Dienstag, 20. Mai 2008

Das Land, in dem sich Kängurus und Wombats gute Nacht sagen.

Heute an dieser Stelle: die Geschichte von meinem ersten längeren Ausflug in Australien! Zusammen mit Philipp und Patrick, beides Praktikanten im schönen Melbourne, ging es um Samstag in aller Herrgottsfrühe und bei strömendem Regen mit dem weißen Safarimobil los in Richtung Südosten, in den Nationalpark Wilsons Promontory (oder auch Wilson’s Prom, weil man hier einfach alles abkürzt). Erster Stop war dann gleich der Safeway – ohne Proviant ist ein Road Trip doch nur halb so schön. Nach Steaks, Salat, Sandwichtüten und ein wenig Obst musste natürlich auch dem Liquorstore noch ein Besuch abgestattet werden. Nachdem die Frage des Kassierers nach den Ausweisen der beiden Herren für allgemeine Heiterkeit sorgte (angesichts des eigenen Alters des Verkäufers noch viel mehr…) sind wir einfach mal aus dem Laden entschwunden. Nach ca. 5m hörten wir den Kollegen hinterm Tresen etwas lauter rufen – wir hatten im Trubel vergessen, den Kram zu bezahlen. Huch. No worries. Für exorbitant viel Geld haben wir also unsere Abendverköstigung dann noch legal erworben, das „Barbie“ war also bestens vorbereitet.
Pünktlich um 12 und bei mittlerweile strahlendem Sonnenschein waren wir dann bei Karen and Stan, bei denen wir in einem kleinen Häuschen mit Meerblick eine Unterkunft gebucht hatten. Einige G’days, cookies und no worries später hatten wir also unser Zeug reingeschafft und haben uns gleich auf den Weg zum eigentlich Ziel unserer Tour gemacht: dem Park im Allgemeinen und Speziellen. Mit Einfahrt in den Park fing auch gleich ein gewisser psychischer Druck an auf uns zu lasten. Wir drei Australienfrischlinge wollten natürlich möglichst viele der „must have seens“ von unserer Tierliste zu streichen. Angeblich wimmelte es in diesem Nationalpark, der den südlichsten Zipfel des australischen Festlandes darstellt, nur so von Koalas, Kängurus, Emus und Wombats. Von Wallabies ganz zu schweigen… Das bestaetigten auch die Strassenschilder. Wir waren also auf der Suche nach einem Känguru mit Koala im Arm und Wombat im Beutel. Mmm. Ahh! Nach ca. 10 km standen auf einer Lichtung auf einmal zwei Emus. Nahe einer Herzattacke ob dieses ersten Treffers haben wir hektisch ein paar Bilder geschossen, bevor die zwei wieder abzogen. Die sehen vielleicht bekloppt aus, wenn sie laufen. Wackeln mit dem Kopf!
Dann haben wir erstmal unglaublich viele schöne Strände gesehen, an denen sich unglaublich kaltes grün-blaues Wasser in ziemlich hohen Wellen bricht. Auch schön. Aber wo waren bloß die verdammten anderen Viecher? Gehen die denn gar nicht baden? Na gut. Wir machten einen Boxenstop im Tidal River, dem einzigen Ort im Park, um ein paar Fish and Chips zu mampfen. Im Anschluss sind wir mit dem Safarimobil um den örtlichen Campingplatz gecruised (und haben wegen der Kälte Mitleid mit den dort Zeltenden verspürt) und ah! Schon wieder eine beinahe Herzattacke! Ein Wombat! Was für dickes Teil, wie mein Meerschwein Kurt, nur in riiiiesig. Ließ sich auch brav fotografieren. Wie süß! Aber – immer noch nicht die richtig wichtigen Tiere gesehen. Die Laune sank. Kein Känguru, kein Koala. Die nächste Wanderung ging durch den Regenwald (auch in diesem Park, wohl gemerkt). Ständig nur mit dem Kopf nach oben zu laufen, weil Koalas in diesen Gummibäumen in der Krone sitzen sollen, ist ganz schön anstrengend. Derweil verpasst man auch die Schlangen auf dem Boden. Kein Koala, dafür langsam Dunkelheit, so dass wir diesen Ausflug in etwas schnellerem Tempo beenden mussten. Leicht angespannte Stimmung machte sich breit.
In der Dämmerung wachen die Tiere auf und stellen sich den Besuchern auf der Straße einfach in den Weg, sagt der Reiseführer. Wir sind also mit 20kmh durch den Park geschlichen und haben mit Fernlicht jede Lichtung ausgeleuchtet. Man gut, dass wegen der Nebensaison außer uns fast niemand anwesend war. Es gab unendlich viele Wombats, noch mehr Hasen (arme Dinger, die erwähnt hier kein Mensch, sie stehen auf keinem Schild – ob sie schon eine Selbsthilfegruppe gegründet haben? „Hasen auf die Schilder“?) und: ein KÄNGURU! Juhu!!!! Endlich!!!! Wir haben einen Freudentanz um das verdutzte Tier aufgeführt, das dann natürlich lustig weggehüpft ist.
Völlig erschöpft ob dieser vielen Ereignisse haben wir dann den Tag bei einem gepflegten Barbecue bei Stan und Marge (so hieß sie nämlich eigentlich) ausklingen lassen und haben dabei quer Beet das australische Bier probiert. In der Nacht war es in der Hütte gefühlt kälter als draußen, so dass ich auf meinem Sofa ganz schön gefroren hab. Es gab nämlich trotzdem nur eine Wolldecke. Aussies sind irgendwie immun gegen Kälte und laufen auch jetzt noch in kurzen Hosen und mit Flipflops rum. Brrr. Man denkt, man ist am südlichsten Punkt und Süden = warm, aber leider ist hier das Eis näher als man es sich so wünscht….
Am nächsten Morgen erstmal wieder Regen. Sobald wir im Park angekommen waren, schien jedoch die Sonne (soviel zum Thema „four seasons in a day in Victoria“) und dank unserer nächtlichen Erkundung wussten wir nun, auf welchen Lichtungen die hüpfenden Ureinwohner zu finden waren. Da standen sie dann auch in ganzen Familien und hielten Sonntagsbrunch! Unsere Versuche, sich vielleicht hüpfend auf sie zu zu bewegen, um Fotos zu schießen, wurden leider nicht beachtet.
Nachdem wir diesen witzigen Tieren genug zugeschaut hatten, sind wir zu weiteren Stranderkundungen aufgebrochen, zum Schluss noch auf einen „Berg“ geklettert und haben eine atemberaubende Sicht auf die Küste gehabt. Die könnt ihr in den Bildern nachvollziehen. Wahnsinn! Dann wars auch schon an der Zeit, dieses schöne Fleckchen Erde zu verlassen. Einen Leuchtturm zum Sonnenuntergang haben wir leider verpasst, das bleibt auf der Liste für das nächste Mal. Ebenso wie ein Abschiedsessen beim Red Rooster.
Fazit: das weiße Safarimobil ist nun eingefahren und bestens auf Wildlife-Spotting trainiert. Was für ein schönes Wochenende in Down Under – macht Lust auf mehr!
Cheerio, Eure Änk

1 Kommentar:

siobhan hat gesagt…

Ujööö - Das ist doch mal ein schönes Springbild! Hat wahrscheinlich schneller geklappt als damals bei uns in NYC, oder? :o)
mmmh, ich glaube von Australien fehlt uns auch noch eins...
Macht immer wieder Spaß Deine Berichte zu lesen - aber Du fehlst uns ganz schön! Wir trinken morgen nachmittag mal wat Mildes für Dich mit :o) LG! Jo