Dienstag, 19. August 2008

Im Westen viel Sonne

Ist ja schon wieder gleich Mitte der Woche und ein neuer Bericht vom Ende der Welt ist fällig. In letzter Zeit passiert aber auch so Einiges. Dieses Mal ging es nach einem wunderschönen mittwochabendlichen Jason Mraz Konzert am Donnerstag nach Perth hin. Es gab sogar eine neue Herausforderung am Tullamarine Airport, denn Tigerair fliegt nicht direkt da ab. Das weiß ich nun auch. In nasser Kälte wurden dann die Turbinen angeworfen und ein gefühltes Nickerchen später landete ich in Western Australia, dem sechsten Bundesstaat meines Aufenthaltes. Nach Taxifahrt fand ich auch die anderen Teilnehmer der Reisegruppe „Go West“ dieses Wochenendes: wie könnte es anders sein – Ramona wartete in Fremantle (ein Vorort von Perth) zusammen mit Jasmin aus Melbourne in Rosie’s Pub auf mich. Dort hatten wir uns eingemietet. Pub war schon zu, meine Äuglein folgten sogleich. Am nächsten Tag wurde ich tatsächlich von einem Sonnenstrahl an der Nase gekitzelt und von leckerem Frühstück geweckt (was sich übrigens auch in den nächsten drei Tagen nicht mehr änderte…). Das nennt man Urlaub, herrlich! Bestens mit Proviant versorgt, gings in unserem roten Flitzer auf die Reise gen Norden – nach Cervantes. Man könnte meinen, das sei spanisch und man sieht vor seinem inneren Auge schon die Tapas und Stierkämpfer, aber wenn man das australisch ausspricht, dann klingt das eher nach einer Kopfschmerztablette: Tzöarvänties. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Please see in store for details. Trotzdem war dieser Ort wunderbar, sofortige Entspannung machte sich breit. Stellt Euch einfach vor, ihr sitzt in einem gemütlichen Café bei lecker Sandwich, es läuft leise Musik und Ihr lasst den Blick über folgenden Strand schweifen: Verstanden? Genau. Ich wollte auch nicht mehr weg. Wir haben noch den örtlichen Surfshop unterstützt und das 20. Paar Badelatschen erstanden, war aber auch Schlussverkauf da. Dieser freundliche Mann reist bei uns auch immer mit. Ich frage mich, wie an diesem wirklichen Ende der Welt ein Surfshop die aktuelle Kollektion an den Mann bringt. Es war jetzt nicht so, als hätten wir morgens vor dem Laden kampiert, um an die Sonderangebote ranzukommen. Am Strand wurden wir Zeuge des örtlichen Alltags. Zwei Fischer bekamen ihr Boot nicht aufs Trockene und versanken mit ihrem Jeep bei Rausziehversuchen immer mehr im Wasser. Die selbsternannte Zweimann-Strandpolizei wartete nur auf ihren Einsatz, so dass sie uns ihren Trecker vorführen konnten. Wir durften auch mitfahren und zusehen, wer der stärkere war. Ui, Jungs, toll gemacht. Was für ein Leben für diese Herren: sie sitzen den ganzen Tag am Strand, gehen ein wenig fischen und ansonsten warten sie bei einem Emu Bierchen darauf, dass sie mit dem Trecker die anderen retten können. Und sind dabei maximalpigmentiert. Aber für Muße hatten wir keine Zeit und so ging es weiter zu der Pinnacles Wüste im Nambung Nationalpark gleich um die Ecke. Dort stehen auf einmal tausende merkwürdige Gesteinsbrocken mitten im Sand, was natürlich besonders in der Nachmittagssonne im warmen Licht stimmungsvoll war. Wie gut, dass der Speicherplatz auf Digitalkamerakarten groß ist….
