch Bundeshauptstadt war, da hast du ja noch in die Pampers gemacht!! Wer kann denn ahnen, dass du soweit in der Vergangenheit schwebst;-)
Gruessle
Simaen

Änk hat gesagt…

Ich bin damals schon weit gereist, Simon. Als Norddeutscher ist man ja nicht so grenzgebunden wie manch einer aus Sueddeutschland :-)
Cheers!

Der Ranger hat gesagt…

Ich vergass, die Norddeutschen sind ja schon fast Hollaender und daher dauernd mit ihren Campern unterwegs.
Gruesse an Atze, wa und n schoenes WE! :-)
Simaen