Zurück in Fremantle („Freo“) gabs ein feines Fischessen beim Italiener und ein noch feineres Eis. Die Stadt ist wirklich einen Besuch wert, überall gibt’s (anscheinend erst nachdem der America’s Cup hier in den 1970er Jahren gehalten wurde) nette Cafés und Bars und kleine Geschäfte…. Denen und dem Markt haben wir am nächsten morgen vor Abfahrt noch einen Besuch abgestattet. Da die Entfernungen in Western Australia (WA) riiiiesig sind (der Staat hat die Größe Indiens bei nur zwei Millionen Einwohnern, oder anders gesagt: er erstreckt sich auf einem Drittel des Kontinents und ist aber nur Heimat von weniger als zehn Prozent der Australier), mussten wir unser Programm ein wenig umstricken. So schafften wir es nicht, dem südlichen Tall Timber Country einen Besuch abzustatten, wo es Bäume gibt, die über 40m hoch sind. Dafür fuhren wir gen Süden an der wunderschönen Westküste Australiens bis nach Bunbury. Und nun haltet Euch fest: ich habe angebadet. Jawohl. Die Badesaison ist damit offiziell eröffnet. Im Moment gibt’s zum Baden noch gratis Antizellulite dazu, aber das kann nie schaden. Ich sag mal, war erfrischend. Aber bei 25-27 Grad Lufttemperatur muss man sich ja irgendwie abkühlen und irgendwann muss ja auch der neue Bikini getauft werden. Am Abend bestaunten wir einen wunderschönen Sonnenuntergang (erstmalig ging für mich in Australien die Sonne über dem Meer unter) bevor Jasmin und ich endlich die leckere Fischspezialität der Gegend probieren konnten: Crayfish. Das sind große Hummer. Dazu frisches Brot. Mmmm!
Und schon war auch Sonntag. Aber bevor es auf den Rückweg ging, gabs noch eine Neuigkeit für die Wildlifewatchlist (Kängurus, Emus und sonstige Tierchen gehören zur Grundausstattung einer jeden Reise). Direkt am Strand von Bunbury schwomm ein Delphin und zwar seelenruhig direkt vor unseren Füßen! Flipper! Einfach schön.
Dann rief uns die einsamste Hauptstadt eines Bundesstaates der Welt (…) zu sich – Perth. Die Sonne scheint hier besonders stark und der Himmel ist noch blauer, weswegen die Hochhäuser noch weißer strahlen. So stehts im Reiseführer. Und ich kann berichten: es kommt einem wirklich so vor. Die Stadt hat mir mit Abstand bisher von allen am Besten gefallen (jetzt wird Antonia wieder böse, wegen Melbourne): von den zwei Millionen Einwohnern des Bundesstaates wohnen hier schon anderthalb, sie sind alle furchtbar entspannt, es gibt schöne Straßen mit alten Gebäuden und einen riesigen Kings Park, der alles überblickt. Und außerdem trifft man bekannte Gesichter, schon bei der Einfahrt: Eva und Sebi waren mit ihrer Vanette mittlerweile aus Melbourne über die Nullabor Plain hier angekommen, so dass wir an der ersten Kreuzung Perths gleich ein Wiedersehen feierten! Irre! Tja und so schön das alles war und so gerne ich zu den beiden in ihr Mobil gestiegen wäre, um mit ihnen zusammen nach Broome an der Westküste nach Norden zu fahren – der Flieger nach Melbourne hob pünktlich um 18:00 Uhr ab. Leider leider leider. In meiner neuen Heimat erwarteten mich gewohnte 7 Grad Celsius und Nieselregen. Es war, als wenn man aus einem Traum aufwacht und das Bett noch kuschelig warm ist. Einziger Sonnenschein: das Corollataxi an der Southern Cross Station, das fährt wirklich zu jeder Tages- und Nachtzeit. Vielen Dank, liebe Paella!
Nun ist auch erstmal genug für den August mit der Reiserei. Jetzt heißt es, sich vorzubereiten auf das Nike Human Race am 31.08.2008: 10km mit Ramona durch Melbourne. Hauptsache, die Strecke ist ausgeschildert…. Hinterher kenn ich mich aus. Hoffentlich.
Mein nächster Besuch am Tullamarine Flughafen wird sein, wenn ich endlich Torsten abholen kann. Juhu, sonnige Aussichten!
Bis dahin, olympische Grüße aus dem Süden, Eure Änk.

PS: Ich moechte mal auf Ramonas Blog verweisen, da findet Ihr die Reisen allesamt aus anderer Sicht sowie weitere Ladungen an wunderschoenen Bildern von der Dame aus Sydney. Viel Spass!
http://ramona-in-sydney.blogspot.com/

1 Kommentar:

Der Ranger hat gesagt…

Hei, die Suedhalbkugel ruled!!! Endlich auch ein bisschen Beachaction bei dir:-) Nur an der eigenen Vollpigmentierung musst noch etwas arbeiten, oder? :-) Bei mir geht's in 10 Tagen auch schon wieder an's Meer, diesmal ne Gruppe von ca. 15 Leuten....
Wann kommt in Melbourne eigentlich der Fruehling?
Gruessle ausm Westen
Simaen